Metropolitan Opera House New York

Metropolitan Opera House New York

Kapricen, grandiose Töne und Tumulte. Die Metropolitan Opera in New York zählt unbestritten zu einem der bedeutendsten Opernhäuser in der Welt –auch wegen den großen Dramen jenseits der Bühne

 

Die Metropolitan Opera, kurz MET: drei Buchstaben reichen aus, um das Herz jedes Opernfans höher schlagen zu lassen. Was 1883 als Vorhaben einiger opernverrückter New Yorker Geschäftsmänner am Broadway seinen Anfang nahm, avancierte bald in Glanz und Glorie zu eine der wichtigsten Bühnen der Welt.

 

Nirgends wurden Sängerinnen und Sänger so innig verehrt, der Divencharakter so gepflegt, wie etwa bei der Sopranisten Emma Eames, die als einzige in Gold ausgezahlt werden musste. Nirgendwo trieb die Begeisterung für Oper solch skurrile Blüten, wie bei zum Beispiel bei dem einstigen Bibliothekar Lionel S. Mapleson, der um 1900 für 30 Dollar einen Edison-Phonographen ersteigerte, um legendäre Aufnahmen der Aufführungen zu erstellen. Es war ein besonderer Blick auf die Bühnenkunst dieser Zeit. Denn diese Phonographenwalzen sind die einzigen bekannten Aufnahmen von zahlreichen Künstlern, darunter Jean de Reszke, die in ihrem Leben nie ein Tonstudio besucht haben.

 

Auch der Dirigentenkrieg zwischen Gustav Mahler und Arturo Toscanini ging in die Geschichte ein. Genauso wie die scharfzüngigen Kritiker in New York, die mit funkelndem Geschmeide bestückten Millionärsgattinen, der Hals über Kopf verliebte Dirigent Toscanini, und erneut: die Sänger und Sängerinnen.

 

Jahrhunderttenöre wie Enrico Caruso machten die MET weltberühmt. Und natürlich sangen und singen sie alle hier, einst Pavarotti, die Callas und Placido Domingo, heute Elina Garanca und Marcelo Álvarez. Die Metropolitan Opera ist Weltoper und Mythos zugleich. Ein Musikerlebnis. Einmal im Leben, muss man sich dem Zauber dieses Opernhauses hingeben.

Was Sie schon immer über die Metropolitan Opera wissen wollten

  • 22. Oktober 1883: Die MET wird mit Gounods Faust eröffnet
  • Drei vor Acht: Die Kronleuchter werden vor jeder Vorstellung hinaufgezogen – ein Spektakel für alle Opernfans.
  • Erste Weihnachtstag 1931: Die erste übertragene Vorstellung aus einem Opernhaus ins Radio war Hänsel und Gretel
  • 7. Januar 1955: Als erste schwarze Sängerin tritt Marian Anderson in der Metropolitan Opera auf.
  • 1966 zieht die Metropolitan Opera in das heutige Gebäude um, das Lincoln Center.

Der Kampf um die beste Loge

In New York schwappte Ende des 19. Jahrhunderts das Opernfieber über – und damit das illustre Schaulaufen vor jeder Vorstellung. Sehen und gesehen werden, lautete das Credo. Die Academy of Music hatte sich als Opernhaus mit den bekanntesten Sängern und Sängerinnen etabliert. Das Problem: Die begrenzte Anzahl von Logen war seit Gedenken für »old money« reserviert.

»Konservativen Leuten gefiel es dort gerade deshalb so gut, weil man für die neuen Leute keinen Platz fand«, schrieb die New Yorker Schriftstellerin Edith Wharton. (SWR). Die »Konservativen« mit »old money«, das waren oft Geschäftsleute, die aus den Amerikanischen Unabhängigkeitskriegen profitierten, mit »Blutgeld«, wie es hieß.

Der Eisenbahn-Tycoon William H. Vanderbilt hatte zwar ordentlich Geld, gehörte aber nicht dem Geldadel an. Als seine Frau einer Anekdote nach einen Nervenzusammenbruch hinlegte, als man ihr eine vorgelagerte Loge verweigerte, in der sie ihre neuesten Juwelen präsentieren wollte, war der erste Millionär düpiert. Weitere Emporkömmling der Opernschickeria ereilte das gleiche Schicksal. Mit der Zeit entstand der Wunsch nach Distinktion: Eine neue Oper musste her – prächtiger, schöner, mit grandioseren Sängern und Koloraturwundern. Und vor allem: mit mehr Logen.

