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Von Krakau nach Lemberg - Eine Reise durch Galizien

Roman mustert unsere Gruppe aufmerksam, lächelt mit einem leicht schnippischen Blick in den Augen: „Wie Sie sehen, meine Damen und Herren, können wir unseren Stadtrundgang ohne Stahlhelme und kugelsichere Westen machen.“ Alle lachen, merken wieder einmal, wie unbegründet ihre Bedenken gegen eine Stippvisite in der Westukraine waren. Um uns herum entfaltet unter blauem Himmel ein ruhiger Samstagnachmittag seinen angenehmen Reiz in der Lemberger Altstadt. Touristen und Einheimische flanieren auf dem Markt, kehren ein in fantasievoll gestaltete Restaurants, Cafés in denen schmackhafter Honigkuchen serviert wird. Das friedliche Lemberg ist ein Touristenmagnet geblieben, nur vierzig Kilometer hinter der polnischen Grenze gelegen, eintausend Kilometer entfernt vom Krieg: von der Krim und vom Donbas.

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Gestern Abend haben wir in der prächtigen Oper eine glanz-und temperamentvolle Aufführung von Georges Bizets Carmen gesehen. Jetzt schlendern wir zusammen mit Roman durch das Stadtzentrum, genieβen und bewundern den Wiener Charme den es ausstrahlt. Lemberg, heute Lviv, war bis 1918 die Hauptstadt der österreichischen Provinz Galizien. Diese „habsburgische Atlantis“ erstreckte sich zwischen Krakau und Lemberg. Bis heute, vor allem dank den Büchern Karl Emil Franzos, Joseph Roth, Bruno Schulz u. v .a. m, beflügelt sie die kollektive Erinnerung der Mitteleuropäer. Diese k. u. k.-Atlantis galt es auf der Reise zu entdecken. Das angenehme Lemberg ist die letzte Station. Acht spannende Tage liegen hinter uns. Zeit für eine erste Bilanz.

Aufgebrochen sind wir ihr in Krakau, der polnischen Königsstadt, in der alles, was für die polnische Geschichte, Tradition und Identität wichtig ist, sich auf engstem Raum zu einem prachtvollen Mosaik verdichtet. Krakau kann man einfach endlos genieβen. Das k. u. k.-Galizien war bitterarm, eine Provinz aus der die Menschen in die ganze Welt aufbrachen, nach Nord-, nach Südamerika und nach Australien vor allem, auf der Suche nach einem besseren Leben. Hamburg und Bremen waren ihre Tore zur Welt, aber bevor sie dorthin durften, muβten sie kurz vor der damaligen deutschen Grenze zwangsweise für Tage, manchmal Monate, Station machen. Die Sammelunterkünfte aus rotem Backstein standen vor den Toren einer kaum bekannten Kleinstadt: Auschwitz. 1940 wurden dort die ersten Häftlinge eingepfercht. Die Suche nach Galizien, auf einem Abstecher aus Krakau, hatte für uns auch diese Facette.

Weiter ging es nach Osten, mit dem Bus entlang der Route der alten Carl-Ludwig-Bahn, die die entlegensten Winkel Galiziens mit Wien und Budapest verband. Es ging in die prächtigen polnischen Adelsschlösser Lancut und Krasiczyn, wo wir angenehm übernachtet haben. In einstige galizische Kleinstädte wie das nette Sanok, wo man niemals ein so interessantes Museum für moderne Kunst erwartet hätte. Ins untergegangene jüdische Galizien auf dessen Spuren wir in Tarnow gewandert haben. Die Festung Przemysl, das Verdun des Ostens während des Ersten Weltkrieges hinterläβt einen bleibenden Eindruck. Schönes, Angenehmes, Fröhliches, manchmal auch Bedrückendes reihte sich auf unserem Weg fast pausenlos aneinander.

Auf dem Rückweg von Lemberg nach Krakau eine gute Dreiviertelstunde des Wartens auf Einreise in die EU. Auβengrenze. Vollbepackte ukrainische Pkw und Busse warten auf der Gegenspur auf den Einlaβ in die Heimat. Die letzten Unschlüssigen aus der Gruppe brechen auf, um im Grenzladen doch noch eine Fläschchen des köstlichen ukrainischen Perzovka-Wodkas zu erwerben. Beim letzten Abendessen im Hotel in Krakau werden wir mit ihm auf die gelungene Reise anstoβen, bevor wir ein letztes Mal zum Flanieren und Einkehren auf dem herrlichen alten Markt aufbrechen.

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