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Marokko - Rundreise zu den Königsstädten

Noch nie zuvor hatte mich eine Reise nach Afrika und in die arabische Welt geführt. Vor allem der südamerikanische Kontinent hat mich bislang fasziniert. Umso gespannter war ich auf meine erste ZEIT-Reise, die mir eine für mich noch unbekannte Kultur zeigte. Ich freute mich auf bezaubernde Paläste und Moscheen, verziert mit wunderschönen Mosaiken, marokkanische Gaumenfreuden und frischem Minztee, der, wie ich im Nachhinein festellte, ganz schön süß sein kann, wenn man ihn nicht anders bestellt.

So ging es zunächst Richtung Frankfurter Flughafen, wo die Gruppe von unserem Reiseleiter Dr. Gerhard Kuhn begrüßt wurde. Eine illustre Gruppe aus allen Ecken Deutschlands machte sich auf zu einer spannenden 10-tägigen Erkundungstour zu den Königsstädten Marokkos, die in Casablanca ihren Anfang nahm.

Nach einer ersten, relativ kurzen Nacht in Casablanca, begann der erste Tag mit einem echten Highlight: die riesige Hassan II- Moschee, die sich direkt am Atlantik erhebt. Das 210 Meter hohe Minarett ist schon von Weitem sichtbar. Die Spitze ragt in den Himmel, gekrönt von drei goldenen Kugeln. 20.000 Gläubige finden im Gebetssaal darunter Platz und 80.000 weitere auf der angrenzenden Gebetsplattform. Auf einer Fläche von insgesamt neun Hektar befinden sich hier eine islamische Schule, mehrere Hammams und Schwimmbäder, ein Museum über die marokkanische Geschichte, Konferenzräume und eine Bibliothek. Damit ist die Hassan-Moschee nach der Moschee von Mekka die zweitgrößte weltweit. Wir genießen die Atmosphäre in der Morgensonne, die sich langsam durch die Wolken schiebt, bewundern die unzähligen arabischen Ornamente an den Mauern des Minaretts und lassen kurz vor unserer Weiterfahrt nach Rabat unseren Blick noch über den Atlantik schweifen.

Bevor wir uns in der Hauptstadt Rabat dem kulturellen Angebot widmen, genießen wir unser erstes Mittagessen in einem kleinen gemütlichen Restaurant in den engen Gassen der Medina. Ob Tajine mit Rindfleisch und Backpflaumen oder einem Couscous mit Hühnchen, es duftet herrlich! Nach einem stärkenden Minztee zum Nachtisch geht es zu einer gigantischen Moschee, die nie vollendet wurde und zum angrenzenden Maussoleum, wo die marokkonanischen Herrscher ruhen. Auch hier beeindruckt die Architektur und die feine Stukkaturkunst. Einen gemütlichen Ausklang des Tages bietet erneut ein Minztee, dieses Mal auf einer Aussichtsterrasse über der Flussmündung. Es scheint ein echter Hot-Spot zu sein: Paare und Gruppen junger Leute sitzen gemütlichen zusammen, reden, lachen und erhaschen die letzten Sonnenstrahlen. Zurück im Hotel essen wir gemeinsam zu Abend und genießen im Anschluss auf dem Hoteldach einen herrlichen Blick über Rabat und die angrenzende Stadt Salé.

Wir fahren weiter nach Meknès, in die Grüne Königstadt Marokkos, wo neben der Neustadt aus französischer Zeit und der Altstadt mit den Souks, auch der Schlosskomplex mit einer Größe von vier Hektar ebenfalls einen recht großen Bereich ausmachen. Wir beginnen unsere Besichtigung am Grab von Mulay Ismail, der dritte Herrscher der Alawiden-Dynastie in Marokko. Für ein kleines Trinkgeld lassen uns die Wächter die Vorräume, die Moschee und selbst das Grab besichtigen. Die verzierten Wände und Brunnen des Mausoleums zeigen wieder die wunderbare Kunst. Zu Fuß spazieren wir entlang der hohen Stadtmauern in die Medina von Meknès. In den engen Gassen herrscht noch eine morgendliche Ruhe, bevor es laut Herrn Dr. Kuhn am Nachmittag zu Hochbetrieb kommt und sich die Menschen samt Tieren durch die Gassen schieben. Unser Spaziergang führt uns zu der Medersa Bou Inania, eine der künstlerisch bedeutendsten historischen Koranschulen Marokkos. Als Bestandteil der Medina von Meknès gehört sie seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Innenhof kann man seinen Blick kaum von den filigran verzierten Holzfassaden und feinen Stuckarbeiten lösen. Es ist unvorstellbar, wie Menschen so etwas in Handarbeit zaubern. Beim Rundgang durch die Koranschule kann man in den oberen Stockwerken zudem Zimmer von Koranschülern besichtigen.

