Salzburger Festspiele

Salzburger Festspiele

 

Die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele schlug am 22. August 1920, als Hugo von Hofmannsthals Moralität »Jedermann« in der Regie von Max Reinhardt erstmals auf dem Domplatz aufgeführt wurde. Seither etablierten sich die Salzburger Festspiele als eines der bedeutendsten Festivals für Oper, Schauspiel und Konzert weltweit. Die Idee zu den Festspielen war im 1. Weltkrieg herangereift – das Moment der Versöhnung bislang verfeindeter Völker spielte hierfür eine wesentliche Rolle. Die Festspiele sollten jedoch nicht nur Völker miteinander verbinden, sondern auch Tradition und Moderne. Dieser Brückenschlag gelang weitestgehend und funktioniert bis heute! Konservativer Festspielcharakter und künstlerische Innovation in Ästhetik, Thematik und musikalischer/szenische Umsetzung machten und machen den einmaligen Charakter der Salzburger Festspiele aus.

Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt etwa auch Schloss Mirabell mit seinem Mirabellgarten, das Schloss und die Wasserspiele Hellbrunn, die Getreidegasse mit ihrem unverwechselbaren Charme und dem Geburtshaus Mozarts. Man ist nicht nur stolz auf seine Traditionen, zu denen auch die Festspiele gezählt werden, man ist auch stolz auf seinen Unesco-Weltkulturerbe-Status.

Was Sie schon immer über die Salzburger Festspiele wissen wollten

  • 1917 Gründung der »Salzburger Festspielhaus-Gemeinde«
  • 1920-1937 Intendant Max Reinhardt
  • August 1922 Operpremiere unter Richard Strauss
  • 17 verschiedene namhafte Schauspieler
  • 27.061.974,29 € Einnahmen des Kartenverkaufs

Fakten und Wissenswertes

 

27.061.974,29 lautet der Betrag auf Euro und Cent genau, den die Salzburger Festspiele 2016 insgesamt durch den Kartenverkauf eingenommen haben, verteilt auf insgesamt 14 Spielstätten, mit 192 Vorstellungen bei 41 Spieltagen. 259 018 Besucher aus insgesamt 81 Ländern, davon 41 außereuropäischen, zählten die Festspiele 2016. Akkreditiert hatten sich 677 Journalisten, sie kamen ebenfalls aus 81 Ländern.

 

In Anlehnung an die Ende des 19. Jahrhunderts formulierte Idee, in Salzburg regelmäßig Mozart-Festspiele zu veranstalten, wurde 1917 in Wien (!) der Verein »Salzburger Festspielhaus-Gemeinde« gegründet, mit dessen Hilfe die Mittel für den Bau eines Festspielhauses aufgebracht werden sollten. Auch andere hatten inzwischen die Idee, in Salzburg Festspiele zu veranstalten, aufgegriffen, so etwa der Dichter Hermann Bahr. Max Reinhardt, der am Salzburger Stadttheater (heute: Landestheater) seine Karriere als Schauspieler begonnen und 1918 Schloss Leopoldskron erworben hatte, unterbreitete 1917 in Wien eine entsprechende Denkschrift zur Errichtung eines Festspielhauses in Hellbrunn. Hugo von Hofmannsthal publizierte zwei Jahre später seinen Entwurf für ein Programm der Salzburger Festspiele. So erhielt die Festspiel-Idee, ursprünglich aus einer Initiative der Salzburger Bürgerschaft hervorgegangen – wahrscheinlich Salzburgs erfolgreichste und nachhaltigste Bürgerinitiative –, ihren intellektuellen Überbau durch ihre zugkräftigen – Wiener – Protagonisten. Max Reinhardt war es auch, der als erster den Jedermann auf dem Domplatz herausbrachte: Die Premiere am 22. August 1920 war zugleich die Geburtsstunde der Festspiele, seit 1926 steht das Stück, nur unterbrochen durch die NS-Zeit von 1938 bis 1945, durchgehend auf dem Spielplan der Salzburger Festspiele, bis 1937 szenisch von ihrem Gründer Max Reinhardt verantwortet. Die Titelrolle verkörperten durch die Zeiten 17 verschiedene namhafte Schauspieler – von Alexander Moissi, dem ersten Jedermann, über Attila Hörbiger, Will Quadflieg, Curd Jürgens, Klaus Maria Brandauer, Maximilian Schell, Helmuth Lohner, Gert Voss, Ulrich Tukur, Peter Simonischek bis zuletzt Tobias Moretti, der 2017 eine ausgesprochen moderne Regie zur Bedingung seiner Teilnahme machte, die im Ergebnis dann auch viel diskutiert wurde. Die erste Opernpremiere der Salzburger Festspiele leitete am 14. August 1922 musikalisch Richard Strauss: Don Giovanni von Mozart – klar, das war mehr als ein Muss, sondern angenehme Verpflichtung, ist Salzburg ja doch auch die Geburtsstadt dieses Komponisten.

