Reisetagebuch: Im ZEIT-Bus rund um die Ostsee 2022

38 Tage, neun Länder, ein großes Abenteuer

Seit Tausenden von Jahren ist die Ostsee das Herz Nordeuropas und Zentrum des Austauschs von Waren und Wissen, Ideen und Kulturen – aber auch Schauplatz von Kriegen des Ringens um die Vorherrschaft rund um das Mare Balticum. Der Wandel der Welt in dieser Region ist somit auch das perfekte Thema unserer Expedition mit dem ZEIT-Bus. In diesem virtuellen Reisetagebuch, das von den Gästen der Reise gemeinsam geschrieben wird, berichten sie in Wort und Bild von verschiedenen Reiseerlebnissen unterwegs. Gerne laden wir Sie ein, unsere Gäste aus der Ferne zu begleiten, wobei zu beachtet ist, dass alle Blogeinträge individuelle Einschätzungen des jeweiligen Verfassers sind.

Bernd_Loppow_klein
~ Bernd Loppow, Gründer und Programmleiter von ZEIT REISEN

Von Hamburg nach Lübeck

Nach einem schönen ersten Ankunftstag in Hamburg mit einer kleinen Stadtrundfahrt und einem Abendessen im Lotsenhaus ging es am nächsten Tag nach Lübeck. Die Abfahrt von Hamburg hätte auch gerne etwas später sein können. Es war nämlich schwer, sich von dem herrlichen Blick über die Alster loszureißen, denn die Aussicht vom Frühstücksraum des Hotels Le Méridien ist einmalig – das Frühstück übrigens auch. Doch Lübeck stand auf dem Programm, und so ging es über Landstraßen in die ca. 70 km entfernte Hansestadt. Dort erwartete uns unser Führer Jan, ein Holländer, der uns sehr kompetent in lockerer Weise die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten von Lübeck, der Königin der Hansestädte, vermittelte.

Es ist jedes Mal beeindruckend, bei der Anreise nach Lübeck die Silhouette der Stadt mit den sieben Kirchtürmen zu erblicken. Ich habe Anfang der 60ger Jahre drei Jahre lang als Schüler in Lübeck gelebt und dort mein Abitur gemacht. Lübeck war damals noch mit dem Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur beschäftigt, denn mehr als ein Viertel der Stadt war im Krieg zerstört worden. Erstaunlicherweise waren damals bereits die sieben Kirchtürme wieder errichtet worden. Der Anblick war allerdings anders als heute: Die Kupferdächer waren rostbraun und glänzend. Heute ist das Kupfer oxidiert; die Dächer haben wieder Grünspan angesetzt. Die Kirchenschiffe des Doms und von St. Petri wurden erst in den 80ger Jahren endgültig wieder aufgebaut. Lübeck war damals Zonenrandgebiet und grenzte direkt an die DDR. Es war wirtschaftlich und kulturell von seinem traditionellen Hinterland abgeschnitten und wirkte irgendwie grau und düster. Kein Vergleich zu heute: Es ist eine heitere Stadt geworden. Mit seinen vielen Restaurants, Cafés und Geschäften und dem Treiben auf den Straßen vermittelt Lübeck eine entspannte und fröhliche Atmosphäre.

Unser Stadtrundgang führte uns natürlich auch zu einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, dem Holstentor. Es ist eines der beiden verbliebenen Stadttore und grenzte die Stadt von Holstein ab, das damals zu Dänemark gehörte. Die berühmte Inschrift am Tor „concordia domi foris pax“ sollte den Geist der Lübschen Kaufleute spiegeln: Einigkeit untereinander und Friede nach außen. Unser Führer Jan sah diesen Spruch als hervorragendes damaliges Marketing an. Ein schönes Bekenntnis, aber nicht unbedingt der Wirklichkeit entsprechend. Ein Besuch bei Niederegger, dem weltbekannten Marzipanhersteller, durfte auch nicht fehlen. Unser Abendessen nahmen wir in der Schiffergesellschaft ein, einem historischen Gildehaus mit einer hervorragenden Küche. Für mich war der Besuch ein besonderes Erlebnis, denn dort war ich vor über 60 Jahren als Kegeljunge jeden Freitag- und Samstagabend tätig. Es war eine mühselige Arbeit, denn es waren damals natürlich schwere Holzkegel, die aufzustellen waren. Aber dafür war der Lohn reichlich, 80 Pfennig pro Stunde.

