
In der aktuellen Ausgabe der Reiseträume geht es um Picknickkultur in Hannover, um Glamour im Harz und um Inselkunst in Mallorcas Hauptstadt Palma.
von Manuel Maring
Manche Reisen enden nicht mit dem Auspacken des Koffers daheim. Sie bleiben als Foto auf einer Küchenwand, als Anekdote beim Abendessen, als Nährboden für eine Idee, die sich erst Tage später entfaltet. Und vielleicht ist das der schönste Zustand des Reisens: wenn ein Ort nicht nur gefallen hat, sondern noch eine Weile in uns arbeitet.
In diesem Sommer führen die Reiseträume von der Picknickdecke in Hannover bis ins Elsässer Hügelland, von Palmas Kunstszene bis in den stillen Südharz, von den Küsten Costa Ricas bis hin zu Reisen, die nicht nur die Wahrnehmung der Umwelt, sondern auch den Blick auf das eigene Leben verändern.

Hannover, oder: Kultur mit Gras unter den Füßen
Es gibt Städte, die im Sommer geschniegelt wirken, aufgeräumt, aber irgendwie leer. Hannover hingegen wirkt lebendig. Gerade darin liegt sein Reiz. Zwischen Herrenhäuser Gärten, Eilenriede und Maschpark wird Kultur nach draußen getragen: das Leben findet auf Wiesen, Plätzen, an Teichen und unter Bäumen statt. Man sitzt nicht ehrfürchtig in Reihe 14 eines klimatisierten Kinos oder Theaters, sondern mit Brot, Käse und Freunden auf einer Decke und merkt plötzlich, wie gut Hochkultur und Leichtigkeit zusammenpassen.
Das Kleine Fest im Großen Garten ist dafür ein passendes Sinnbild: barocke Kulisse, Kleinkunst, Picknick, Abendlicht. Dazu KunstFestSpiele, Freiluftkino, Klassik Open Air, Fête de la Musique, Poetry im Park. Hannover zeigt, wie offen Stadtleben sein kann, wenn die Stadt ihre Kultur nicht hinter Türen versteckt. Für einen sommerlichen Urlaub in Deutschland ist das nahezu ideal: ein Rhythmus, in dem man sich einfach treiben lassen kann und der zu neuen Entdeckungen anregt.

Palma: die Stadt hinter dem Postkartenblau
Palma hat lange davon gelebt, dass viele nur das Naheliegende bewunderten: Meer, Altstadt, Sonne, Tapas. Das reicht mit Sicherheit für ein paar schöne Tage, aber eben nicht für die ganze Wahrheit hinter der balearischen Vorzeigestadt. Denn zwischen Strandpromenade, Barockpalästen und Kathedrale hat sich inzwischen eine Kunstszene etabliert, die der Stadt eine neue Spannung gibt.
Da ist Es Baluard an der historischen Stadtmauer, da sind die Galerien in Sant Feliu, sakrale Räume mit Gegenwartskunst, Innenhöfe, in denen hinter schweren Türen überraschend viele Eindrücke wartet. Auch La Seu erzählt davon, dass Geschichte und Moderne sich nicht ausschließen müssen. Und weil Palma klug genug ist, Kunst nicht trocken zu präsentieren, geht das alles ziemlich elegant in Tapas, Weinbars, Märkte und Meeresluft über. Wer am Mittelmeer also mehr sucht als einen Strand zum Lesen und ein Glas Sangria in der Sonne, der findet hier eine Stadt für ein paar dichte, schöne Tage.

Costa Rica: unberührte Natur und ungebrochene Haltung
Costa Rica erscheint als Land wie ein Gemälde, voller leuchtender Farben: das Blau des Pazifiks, das Grüne des Regenwalds, das Anthrazit der Vulkane und die unzähligen Nuancen der lokalen Tierwelt. Das alles kann schnell nach Katalog klingen, wäre da nicht dieser zweite, entscheidende Unterton: die Ernsthaftigkeit, mit der Natur hier nicht nur gezeigt, sondern vor allem geschützt wird.
Gerade deshalb eignet sich Costa Rica so wunderbar für eine Rundreise. Die Landschaft wechselt, es gibt viel zu entdecken, die Perspektive auch. Mal geht es durch geschützte Naturräume, zu Flora und Fauna, mal in Regionen, in denen das berühmte „Pura Vida“ tatsächlich den Alltag bestimmt, mal zu regionalen Initiativen, die sich für den Erhalt der Vielfalt einsetzen. Wer Fernreise und Sinn nicht grundsätzlich voneinander trennt, dürfte hier gut aufgehoben sein.

Südharz: wo das Leise glänzt
Der Südharz ist keine Gegend, die laut um Aufmerksamkeit schreit. Vielleicht wirkt sie deshalb so angenehm zugänglich. Wälder, Täler, Fachwerk, ein Städtchen wie Stolberg, das sich mit seinen Gassen fast ein wenig aus der Zeit gelöst hat – das alles besitzt eine stille Form von Schönheit.
Besonders interessant wird die Region dort, wo Natur und Gestaltung zusammenfinden. Schindelbruch und FreiWerk zeigen, dass Gastlichkeit im Harz längst mehr sein kann als Kiefernambiente und Wanderschuhromantik. Das eine ein nachhaltiges Naturresort, das andere ein romantisches Haus über Stolberg – beide mit Sinn für Architektur, Rückzug und kulturelle Details. Für einen nahen Urlaub ist das eine verlockende Option: nicht spektakulär im lauten Sinn, sondern wohltuend präzise und unaufgeregt.
Reisen, die nicht nur den Ort wechseln
Am interessantesten sind oft die Reisen, bei denen das Ziel nicht nur geografischer Natur ist. Unsere Coaching- und Philosophiereisen setzen genau dort an: im Wunsch, den Alltag zu unterbrechen, ohne vor ihm davonzulaufen.
Im Elsass wird Trauer nicht wegmoderiert, sondern behutsam begleitet. Die Toskana wird zur Schule des Sehens. Am Thuner See geht es um den Übergang in den Ruhestand, also um jene große Freiheit, die erst einmal sortiert werden will. In Zauchensee wird im Gehen philosophiert, in München über Heimat, Identität und Zugehörigkeit nachgedacht.
Das Entscheidende ist der Ton dieser Formate: keine Selbstoptimierungsfolklore, kein Coaching zum Selbstzweck. Eher das Gegenteil. Kleine Gruppen, konzentrierte Gespräche, Landschaften, die nicht ablenken, sondern die Gedanken klären. Dabei ist die Gruppenreise keine organisatorische Notwendigkeit, sondern ein gebührender Denkraum auf Zeit.
Auch andere Themen im Programm weisen in diese Richtung: „Longevity“ oder „Dem Verbrechen auf der Spur“ sind dafür gute Beispiele. Hinter beiden Reisen steckt eine schlichte, aber ziemlich zeitgemäße Idee: Dass ein Urlaub heute auch dort beginnen kann, wo einen die Neugier besonders hartnäckig umtreibt.
Und wohin nun?
Wer in diesem Sommer nach einer guten Mischung aus Kultur, Natur und gedanklicher Bewegung sucht, wird hier ziemlich sicher fündig: in Hannover auf der Picknickdecke, in Palma zwischen Kathedrale und Galerie, in Costa Rica zwischen Küste und Regenwald, im Südharz zwischen Wald und Fachwerk oder auf einer Reise, die sich den großen und kleinen Wendepunkten des Lebens widmet.
Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, lohnt sich außerdem ein Blick in die aktuellen ZEIT REISETRÄUME – sie stehen auch zum Download bereit.