Die Bayerische Staatsoper

Die Bayerische Staatsoper

 

Künstlerisch bis heute tonangebend – seit Jahrhunderten eine Institution: Mit Aufsehen erregenden Inszenierungen und herausragenden Künstlern schafft es die Bayerische Staatsoper immer wieder zu überraschen.Eine bewegte Vergangenheit: Die Bayerische Staatsoper blickt zurück auf eine über 350 Jahre währende Geschichte von Oper und Ballett. Zweimal wird der Hauptspielort, das Münchener Nationaltheater, zerstört und wiederaufgebaut.

 

Die nach dem Zweiten Weltkrieg neu errichtete Bühne zählt mit 2.500 Quadratmetern zu den größten Opernbühnen der Welt. Der Zuschauerraum mit seiner prächtigen Königsloge fasst insgesamt 2.101 Plätze und ist damit die größte Opernbühne Deutschlands mit festem Ensemble.

 

Die bekannteste aller Wagner-Opern, Tristan und Isolde, wurde 1865 an der Bayerischen Staatsoper uraufgeführt. Schon um 1700 fanden Uraufführungen statt, die europaweit Beachtung fanden. Doch seit einigen Jahren begann ein erneuter Höhenflug.

 

2014 wurde die Bayerische Staatsoper vom internationalen Musikkritikern zum ersten Mal zum »Opernhaus des Jahres« gewählt. Die Kritiker aus Europa und den USA heben vor allem »das exzellente musikalische Niveau, die Breite und Qualität des Spielplans« sowie den Einsatz für »markante szenische Handschriften« hervor.

 

Den Ausschlag gab laut der Fachzeitschrift Opernwelt die Arbeit des Generalmusikdirektors Kirill Petrenko, der 2013 den US-Amerikaner Kent Nagano beerbte und durch mutige Inszenierungen wie etwa die Neuproduktion Die Soldaten dem Haus den Anschluss an die Gegenwart bescherte. Für den deutschen Tenor Jonas Kaufmann, der auf der ganzen Welt singt, ist die Bayerische Staatsoper mittlerweile »sein neues Stammhaus«. Er spricht von Aufführungen und »von unglaublich hohem internationalem Niveau, wie man es in Deutschland kaum, vielleicht gar nicht, und in der Welt sehr selten findet.« (DER SPIEGEL).

 

Es lohnt sich also, die Stufen des klassizistischen Theatertempels aufzusteigen und in Münchens goldener Mitte ein Musiktheater auf Weltniveau zu genießen.

Was Sie schon immer über die Bayerische Staatsoper wissen wollten

  • 10. Juni 1865: Tristan und Isolde von Richard Wagner wird uraufgeführt
  • 1943 wird das Münchner Nationaltheater komplett zerstört
  • 1963 mit Frau ohne Schatten von Richard Wagner wiedereröffnet
  • 20 000 Bestellungen gehen ein, als 1987 erstmals seit 18 Jahren wieder Wagners kompletter Nibelungen-Ring Premiere feiert
  • 1 totes Reh für die Märchenoper Rusalka löst 2011 den Bambi-Skandal aus

Eine Bürgeroper mit königlicher Tradition

 

Die italienische Oper – mit ihrem Farbrausch auf der Bühne, der Sprezzatura, der höfischen Eleganz und den elegischen Klängen des Orchesters, das inspirierte auch Kurfürst Ferdinand Maria in München, der im Herkulessaal der Residenz ein Saaltheater errichtete, in dem vor der Hofgesellschaft die ersten Operndarstellungen inszeniert wurden. Gleichzeitig baute er 1657 nach einem Plan seines Vaters Maximilian I. das erste freistehende Opernhaus Deutschlands, indem er das alte Kornhaus, den sogenannten »Haberkasten« am Salvatorplatz umgestaltete.

 

94 Jahre später folgte der Bau des Residenztheaters, in der 1781 die Uraufführung der Oper Idomeneo stattfand und Mozart blutrünstige Götter aufspielen ließ. Der Ruf nach einer größeren Spielstätte wurde lauter, bis König Maximilian I. den Architekten Karl von Fischer beauftragten, um ein neues königliches Hof- und Nationaltheater zu entwerfen. Im Oktober 1811 begannen die Bauarbeiten. Feuer, Finanzierungslücken und Straßenbauten verlangten immer wieder neue Umbauten in den Folgejahren nach der Eröffnung.

