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Musikalischer Frühling in Oberitalien

Klangvolle Architektur und Kulinarik von Vicenza bis Venedig

von Peter Davids

„Kennst Du das Land wo die Zitronen blüh’n …“ so bringt Goethes Mignon unsere ewige Italiensehnsucht auf den Punkt und immer wieder sind es die beiden Künste Architektur und Musik, die uns gerade im Frühling in die malerische Landschaft Oberitaliens locken. Und weil bekanntlich allem Anfang ein Zauber innewohnt, beginnen wir unsere ZEIT-Reise mit einem Besuch der Villa Pisani nahe Venedig, um dann entlang der Brenta zu unserem malerisch in den Hügeln eingebetteten Hotel Michelangelo bei Vicenza zu gelangen, wo ein Begrüßungsdinner den Alltag vergessen lässt und unsere Sinne für das Kommende öffnet.

Den neuen Tag beginnen wir in der geschichtsträchtigen aber ewig jungen Universitätsstadt Padua, wo wir auf den Spuren des heiligen Antonius, dem Helfer all derer, die verlorene Dinge suchen, wandeln. Seine beeindruckende Grabstätte im Dom und die weltberühmten Giotto-Fresken in der Scrovegni-Kapelle finden wir jedenfalls mit seiner Hilfe im Vorübergehen. Ein Erlebnis ganz eigener Art bilden Einblicke in den historischen Pathologiesaal der Universität von Padua – der drittältesten des Landes – und den Palazzo della Ragione. Diese Eindrücke bilden den Mittelpunkt der angeregten Gespräche bei einer regionalen Winzerfamilie in den malerischen Eugeneischen Hügeln, die uns bei einer Weinprobe mit Antipasti und lokalen Spezialitäten verwöhnen.

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Wie schimmernde Perlen reihen sich am dritten Tag die Villen Palladios entlang der Brenta und zeugen vom kultivierten wie sinnlich-verfeinerten Lebensstil der venezianischen Kaufleute, die sich diese architektonischen Schöpfungen einst als Wochenendresidenzen errichten ließen. So etwa die auf einem Hügel vor den Toren der Stadt Vicenza gelegene Palladio-Villa „La Rotonda“. Sie diente der legendären Don Giovanni-Verfilmung von Joseph Losey als Kulisse und ist wie die Villa „Nani“ heute wie damals Privateigentum. Ihre nahezu original erhaltenen Interieurs machen sie zu einer „Zeitkapsel“ und mit etwas Fantasie sehen wir im Geiste maskierte venezianische Damen und Kavaliere unter den Säulen vorbeihuschen. Etwas weiter in Vicenca öffnet Palladios Teatro Olimpico für uns seine Tore. Es gilt als eines der großartigsten Bauwerke der Renaissance. Spaziergänge über den Corso Palladio zur Basilica Palladiana und die privaten Palazzi Barbaran und Thiene runden unsere ZEIT-Reise durch die Architekturgeschichte ab, bevor uns in der Antica Trattoria dal Penaccio – einem echten Geheimtipp – ein rustikales regionales Abendessen erwartet.

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Doch was wäre eine ZEIT Reise ohne das Erlebnis, Türen zu öffnen, die anderen Kulturreisenden normalerweise verschlossen bleiben? Deshalb sind die wunderschönen, historischen Theaterbauten der Region, die kaum bekannt, aber funkelnde Juwelen der Kultur- und Architektur-geschichte sind, Erlebnisschwerpunkte des vierten Tages: Heute heißt es „Bühne frei“ für die gelungene Synthese von Musik und Architektur, so im Teatro Bibieno von Mantua, nach Angaben von Mozarts Vater „das schönste Theater, das er jemals sah“, im Theater Sabioneta, in Parma und Carpi oder im faszinierenden Teatro Romano in Verona. Wo so viel Musik spielt ist die Kulinarik nicht weit und so führt unsere Route anschließend ins Herz des traditionellen Reisanbaus in der Poebene, wo jetzt im Frühling die frisch angepflanzten Rispen aus der spiegelnden Wasseroberfläche sprießen. Die historische Reismühle Pila Vecia, in der Reis seit fünf Generationen auf artisanale Art geschält wird, steht ebenso auf dem Programm wie ein klassisches Risotto in der weit über Italiens Grenzen hinaus renommierten Riseria Ferron – frei nach dem Motto „Reis wächst im Wasser und stirbt im Wein!“

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Dass Weinbau und traditionelle Grappaproduktion zwei Seiten ein und derselben regionalen Medaille sind, erleben und verkosten wir am fünften Tag der Reise in der Grappametropole Bassano. Weiter geht es nach Masèr zur Palladio-Villa Barbero und ­­– nach einem traditionellen Mittagsimbiss ­zu den Villen Emo und Conaro bevor wir am Abend das Romantik Hotel Villa Margherita am Ufer der Brenta in Mira erreichen – unsere Heimat auf Zeit für die kommenden Tage. Ein elegantes Abendessen in Villa Franceschi lässt die private Fest- und Gesprächskultur der Renaissance wiederauferstehen.

Am kommenden Morgen gehen wir – wie einst die vornehmen Venezianerinnen und Venezianer – an Bord unseres Privatschiffs und gleiten über den Brenta-Kanal und die Lagune ins Herz der „Serenissima“ Venedig. Beim Blick vom Aussichts-Campanile von San Giorgio skizzieren wir unseren Stadtspaziergang jenseits der üblichen ausgetretenen Pfade und zu Orten an denen wir ein wenig unsere schon fast gänzlich italienisierte Seele baumeln lassen…

Am Abend heißt es dann „Vorhang auf!“ im prachtvoll restaurierten Teatro La Fenice, wo für uns in internationaler Besetzung die Oper „La Bohème“ auf dem Programm steht – ein bewegender musikalischer Augenblick, den wohl keiner der Gäste so schnell wieder vergessen wird. Arrivederci e ci vediamo Venezia!

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