Durch die Gassen geht es zum Place el Hedim. Dieser 200 auf 100 Meter große Platz befindet sich direkt beim Bab El Mansour, dem berühmtesten Tor Marokkos. Es ist Treffpunkt der Händler, Märchenerzähler und der Schlangebeschwörer. Touristen beobachten das bunte Treiben aus der Ferne. So recht traut sich keiner heran, an die Kobra der Berber.

Mit dem Bus fahren wir weiter nach Volubilis, die am besten erhaltenen Ausgrabungen aus dem römischen Reich in diesem Teil Nordafrikas. Als Archäeologe läuft Herr Dr. Kuhn in Volubilis zur absoluten Höchstform auf und berichtet uns ausführlichst über die römische Geschichte Nordafrikas und die Entstehung der zauberhaften Bodenmossaike. Am Abend erreichen wir Fés, wo wir in den herrlich großen Pool springen und die müden Beine ausspannen können. Zum Abendessen genießen wir einen Fläschchen Rowein aus der Region und beschließen die restlichen Abende nichts anderes mehr zu trinken als Rotwein aus Meknes.

Am nächsten Morgen besichtigen wir Fés, die älteste der vier Königsstädte des Landes. Unsere erste Anlaufstation ist der Bordj Sud, die südliche Festung. Von hier eröffnet sich uns eine herrliche Aussicht über Fès el-Bali, den Königspalast und die nördliche Festung bis zu den umliegenden Bergen. Herr Kuhn weist auf das gewaltige Ausmaß der Medina hin und wie schwierig es ist sich in dem Labyrinth zurecht zu finden. Anschließend bummeln wir durch den Souk, schauen und staunen, und passen immer auf, den blonden Schopf von Herrn Kuhn nicht aus den Augen zu verlieren. Bereits am Morgen herrscht Hochbetrieb in den schmalen Gassen, wo aus allen Ecken voll beladene Maultiere und Sackkarren hervorkommen. Sobald wir das Wort “Ballak” hören, sagt Herr Kuhn, sollten wir schleunigst beiseite springen, um nicht von einem vollbepacktem Esel oder einem Pferd überrannt zu werden. Wir besuchen die Goldschmiede, den Gerber-Souk und sehen wie Weber und Schneider in alter Tradition ihre Waren fertigen. Absolut faszinierend!

Am Nachmittag besuchen wir eine Keramik-Fabrik, begrüßt werden wir vom Inhaber persönlich mit fließendem Deutsch. Bevor der Ton im Ofen landet, wird er von den Männern auf den Drehtellern geformt, unglaublich flink sind ihre Hände. Nach dem Brennen übernehmen die Künstler, die geübt bunte Farben und prächtige Muster auf die Keramiken zaubern. Neben der Keramik ist Fés für die Mosaike bekannt. Dabei werden farbige Keramikstücke in mühevoller Handarbeit in kleine geometrischen Stücke geschlagen und anschließend in vorgegebenen Mustern gelegt. Auch einer von uns hat mal das Werkzeug in die Hand genommen und eine Kachel bearbeitet. Diese Arbeit überlässt er aber lieber den Profis: der Hammer ist extrem schwer, der Sitz extrem ungemütlich und die Arbeit ungemein filigran. Da die Männer pro Stück bezahlt werden, muss man stündlich schon einiges wegschlagen, damit es sich lohnt. Auch am nächsten Tag besichtigen wir wunderbare Ecken der Stadt: vorbei am Königspalast, dem Blauen Tor und durch das jüdische Vietel, welches sich kennzeichnet durch die Fenster und Balkone, die sich zur Straße öffnen.

Unglaubliche Eindrücke und Gerüche nehmen wir mit auf die Weiterfahrt durch das Atlasgebirge nach Efoud, einer kleinen Stadt am westlichen Rande der Sahara. Das frühe Aufstehen an diesem Tag war nicht so recht urlaubsgemäß, aber als wir am Nachmittag im Kasbah Xaluca ankamen und Zeit für einen entspannten Nachmittag am Pool hatten, waren wir Herrn Kuhn doch irgendwie dankbar, dass er uns so früh am morgen aus dem Bett geklingelt hat. Wir zogen unsere Bahnen im erfrischenden Pool, als es aus heiterem Himmel anfing zu regnen und wir bei 30°C Hitze im Dauerregen planschten. Kein unbedingt typisches Wüstenerlebnis! Die Kasba Xaluca war überhaupt ein stimmungsvolles Highlight: die Zimmer eingerichtet wie in 1001 Nacht, das Abendessen sehr gut und abwechslungsreich, man hatte Zeit sein Buch am Pool zu lesen, und gleichzeitig bot eine Jeep Tour durch die Wüste zur Düne Erg Chebbi, wo wir auf Dromedaren zur Sanddüne ritten, das perfekte Kontrastprogramm.