Die Salzburger Festspiele und Karajan

 

Einen Namen gibt es, der gleichermaßen untrennbar verbunden ist mit der Stadt Salzburg wie mit den Festspielen selbst: Herbert von Karajan. Der Gründervater der Salzburger Festspiele war selbst Salzburger. Der dort am 5. April 1908 Geborene, der als Schüler das Mozarteum besuchte, sollte in seiner späteren Laufbahn als Dirigent das Kulturleben seiner Geburtsstadt nicht nur prägen, sondern bestimmen. In den Nachkriegsjahren begann »die Ära Karajan«. Aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft hatte ihm die russische Besatzung Dirigierverbot erteilt. 1948 durfte er zum ersten Mal wieder den Taktstock vor Publikum heben – das Dirigat von Glucks Orpheus wurde zugleich sein Festspieldebüt. 1956 schließlich übernahm Karajan die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele, ab 1964 war er in ein Direktorium eingebunden, was aber keineswegs bedeutete, dass sich seine Funktion geändert hätte: Mehr oder weniger bis zu seinem Tod 1989 hielt er die Festspiel-Fäden fest in seinen Händen, wie ein »absolutistischer Herrscher« traf er alle wichtigen Entscheidungen im Alleingang. Sein Grab auf dem Friedhof Anif wurde bald nach seinem Tod zur Pilgerstätte für die Fans aus aller Welt.

 

Jet-Set und Medienprofi

Karajan war ein äußerst disziplinierter Workaholic, der nichts, aber auch gar nichts, dem Zufall überließ. Die Salzburger Festspiele wurden sein künstlerisches Vermächtnis. Aber nicht nur das: Er liebte die große Inszenierung – auf der Bühne wie im realen Leben. Als Jet Set-Liebling war er damals zugleich Garant für einen hohen Glamour-Faktor! Der Maestro im Rollkragenpulli wurde zum Liebling der Gazetten und Illustrierten, man kannte ihn als Pilot, Sportwagen- und Segelbootbesitzer, in den 1960-er und 1970-er Jahren mit Wohnsitzen in St. Moritz, St. Tropez und selbstverständlich Salzburg. Der Jahrhundertdirigent erwies sich zugleich auch als hervorragender und gewiefter Manager mit großem künstlerischen und unternehmerischen Geschick. Denn zu einem Ausnahmekünstler machten ihn nicht nur seine Dirigate und seine Regiearbeit im Theater und beim Film mit einem besonderen Hang zu technischer Innovation und Brillanz – als Dirigent spielte er etwa 700 Werke von rund 130 Komponisten ein, weltweit wurden an die 300 Millionen Tonträger mit seinem Namen verkauft.

 

Mit dem Ferrari unterwegs im 2. Gang

Mit der Gründung der Salzburger Festspiele im Alleingang war Karajan nicht nur ein künstlerisches Risiko eingegangen – er wollte die Festspiele zu einem Klanglaboratorium machen, in dem die besten Künstler der Welt gemeinsam an großen Projekten arbeiten sollten –, sondern auch ein finanzielles. Wie eng diese Verknüpfung war, zeigt ein Blick in die Versicherungspolice von Lloyds in London. Das Unternehmen hatte die ersten Osterfestspiele mit 10 Millionen Schilling versichert, was heute in Ungefähr einer Dreiviertelmillion Euro (!) entspricht und dies an eine spezielle Bedingung geknüpft: Karajan durfte in der Vorbereitungsphase und während der Festspiele weder Skilaufen noch in seinem Privatjet fliegen. Ohne den Stardirigenten wäre das musikalische Großprojekt in der Mozart-Stadt zum Scheitern verurteilt gewesen. Das war aber nicht nur dem Versicherungsunternehmen bewusst, sondern natürlich auch Karajan selbst: »Ich hatte wirklich Angst um mich. Wenn ich krank würde, diese Verantwortung und ein Ausfall – dann wäre das Ganze doch nie zustande gekommen.« So zitiert Richard Osborne den Stardirigenten in seiner Biografie. Karajan war angespannt und veränderte in der Tat sein Verhalten: Er, der sonst gern »rasant« unterwegs war, schaltete buchstäblich ein paar Gänge herunter: »Ich habe mich manchmal dabei ertappt, dass ich mit dem Ferrari im zweiten Gang gefahren bin, 60 Stundenkilometer, das war die reine Angst.«

