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Mit der Queen Mary 2 von Hamburg nach New York

Reisebericht von Karin Klopfer

24.9. – 4.10.2019

Eigentlich begann unsere Reise ja schon Wochen vorher, mit Träumen, Vorstellungen, Erwartungen… Aber am 24. 9.2019 ging es wirklich los. Die Koffer standen gepackt auf dem Bahnsteig für den Zug nach Hamburg. Aus „seinem Koffer“ quoll ein Stück vom grünen Jackett heraus! Also – Koffer öffnen – ging aber nicht. Das Kofferschloss reagierte nicht! Ganz ruhig, noch mal, den Zahlencode 703 – nichts! Weder mit Gefühl noch Gewalt, weder mit Fluchen noch Verzweiflung. Noch mal den Zahlencode: 702 – Simsalabim das Schloss springt auf! Die Jacke wird ordentlich reingestopft und mit dem Koffer laufen wir ganz weit vor auf dem Bahnsteig, weil unser Abteil vorne halten wird. Schon läuft der ICE ein – aber verkehrt herum, jetzt ist unser Abteil am anderen Ende! – also wieder zurück gerast – doch schließlich fallen wir erschöpft auf unsere Sitzplätze.

Am nächsten Tag in Hamburg geht es mit dem Shuttle-Bus zur Anlegestelle der Queen Mary. Ein „Stündchen“ steht man in der Warteschlange fürs Einchecken, Registrieren und die Passkontrolle. Zwei Kanadier unterhalten sich: Wie oft bist Du schon mit der Queen gereist?“ – „Fünf mal” – „Da brauchst Du doch nicht anstehen!“- „Doch, erst beim achten mal darfst Du die Warteschlange umgehen!“

Endlich auf dem Schiff. 2500 Passagiere, 500 Mann Besatzung. Alle Nationen. Schillers Ballade „Die Kraniche des Ibikus“ fällt mir ein: » … Wer kennt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammen kamen…« Unsere Kabine ist sehr schön, geräumig mit kleinem Balkon. Um 18 Uhr – mit „gehobener“ Kleidung finden wir uns zum ersten gemeinsamen Abendessen im wunderschönen Britannia Restaurant ein.

Festlich gedeckt mit frischen Blumen (Wo kommen die immer her?) vor den Fenstern die langsam verschwindenden Lichter vom Hamburger Hafen – wir sind unterwegs. Unsere Tischrunde, aus Österreich, Kanada, Deutschland … Architekt, Journalist, Kieferorthopäde, Meteorologe, Künstler – schnell ergeben sich interessante Gespräche aus verschiedenen Blickwinkeln. Nun folgt das „Ober-Zeremoniell“ jeden Morgen, Mittag und Abend: In weißen Jacken, schwarzer Hose, Handschuhe: Der erste Ober schiebt den Stuhl unter den Allerwertesten und legt die weiße Stoffserviette auf den Schoß des Gastes. Der 2. bietet verschiedene Brotsorten an, der 3. fragt nach nicht alkoholischen Getränken, (Säfte etc.). Eiswasser wird ständig in große Gläser nachgefüllt, der 4. ist zuständig für die alkoholischen Getränke, die gleich mit der Kreditkarte abgebucht werden, der 5. Ober breitet die Speisekarte aus. Jetzt heißt es auswählen: 8 Vorspeisen, 8 Hauptgerichte, 8 Nachtische, Kaffee. Die Namen für die Vorspeisen sind beispielsweise: „Häggis Bon Bon“ oder „Lavendel Käsekuchen Dessert“. Nie wird etwas falsch serviert! So geht es 3x täglich. 2500 Passagiere, 3 x 3 frische weiße Stoffservietten, ergibt eine tägliche Wäsche von 8.000 Servietten! Die Queen ist bemüht umweltbewusst und klimafreundlich zu handeln – aber (laut Küche) werden im Jahr 982 Kilometer Frischhaltefolie verbraucht. Hier muss nach einer alternativen Lösung gesucht werden! Auf dem 7. Deck gibt es aber noch ein „Buffet“ Restaurant. Man bedient sich selbst, sieht, was man essen möchte, wählt, probiert – das Fremde, Außergewöhnliche – oder das Bekannte. Typisch englisch – richtig „cool“ am Nachmittag: Teatime mit englischem Tee und Scones, den Hefebrötchen mit Rahm und Konfitüre.

Southampton – Wir unternehmen einen kurzen Landgang. Und finden eine etwas traurige, trostlose Stadt, mit einem einzigen schönen Stück alter Stadtmauer. Le Havre, am nächsten Tag – welch ein Unterschied: eine französische, lebendige bunte Stadt. Sehr gepflegt– 1944 gänzlich zerstört. Der Wiederaufbau ist so gut gelungen, dass sie Weltkulturstatus bekam! Sehr beeindruckend die St. Josephs Kirche, mit dem 107 Meter hohen Turm und 12768 Glassteinen im Innern. Das von Oscar Niemeyer gebaute Kulturzentrum „Volcan“ … Oh Frankreich! Wir schlürfen noch schnell ein paar frische Austern. Am Abend verlassen wir Europa.

Es ist noch tief dunkel, so 6- 7 Uhr früh, eine Durchsage: „Ein Hubschrauber landet auf unserem Schiff. Ein Passagier muss ins Krankenhaus geflogen werden. Bitte gehen Sie nicht an Deck!“ Im Laufe des Tages hat sich alles beruhigt. Jetzt gibt es nur noch das Meer und den Himmel. Wo sind die Seevögel? Keine Möwe, die uns begleitet!

