Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg

 

Die Elbphilharmonie entwickelt sich seit ihrer Eröffnung am 11. Januar 2017 zu dem Besuchermagneten Hamburgs. Die Elbphilharmonie und die 1908 eröffnete Laiszhalle stehen unter einer Leitung. Generalintendant ist seit 2007 Christoph Lieben-Seutter. Auch das Philharmonische Staatsorchester Hamburg nutz ab Frühjahr 2017 den Konzertsaal für seine philharmonischen Konzerte, die es parallel zum Opernbetrieb gestaltet, zuvor war die Laeiszhalle ständiger Aufführungsort, aber für viele groß besetzte Orchesterstücke zu klein.

Was Sie schon immer über die Elbphilharmonie wissen wollten

  • 3 x 82 m Tube
  • 25 m hoch
  • 4000 m² Plaza
  • 416.666 Konzertflügel
  • 866 Millionen

Die Elbphilharmonie in Zahlen

 

 82 Meter lang ist die sogenannte »Tube« – eine leicht gewölbte Rolltreppe, mit der man vom Eingang im Erdgeschoss des historischen Kaispeichers zu einem Panoramafenster mit Hafenblick gelangt.

Von dort geht es über eine weitere, kurze Rolltreppe auf die 4000 m² große Plaza und zu den Konzertsälen. Die Plaza ist zu allen Seiten offen, liegt in 37 m Höhe zwischen Kaiserspeicher und gläsernem Aufbau und ermöglicht zu allen Seiten spektakuläre Ausblicke, außer bei trübem Hamburg-Nebel-Nieselwetter natürlich. Wer zugempfindlich ist, sollte an Schals und windundurchlässige Jacken denken. Gemütlich ist jedenfalls etwas anderes!

Der darüber liegende markante, wellenförmige Glasbau der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron ist an der höchsten Stelle 110 Metern hoch und damit beinahe ernste Konkurrenz für ein anderes Wahrzeichen der Stadt, die St. Michaelis-Kirche mit einer Höhe von 132 Metern. Der gläserne Aufbau über dem Kaispeicher wiegt 78.000 Tonnen, die Glasfassade erstreckt sich über 16 000 Quadratmeter. Dafür wurden 1100 unterschiedlich gebogene und bedruckte Glaselemente angefertigt. Die Scheiben halten Orkanböen und sintflutartigem Regen stand. Insgesamt wiegt das Gebäude 200 000 Tonnen; was etwa 416.666 Konzertflügeln oder 722 A-380-Flugzeugen entspricht.

Die beeindruckendste Zahl ist aus vielerlei Gründen aber eine andere: Ursprünglich sollte der Bau 77 Millionen Euro kosten und schon allein dieser Betrag scheint gigantisch. Die endgültigen Baukosten der Elbphilharmonie jedoch betrugen schlappe 789 Millionen Euro, rechnet man die Kosten für Hotel, Parkhaus etc. mit ein, liegt man – laut Senat – bei 866 Millionen Euro.

Ursprünglich sollte das Konzerthaus 2010 seine Eröffnung feiern. Tatsächlich eröffnet wurde dann spektakulär und mit einiger Prominenz am 11. Januar 2017, natürlich im wichtigsten Ort der Elbphilharmonie und Herzstück des Gebäudes, dem Großen Konzertsaal: etwa 2100 Besuchern finden in ihm Platz. Er ist 25 Meter hoch und nach dem »Weinberg-Prinzip« gebaut: Orchester und Dirigent sind rundherum von Zuschauerrängen umgeben. In dem Saal ist außerdem eine viermanualige Orgel mit 65 Registern untergebracht. Konzertbesucher haben Zugang auf eine Dachterrasse in 75 Metern Höhe.

Wer anderen eine Stufe baut...

 

Ein verzweigtes System von Treppen führt die Besucher im großen Saal der Elbphilharmonie auf ihre Plätze. Bei so vielen Stufen könnten Konzertbesucher leicht stolpern. Um das zu verhindern und einen möglichst sicheren Tritt zu gewährleisten, hat jede Stufe eine eigene Beleuchtung.