Lüder Paysen – ZEIT Reisender

Sicht über Lübeck

Lübeck – Wismar – Stralsund – Usedom – Kolberg

Nachdem wir am Dienstag, 07. Juni, in unserem Atlantic-Hotel in Lübeck, der Königin der Hanse, gefrühstückt haben und unser Busfahrer Jens die Koffer wieder verstaut hat, setzten wir unsere Ostseerundreise im ZEIT-Komfortbus fort Richtung Stralsund mit Zwischenstopp und informativer Stadtführung in der Hansestadt Wismar weiter durch Rostock, auch ehemals zur Hanse gehörig, über Fischland Darß mit einem weiteren Stopp in der Künstlerkolonie Ahrenshoop und kamen gegen 17:30 Uhr in Stralsund vor unserem Übernachtungsziel Hotel Scheelehof an. Mal ein ganz anderes Hotel, ein alter denkmalgeschützter Speicher aus dem 19. Jh. in der Nähe des Hafens, der mit viel Charme zu einem Hotel mit modernem Komfort umgewandelt wurde. In unserem Zimmer 423 waren dicke alte rußgeschwärzte Eichenbalken unter der niedrigen Decke.

Um 19:00 Uhr haben wir uns alle zu Fuß auf den Weg zum Abendessen gemacht über den Alten Markt mit dem imposanten Rathaus und umliegenden Häusern aus der Renaissance zur Brasserie am Neuen Markt (auch in einem alten Gebäude). Hier haben wir gut gespeist und Bier aus der Stralsunder Brauerei Störtebecker getrunken. Im Anschluss hat ein großer Teil der Reisegruppe die älteste Hafenkneipe Europas aus dem 14. Jh. (das Schankrecht wurde 1332 erteilt) aufgesucht und zum Abschluss noch einen traditionellen Kümmel getrunken. Da Mecklenburg-Vorpommern der Wahlkreis von Angela Merkel war, hat sie öfter – auch mit Staatsgästen – diese Kneipe besucht.

Am nächsten Morgen, 08.06., um 8:15 Uhr hat Jens wieder unsere Koffer in seinem Bus verstaut und wir haben alle anschließend im sonnendurchfluteten liebevoll eingerichtetem Frühstücksraum ein hervorragendes Frühstück mit individuellen Eierspeisen und Müslis und viel frischem Obst und Käse zu uns genommen, bevor wir mit unserer örtlichen Stadtführerin Christiane zu einem zweistündigen Stadtspaziergang durch die im Rang nach Lübeck, der Königin der Hanse, stehende zweite Hansestadt mit ihrer reichen Geschichte gegangen sind, wo selbst mein Mann Klaus und ich, die wir Stralsund eigentlich von vielen Besuchen kennen, da unsere Tochter mit ihrer Familie in Parow, ebenfalls am Strelasund, wohnt, Ecken entdeckt haben, die wir vorher nicht kannten wie die Häuser der damals armen Leute auf dem Gelände der Ruine des ehemaligen Johannesklosters.

Stralsund wurde im 14. Jh. reich durch den Fang der Heringsschwärme und dem Handel mit ihnen und auch heute noch im Frühjahr, wenn die Heringe in den Sund strömen, versammeln sich am Kai die Angler, um im Paternosterverfahren die Heringe aus dem Wasser zu ziehen so wie wir es 2018 gesehen haben. Es ist so phantastisch, dass diese Stadt nach der Wende restauriert wurde und nun wieder im alten Glanz wie zur besten Zeit der Hanse erstrahlt. Stralsund ist eine Reise wert!

Abends erreichten wir Kolberg, unser erstes Ziel in Polen.

Roswitha Hentschel-Nagel – ZEIT Reisende
Alter Markt in Stralsund
Zimmer 423
Kai in Stralsund

Kolberg – Danzig

Heute um 10 Uhr bgeann unsere Führung mit Eva unserer Stadtführerin. Wir waren sehr gespannt wie sich die Stadt nach der Wende entwickelt hat. Im Herbst 1977 waren wir auf einer VHS Nordpolenrundreise unterwegs. Uns haben damals die mit viel handwerklichem Geschick durch Restauratoren wieder aufgebauten Häuser beeindruckt. Die Häuser waren damals grau in grau. Die wunderschönen Hausfassaden mit den Wasserspeiern, den Haustüren und Beischlägen haben uns sehr beeindruckt. Heute sind die Häuser farbig, aber der Charme ist durch die vielen Außenrestaurants und den Verkaufsständen etwas verloren gegangen. Sehr gelungen ist die Architektur der neuen Stadthäuser. Sie reihen sich gut in das Stadtkonzept ein.

Die Stadt ist nicht nur ein Anziehungspunkt für Touristen sondern es begegneten uns auch unzählige Schulklassen auf ihrem Ausflug vor den Sommerferien. Auf dem Weg zum Europäischen Zentrum der Solidarność erzählt uns Eva wie sie die Zeit vor der Wende erlebt hat. Auf dem Dach des Zentrums hatten wir einen guten Überblick auf das Gelände der ehemaligen Danziger Werft. Das Werftgelände konnten wir noch einmal auf der Bootstour zur Westerplatte sehen. Ein Teil der Gruppe machte mit Wolfgang noch einen Rundgang durch die Altstadt mit Besichtigung der Marien Kirche. Der gemeinsame Tag endete mit einem Abendessen in einem typischen polnischen Lokal.