Im April 1880 erschien eine erste Meldung in der New York Times, ein neuer Aktionsverband werde gegründet. Die einflussreichsten New Yorker Millionäre dieser Zeit würden ein neues Opernhaus planen. Dazu zählten: Rockefeller, Vanderbilt, Roosevelt, Morgan. Am 22. Oktober 1883 wurde die Metropolitan Opera feierlich eröffnet, mit Charles Gounods Faust, das zur meistgespieltesten Oper hiesiger Jahre auftrumpfte, so dass die MET in den Anfangsjahren auch das »Faustspielhaus« genannt wurde. (SWR)

Grandiose Töne und Tumulte

»Schmutzige braune Ziegeln. Scheußlich. […] Straßenhändler, Schlepper, Dirnen und ihre Kunden aus der Provinz, dazwischen Künstler ohne Arbeit, Männer mit umgehängten Reklameschildern, Dealer und Süchtige …«, der erste Eindruck des italienischen Opernmanagers Giulio Gatti-Casazza war vernichtend, als er 1908 Einzug in New York City hielt.

 

Zehn Jahre lang hatte er die Geschicke der Mailänder Scala geleitet. Jetzt wollte er als künstlerischer Leiter die Entwicklung der US-amerikanischen Oper voranbringen. Mehr als ein Vierteljahrhundert blieb er Chef der Opernhauses. Ein guter zwar, aber dennoch temperamentvoller und kapriziöser. Bis zu seinem letzten Tag hat er alle Geschäfte auf Italienisch abgewickelt.

 

Giulio Gatti-Casazza rief den italienischen Dirigenten Arturo Toscanini in die Neue Welt. Toscanini erwies sich als maßloser Choleriker mit feinstem Taktgefühl. 1908 gab es eigentlich einen anderen Star am Pult. Gustav Mahler, den noch der frühere künstlerische Leiter Heinrich Conried engagiert hatte. Es bahnte sich ein Streit an, als Toscanini Tristan und Isolde einprobte, an dessen Aufführung eigentlich Gustav Mahler arbeitete. Nach etlichen Querelen überließ Mahler dem italienischen Nebenbuhler das Pult – auch wegen gesundheitlicher Probleme.

 

Toscaninis Wutanfälle waren indes legendär. Er konnte sein Orchester anschreien und Taktstöcke zertrampeln. Es gebe wahrlich überall »bestie infernali« und Idioten auf beiden Seiten des Atlantiks. »Können Sie lesen«, donnerte er dann, »In der Partitur steht con amore. Aber Sie spielen es wie ein verheirateter Ehemann.«

 

Toscanini Akkuratesse und Perfektion trimmten das Orchester auf Weltniveau und rollten den Teppich für spätere Dirigenten wie Otto Klemperer und Herbert von Karajan aus. All die Startenöre und Diven brachte er jedoch zur Weißglut. Als eine Operndiva ihre Dienste verweigerte, mit dem Hinweis, sie sei ein Star, antwortete Toscanini nur, dass für ihn Stars, also Sterne, nur am Himmel existierten und sie gefälligst das singen solle, was in den Noten steht.

 

Nur in einem Moment hatte sich der Dirigent, der alle Partituren meist auswendig leitete, nicht unter Kontrolle. Er verliebte sich in die Sängerin Geraldine Farrar. Sein Schicksal war besiegelt. Die Arbeit des verheirateten Mannes litt, er selbst konnte nicht con amore dirigieren, bis er schließlich sein Amt niederlegte und New York verließ. Toscanini sollte später als erster nicht-deutscher Dirigent überhaupt die Wagner-Festspielen in Bayreuth dirigieren.

