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Rom – Eine Reise für die Sinne

Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken – in der »ewigen Stadt«

Qual der Wahl – auf diesen Nenner lässt sich das Gefühl beim Studium des Katalogs von ZEIT-Reisen bringen. Die Idee einer Reise nach Rom hatte ich schon länger. Im Herbst war schon alles ausgebucht, also handelte ich zu Beginn dieses Jahres umgehend und buchte den oben genannten Termin. Das Programm klang einfach verführerisch, versprach es doch, wie die Reiseleiterin, Frau Eva Clausen es in ihrem Programm formulierte, „die verschiedenen Aspekte der Stadt zu vermitteln, sie hautnah fühlen, mit allen Sinnen erleben zu lassen“; von Historie über Kunst, Kultur, römisches Alltagsleben bis zu kulinarischen Genüssen -Voller gespannter Erwartungen trat ich am Samstag, 14.04.2018, die Reise an.
Nach der Landung in Rom musste sich Frau Clausen wegen der etwas zögerlichen Gepäckausgabe gedulden, bis unsere 10-köpfige Reisegruppe vollzählig war. In zwei Minivans ging es danach zur Residenz Maritti in Monti, einem der älteren Stadtteile Roms. Einen Eindruck von römischem Temperament demonstrierte uns unser Chauffeur, als er einen anderen Autofahrer, der ihm im Parkhaus die Vorfahrt genommen hatte, mit vermutlich nicht sehr feinen Ausdrücken beschimpfte.
In zentraler und trotzdem ruhiger Umgebung befindet sich die Residenz Maritti, ein ehemaligen Palast des 18. Jahrhunderts. Er ist den Bedürfnissen unserer Zeit entsprechend restauriert worden, und die Zimmer sind geräumig und komfortabel, ebenso die Badezimmer. Die Betreuung der Gäste durch die Familie Maritti ist sehr persönlich, und auch Sonderwünsche werden erfüllt.
Uns hatte es besonders die Dachterrasse der Residenz Maritti angetan. Von dort hat man einen spektakulären Rundumblick vom Kolosseum über das Forum Romanum bis zum Kapitol, und auf die Kaiserforen, nur durch eine schmale Straße von der Residenz getrennt.
Nachdem wir die Zimmer bezogen hatten, versammelten wir uns auf der Dachterrasse zu einer Begrüßungs- und Vorstellungsrunde, zu der wir einige typische Antipasti verkosten durften. Wir waren mit dem Vorschlag der Reiseleiterin einverstanden, uns von Anfang an zu duzen, was das Einprägen der Namen sehr erleichterte.
Der erste Rundgang führte uns anschließend durch das malerische Stadtviertel Monti mit Trattorien, Bars und kleinen Plätzen, auf denen sich die Anwohner zum nachbarschaftlichen Plausch treffen. Wir liefen bis zum Palast des Staatspräsidenten auf dem Quirinalshügel und begegneten bereits Zeugnissen aus der römischen Geschichte wie dem Dioskurenbrunnen. Da seit der Parlamentswahl immer noch keine Regierungsbildung zustande gekommen war, erläuterte uns Eva die Funktion des Staatspräsidenten in dieser schwierigen Situation. In den folgenden Tagen erfuhren wir an jeweils gegebener Stelle die aktuellen Entwicklungen; spannende Einblicke, die uns Verständnis für die Besonderheiten des italienischen politischen Systems vermittelten.

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Einblick in einen bezaubernden Innenhof

Am Abend aßen wir in der Trattoria Da Nerone gegenüber des Kolosseums köstliche Spezialitäten zu gutem Wein, so dass bereits dieser erste Abend in einer gelösten Stimmung verlief. Ein Mitglied der Gruppe tat sich schon bald als derjenige hervor, der immer für einen heiteren Spruch, oft in gereimter Form, gut war. Diese Gabe sollte später noch für einen besonderen Höhepunkt sorgen.
Nach dem Essen wanderten wir am Kolosseum vorbei, die Via dei Fori Imperiali entlang und zum Kapitol hoch, bevor wir an den Kaiserforen entlang den Weg zur Residenz Maritti einschlugen. Die nächtliche Illuminierung dieser antiken Stätten ist überwältigend. Im Lauf der Woche wurden mit Hilfe von Videoinstallationen an den Wänden dieser Stätten historische und architektonische Entwicklungen visualisiert.