 

Mit Akribie und Präzision zum Erfolg

Um sein gigantisches finanzielles Risiko abzufedern und den Erfolg zu garantieren, aktivierte Karajan zum einen Sponsoren und Mäzene, zum anderen überließ er auch künstlerisch nichts dem Zufall. Auch da musste »alles stimmen«. Das Festspielorchester, »seine« Berliner Philharmoniker waren ein Konzertorchester. Karajans Idee war, das Orchester gleich in den ersten vier Salzburger Jahren den größten Opernzyklus aller Zeiten aufführen zu lassen, Wagners Ring des Nibelungen. Um die Philharmoniker auf Wagner einzustimmen, setzte er schon in der Saison davon Komponisten auf das Programm, mit denen er seinen Musikern »die Ohren öffnen« wollte: Bruckner, Bach, Webern, Ravel und Schönberg sollten das Orchester vielseitiger und flexibler machen, Form, Struktur, romantischen Rausch und neue Klangeffekte vorbereiten – eben all das, was man für Wagner braucht.

 

Ohne Kanonen

Das Wichtigste waren für Karajan allerdings die Sänger. Als Dirigent wollte er einen neuen musikalischen Stil entwickeln, weg von den »alten Wagner-Kanonen«, wie er die lauten Trompetenstimmen einmal nannte. Er suchte erzählerische Sänger wie Jon Vickers als Siegmund oder Gundula Janowitz als Sieglinde. Sie erinnerte sich einmal, dass Karajan bei Sängern drei Aspekte wichtig waren: ein schöner Klang mit klarer Linie, der individuelle Umgang mit Worten und vor allen Dingen die persönliche Loyalität zum Dirigenten.

 

Reiseberichte

Salzburg – Reise ins Herz der Festspielgeschichte

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Gregor Lütje


Meine Salzburg-Begeisterung wird jedes Jahr noch ein wenig größer.

 

 

Gregor Lütje ist seit früher Kindheit in der Opern- und Konzertwelt zu Hause: Nach einer Karriere als 1. Solist im Tölzer Knabenchor, die ihn an führende europäische Opernhäuser zur Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Herbert von Karajan, James Levine, Wolfgang Sawallisch und Nikolaus Harnoncourt geführt hat, war er später u.a. als Stellvertreter für Regisseure wie Willy Decker und Robert Carsen auf den ersten Bühnen unterwegs.

Salzburg – das ist für viele Touristen aus aller Welt ein Konglomerat aus Getreidegasse, Mozartkugeln, mehr oder minder authentischen Trachten, der alles überragenden Burg und den umliegenden majestätischen Bergen. Amerikaner und Japaner reisen in Scharen zu den Original- Schauplätzen des im deutschen Sprachraum beinahe unbekannten Musicals und Films »The sound of music«.
Für Ausübende und Gäste der Salzburger Mozartwoche, der von Herbert von Karajan gegründeten Osterfestspiele, der zur Zeit von Cecilia Bartoli geleiteten Pfingstfestspiele und der ursprünglichsten, ältesten und auch größten Schwester in der Festspielfamilie, den Sommerfestspielen… für diese Pilger aus aller Welt bedeutet ein Aufenthalt in Salzburg Jahr um Jahr: Fokus und Sammlung auf einen – anders als in Bayreuth – breiter gefächterten Werkekanon, der exklusiv wird durch die Qualität von Werk und Ausführung. Wenn Salzburg fragt, geben Anna Netrebko, Jonas Kaufmann und all die anderen großen wie auch groß beworbenen Stars der heutigen Klassik-Szene ihren wohlverdienten Sommerurlaub ebenso sehr dran, wie die als »Hausorchester« in ihrem Kernrepertoire weiterhin und weltweit ungefährdet führenden Wiener Philharmoniker. Im Schatten der Burg werden an den zahlreichen unterschiedlichen Aufführungs-Stätten Produktionen erarbeitet, die nur hier in solcher Akribie der Vorbereitung wie Liebe zur Perfektion entstehen können. Der Salzburger »genius loci«, der Mozart hier Frühvollendetes ebenso hat schaffen lassen, wie später die Dichter Hugo von Hofmannsthal, Stefan Zweig und den Komponisten Richard Strauss, er bringt eine Verdichtung im Arbeiten und Leben, wie er sich auch in der großen Geschichte der kleinen Stadt und ihren überbordend vielen einzigartigen Bauten und ihrem Freizeitwert zwischen Berg, Fluss, Burg und Wiesen offenbart. In Salzburg ist oft auch das Beste nicht gut genug. Nicht gut genug dem Anspruch der Planer und Macher bei diesen so einzigartigen Festspielen, die Oper, Konzert und Schauspiel die gleiche hingebungsvolle Aufmerksamkeit schenken.