Die Ingenieurin Kerstin Budde vom Büro für Theaterbetriebstechnik hat den Bauprozess begleitet und die Wahrung der Sicherheitsstandards in der Elbphilharmonie überprüft: »Die Beleuchtung für die Stufengänge im Saal ist immer an und sorgt dafür, dass man sicher den Weg findet. Die Lampen sind richtig reingefräst. Das sieht so aus, als würde das Licht direkt aus der Stufe heraus fluten. Tolles Beispiel dafür, dass Sicherheitssachen nicht hässlich sein müssen.« So ist es einem Online-Werbetext des NDR zu entnehmen. Doch leider ist hier – wie so oft – der Wunsch der Vater des Gedankens. »Bis heute zählen wir rund 1,5 Millionen Gäste auf der Plaza, davon rund 250 000 Besucher in den beiden Konzertsälen«, erläutert Enno Isermann von der Kulturbehörde. »In der Zeit von November bis Februar ist 41-mal ein Krankenwagen gerufen worden, davon waren acht Fehleinsätze. Von den durchgeführten Einsätzen entfallen 15 auf internistische Erkrankungen, die nichts mit dem Bau zu tun haben, und acht auf Stürze.«

Weil es dabei auch zu Knochenbrüchen kam, ist nun nicht nur 1 ½ Stunden vor Beginn der Vorstellungen und bis der letzte Gast gegangen ist, ein Einsatzteam, bestehend aus zwei ausgebildeten Rettungs- oder auch Notfallsanitätern, vor Ort.

Bauliche Nachrüstungen sollen gewährleisten, dass vor allem die älteren Besucher die Flut an Treppenstufen leichter bewältigen – und vor allem auch sehen können. Von manchen Plätzen aus scheint der Große Saal eine einzige glatte Fläche zu sein: Bei der zugegeben faszinierenden und mit Sicherheit einzigartigen Architektur von Jacques Herzog und Pierre de Meuron geht es in erster Linie eben um die Abwägung zwischen Genialität und Funktionalität, der Mensch darin: zweitrangig.

Streit um die Akustik

 

Die Meinungen der Kritiker über die Akustik des von dem Star der Szene und Klang-Architekten Yasuhisa Toyota entwickelten Konzepts waren beinahe einhellig – negativ. Zu viele Vorschusslorbeeren waren offenbar im Vorfeld verteilt worden und die Erwartungen demnach mehr als hoch. Nicht von allen Plätzen hört man offenbar gleich gut, was aber als eine Art Klang-Demokratie versprochen worden war.

Es fielen Worte wie trötend (Klarinetten), gellend laut, lärmend, trocken, schnarrend, breiig. Von einer großen Enttäuschung gar war die Rede. »Weltklasse geht einfach anders«, tönt etwa Manuel Brug in der WELT. Christine Lemke-Matwey schrieb in der ZEIT: »Wie klingt sie nun nach den Konzerten des vergangenen Wochenendes, Hamburgs schicke neue Elphi? So wie ein Konzertsaal mit viel Direktschall und wenig Nachhall eben klingt: unerhört transparent und rechtschaffen trocken. Der große Saal der Elbphilharmonie ist definitiv kein Ort für Klangbäder (der kleine auch nicht, aber er ist wenigstens aus Holz, außerdem macht das fabelhafte Ensemble Resonanz hier vorzugsweise zeitgenössische Musik, da hört man gerne viele Details). Wer sein Gehör an gregorianischen Gesängen geschult habe, werde diese Säle niemals lieben, sagt ein Experte, der Hamburgs Akustik-Guru Yasuhisa Toyota nichts am Zeuge flicken will und daher anonym bleiben möchte.«

Doch die Realität sieht trotz aller Unkerei und sicher berechtigten Kritik auch hier wieder einmal anders aus: Die Konzerte sind weit im Voraus ausverkauft, die Elphi hat einen wahren Hype ausgelöst, Akustikprobleme hin oder her.

 

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