Helga und Wilfried – ZEIT Reisende
Danzig
Innenstadt von Danzig
Gebäudeverzierungen in Danzig

Danzig – Marienburg – Nikolaiken (Mikolajki)

Das zauberhafte Danzig zu verlassen, geht nur mit Aussicht auf Neues, Schönes und Spannendes.

Unsere Route nach Südosten führt recht nahe am Danziger Hafen vorbei. Neben den Schrotthalden, von denen ein Schiff beladen wurde, fiel eine neue Überlandleitung auf. Die kleinen Kohlehalden am Kai waren also per Schiff gebracht und werden hier in einem kleinen Kohlekraftwerk verheizt, der erzeugte Strom weitergeleitet. Diese Stromerzeugung ist fragwürdig und kann nicht rentabel sein, aber wenn Investitionen für Größeres fehlen, läuft eben auch noch so etwas.

Nun wurden die gestern schon gesehenen Getreidesilos wieder sichtbar. Wir sahen mit Genugtuung, wie auf dieser Seite des Hafenbeckens zwei Schiffe mit Getreide beladen wurden, ein drittes auf der gegenüberliegenden Seite. Sofort waren unsere Gedanken bei den nicht möglichen Transporten der Ukraine. Bekommen diese Ladungen die afrikanischen Länder, die so sehr darauf angewiesen sind? Ich hoffte es.

Zur Freude aller bevorzugt unser Fahrer Jens kleine Landstraßen. Die Häuser wurden weniger, die Landschaft hügelig mit Getreidefeldern, kleinen Seen und kleinen Waldgebieten. Je weiter von Danzig entfernt, je kleiner die Häuser und die Hälfte in renovierbedürftigem Zustand. Manche hatten nach dem Krieg noch keinen neuen Anstrich bekommen. Erstaunt bemerkte ich, dass in diesen Garten kaum Blumen blühen und keine Gemüsegärten gepflegt werden.

Dann sahen wir schon von Weitem die Türme der Marienburg. Durch diese unglaublich große Festung des Deutschen Ordens, aus roten Backsteinen erbaut, mit Ringmauern, Gebäuden, Kirchen und Türmen wurden wir von einer netten polnischen Führerin geleitet. Sie berichtete von den Kreuzzügen und verschwieg weder den Bekehrungswillen der Ordensleute, noch ihre Untaten.

Eifrig erklärte sie die Verteidigungsanlagen, Kirchengewölbe und Wandmalereien. Wir bestaunten die Heizungsschächte, die im Winter wenigstens etwas Wärme brachten. In der Burgküche hingen große Kupferkessel im Kamin, an ihrer Zahnschiene hatten sie früher „einen Zacken zugelegt“. Die ganze Küche war hervorragend ausgestattet mit Tellerregalen, Küchengeräten, Eimern, Schüsseln und Kräutern.

Sie wurde nicht müde die Architektur mit den gotischen Rippengewölben und den Wandmalereien zu erwähnen, die teils renoviert, teils erhalten und teils neu bemalt sind.

Sie vergaß nicht, das damals nur wenig übliche Plumpsklo erklären und die Benutzung von Kohlblättern daselbst.

Im Galopp führte sie durch das Museum, denn die vorgesehene Zeit war um und wir müde.

Felder, Seen und grüner Wald säumten nun die kleinen Straßen, die Jens bevorzugt fuhr. Die Warnschilder „Wildwechsel“ waren durch einen Hirsch mit Geweih dargestellt, wodurch ich an die Jagdgesellschaften Kaiser Wilhelm II erinnerte, der mit Vorliebe hier in Masuren kapitale Hirsche erlegte, deren Geweihe dann in den Berliner Schlössern zu bestaunen waren.

Ich erinnerte auch an die hier nahe „Wolfsschanze“ Hitlers, dieses Bunkersystem mit 8 m dicken, armierten Betonwänden. Seit 1941, mit dem Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion, war sie bis 1944 Führerhauptquartier und Hitlers Hauptaufenthaltsort. Die Wolfsschanze wurde von den Nazis im Januar 1945 gesprengt.

In einem Bunker arbeitete die Feldkommandostelle von Heinrich Himmler, die Herrenhäuser der Gegend besetzten das Göring-Quartier, die Versuchsanstalt der Luftwaffe, das Quartier des Reichskanzlerchefs. In Nikolajken bezog die Abwehrzentrale von Außenminister Rippentropp Quartier im Schloss der Lehndorffs.