 

 

 

Mein persönliches »Salzburg- Virus« habe ich mir bereits in den 70’er Jahren eingefangen, als ich in einem Salzburger »Rosenkavalier« zum ersten Mal Lucia Popp als Sophie erleben durfte. Wenige Jahre später durfte ich einige Festspielsommer den zweiten Knaben in der »Zauberflöte« neben Lucia singen, am Pult James Levine, Regie: Jean Pierre Ponelle. Die Jahrzehnte verklären sicher diesen Zauber von damals, aber meine vielen sommerlichen Mitarbeiten von Solti’s »Zauberflöte« 1990 bis hin zu Decker’s »Traviata« 2005 (Anna Netrebko’s endgültigem Durchbruch) waren nicht minder eindrückliche und nachhaltige Erfahrungen einer Arbeit am menschenmöglich künstlerisch Besten und Nachhaltigen, wie ich sie immer wieder vor allem und oft auch nur an diesem ganz besonderen Ort erfahren durfte. Wer weltweit große künstlerische Leistungen bringt, der leistet in Salzburg Überragendes.

Seit Ostern 2014 übertrage ich diesen Salzburg-Virus nun schon zum dritten Mal auf meine ZEIT-Leser: Inzwischen weiß ich, wo man heutzutage die besten Salzburger Nockerln bekommt, wo die Mehlspeisen noch besser sind als im »Tomasselli«, wo die Künstler nach getaner Arbeit zum Essen zusammen kommen, wer die kundigsten Salzburg-Führungen anbietet, wer uns anschaulich von Stefan’s Zweig langen Jahren in Salzburg berichten kann, von wo man den eindrücklichsten Blick auf Palais und Kirchen der Stadt hat und wo man auch mitten im Sommer wunderbar idyllisch und ungestört unterwegs sein kann.
Mein Beitrag durch biographisches Wissen, Erfahrung und Recherche bleibt aber jedes Mal wieder eine Zutat. Den Hauptbeitrag liefern die Festspiele. Sei es nun schon zum zweiten Mal zu Ostern mit Christian Thielemann, seiner Dresdner Staatskappelle und Weltstars, wie dieses Mal Jonas Kaufmann, sei es im Sommer, wo zwei Produktionen auf uns warten, die die Entstehung der Festspiele in mehr als festspiel-würdigen, höchstklassigen Aufführungen sinnlich erfahrbar machen: Wenn die Wiener Philharmoniker unter Franz Welser-Möst in Salzburg den Strauss’schen »Rosenkavalier« irisierend zum Funkeln bringen und Harry Kupfer die Ringstraßenpalais des alten Wien vor unsere Augen führt, wenn der »Tod« bei Einbruch der Dunkelheit den »Jedermann« zur Rechenschaft zieht und die Rufe durch Salzburgs Gassen schallen, wenn in solchen Momenten Ort, Stück, Leben und Theater eine Harmonie bilden, in der die Summe so viel mehr ist als ihre einzelnen Bestandteile: Dann leuchtet Salzburg auf eine Art, wie es nur Salzburg kann.

 

Begeisterung steckt an. Meine Salzburg-Begeisterung wird jedes Jahr noch ein wenig größer. Wenn ich mir die Anzahl meiner Kunden ansehe, die als »Wiedergänger« nun im Sommer schon zum dritten Mal mit mir auf die Reise an die Salzach gehen, scheine ich mit meiner Schwärmerei für diese Festspiele alles andere als allein zu sein. Nichts schöner, als den Kreis der Salzburger Festspiele – Afficionados immer wieder zu erhöhen und dabei – dem Exklusivitätsanspruch der ZEIT-Musikreisen entsprechend – doch stets nur in kleiner, feiner Gesellschaft unterwegs zu sein.

 

 

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