
Wir sprachen mit Vincent Kouwenhoven (1.v.r.) darüber, wie nachhaltige Safaris gelingen können, was elektrische Mobilität verändert und warum Naturschutz und lokale Gemeinden zusammengehören.
von Manuel Maring
Safari und Nachhaltigkeit: Das klingt zunächst nicht nach einer naheliegenden Verbindung. Wer in abgelegene Regionen reist, wer in Lodges mitten in sensiblen Ökosystemen übernachtet und Wildnis möglichst unmittelbar erleben möchte, hinterlässt Spuren — selbst dann, wenn mit großer Rücksicht geplant wird.
Und doch wäre es zu einfach, die Frage damit schon zu beantworten. Denn gerade viele der schönsten, ursprünglichsten und ökologisch wichtigsten Regionen Afrikas lassen sich nur bewahren, wenn ihr Schutz auch wirtschaftlich getragen wird und wenn die Menschen vor Ort unmittelbar davon profitieren.
Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Green Safaris. Das Unternehmen betreibt kleine Camps in entlegenen, landschaftlich eindrucksvollen Regionen, setzt auf Solarenergie, natürliche Baumaterialien und elektrische Safarifahrzeuge und bindet lokale Gemeinden bewusst ein.
Die Idee dahinter ist ebenso anspruchsvoll wie einleuchtend: außergewöhnliche Naturerlebnisse zu ermöglichen, ohne den Schutz dieser Orte nur als schöne Begleitformel zu behandeln. Ob und wie das gelingen kann, darüber haben wir uns mit Vincent Kouwenhoven unterhalten.

Der Gründer von Green Safaris: Vincent Kouwenhoven
Vincent Kouwenhoven stammt aus Delft in den Niederlanden, wo er auch aufwuchs. Er studierte in den Niederlanden und in den USA, promovierte in Betriebswirtschaft und begann anschließend eine Karriere als Unternehmer und Investor.
Die entscheidende Prägung kam auf einer mehrmonatigen Reise durch Afrika, die ihn von Nairobi bis nach Kapstadt führte. Besonders der Kafue-Nationalpark in Sambia blieb ihm im Gedächtnis: wegen seiner Weite, seiner Ursprünglichkeit und jener fast unberührten Wildnis, die heute selten geworden ist.
Aus dieser Erfahrung heraus entstand Green Safaris. Die Idee dahinter: Tourismus nicht als Gegensatz zur Natur zu verstehen, sondern als etwas, das sich mit Naturschutz, lokalen Arbeitsplätzen und der Unterstützung umliegender Gemeinden verbinden lässt. Green Safaris setzt deshalb heute unter anderem auf Solarenergie, natürliche Baumaterialien und elektrische Safarifahrzeuge.
Im Kern geht es Vincent Kouwenhoven darum, Gästen außergewöhnliche Naturerlebnisse zu ermöglichen — und zugleich dazu beizutragen, Afrikas einzigartige Landschaften langfristig zu bewahren.