Die Stimme des Jahrhunderts

 

»Wer hat Sie zu mir geschickt? Gott?«, fragte Giacomo Puccini, nachdem er zum ersten Mal Caruso gehört hatte. Die Stimme des Enrico Caruso, geboren im Armenviertel Neapels und im Jahr 1903 an der Metropolitan Opera angekommen, beglückt bis heute. Die siebzehn Jahre, die er bis zu seinem Tod in New York singt, sind das Goldene Zeitalter der MET.

 

Caruso war berühmt für seinen baritonalen, goldgelben, warmen Stimmklang und seine Bühnenpräsenz. Ein Belcanto, der nicht schön an der Rampe ablieferte, sondern mit der Figur eins werden wollte. In einer Aufführung von La Bohème sang er für den plötzlich stimmlosen Bass die Arie vecchia zimmarra so überzeugend, dass es im Publikum niemand merkte. Seine Partnerin Geraldine Farrar berichtete, wie sie das erste Mal mit Caruso auf der Bühne stand und vergaß zu singen, weil sie über die Schönheit seines Gesangs in Tränen ausbrach. (ORF). Lina Cavalieri fiel ihm auf offener Bühne um den Hals und küsste ihn aus Begeisterung so leidenschaftlich. Der erste echte »Bühnenkuss« an der Oper.

 

»Seine Stimme«, so ein Kritiker, »war ein Stück Leben.« Und der Tenor Jean de Reszke, vor ihm die unangefochtene Tenorlegende der MET, schrieb ihm: »Ich habe nie in meinem Leben eine schönere Stimme gehört … Du singst wie ein Gott. Du bist ein Darsteller und ein aufrichtiger Künstler. Vor allem bist Du bescheiden und ohne Übertreibungen. Du hast Herz, Gefühl, Poesie, Aufrichtigkeit und damit wirst Du die Welt überwältigen.«

»Saturday afternoons at the Metropolitan«

Am ersten Weihnachtstag 1931 beglückte die MET Opernfans ganz Amerika mit der ersten übertragenen Vorstellung von Hänsel und Gretel in einer Freitagsmatinee, und mit Norma in einer Samstagsvorstellung. Es waren die ersten vollständigen Opernübertragungen im Radio. »Saturday afternoons at the Metropolitan«, wurde zur Weltflucht der Woche für Abermillionen von US-Amerikanern, die gebannt an ihren Radiogeräten lauschten. Die regelmäßige Live-Übertragungen am Samstagnachmittag machten die MET schnell zu einer ständigen Präsenz in Gemeinden in den Vereinigten Staaten und Kanada.

Einzug ins Lincoln Center

Der Umzug 1966 brachte eine große Veränderung für die New Yorker Oper. Endlich hatte man genug Platz und die nötigen Vorrichtungen, um dem Publikum ein wahres Fest der Sinne zu bieten. Der neue Saal fasst 3.900 Besucher und ist alleine optisch ein wahres Spektakel.

Der prachtvolle Umhang bringt mehrere hundert Kilogramm auf die Waage und die Kordeln sind aus purer Seide gefertigt. Außerdem wurde im Saal eine neue Orgel mit 20 Registern installiert.

1967 gab es eine Welturaufführung auf der neuen Bühne Mourning Becomes Electra und nur ein Jahr später standen mit Plácido Domingo und Luciano Pavarotti die wohl bekanntesten Tenöre auf der Bühne.

Die MET hatte viele Uraufführungen einiger der wichtigsten Opern im Repertoire der USA gegeben. Unter den Werken Wagners wurden etwa Die Meistersinger von Nürnberg, Götterdämmerung, Tristan und Isolde und Parsifal in den USA von der MET uraufgeführt. Weitere amerikanische Premieren waren Boris Godunov, Der Rosenkavalier, Turandot, Simon Boccanegra und Arabella. Insgesamt fanden über 30 Weltpremieren in der MET statt, dazu gehörten Puccinis La Fanciulla del West und Il Trittico, Humperdincks Königskinder und auch aktuelle Werke von Philip Glass The Voyage, John Harbisons The Great Gatsby oder Tan Duns The First Emperor.

Kurzum: Die Metropolitan Opera ist ein pulsierendes Zuhause für die kreativsten und talentiertesten Sänger, Dirigenten, Komponisten, Musiker, Regisseure, Designer, bildenden Künstler, Choreographen und Tänzer aus der ganzen Welt.

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