Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich

 

Unter der Ägide Pereira hat sich das Opernhaus Zürich endgültig in die Herzen internationaler Opernfans gespielt. 250 Vorstellungen gab es pro Spielzeit. Bis zu 15 Premieren pro Saison. Das Haus ächzte, aber internationale Stars hielten Hof und blieben für Monate im Ensemble wie Cecilia Bartoli, Diana Damrau, Joyce DiDonato, Anna Netrebko, Emily Magee, Nina Stemme, Jonas Kaufmann oder Stephen Gould.

2012 tritt Perreira ab und macht Platz für den Künstlerintendaten Andreas Homoki, der in seiner Jugend noch mit der Oper fremdelte. Denn alles, was er sah, fand er »verstaubt, schlampig, faul«. (SRF). Die bürgerliche Volte – »mag man keine Oper, ist man nicht kultiviert« – hielt er für obsolet. Die vermeintliche Kluft zwischen Sub- und Hochkultur auch. »Oper ist für alle da, dafür kämpfe ich«, bekennt Homoki. Ihm geht es um: »Öffnung, Öffnung, Öffnung.«  Um Oper – in all ihrem Glanz und ihren Abgründen. Wenn das nicht neugierig macht.

Was Sie schon immer über die Züricher Oper wissen wollten

  • 10. November 1834: Eröffnung des Aktientheaters, das an Neujahr 1890 komplett durch Feuer zerstört wurde
  • 11. Mai 1917: Uraufführung von Ferruccio Busonis Turandot
  • 1.100 Plätzen umfasst das klassizistische Zürcher Opernhaus
  • Parkett-Loge, Nummer 3: über 25 Jahre der Stammplatz von Intendant Alexander Pereira
  • 30. Mai 1980: Der Tag der Opernkrawalle

Durch Bürgergunst errichtet

 

Mit gerade mal 1.100 Plätzen nimmt sich das schmucke, klassizistische Zürcher Opernhaus im Konzert der großen Bühnen recht klein aus. Dennoch ist das architektonisch imposante Haus am Zürichsee reich an Höhepunkten.

Hier begann die Karriere von Wilhelm Furtwängler, einem der bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. 1913 wurde Richard Wagners Parsifal erstmals außerhalb von Bayreuth aufgeführt. Zahlreiche Uraufführungen folgten, wie etwa Ferruccio Busonis berühmte Oper Turandot, Alban Bergs Lulu, Paul Hindemiths Mathis der Maler oder Arnold Schönbergs Moses und Aron.

Die erste Aufführung geht zurück auf das 1834 mit Mozarts Zauberflöte eröffnete »Actien-Theater«. Es war das erste freistehende Theater der Stadt und wurde von Bürgern im Rahmen einer Aktiengesellschaft gegründet. Allerdings war es ein offenes Geheimnis, dass das alte Aktientheater, den repräsentativen Bedürfnissen des Zürcher Bürgertums nicht ganz genügte.

Als das alte »Actien-Theater« 1890 abbrannte, fielen die Zeitungskommentare dementsprechend nüchtern aus. »Nun ist der alte Kasten tot. Wir danken dir, Herr Zebaot«, dichtete der Schreiberling des Schweizer Illustrierten Extrablattes. Das neue Theater, unweit des Bellevue am Zürichsee gelegen, wurde von den österreichischen Architekten Fellner und Helmer entworfen und 1891 mit Wagners Lohengrin unter dem Namen »Stadttheater« eingeweiht. Seit 1964 heißt das alte »Stadttheater« Opernhaus.

Opernhauskrawalle – »Züri brännt«

30. Mai 1980. Ein dreitägiges Fest des Opernhauses und die Eröffnung der Festwochen. Eine Abstimmung steht an, über einen Kredit, den die Stadt Zürich dem Opernhaus gewähren soll. Das Opernhaus benötigt für eine Sanierung und einen Erweiterungsbau 61 Millionen Schweizer Franken. Doch es nutzt längst mehrere hundert Quadratmeter auf dem ehemaligen Fabrikareal »Rote Fabrik«.

Das ist über 200 Demonstranten zu viel. Sie stehen vor der Tür und fordern ein autonomes Jugendzentrum. Die Polizei hat im Vorfeld Wind davon bekommen – und hat sich, wie die Tagespresse damals berichtet, im Foyer des Opernhauses postiert. (SRF). Als die Jugendlichen die Treppe besetzen, rechnen sie mit vielem. Nicht jedoch damit, dass die Polizei in ihrem Rücken auftauchen wird.