Vincent ist in den Niederlanden, in der Stadt Delft, geboren und aufgewachsen. Seine berufliche Laufbahn begann im Jahr 2000 mit der Gründung seines eigenen Internetunternehmens; anschließend investierte er in ein Portfolio weiterer Unternehmen, heute vor allem in Afrika.
Vincent Kouwenhoven im Gespräch mit ZEIT REISEN
ZEIT REISEN: „Warum Sambia? Was macht Ihrer Meinung nach die kulturelle und landschaftliche Identität Sambias aus – jenseits der klassischen Safari-Klischees wie den Big Five, spektakulären Sonnenuntergängen und luxuriösen Lodges?„
Vincent Kouwenhoven: „Das Besondere an Sambia ist, dass es noch immer ein echter Geheimtipp ist. Das Land bietet alles, was Kenia, Tansania oder Botswana zu bieten haben – jedoch mit deutlich weniger Besuchern. Statt einer Vielzahl von Fahrzeugen, die zur gleichen Tiersichtung eilen, erlebt man Löwen, Leoparden und andere Wildtiere oft ganz für sich allein.“
ZEIT REISEN: „Was bedeutet „Green“ bei Green Safaris konkret? Welche alltäglichen Entscheidungen – etwa in den Bereichen Bauweise, Energie, Mobilität und Logistik – haben den größten Einfluss auf Ihre Nachhaltigkeit?„
Vincent Kouwenhoven: „Unsere solarbetriebenen elektrischen Safari-Fahrzeuge und E-Boote für unsere „Silent Safaris“ sind einzigartig. Ebenso wichtig ist unsere CO₂-neutrale Bauweise, bei der wir traditionelle Techniken wie den Sandbag-Bau einsetzen. Während der Pandemie haben wir zudem biologische Farmen aufgebaut, um die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln zu gewährleisten. Heute ermöglichen sie frische „Farm-to-Table“-Produkte in all unseren Lodges.“
ZEIT REISEN: „Wie verändert die Stille elektrischer Fahrzeuge und Boote die Begegnung zwischen Mensch und Tier? Gibt es Beobachtungen oder Erlebnisse, die dadurch überhaupt erst möglich werden?„
Vincent Kouwenhoven: „Absolut. Silent Safaris ermöglichen es uns, den Tieren wesentlich näher zu kommen, ohne sie zu stören. Unsere Guides können Warnrufe anderer Tiere deutlich besser hören und sich gleichzeitig viel leichter mit unseren Gästen austauschen – ganz ohne das laute Dröhnen eines Dieselmotors.“

ZEIT REISEN: „In welchen Landschaftstypen sind Sie tätig – Flusslandschaften, Ebenen, Feuchtgebiete, Wälder oder andere – und welche ökologischen Dynamiken und jahreszeitlichen Veränderungen prägen diese Regionen?„
Vincent Kouwenhoven: „Sambia vereint all diese Landschaftsformen. Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass sich alle bedeutenden Nationalparks entlang einiger der größten Flüsse Afrikas befinden – des Kafue, Sambesi und Luangwa. Diese Flüsse sorgen für einen außergewöhnlichen Wildtier- und Vogelreichtum und bringen selbst in den heißesten Monaten angenehme Abkühlung.“
ZEIT REISEN: „Wie stellen Sie sicher, dass der Tourismus den lokalen Gemeinschaften dauerhaft zugutekommt – durch Arbeitsplätze, Ausbildung, lokale Lieferketten und Beteiligung – anstatt nur kurzfristige Einnahmen zu schaffen?„
Vincent Kouwenhoven: „Unter www.greensafaris-foundation.com finden Sie einen Überblick über die zahlreichen Projekte, die wir im Bereich der Gemeindeentwicklung unterstützen. Die Förderung lokaler Gemeinschaften und der Naturschutz stehen im Mittelpunkt unseres Handelns. Unser Engagement geht dabei weit über bloße Absichtserklärungen hinaus.“
ZEIT REISEN: „Wie gestalten Sie Begegnungen so, dass sie respektvoll, authentisch und für alle Beteiligten wertvoll sind?„
Vincent Kouwenhoven: „Alle unsere gemeinschaftsbasierten Aktivitäten sind zu 100 % authentisch. Wir schaffen Begegnungen, die unseren Gästen einen echten Einblick in das Leben der Menschen vor Ort ermöglichen und gleichzeitig respektvoll und bereichernd für beide Seiten sind.“

Sambia und Malawi exklusiv und nachhaltig erleben
Auch im Programm von ZEIT REISEN findet sich eine Reise, auf der sich die Arbeit von Green Safaris unmittelbar erleben lässt. Sie führt vom Sambesi und den Victoriafällen in die weiten Landschaften des Kafue-Nationalparks und weiter an den Lower Zambezi, bevor sie ihren ruhigen Ausklang auf Likoma Island im Malawisee findet.
Diese Route macht eindrücklich erfahrbar, wie sich außergewöhnliche Naturerlebnisse, stilvolle Unterkünfte und ein bewusst nachhaltiger Ansatz miteinander verbinden lassen — nicht als theoretische Behauptung, sondern im praktischen Reisealltag. Wenn Sie Sambia und Malawi auf einer sorgfältig komponierten Rundreise entdecken möchten, lohnt ein Blick auf dieses besondere Programm oder auf unsere anderen Afrikareisen.