Von Erfoud fahren wir weiter nach Boumalne, vorbei ein saftiggrünen Oasen und kleinen tradionellen Dörfern immer entlang der Straße der Kasbahs. Diese aus Pisee (gestampftem Lehm) errichteten, schlichten und gleichzeitig mit geometrischen Musten prachtvoll verzierten Festungen sind Paradebeispiele für die Berberkunst. Wir übernachten erneut in einer Kasbah und genießen am Abend einen wunderbaren Blick über die Stadt Boumalne und das dahinter liegende Atlas-Gebirge.

Vor uns liegt eine lange Fahrt über den Hohen Atlas. Wir machen zwischendurch einen Abstecher zum Ksar Ait Benhaddou, dem berühmstesten Kasbah-Komplez in Südmarokko. Die Lehmarchitektur der Berber ist hier extrem gut erhalten. Weiter geht es zum Gebirgspass Tizi-n-Tichka. Unser Fahrer manövriert den sperrigen Bus gekonnt und in aller Seelenruhe durch die engen Straßen. Auch das Hupen der lokalen Kleinfahrzeuge lässt ihn Kalt. Auf der Herunterfahrt bestaunen wir herrlich grüne Landschaft und niedliche kleine Dörfer. Wir machen Halt in einem Café, wo die Jungen, Anfang 20, uns auf deutsch den besten Kaffee der letzten 9 Tage servieren. Wir entspannen im herrlichen Garten, bevor wir uns auf die letzten Kilometer Richtung Marrakesch machen.

Aus der reinsten Idylle der Berge scheint Marrakesch wahnsinnig trubelig. Auf dem großen Platz Djamaa el Fna, dem Mittelpunkt der Altstadt, stimmen wir uns in einem Café oberhalb des Platzes mit einem Minztee ein und beoachten das bunte Treiben. Leider ist die Stadt an diesem Wochenende weniger belebt als sonst, da die Menschen im Kreise der Familie zu Hause das Opferfest feiern. Dennoch spielen sich vor Saft- und Trockenfrüchtenbuden sowie Schuhputzständen schillernde Szenen ab: Musikanten, Akrobaten, Feuerspucker, Schlangenbeschwörer und Flötenspieler präsentieren Ihre Show, natürlich immer und gerne für ein paar Münzen. Wir haben Zeit die Stadt auf eigene Faust zu erkunden und schlängeln uns durch das Gassengewirr. Bei manch einem führt dies zu einem Kaufrausch, sodass ich 2 Stunden später, 2 Tüten gefüllt mit Seidentüchern, Ledertasche, handbemalten Schälchen und Schmuck schwerer bin. Am nächsten Tag besuchen wir das Wahrzeichen der Stadt die Koutoubia-Moschee, die Saadie-Gräber und den Palast Al-Bahia. Der Bahia Palast hat eine Grundfläche von 8.000 m² und besitzt über 160 Räume, unzählige Patios und viele sogenannte Riads. Überall trifft man auf einen andalusischen und maurischen Baustil. Die Innenhöfe sind bunt bepflanzt und laden zum Verweilen an, was wir auch tun. Wir lassen uns hier die Sonne ins Gesicht strahlen.

Am Sonntag, dem Tag des Opferfestes, sind leider viele der Sehenswürdigkeiten geschlossen, so auch der Palastgarten Menara. Der Jardin Majorelle hingegen ist geöffnet und wir gönnen uns dorthin eine gemütliche Fart mit der calèche, einer Pferdekutsche. Etwas befremdlich auf dem Weg sind jedoch die vielen Wagen, die Schafsköpfe transportieren. Nun gut, einen solchen Anblick hat man auch nicht alle Tage und führt einem vor Augen, dass man sich natürlich doch in einem muslimischen Land befindet. Nach diesem kleinen Schock ist der Majorelle Garten, ein kleiner historischer, botanischer Garten genau das richtige und eine wahrlich grüne Oase.

Am Abend entführt uns Herr Dr. Kuhn in einen urrigen Riad, wo die gesamte Gruppe bei marokkainischer live-Musik ein gemütliches Abschiedsessen verbringt. Wie es sich in Marokko gehört, gibt es auch hier eine leckere Tajine und dazu den von uns liebgewonnen Rotwein aus Meknès.

Viele neue Eindrücke, freundliche Menschen, eine wunderschöne Landschaft, köstliche Datteln, interessante Kultur, unvergleichbarer Trubel in den Städten und ein Reiseleiter, mit einem unfassbaren Wissen machten diese Reise zu einem tollen Erlebnis!

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