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Reiseleiter
Rainer Shelp

»Selbsterleben ersetzt jeden Reiseführer ! Jede Reise ist ein Hinterfragen der eigenen Vorurteile und Werte.«

Rainer Schelp

»Aufgewachsen in einem westfälischen 3000-Seelen Dorf, wurde mir das Reisen nicht wirklich in die Wiege gelegt. Die rustikale Erotik des Sauerlandes manifestiert sich eher in den Ritualen der Schützenfeste als in der Erkundung der Welt. Mein Studienwunsch kristallisierte sich jedoch schon sehr früh heraus und war eng geknüpft an die politischen Diskussionen der Zeit. Seit meinem 17. Lebensjahr, damals noch „per Daumen“, treibt mich die Neugier um die Welt – und die spielt sich für mich östlich Deutschlands ab. China ist längst meine zweite Heimat und das ist sicher nicht nur akademisch begründet.

Kaum ein Land hat so mit Klischees und Vorurteilen zu kämpfen – und beinahe nirgendwo sind diese vergleichbar falsch. Nein – früher war nicht alles besser. Aber ein Aufbruch ins Ungewisse ohne Tablet/Smartphone und Kreditkarte war eine andere Herausforderung als in der heute überorganisierten Welt. Vielleicht ist deshalb die Mongolei eines der für mich beeindruckendsten Länder: einmal die Hauptstadt verlassen, findet man sich in einem Parallel Universum wieder, wie man es nie aus Büchern erleben wird. Wer hat zuerst gesagt, dass Männer mit weißen Socken in Sandalen ein ästhetischer Affront sind? Wo ist zementiert, dass ein Leben ohne Arbeit sinnlos ist? Reisen ist eine Auseinandersetzung mit unreflektiert-Widergekäutem und Fremdbestimmung. Und im Kreis von Freunden und Gleichgesinnten immer die Erfüllung eines Lebenstraums.«

 

Ihr Weg zum Reiseleiter: Am Anfang: der Not gehorchend….Mir war nur klar, dass meine erworbenen Fähigkeiten zukünftig auch meinen Lebensunterhalt sichern sollten. Ich halte nichts davon, sein Hobby zum Beruf zu machen. Dann wäre ich jetzt wohl Motorrad Rennfahrer, Koch oder Jazz Schlagzeuger. Mein Studium in der VR China prägte mich in so markanter Weise, dass es mich auf den Kopf stellen sollte. Die Idee, interessierten Menschen Kulturen näher zu bringen, fand ihre Umsetzung in den ersten Studien Reiseleitungen ab 1988. Es sollte eine Eigendynamik nehmen, die ich selbst nie erwartet hatte. Heute bin ich Junkie und zum Glück bisher nie von Routine eingeholt worden. Ich freue mich auf jede Tour !

9 Fragen an Rainer Schelp !

1. Was war Ihr beeindruckendstes Reiseerlebnis ?

Landschaftlich ist für mich das Hunza Tal in Pakistan kaum zu übertreffen. Und das, obwohl es mich eigentlich ans Meer zieht.

2. Was war die schönste Reise Ihrer Kindheit ?

Ich muss wohl Scharbeutz an der Ostsee nennen. Wir waren so gut wie nie woanders :-)))! Meine Eltern machten ihre Hochzeitsreise nach Niendorf. Ein Ausflug führte sie ins benachbarte Scharbeutz. Das sollte bis zum 15. Lebensjahr meinen Ferienkalender dominieren.

3. An welchem Ort sind Sie am liebsten ?

Deutschland: In der Nähe eines Leuchtturms.

Europa: S.o. Zuerst fällt mir da die Bretagne ein. Und der Norden Spaniens vom Baskenland bis Galizien.

Weltweit: Das überfordert mich! Es wäre aber wohl die Provinz Yunnan/VR China.

4. Haben Sie ein Lieblingshotel ?

In Deutschland: Wo ich mein Motorrad unterstellen kann.Und wo der Schwerpunkt ganz klar die Küche und nicht das SPA ist !
In Europa: Teaching Hotel Chateau Bethlehem/ Masstricht
Weltweit: In einem mongolischen Ger. Und einen Tipp auf Bali verrate ich nur gegen Honorar.

5. Haben Sie ein Lieblingsrestaurant ?

In Deutschland: ”Gaudi” und “Peking” in Göttingen. So unterschiedlich sie sind, sind beide fußläufig zu erreichen
In Europa: Den besten Schinken meines Lebens aß ich in einer Hafenkneipe im baskischen Bermeo.Der vielleicht einzige Grund, dorthin zu fahren. Aber an Frankreich kommt keiner vorbei…
Weltweit: Ein bestimmtes Restaurant ? Unmöglich ! Eine Stadt schon. Nirgends ist das Angebot bezüglich Auswahl und Qualität so groß wie in Hongkong ! Chinesisch, Thai, Indisch, Japanisch…und wer es braucht, bekommt sogar seine Linsensuppe.

6. Welche drei Dinge sind auf jeder Reise unverzichtbar ?

ein Taschenmesser
eine Ersatzbrille
Noch eine Ersatzbrille

7. Welches Buch darf auf keiner Reise fehlen ?

Bei gutem Wetter: ”Schule des Lächelns” von Groucho Marx.Sollte doch mal eine Wolke kommen, bringt mich dieses Buch ganz sicher trotzdem zum lachen! Anarchischer Humor at its best!
Bei schlechtem Wetter: Kochbuch
Bei jedem Wetter: Scheckbuch

8. Wer ist Ihr Held in der Geschichte des Reisens ?

Historisch: Zheng He und Alexander von Humboldt
Aktuell: Die Busfahrer der Reise Hamburg-Shanghai 2016, Tony Hawks. Wer mit einem Kühlschrank durch Irland trampt hat das Prinzip “Reise” offensichtlich neu definiert.

9. Verraten Sie uns Ihren unerfüllten Reisetraum ?

An Bord der “Aranui” durch die Inselwelt Französisch-Polynesiens. Eine Kreuzfahrt der anderen Art. Französisches Essen, der Erste Steuermann trägt 14 Tage dasselbe gerippte Unterhemd und abends formiert sich die Mannschaft zu einer improvisierenden Kapelle. Wahrscheinlich suche ich immer noch Rest- Romantik der Seefahrt, aber ich wäre trotzdem allzu bereit, es auf einen Versuch ankommen zu lassen.

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