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Salzburg - Reise ins Herz der Festspielgeschichte

Salzburg – das ist für viele Touristen aus aller Welt ein Konglomerat aus Getreidegasse, Mozartkugeln, mehr oder minder authentischen Trachten, der alles überragenden Burg und den umliegenden majestätischen Bergen. Amerikaner und Japaner reisen in Scharen zu den Original- Schauplätzen des im deutschen Sprachraum beinahe unbekannten Musicals und Films »The sound of music«.
Für Ausübende und Gäste der Salzburger Mozartwoche, der von Herbert von Karajan gegründeten Osterfestspiele, der zur Zeit von Cecilia Bartoli geleiteten Pfingstfestspiele und der ursprünglichsten, ältesten und auch größten Schwester in der Festspielfamilie, den Sommerfestspielen… für diese Pilger aus aller Welt bedeutet ein Aufenthalt in Salzburg Jahr um Jahr: Fokus und Sammlung auf einen – anders als in Bayreuth – breiter gefächterten Werkekanon, der exklusiv wird durch die Qualität von Werk und Ausführung. Wenn Salzburg fragt, geben Anna Netrebko, Jonas Kaufmann und all die anderen großen wie auch groß beworbenen Stars der heutigen Klassik-Szene ihren wohlverdienten Sommerurlaub ebenso sehr dran, wie die als »Hausorchester« in ihrem Kernrepertoire weiterhin und weltweit ungefährdet führenden Wiener Philharmoniker. Im Schatten der Burg werden an den zahlreichen unterschiedlichen Aufführungs-Stätten Produktionen erarbeitet, die nur hier in solcher Akribie der Vorbereitung wie Liebe zur Perfektion entstehen können. Der Salzburger »genius loci«, der Mozart hier Frühvollendetes ebenso hat schaffen lassen, wie später die Dichter Hugo von Hofmannsthal, Stefan Zweig und den Komponisten Richard Strauss, er bringt eine Verdichtung im Arbeiten und Leben, wie er sich auch in  der großen Geschichte der kleinen Stadt und ihren überbordend vielen einzigartigen Bauten und ihrem Freizeitwert zwischen Berg, Fluss, Burg und Wiesen offenbart. In Salzburg ist oft auch das Beste nicht gut genug. Nicht gut genug dem Anspruch der Planer und Macher bei diesen so einzigartigen Festspielen, die Oper, Konzert und Schauspiel die gleiche hingebungsvolle Aufmerksamkeit schenken.

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Mein persönliches »Salzburg- Virus« habe ich mir bereits in den 70’er Jahren eingefangen, als ich in einem Salzburger »Rosenkavalier« zum ersten Mal Lucia Popp als Sophie erleben durfte. Wenige Jahre später durfte ich einige Festspielsommer den zweiten Knaben in der »Zauberflöte« neben Lucia singen, am Pult James Levine, Regie: Jean Pierre Ponelle. Die Jahrzehnte verklären sicher diesen Zauber von damals, aber meine vielen sommerlichen Mitarbeiten von Solti’s »Zauberflöte« 1990 bis hin zu Decker’s »Traviata« 2005 (Anna Netrebko’s endgültigem Durchbruch) waren nicht minder eindrückliche und nachhaltige Erfahrungen einer Arbeit am menschenmöglich künstlerisch Besten und Nachhaltigen, wie ich sie immer wieder vor allem und oft auch nur an diesem ganz besonderen Ort erfahren durfte. Wer weltweit große künstlerische Leistungen bringt, der leistet in Salzburg Überragendes.

Seit Ostern 2014 übertrage ich diesen Salzburg-Virus nun schon zum dritten Mal auf meine ZEIT-Leser: Inzwischen weiß ich, wo man heutzutage die besten Salzburger Nockerln bekommt, wo die Mehlspeisen noch besser sind als im »Tomasselli«, wo die Künstler nach getaner Arbeit zum Essen zusammen kommen, wer die kundigsten Salzburg-Führungen anbietet, wer uns anschaulich von Stefan’s Zweig langen Jahren in Salzburg berichten kann,  von wo man den eindrücklichsten Blick auf Palais und Kirchen der Stadt hat und wo man auch mitten im Sommer wunderbar idyllisch und ungestört unterwegs sein kann.
Mein Beitrag durch biographisches Wissen, Erfahrung und Recherche bleibt aber jedes Mal wieder eine Zutat. Den Hauptbeitrag liefern die Festspiele. Sei es nun schon zum zweiten Mal zu Ostern mit Christian Thielemann, seiner Dresdner Staatskappelle und Weltstars, wie dieses Mal Jonas Kaufmann, sei es im Sommer, wo zwei Produktionen auf uns warten, die die Entstehung der Festspiele in mehr als festspiel-würdigen, höchstklassigen Aufführungen sinnlich erfahrbar machen: Wenn die Wiener Philharmoniker unter Franz Welser-Möst in Salzburg den Strauss’schen »Rosenkavalier« irisierend zum Funkeln bringen und Harry Kupfer die Ringstraßenpalais des alten Wien vor unsere Augen führt, wenn der »Tod« bei Einbruch der Dunkelheit den »Jedermann« zur Rechenschaft zieht und die Rufe durch Salzburgs Gassen schallen, wenn in solchen Momenten Ort, Stück, Leben und Theater eine Harmonie bilden, in der die Summe so viel mehr ist als ihre einzelnen Bestandteile: Dann leuchtet Salzburg auf eine Art, wie es nur Salzburg kann.

Reisebericht_Salzburg

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Begeisterung steckt an. Meine Salzburg-Begeisterung wird jedes Jahr noch ein wenig größer. Wenn ich mir die Anzahl meiner Kunden ansehe, die als »Wiedergänger« nun im Sommer schon zum dritten Mal mit mir auf die Reise an die Salzach gehen, scheine ich mit meiner Schwärmerei für diese Festspiele alles andere als allein zu sein. Nichts schöner, als den Kreis der Salzburger Festspiele – Afficionados immer wieder zu erhöhen  und dabei – dem Exklusivitätsanspruch der ZEIT-Musikreisen entsprechend – doch stets nur in kleiner, feiner Gesellschaft unterwegs zu sein.

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