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Das Monumento a Vittorio Emanuele II
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Vatikanstadt mit Blick auf den Petersdom

Alle Lokale, in denen wir während der Woche zusammen aßen, waren von Eva nach folgenden Kriterien ausgesucht worden: abseits des großen Tourismus; typische Küche mit kulinarischen Köstlichkeiten und Spezialitäten; freundliche Gastwirte, die sie selbst schon lange kennt, so dass ein gastfreundliche Bewirtung gewährleistet war.
Das Thema des Sonntags lautete „Vergangene Welten“. Wir erliefen uns das Kolosseum, den Palatinshügel und das Forum Romanum und bekamen von Eva eine Anschauung der gewaltigen architektonischen Leistungen der Römer, ihrer Denkweisen, ihrer Machtkämpfe und ihrer Selbstdarstellung, die verständlich machten, wie es diesem Volk möglich war, in jenen frühen Jahrhunderten ein derartig riesiges Imperium zu schaffen und zu verwalten. Dieser erste Tag machte mir klar, dass ich mich in der Zukunft mit der Geschichte der Römer intensiv befassen werde!

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Das Forum Romanum

Nach einer Mittagspause im Caffè Capitolino mit einem spektakulären Ausblick auf das alte Rom bis zum Petersdom, besuchten wir die Kapitolinischen Museen. An ausgewählten Statuen (Der Dornauszieher, Die Wölfin, Der Sterbende Galater, Amor und Psyche, Die Kapitolinische Venus) und Mosaiken (z.B. das Taubenmosaik) öffnete uns Eva die Augen für Bewegungen und Gesichtsausdrücke, die diese Objekte besonders machen. Das Reiterstandbild des Marc Aurel beeindruckt durch seine Überlebensgröße.
„Rom und seine Kirchen“ war das Thema des Montags. Wir begannen mit der ersten Basilika der Christenheit, der Kirche San Giovanni in Laterano (der Kirche des Bischofs von Rom, welcher gleichzeitig Papst ist) mit einem der schönsten Kreuzgänge, dem Baptisterium San Giovanni in Fonte und der Papstkapelle Sancta Sanctorum, in der sich auch die Scala Santa befindet. Weitere Kirchen waren San Carlo alle Quattro Fontane, Santa Maria della Vittoria, San Luigi die Francesi, Santo Agostino , und San Clemente. Letztere steht auf einer früheren Kirche, welche ihrerseits auf einem Gebäude aus der Römerzeit mit einem Raum, der dem Mithraskult gewidmet war, stand. Beim Hinuntersteigen begibt man sich in immer frühere Epochen Roms – ein unbeschreiblicher Eindruck.

Die Kirchen sind Denkmale unterschiedlicher architektonischer Stile von der Basilikaform bis zum Barock. Wieder wurden uns die Augen geöffnet – an diesem Tag für Mosaiken und Fresken an den Apsiden, Wänden und Decken; für die Cosmatenböden (Die Cosmaten waren eine Familie von Marmordekorateuren vom 12. – 14. Jahrhundert); für die Malstile der unterschiedlichen Epochen vom frühen Mittelalter bis zum Barock; für Caravaggios Helldunkelmalerei mit seiner realistischen – menschlichen – Darstellung seiner Figuren auch in Bibelszenen; für die Rivalität zwischen den Baumeistern des Barock, Borromini und Bernini, und vieles mehr! Borrominis Baustil ist bewegt und schafft Lichteffekte – nicht zu vergleichen mit dem in Deutschland üblichen Stil des Barock.
Schlendern war das Stichwort des Dienstagsprogramms, das uns vom malerischen Stadtviertel Trastevere am Palazzo Farnese vorbei, über den Campo dei Fiori, die Piazza Navona zum Pantheon mit seiner immensen freitragenden Kuppel und schließlich zur Spanischen Treppe (eigentlich Scalinata di Trinità die Monti) und zur Piazza del Popolo führte. Wieder säumten zahlreiche Kunstwerke unseren Weg, zum Beispiel die Kirche Santa Maria in Trastevere, die Statue des Giordano Bruno, Berninis Vier-Ströme-Brunnen, die Kirche Santa Maria del Popolo mit zwei weiteren Gemälden von Caravaggio.