Wir erinnerten uns an den bravurösen, aber missglückten Attentatsversuch Graf von Stauffenbergs auf Hitler. Ein aufgeschlagenes Buch auf einem Felsen ist die Gedenkstelle.

Ein angeregtes Gespräch im Bus ging über die „Große Dame der ZEIT“ Marion Gräfin Dönhoff. Vom Schloss der Dönhoffs flüchtete sie Anfang 1945 mit ihrem Pferd bis ins Münsterland, was sie nach 1.200 km erreichte. Über das wunderschöne Masuren berichtet sie in mehreren Büchern. Unsere Bewunderung hatte sie.

Die Masurische Landschaft wurde intensiver, die Wäldchen und Seen wurden größer, strahlten Ruhe aus. Die Gerstenfelder wechselten sich mit Wiesen und reifem Raps ab, wenige Kühe weideten. Jens, unser Busfahrer, lenkte den Bus zielgenau in Richtung Nikolajken, bis er 2 km vor unserem Zielhotel einer kleinen Holzbrücke nicht traute. Vor uns kleine, schmale Holzplanken über einem Bach, davor ein gigantischer, hoher und schwerer ZEIT-Reisebus. Die Unterhaltung mit einem Anrainer brachte das Ergebnis: kein Wagnis, 300 m rückwärts auf diesem engen Weg bis zum Abzweig. Zum gleichen Ziel ein neuer Weg, die Hoffnung dort hinzukommen war groß. An der nächsten Kreuzung sah es vielversprechend aus: links ein Gedenkstein mit eigenem Stromkabel, dass dieser Flecken Masurens seit 1.100 Jahre bewohnt wird, ein blaues Schild in die richtige Richtung weisend mit polnischem Namen eines Dorfes, ein ortsansässiger Traktorfahrer freundlich nickend und ein Mariahilfaltar, geschmückt mit Blumen. Eins von alledem hat ca 4 km geholfen, dann kam ein weiterer, unerklärlicher Abzweig dieser unbefestigten Trasse. Jens, Herr aller Situationen, holte seinen ERoller aus dem Bauch des Busses und sauste damit auf dem Sandweg gen vermutetem Hotel. Diese Pionierfahrt war erfolgreich: der Sandweg würde das Gewicht von 20 Tonnen, die 2.55 m Breite und die Höhe von 3.85 m des Busses verkraften, die Kurven vom Bus bewältigt werden. Entgegenkommende Fahrzeuge hatten keine Chance.

So erreichten wir unbeschädigt und staunend das Hotel. Der Blick im Abendlicht auf den See mit seinen Segelbooten, eingerahmt von dunkelgrünem Wald, bestätigt uns die Schönheit Masurens.

Almut Bree – ZEIT Reisende
Gaststube in Danzig
Straßenschild in Polen
Traktor in Polen

Nikolaiken (Mikolajki) – Suwalken (Suwalki) – Kaunas

Ich höre Vogelgezwitscher und den unverwechselbaren Ruf des Kuckucks. Es ist Zeit zum Aufstehen. Unser Hotel liegt unmittelbar an einem der unzähligen Seen auf der Masurischen Seenplatte. Nach dieser doch recht abenteuerlichen „ offroad” Fahrt von gestern über unbefestigte Feld- und Waldwege hin zum Hotel, soll es heute wieder auf richtigen Strassen Richtung Kaunas gehen. Aber weit gefehlt. Wegen einer mehrtägigen Rallye gibt es viele Straßensperren und so bleibt uns nichts anderes übrig als wieder auf Schotterwege auszuweichen.
Dass Jens ein richtiger Teufelsfahrer ist, und ein sehr geschickter noch dazu, das hat er uns gestern schon bewiesen. Mit einer gewissen Leichtigkeit manövriert er den Bus vorwärts und rückwärts und nimmt auch schon mal eine 45 Grad Kurve mitten im Wald. Dank der Luftfederung kann der Bus ein paar Zentimeter abgesenkt werden und so passt er auch noch bequem unter die 3,5 Meter hohe Brücke, die wir auf unserem Weg passieren müssen.
Ein wahres Wunderwerk der Technik.
Die Fahrt geht durch eine ländlich geprägte Gegend mit schier unendlich scheinenden Kartoffel- und Maisfelder. Die ansässigen Bauern haben sich in Genossenschaften zusammengeschlossen um diese weiten Flächen bewirtschaften zu können.
Überall sind Feuchtbiotops und kleine Teiche, ab und zu sieht man ein Storchennest mit Jungvögel und weit am Horizont fliegen Kraniche in ihrer charakteristischen V-Formation.
Ginster, Klatschmohn und Lupinen säumen die Wiesen und Felder, dem Auge ergibt sich ein farbenfrohes Landschaftsbild. Szenenwechsel.
Wir verlassenen diese ländliche Idylle und fahren auf direktem Weg über die E67 nach Kaunas in Litauen.
Kaunas liegt am Zusammenfluss von Memel und Neris und ist eine der europäischen Kulturhauptstädte von 2022.
Bei einem kurzen Stadtbummel zeigt Wolfgang uns die Schönheiten der Altstadt, ehe wir im Hotel auf Michael Thumann von der ZEIT treffen. Er wird uns bis nach Riga begleiten und uns den geschichtlichen Hintergrund von der Entstehung der Baltischen Staaten erläutern.
Als langjähriger Russlandkorrespondent wird er sicher auch über das aktuelle Kriegsgeschehen in der Ukraine berichten zu wissen. Wir freuen uns auf diese spannenden Tage.

