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Reiseleiter

»Man nimmt sich auch auf einer Reise immer selbst mit« - Adelbert von Chamisso, 1781-1838

Prof. Dr. Matthias Glaubrecht

Matthias Glaubrecht ist Evolutionsbiologe, Systematiker und Wissen-schaftshistoriker. Nach einem Studium der Zoologie und Paläontologie in Hamburg und Forschungsaufenthalten u.a. am Australian Museum in Sydney wurde er 1997 Kurator am Museum für Naturkunde in Berlin. Seit 2014 ist er Professor für Biodiversität der Tiere an der Universität Hamburg, wo er als Gründungsdirektor das Centrum für Naturkunde (CeNak) mit einer der größten zoologischen Sammlungen Deutschlands leitet.

Auch als Autor wird Prof. Dr. Matthias Glaubrecht sehr geschätzt. Zu seinem Repertoire gehören fachwissenschaftliche Publikationen, wissenschaftliche Journale, Artikel für Zeitungen und Zeitschriften – darunter Der Tagesspiegel, Die Welt, Die Zeit und die FAZ sowie Geo. Als preisgekrönter Sachbuchautor hat er mehrere Bücher veröffentlicht, darunter zuletzt »Am Ende des Archipels. Alfred Russel Wallace« (2013), sowie historische Reiseberichte herausgegeben.Seinen Weg zum Reiseleiter beschreibt er selbst als »unkonventionell«. »Galapagos und die Berichte unter anderem von Irenäus Eibl-Eibesfeldt faszinierten mich seit frühester Jugend; später waren es die Studien vor allem zur Evolution der Darwinfinken von Peter und Rosemarie Grant. Als man 2011 einen Naturkundler suchte, der Galapagos-Reisen fachlich begleitet, war ich begeistert von der Möglichkeit, endlich aus eigener Anschauung kennenzulernen, was dieses Natur-Laboratorium ausmacht – und darüber Interessierten vor Ort zu berichten.«

Ihr Reiseleiter für:

10 Fragen an Prof. Dr. Matthias Glaubrecht !

1. Was war Ihr beeindruckendstes Reiseerlebnis ?

Berufsbedingt bizarr: Nach tagelanger Suche auf den Torres Strait Islands zwischen Australien und Neuguinea in einem kleinen Bachlauf nur wenige Zentimeter große Süßwasserschnecken zu finden – gleichsam Überlebende einer Arche Noah, deren nächste Verwandte vor Jahrmillionen auf Bruchstücken des zerfallenen Gondwana-Urkontinents nach Sulawesi verdriftet wurden.

2. Was war die schönste Reise Ihrer Kindheit ?

An die Nordseeküste von Holmsland Klit in Jütland, wo man gleich frühmorgens mit nackten Füßen in den kalten Sand der Dünen laufen konnte und die Feldlerchen im Himmel tirilierten.

3. An welchem Ort sind Sie am liebsten ?

In Deutschland: In unserem Garten und Haus in Hamburg, mit Blick in den Volksdorfer Wald, wenn morgens das Rehpärchen zum Äsen an den Gartenzaun kommt.

In Europa: Am Strand gegenüber der Ile de Batz bei Roscoff in der Bretagne, weil sie dort Ja gesagt hat.

Weltweit: Roper River am Jalmurark Camp bei Sonnenuntergang, wenn der Ruf der letzten Kakadus verhallt und die ersten Flughunde in der Dämmerung kommen.

4. Haben Sie ein Lieblingshotel ?

In Deutschland: Das Gutshaus Stolpe bei Anklam an der Peene, weil sich eingebettet in einer naturbe-lassenen Kulturlandschaft in historischem Gemäuer jüngste Geschichte auf komfortable Weise spiegelt.

In Europa: Das Le Temps de Vivre in Roscoff in der Bretagne, wo man mit den Gezeiten schläft.

Weltweit: The Beaufort Sentosa auf der gleichnamigen, Singapur vorgelagerten kleinen Insel, weil sein weitläufiger tropischer Garten einen entspannten Stopover auf dem Sprung zur indo-australischen Inselwelt erlaubt.

5. Wo schmeckt es Ihnen am besten ?

In Deutschland: Noch immer im Restaurant Pantalone in Berlin; der Platz, wo bei gutem italienischen Essen und Wein Pläne geschmiedet und Meilensteine gefeiert wurden und werden.

In Europa: Im Restaurant im Skovshoved Hotel in Charlottenlunds Strandvejen, knapp nördlich von Kopenhagen; wo bei (auch von Michelin) ausgezeichneter Küche und feinem Wein weitere Meilensteine unseres Lebens gefeiert wurden.

Weltweit: In unserem kleinen Camp irgendwo im Outback Australiens nach einem langen Geländetag, wenn unterm Kreuz des Südens ein Mehrgänge-Menü zubereitet wird, das besser als in jedem anderen »Sternerestaurant« schmeckt.

6. Wohin bringen Sie keine 10 Pferde ?

In einen engen, halb unter Wasser stehenden Höhlengang im Maros-Karst bei Makassar auf der indonesischen Sulawesi – und zum Tauchen unter eine meterdicke Eisdecke in der Antarktis.

7. Welche drei Dinge sind auf jeder Reise unverzichtbar ?

1. Mehr als nur ein gutes Buch.
2. Neugier.
3. Meine Karen.

8. Welches Buch darf auf keiner Reise fehlen ?

Bei gutem Wetter: Alexander von Humboldt – »Ansichten der Natur«
Bei schlechtem Wetter: Klaus Harpprecht – »Georg Forster oder Die Liebe zur Welt«
Bei jedem Wetter: Dava Sobel – »Längengrad«

9. Wer ist Ihr Held in der Geschichte des Reisens ?

Historisch: Alfred Russel Wallace, der vor mehr als 150 Jahren den Amazonas und den Indomalayischen Archipel als Ein-Mann-Expedition bereiste und neben einer höchst beeindruckenden Sammlung naturkundlicher Objekte eine der wichtigsten wissenschaftlichen Theorien mitbrachte.
Aktuell: Richard Buxton, der auf den Spuren Matthew Flinders per Segelboot und Sportflugzeug Australien samt Tasmanien umrundete, und damit noch Werbung für seine karitative Stiftung machte.

10. Verraten Sie uns Ihren unerfüllten Reisetraum ?

Auf der Route von Louis de Bougainville durch den Pazifischen Ozean.

Christine Giesen Zur Übersicht Menschen Natascha Gluchowa