Nun muss ich das Schiff beschreiben: Am schönsten ist die Bibliothek, deshalb fange ich mit ihr an. Bücher in vielen Sprachen locken zum Lesen, Durchblättern, in weichen Sesseln am Fenster lümmeln, die Zeit vergessen… Auf Deck 13/12/11 – regiert der Wind. Mehrere Swimmingpools, im Freien und überdacht, laden zum Baden ein. Auf Deck 11 ist auch das Deck für (jetzt) 21 Hunde! Sie dürfen aber nur von ihren Besitzern besucht werden. 2500 Passagiere – die Mehrzahl ältere Menschen (über 60). 1. Stock, 2. Stock: Rollator, Rollstuhl. Ganz unglücklich macht mich eine Frau mit einer faustgroßen Geschwulst aus rohem Fleisch an ihrer Unterlippe. Ein Mann, eine Frau, Contergan geschädigt, meistern bewundernswert alle Tätigkeiten. Alle Leute sind sehr freundlich, grüßen einander, reden zusammen – man trifft sich, verliert sich wieder … Die Gänge zu den Kabinen scheinen endlos. Aber Bewegung ist ja gesund und auf Deck 7 joggen, rennen und wandern nur die Hartgesottenen gegen den Sturm und leichten Regen. Vorträge finden meist im 2. und 3. Stock statt. Im Theater oder im Planetarium. „Fachleute“ der ZEIT, Journalisten, wie Martin Klingst referieren über Trump, seine Wähler, Flüchtlinge weltweit, Prof. Walter über den Weltraum, Filme zu Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt und vieles mehr- mit anschließender Diskussion. Ganz großartig!

„Earth“ – eine beeindruckende, beängstigende Darstellung unserer Zukunft: Bisher war die Erde im Gleichgewicht. CO2 wurde durch die Regenwälder, das Meer, den Boden ausgeglichen. Jetzt hat sich das Gleichgewicht schon über 40 % verschoben. Die Regenwälder brennen, die Meere sind vermüllt, der Boden zu zementiert – und wir machen, mit Höchstgeschwindigkeit so weiter!
Das abendliche „leichte Programm“: Shows im Theater mit tollem Ensemble – nur die Musik ist viel zu laut! (Wir sind ja in der Mehrzahl ältere Leute) Auf dem Schiff kann man sich den ganzen Tag „vergnügen“! Computergesteuert Tennis und Golf spielen, Glücksspiel, Linedance, Chorsingen, Schwimmen, Fitness …

Das ist mein persönlicher Reisebericht. Für mich bedeutet Reisen: Andere Länder kennen lernen, Sprachen, Menschen, Landschaften, Natur erleben.
Hier auf der Queen ist es das Meer. In immer anderen Farbtönen: Morgens ein erstes zartes Rosa von der aufgehenden Sonne – tagsüber grau, dunkelblau und bei höherem Wellengang die Gischt, die Schaumkrönchen auf dem Wogenkamm in tausend Schleier zerstäubend – jede Welle eine andere. Schnell vergehen die Tage. Dann, es ist noch Nacht, im fahlen Licht die Freiheitsstatue! Was empfanden wohl die Menschen, die für immer Europa verlassen haben, voll Hoffnung auf ein besseres Leben in Amerika?

Lisa – unsere Reiseleiterin empfängt uns und zeigt uns „ihr“ New York. Mit Bus und zu Fuß. Durch den Lärm der Weltstadt höre ich plötzlich Geigenmusik. Ein Mongole spielt auf der Pferdekopfgeige, der quadratischen zweisaitigen Fidel. Er ist wie auf einer Insel und um ihn ist die Einsamkeit der mongolischen Steppe … Ich bleibe stehen, erzähle, dass ich seine Heimat kenne, die Pferdekopfgeige, die Musik – da laufen Tränen über sein zerfurchtes Gesicht.

Im World-Trade-Center jagen wir mit dem Fahrstuhl in Sekunden bis auf 451 Meter Höhe. Die Sicht ist atemberaubend! Die Freiheitsstatue, jetzt im Tageslicht, und dort hinten ankert die Queen, die weiter nach Quebec fahren wird. Um 13 Uhr ist der Treffpunkt unten am Eingang. Lisa lässt „abklatschen“ – alle da? Nein – mein Freund fehlt. Wir müssen los, das Mittagessen ist bestellt! Thomas Kaiser, von der ZEIT wird ihn suchen und nach einer halben Stunde stoßen beide, erschöpft aber glücklich, wieder zur Gruppe. Vom grünen ruhigen Central Park geht der Blick zum dicht besiedelten Manhattan.

An dem darauffolgenden Tag – unser Abflug – sind wir frei und besuchen eine Messe in der St. Patrick’s Cathedral. Im Anschluss ist ein großer Umzug von Polen, die seit Jahren in großer Zahl in Amerika leben. Folkloregruppen, Veteranen, Reiter, Motorradfahrer, alle werden von der Priestergruppe am Rand begrüßt und gesegnet.

Am Abend starten wir vom J.F. Kennedy Flugplatz Richtung Zürich. Eine große, interessante Reise geht zu Ende.

Reisebericht Queen Mary 2019 © Karin Klopfer
Reisebericht Queen Mary 2019 © Karin Klopfer
Reisebericht Queen Mary 2019 © Karin Klopfer
Reisebericht Queen Mary 2019 © Karin Klopfer
Reisebericht Queen Mary 2019 © Karin Klopfer
Reisebericht Queen Mary 2019 © Karin Klopfer
Reisebericht Queen Mary 2019 © Karin Klopfer
Reisebericht Queen Mary 2019 © Karin Klopfer
Reisebericht Queen Mary 2019 © Karin Klopfer
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