Monique Konsbuck – ZEIT Reisende

Hausansicht in Litauen
Straßensperrung in Litauen

Fährpassage nach Helsinki/FIN – Imatra

Heute verlassen wir die baltische Seite der Ostsee und nähern uns Skandinavien. Die wechselvolle Geschichte der baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland war uns durch Vorträge von Frau Dr. Knappe und in Gesprächen mit ihr näher gebracht worden, nicht zuletzt auch die Unwägbarkeiten ihrer Zukunft. Haben wir die bisherigen vier Grenzen im Vorbeifahren kaum wahrgenommen, so fühlt sich heute die Schiffspassage von Tallinn nach Helsinki wirklich grenzüberschreitend an. Gerade beim Verlassen eines Landes mit dem Schiff wird die Distanz zwischen dem sich entfernenden Land und dem näherkommenden spürbar. Es ist Abschied und Erwartung zugleich. Vom Fährterminal aus gehen wir auf die Fähre der Tallink Silja Line. Das Schiff ist beeindruckend mit seinen verschiedenen Salons, Restaurants, Cafeterias, Supermarkt und Geschäften. Die meiste Zeit verbringen wir an Deck und sehen noch lange Zeit die Silhouette von Tallinn. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir Helsinki, steigen wieder in den Bus und fahren Richtung Osten. In Kotka, einer Stadt an der Ostsee, besuchen wir eine kleine Ansiedlung von Fischerhäusern, die Zar Alexander III 1889 errichten ließ. Die Anlage, zu der sogar eine kleine Kapelle gehört, ist im Wald nahe dem reißenden Fluss Kymijoki gelegen. Der Zar hat diesen Ort mehrmals aufgesucht, um Lachse zu angeln. Das Ensemble von Haus, Kapelle und einigen Nebengebäuden ist sehr gepflegt. Wir haben die Anlage bei Regen besucht, was dem Ganzen eine fast mystische Atmosphäre verliehen hat. Zurück beim Bus geht es dann viel profaner zu, denn zur Stärkung gibt es heiße Würstchen mit Senf und Brot sowie Kaffee. Danach dürfen wir noch einen Likör aus Moltebeeren probieren, eine nordische Spezialität. Es geht dann ohne einen weiteren Aufenthalt nach Imatra zum Hotel, das direkt am Saimaa-See gelegen ist. Der See, dessen Ufer mit Kiefern, Birken, Ahornbäumen und verschiedenen Sträuchern bewachsen ist, strahlt eine wohltuende Ruhe aus, die wir bei einem abendlichen Spaziergang genießen. Das milde Licht, die Spiegelungen im Wasser und die noch lange nicht untergehende Sonne üben einen besonderen Zauber aus.

Gudrun Paysen – ZEIT Reisende
458_Savonlinna Helsinki (c) Visit Finland, Jussi Hellsten

Imatra – Lathi – Helsinki

Wir verbrachten 2 Tage in Imatra in einem Sporthotel an einem großen See umrankt von Wald. In diesem Wald sind wir am Rande des Sees rund um die Insel des Hotels gewandert. Auf halber Strecke überraschte uns unser Fahrer Jens an einer Grillhütte mit einem Mittsommerfest: Sekt mit gegrillten Thüringer und Nürnberger Würstchen. Das Holz zum Grillen lag in einer kleinen Holzhütte, Sägebock mit Säge und ein sehr patenter Hackklotz lagen bereit. Diesen patenten Hackklotz muss ich mal nachmachen. Eine erwanderte, deutsche Mittsommerfeier am Südrand der Finnischen Seenplatte.
Heute Morgen verließen wir die Finnische Seenplatte gen Süden. Alvar Aaltos Kirche in Vuoksenniska imponierte mit ihrem strengen Funktionalismus aus den 1959er Jahren. Obwohl dringend renovierungsbedürftig, besticht sie mit Schlichtheit und Formharmonie.
Weiter geht es nach Lathi – das finnische Zentrum des nordischen Skisports begeistert mit seinen 3 Sprungschanzen. Die Höhe ist imponierend, der Ausblick von der mittleren Schanze nach 150 Stufen! angstmachend, der Auslauf unten erstaunlich kurz. Das beherrschen nur Weltmeister.
Wieder 100 im durch die wunderschöne Landschaft, Lupinen und Schafgabe säumen den Straßenrand, die Sonne strahl vom blauen Himmel, Helsinki ist unser Tagesziel.
Nun sitze ich im Hotel Clarion im 9. Stock, blicke über Helsinki im Dämmerlicht und freue mich über eine weitere, helle Nacht.