Eskalation. Tränengas und Gummischrot: Die Jugendlichen werden abgedrängt, die Demonstration artet in eine Straßenschlacht aus. »Züri brännt« wird zum geflügelten Wort. Ursprünglich ist die Zeile von einem Punk-Song der Band TNT entliehen. Und der Originalfassung heißt es: »Züri brännt vor Langwiil ab«.

Der aktuelle Intendant des Opernhauses, Andreas Homoki, zeigt Verständnis. Zutreffend sei, »dass es nicht genügend Raum für eine Jugendkultur gab« (SRF). Und dann kam diese »Koinzidenz dazu«: die astronomische Summe von 61 Millionen für das Opernhaus einerseits und andererseits das mangelnde Engagement für die Jugend.

Er selbst habe am 30. Mai 1980 in Berlin studiert und mit der dortigen Hausbesetzerszene sympathisiert. »Heute bin ich Direktor des Opernhauses. Auch ein Marsch durch die Institutionen«.

Die Ära Pereira

Am 21. September 1991 steht die erste Premiere des neuen Intendanten Alexander Pereira an. Ein exzellenter Ruf eilt ihm voraus, sein Markenzeichen: Stars im Abo. Er werde nun täglich die Creme de la Creme aufbieten, die es bisher nur an Gala-Abenden zu hören gab.

 

Die Genügsamkeit seines Vorgängers Christoph Groszer war der Steigbühel für erste Kniffe von Pereira. Als 1992 die Sängerin Edita Gruberova in einer Donizetti-Rolle kurzfristig absagt, tritt Pereira strahlend vor den Vorhang und zaubert zwei neue Trümpfe aus dem Ärmel: »Stattdessen hören Sie heute Rossinis L’Italiana in Algeri mit der großen Agnes Baltsa!« (Tages-Anzeiger).

 

Das Publikum jubelt. Pereira holt nicht nur aktuelle Weltstars nach Zürich, sondern schafft es auch, große Dirigenten an sein Haus zu binden. Opernfreunde aus Wien und München reisen an. Die Auslastung steigt alsbald auf 90 Prozent. Pereira erhöht die Anzahl der Premieren auf 15 pro Saison. Das Haus ächzt. Der doppelseitige Probenplan des Züricher Opernhauses sehe aus wie “das Programm einer militärischen Stabsübung”, schrieb die FAZ im Jahr 1998.

 

So prägte Pereira Zürichs Renommee als Opernstadt zwei Jahrzehnte lang und fand nach einem Intermezzo bei den Salzburger Festspielen ein neues Zuhause an der Scala in Mailand.

Oper für alle

Andreas Homoki, vorher Intendant an der Komischen Oper Berlin, kam 2012 an das Haus mit dem veritablen Ruf des Bürgerschrecks. Schon bald mischte er Zeitgeist mit altgedienten Klassikern. Seine Regieidee: In modernen Bühnenbildern werden Geschichten neu, bisweilen auch gegen das Libretto gedeutet und auf schauspielerisch hohem Niveau erzählt.

 

Andreas Homoki verfolgt dabei den Anspruch, das Haus für ein breiteres Publikum zu öffnen. Aus diesem Grund wird jede Saison eine Kinder- und Familienoper auf der großen Bühne gezeigt und das musiktheaterpädagogische Angebot ausgebaut.

 

Neue Veranstaltungsformate wie das Saison-Eröffnungsfest, die Live-Übertragung einer Oper auf den Sechseläutenplatz, Künstlergespräche und Werkeinführungen vor jeder Vorstellung tragen diesem Anspruch ebenfalls Rechnung. Mit Erfolg: 2014 wurde das Opernhaus Zürich bei den International Opera Awards in London zum Opernhaus des Jahres gekürt.

 

Nachdem Homoki seinen eigenen Kurs gefunden hat, klingen seine Worte zur Spielzeit 2018 wie ein kämpferisches Plädoyer: »Wir wollen, wenn wir uns der Kunst zuwenden, das Einzigartige und Nie-Dagewesene erleben. Wir wollen dem Ungedachten, Ungesehenen und Ungehörten auf die Spur kommen und vielleicht gar Luft von anderem Planeten fühlen.« Und weiter: »An einem Opernhaus sind Uraufführungen das stärkste Mittel, um das Versprechen des Neuen einzulösen. Sie sind Expeditionen ins Offene. Sie begeistern und verstören, berühren und überfordern uns.«

 

Mit Zürich ist im Konzert der Großen unbedingt zu rechnen.

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