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Die Spanische Treppe

Diese historischen und künstlerischen Höhepunkte wurden durch einige andere, nämlich kulinarische, Genüsse ergänzt und abgerundet. Auf dem täglich am Vormittag stattfindenden Markt in Trastevere verkosteten wir an einem Marktstand – einem Familienbetrieb, in dem die fast 80-jährige Mutter noch voller Energie mitarbeitet – mit Spezialitäten aller Art verschiedene Käsesorten kleiner Erzeuger aus der Region, würzigen rohen Schinken und eine Nachspeise aus Ricotta mit Fruchtmus und Keksen.
Zwischen dem Pantheon und dem Parlamentsgebäude machten wir in der besten Eisdiele Roms – Giolitti – Pause und genossen köstliche Eisspezialitäten. Der Tag endete mit einer professionellen Weinprobe im Frühstücksraum der Residenz Maritti. Unter Anleitung eines Sommelier lernten wir, wie man, angefangen beim korrekten Halten eines Weinglases, vorgeht, um die Farbe zu beschreiben und die Geschmacksnoten eines Weins zu riechen und zu schmecken. Gleichzeitig verkosteten wir Käse-, Wurst- und Schinkenspezialitäten, um zu testen, ob letztere und die Weinproben sich ergänzten, eine sehr anregende Erfahrung, da wir nach Ende der eigentlichen Weinprobe uns weiter an den Weinen delektieren durften.
Während der ganzen Woche leisteten wir ein umfangreiches Laufpensum ab, da wir uns, bis auf einige wenige Male, die wir öffentliche Verkehrsmitteln benutzten, zu Fuß fortbewegten. Durch einen Zufall hatte ich erst vor Kurzem erfahren, was es mit der Gesundheits-App auf dem Handy auf sich hat. So konnte ich feststellen, dass wir täglich zwischen 8,2 Kilometer oder 13 314 Schritte (kürzeste Tagesstrecke) und 13,4 Kilometer oder 23 484 Schritte (längste Tagesstrecke) zurückgelegt haben. Eines von Evas Hobbys ist Wandern, und wir wanderten mit, ohne dies als stressig zu empfinden. Welche Strecken wir bei den frühlingshaft-frühsommerlich angenehmen Temperaturen zurücklegten, nahmen wir durch das gemeinsame Sehen und Erleben gar nicht wahr. Früher erlief ich mir Paris und London; jetzt also Rom!
Das öffentliche Bussystem ist eine besondere Erfahrung. An den Haltestellen gibt es keine Fahrpläne. Es sind nur die Linien mit den Haltestellen angezeigt und mittels einer digitalen Anzeige erfährt man, in wie viele Minuten es dauert, bis der nächste Bus einer bestimmten kommt. Manchmal wartet man trotz einer solchen Ankündigung sehr lange auf den Bus, den man nehmen möchte.
Den Vormittag des Mittwoch hatten wir zur freien Verfügung. Am Nachmittag trafen wir uns mit Eva an der Spanischen Treppe und gingen zuerst zur Casa di Goethe. Eine Freundin Evas ist dort für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich und führte uns durch die Ausstellung. Diese Freundin und ihr italienischer Ehemann waren am letzten Abend unseres Aufenthaltes unsere Gastgeber in ihrer Wohnung in Rom.
Goethes Zeit in Rom und Italien war eine der glücklichsten seines Lebens. Am Ende des Rundgangs erwarben einige von uns eine kleine Figur, die Goethe darstellt, als Andenken.

Anschließend wanderten wir durch einen Park zur Galleria Borghese. Wieder konnten wir anhand ausgewählter Gemälde und Statuen von Raffael, Correggio, Cranach, Tizian, Caravaggio, Bernini und anderen sehen lernen, wie einzelne, auch dramatische, Momente im Leben von Menschen, selbst wenn es sich um Gestalten aus antiken Mythen handelt, in Kunst umgesetzt wurden und damit unsterblich geworden sind.

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Tauben auf einer goldenen Volgeltränke