Almut Bree – ZEIT Reisender
Mittsommerfest Ostseereise
Finnische Landschaft
Finnisches Zentrum des nordischen Skisports

Oulu – Lulea

Dann habe ich den Schreibtischstuhl
Jetzt sind wir in Schweden, nachdem wir nördlichste gelbe Boje in der Ostsee gesehen haben. Die Kirche mit der Erwägung des Struvebogens konnten wir nicht besichtigen, da sie geschlossen war. Um die Kirche herum war jedoch ein großer, beeindruckender Friedhof und viele Soldatengräber. Vor jedem stand eine rote Rose. Die armen Jungs waren alle zwischen 20 und 35 Jahre alt.
Dann ging es weiter nach Lulea, wo wir im ELITE Stadthotellet Lulea eingecheckt haben. Das Zimmer ist so klein, dass ich meinen großen Koffer nicht einmal ausbreiten kann und die Dusche ist wieder eine Badewanne.
Das Abendessen findet heute im Freien statt, war echt toll in einem Elch-und Rentierreservat.
Aber ich und mein Koffer, wir passten nicht ein Zimmer. Ich habe dann den Kofferständer genommen und vor den Schreibtisch gestellt, aber der Koffer fiel immer nach einer Seite runter. Dann Habe ich den Schreibtischstuhl als Unterstützung für den Koffer genommen. Aber jetzt konnte ich mich nicht mehr an den Schreibtisch setzen, weil der Stuhl ja schon besetzt war und musste daher meine Schreibarbeiten auf den Knien, bzw. Oberschenkeln erledigen.
Das Badezimmer ist auch auf ein Minimum an Platz beschränkt. Die Dusche befindet sich in der Badewanne, die eine sehr hohe Wand hat, die nur mit langen, funktionierenden Gliedern zu überwinden ist, Dann dusche ich eben nicht!
Welcome in Sweden! Sehen wir mal , wie das Frühstück wird.

Nina Funk – ZEIT Reisende
Koffer im Hotelzimmer

Umeå – Sundsvall

Ein Tag aus dem Alltag des Busfahrens am Beispiel von Umeå nach Sundsvall.
Vor genau einer Woche bin ich in Helsinki dazugekommen. Nachdem ich bereits vor einigen Jahren mit eben diesem unseren ZEIT-Bus von St. Petersburg nach Hamburg durch das Baltikum und Polen gefahren bin, freue ich mich nun auf Finnland und Schweden.

Das Wetter ist von Anfang an ein Traum! Stahlblauer Himmel, Temperaturen um die 25°C und selbst, wenn es mal wärmer wird, weht immer ein leichter, kühlender Wind. Finnland und die Finnen selber haben mich begeistert. Ihre positive Lebenseinstellung (sogar für die Politik), der Humor und natürlich diese unglaublich schöne Landschaft muss man einfach lieben!
Nun sind wir aber schon seid einigen Tagen in Schweden (schon komisch, wenn an der Grenze auf einmal die Uhr umgestellt wird) und ich möchte heute einmal einen ganz normalen Tagesablauf beschreiben.

Am Abend vorher gibt Wolfgang, unser wunderbarer, durch nichts aus der Ruhe bringender Reiseleiter, die Abfahrtszeit bekannt. Diese bestimmt für mich, wann der Wecker zu klingeln hat. Heute starten wir um mäßige 09:30 Uhr, somit ist fast schon ausschlafen angesagt und ich habe auch schön viel Zeit, das Frühstücksbuffet in Ruhe zu genießen. Einige Gäste sitzen schon beisammen und man bekommt die ersten Tipps, wo was zu finden ist (man kennt sich halt schon ein bissl). Zu meiner großen Freude gab es heute tatsächlich mal wieder kleine Pfannkuchen.
Nachdem man sich noch einmal frisch gemacht hat, den Koffer geschlossen (warum ist meiner eigentlich so fürchterlich schwer?!) und das Zimmer akribisch nach eventuell vergessenen Gegenständen wie Reisepass oder Ladegerät für das Hörgerät abgesucht hat, wird es Zeit zum Auschecken und Koffer verstauen. Geht es eigentlich nur mir so, oder achten auch andere darauf, dass der Koffer auch wirklich eigeladen wird? Ich könnte auf alles verzichten, aber meine Panik, dass ich auf einmal ohne Koffer und somit ohne mein Kopfkissen dastehe ist groß!

Pünktlich 09:30 Uhr geht es los. Jeder hat noch sein Wasservorrat aufgefüllt, es sich auf seinem Platz gemütlich gemacht und Leo, unser „Jens hat drei Tage frei“-Ersatzbusfahrer startet in Richtung Sundsvall. Natürlich wurde vorher auch noch unserem heutigen Geburtstagskind Monique gratuliert! Happy Birthday auch noch einmal an dieser Stelle von mir und dem gesamten Team von ZEIT REISEN!

Es geht auf der Küstenstraße E4 in Richtung Süden. Wolfgang erzählt uns ein wenig darüber, was uns im Laufe des Tages alles so erwartet. Da ist z.B. das Highlight, die 180 m hohe Högakustenbron und die sehr engen Straßen in Sundsvall, wo der Bus vor dem Hotel eventuell etwas rangieren muss. Aber das liegt weit vor uns, wir freuen uns erst einmal wieder auf die Fahrt.
Damit es nicht langweilig wird, haben wir Tilmann Bünz mit dabei. Er erzählt uns schon seit einigen Tagen immer wieder Interessantes über seine 2. Heimat Schweden und auch Skandinavien allgemein. Heute ging es u.a. über das „Bullerbü-Syndrom“, welches für eine verklärte und idealisierte Vorstellung Schwedens steht. Außerdem hat er uns ein wenig über das „Jedermannsrecht“ hier in Schweden aufgeklärt, bzw. ein bissl darüber, was man in Schweden auf keinen Fall machen sollte. Sehr interessant und auch sehr unterhaltsam erklärt. Sowieso lerne ich so ganz nebenbei sehr viel (BMW in Japan, Dörferverlegung auf Grund des Bergbaus, Schulgründung in Kenia und vieles mehr), es wird nicht langweilig!

Wir sind seit ca. 1 Stunde unterwegs und es wird leiser im Bus. Jens tüfftelt am neuen Rotationsplan, neben mir wird in trauter Zweisamkeit geschlafen und vorne raschelt die Landkarte. Jeder ist für sich – lesend, dösend oder einfach die Landschaft betrachtend. Links sehen wir immer wieder Wasser und rechts blühen die wunderschönen Lupinen am Wegesrand. Nicht besonders aufregend, aber dennoch entspannend schön. Da die Straße immer abwechselnd ein- oder zweispurig ist, kommt man auch gut voran, weil man die etwas langsamen LKW’s oder einfachen Trödler immer mal wieder ohne Stress überholen kann. Feine Sache, so eine Lösung.

Irgendwie ist es auf einmal 12:00 Uhr und Wolfgang kündigt die in der Ferne bereits zu erkennende besagte Brücke an. Ich bin erstmal etwas verhalten, denn nach all den schönen wolkenlosen Tagen, liegt die Brücke tatsächlich in einem ganz leichten Dunst und es scheint auch geregnet zu haben. Aber als wir ankommen und aussteigen (alle sammeln ihre Jacken ein und ich meine auch den ein oder anderen Regenschirm gesehen zu haben), strahlt die Sonne und es ist ziemlich schwül-warm.
Da ich ja über den Alltag im Bus schreiben möchte, kürze ich an dieser Stelle etwas ab. Wolfgang ist mit einigen von uns die doch sehr unebene und unbedingt festes Schuhwerk (das musst Du unbedingt vorher ankündigen 😉!), benötigendes Gelände spaziert. Natürlich wurden alle über die Steine informiert, aber das schönste waren die unterschiedlichen Fotomotive der Brücke, welche nun auch nicht mehr im Dunst lag.

Wir haben alle zwei Stunden Zeit und um 14:00 Uhr ging es nach Stärkung mit einem von Jens’s Würstchen (so ein Tausendsassa) und Käffchen wieder weiter.
Nun ist Tilmann wieder am Start. Er erzählt uns etwas über den schwedischen Datenschutz und Steuergeheimnis (beides faktisch nicht vorhandenen). Ich bin tatsächlich etwas irritiert, denn in Schweden liegt anscheinend wirklich alles offen. Jeder kann sehen, was Björn von ABBA, der Außenminister oder sogar mein Nachbar verdient. Jeder Schwede hat eine persönliche Nummer, welche bei der Geburt zugeordnet wird. Über diese Nummer ist alles einsehbar und auch KFZ-Kennzeichen können einfach im Netz geprüft werden und man weiß sofort, wer der Halter des PKW ist. Wie gesagt, ich lerne viel dazu!