Mehrfach hatten wir bedauert, dass die Dachterrasse der Residenz Maritti am Abend nicht mehr zugänglich war. Eva handelte umgehend, mit dem Ergebnis, dass wir am Abend die Terrasse nutzen durften und dort einen unvergesslichen Abend bei Wein und Knabbereien verbrachten. Es war faszinierend, den Sonnenuntergang über dem Kapitol zu erleben. Nach und nach wurde es dunkel, und die Stimmung des illuminierten nächtlichen antiken Roms verzauberte uns völlig. Von Mittwoch bis Samstag hatten wir auch das Privileg, auf der Dachterrasse frühstücken zu dürfen. Besser konnte der Tag nicht beginnen und wir genossen diese Tagesanfänge sehr!
Tivoli, ca. 30 Kilometer außerhalb Roms an den Hängen der Tiburtiner Berge gelegen, war das Ziel eines ganztägigen Ausflugs am Donnerstag. Dort befinden sich die auch heute noch beeindruckenden Ruinen der gigantischen Sommerresidenz von Kaiser Hadrian, die Villa Hadriana.
Zum Mittagessen fuhren wir in den Ort Tivoli und wurden in einem traditionellen familienbetriebenen Restaurant „Antike Thermen der Diana“ mit lokalen traditionellen Gerichten fürstlich bewirtet. In diesem Haus wurde vor längerer Zeit ein Tempel der Göttin Diana entdeckt, der mit seinen massiven Gewölben in das Restaurant integriert worden ist.

Der in Terrassen angelegte Hanggarten der Villa d’Este ist ein besonderes Erlebnis wegen der unzähligen Brunnenanlagen, Grotten und Wasserspielen. Es rauscht und plätschert, während man unter hohen alten Bäumen die langen Wege entlanggeht, die Treppenanlagen hinauf- und hinuntersteigt und dabei immer wieder von erfrischenden Wassertropfen bespritzt wird.
Am letzten Tag, dem Freitag, lernten wir zwei alte Kunsthandwerksbetriebe kennen. Der erste gehört einem Holzschnitzer und Restaurateur, eigentlich ein Handwerk, das in einer Stadt wie Rom mit so vielen alten erhaltenswerten Objekten unverzichtbar ist. Aus verschiedenen Gründen ist seine Existenz leider bedroht. Seine beiden Töchter sind ebenfalls in seinem Atelier tätig. Die eine hat sich auf das Restaurieren und die eigene Herstellung von Mosaiken spezialisiert, die andere vergoldet alte Kunstobjekte. Die Kunstfertigkeit der drei Kunsthandwerker lässt den Betrachter erstaunen!
In der zweiten Werkstatt reparieren ein Kunsthandwerker und seine über 80-jährige Mutter alles Zerbrechliche – Keramik, Porzellan, Puppen. Das winzige Atelier ist voll von solchen Gegenständen. Den reparierten Gegenständen sieht an nicht mehr an, wo der Schaden gewesen war.

Wie bereits gesagt, waren wir am Abend bei der Freundin von Eva mit ihrem italienischen Ehemann zu Gast. Sie hatten ein typisch römisches Essen zubereitet und verwöhnten uns in familiärer Atmosphäre. Unser Dichter hatte Eindrücke unserer Woche und zu Eva in einem Gedicht verarbeitet, das er zum Abschluss des Abends in sehr humorvoller Weise vortrug und das den Ablauf der Woche und die einträchtige und gelöste Stimmung in der Gruppe treffend reflektierte. Ein wunderbarer, einmaliger Abschluss der Woche!
Zurück vor der Residenz Maritti verabschiedeten wir uns sehr herzlich und auch etwas traurig, weil diese ungewöhnliche Woche schon vorbei war, von Eva.
Es war eine Woche voller Höhepunkte. Die Fülle von Informationen, Eindrücken und Bildern werden noch lange nachwirken, Dank Evas einzigartiger Fähigkeit zu erzählen, zu vermitteln und zu verdeutlichen, nicht nur die Jahrtausende römischer Geschichte, Kunst und Kultur, sondern auch die damit verknüpften menschlichen, von Machtstreben, Intrigen, Attentaten, Heiratspolitik, unheiligen Verhältnissen geprägten, Handlungsweisen. Zum Glück hat sie uns ein Skript zugeschickt, in dem alles, was wir gesehen haben, nachzulesen ist. Zusammen mit den Fotos wird diese Reise unvergesslich bleiben!
Evas perfekte Organisation darf ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

Es ist nicht der Sinn eines solchen Reiseberichts, alle Einzeleinheiten zu erwähnen – man muss diese Reise erlebt haben. Im wahrsten Sinne des Wortes war es eine Reise für die Sinne – Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken. Meine Erwartungen wurden um ein Vielfaches übertroffen!

Ich muss nicht an der Fontana di Trevi gewesen sein, um eine Münze hineinzuwerfen. Ich habe meinen kleinen Goethe, der mich täglich daran erinnert, dass Rom noch weitere Reisen wert ist.

~ Roswitha Hausschmid, ZEIT Reisende

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