Es ist 14:45 Uhr und wir kommen langsam in eine bewohntere Gegend. Der Verkehr nimmt zu und auch das Landschaftsbild zeigt mehr Häuser und Wohngegenden. Einige dösen wieder, andere schreiben in ihrem Roadbook. Ich höre meine ABBA-Playlist und bin irgendwie froh, nun doch in Schweden zu sein. Die Finlandia ist mir dann doch etwas zu düster und finnischen Rock hatte ich unfreiwillig zu Mittsommer, aber das ist eine andere Geschichte. Es ist eine friedliche Stimmung. Immer, wenn jemand eine Frage an Tilmann hat, greift er beherzt zum Mikro und beantwortet diese auch für alle anderen. So vergeht die Zeit tatsächlich wie im Fluge.

Um 15:00 Uhr nähert sich unsere heutige Fahrt dem Ende. Wir erreichen Sundsvall und … fahren durch!? Schnell stellt sich heraus, dass uns Wolfgang noch ein altes Hügelgrab zeigen möchte. Wie gesagt, es wird nicht langweilig! Aber nach knapp 45 Minuten geht’s dann doch in Richtung Hotel und auch hier hatte Wolfgang uns ja bereits vorgewarnt. Die Straßen sind wirklich sehr eng, aber Leo hat unseren ZEIT-Bus geschickt vor das Hotel manövriert.

Es folgen heute noch ein privater Spaziergang durch die Stadt, das Abendessen hier im Hotel (3-Gänge-Menue) und später treffen wir uns wieder zu einer kleinen Filmvorführung, Gesprächen oder was auch immer uns so erwartet. Morgen muss ich meinen Wecker bereits auf 06:00 Uhr stellen, denn ab 07:45 Uhr soll der Bus beladen werden und spätestens um 08:00 Uhr sind wir wieder on the road in Richtung Stockholm!

PS:

P.S.: Da auch das Beziehen eines Hotels zum Alltag während der Busreise gehört, möchte ich es nicht verschweigen, dass es heute ein paar kleine Probleme gab. Der Hoteleingang ist nicht ebenerdig zu erreichen, man muss leider seinen Koffer diverse Stufen nach oben tragen (ich hatte erwähnt, dass mein Koffer schwer ist) und ich war froh, dass mir die Herren der Gruppe zur Hilfe eilten.
Als ich mein Zimmer beziehen wollte, kam der nächste Schreck: um in mein Zimmer zu kommen, musste ich erst mit dem Fahrstuhl in den ersten Stock fahren, nur um dann meinen immer schwerer werdenden Koffer (zumindest gefühlt) über ca. 20 Stufen nach unten tragen zu müssen. Das ist tatsächlich ein no go und ich möchte alle Gäste bitten, sich – sollte einmal etwas mit dem Zimmer nicht in Ordnung sein oder der Weg dorthin nicht machbar sein – unbedingt an Wolfgang oder auch die Rezeption zu wenden! In der Regel kann immer geholfen werden!
Ich habe ein neues Zimmer bekommen und mir wurde auch sofort seitens des Hotels Hilfe mit dem Gepäck angeboten (aber ich habe ja hilfreichen Herren in der Gruppe). Somit bin ich wieder glücklich!

Busfahrt Ostseereise 2022
Wolfgang Pohl
Busfahrt Ostseereise 2022
Busfahrt Ostseereise 2022
Aussicht auf der Ostseereise 2022

Zwei Münsteraner Ameisen

Ein Blogbeitrag zur Ostseerunde 2022-06/07 von Gaby und Tilmann Wolter

in Anlehnung an Joachim Ringelnatz


In Münster lebten zwei Ameisen.
Die wollten um die Ostsee reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
riefen sie Hurra und Juchee,
und sogar die Knie tun nicht mehr weh.


Der große Bus, die netten Leute,
oft rief der Jens: Jetzt aber mal schnell heute!
Auf den Spuren der Hanseaten
Rochen sie manch 4-Sterne-Braten.
Ob Lübeck, Wismar, Straaalsund, Danzig,
hier gab man sich nicht kleinkariert-wanzig.
Marienburg, Nikolaiken, Kaunas,
das war was!


Wo Memel und Negris zusammenfließen,
ihre Kräfte die Ameisen verließen.
So konnte man sie in Litauen
Vorzüglich mit dem Corona-Virus verhauen.
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.
Und sagten den Kurzstreckengefährten und Wolfgang
Dank und seid um uns nicht bang.


Sie werden den Virus mit ihren Waffen parieren
Und ihn im Hotel Victoria langsam auskurieren.
Carolin will ihnen einen Flug besorgen
Und wenn der Test noch positiv ist, dann vielleicht besser morgen

Zwei Ameisen Ostseeblog