Die Wagner-Uraufführungen

Kaum ein Komponist hat sich über Inhalt und Wirkung seines Werkes derart getäuscht wie Richard Wagner über Tristan und Isolde. Eigentlich wollte Wagner mit dem »Tristan« eine leicht von der Hand geschriebene Oper komponieren, die ihm »rasch u. schnell gute Revenuen« abwirft. (NZZ)

 

Der Kaiser von Brasilien hatte bereits Interesse an einer Aufführung in Rio de Janeiro signalisiert. Außerdem glaubte Wagner daran, dass sein Werk eine »leicht zu überwindende Aufgabe« wäre, wie ein Faksimile seiner Handschrift beweist: Kaum Dekoration, kleiner Chor und nur ein gutes Sängerpaar für die Hauptpartien. Mehr nicht! Welch ein Irrtum. Die geplanten Uraufführungen in Rio den Janeiro, Karlsruhe, Berlin, Dresden, Paris und Straßburg zerschellten. Denn Tristan und Isolde bewies sich als eines der schwierigsten Stücke der Operngeschichte und stellte die Sänger vor eine nicht überwindbare Herausforderung. Die Oper galt als unaufführbar.

 

Doch der kunstbegeisterte Märchenkönig Ludwig II. von Bayern verehrte Richard Wagner und drängte ihn dazu, den »Tristan« in München auf die Bühne zu bringen. Es gelang. Furios.

 

»Sehnsucht, Sehnsucht, unstillbares, ewig neu sich gebärendes Verlangen, Dürsten und Schmachten; einzige Erlösung: Tod, Sterben, Untergehen, Nimmererwachen!” So umschreibt Wagner die Handlung, die unerfüllte und im Leben unerfüllbare Liebe zweier Menschen, die seit der Uraufführung am 10. Juni 1865 in München bis heute Zuhörer elektrisiert. Doch die »mörderische Partie« forderte ihren Tribut. Denn der Tristan der Münchner Uraufführung 1865, Ludwig Schnorr von Carolsfeld, starb nach der 4. Aufführung des Werks im Alter von nur 29 Jahren – viele Zeitgenossen schrieben seinen Tod den übermenschlichen Anstrengungen zu, die die Oper den Sängern abverlangt.

 

Doch das tat der Glanzzeit in der Geschichte der Münchner Oper keinen Abbruch. Es folgten Uraufführungen von insgesamt fünf Meisterwerken Richard Wagners. 1868 dirigierte der neue Hofkapellmeister Hans von Bülow Die Meistersinger von Nürnberg in Gegenwart des Königs. Es folgten am 22. September 1869 und am 26. Juni 1870 die Uraufführungen von Das Rheingold und Die Walküre unter der Leitung von Franz Wüllner. 1888 wurden Die Feen uraufgeführt. Die Bayerische Staatsoper stand im Blickpunkt der europäischen Musikwelt und begründete den Ruf, mit Urraufführungen Geschichte zu schreiben.

Das zerstörte Münchner Opernhaus

Am 3. Oktober 1943 fiel das Nationaltheater im Zweiten Weltkrieg einem Bombenangriff zum Opfer. Nur noch die Außenmauern blieben stehen. Ein Abriss der Ruine mit anschließendem Neubau wurde lange diskutiert, da er um einiges kostengünstiger gewesen wäre, doch die Bevölkerung stimmte für einen Wiederaufbau. 63 Millionen Mark musste in den Bau investiert werden, der sich von 1958 bis 1963 vollzog. Bei der Rekonstruktion wurde die Bühne vergrößert und gilt jetzt nach der Opéra Bastille in Paris und dem Teatr Wielki in Warschau mit 2.500 Quadratmetern als drittgrößte Opernbühne der Welt. Im Jahr 1963 wurde die Bayerische Staatsoper mit Frau ohne Schatten wiedereröffnet. Eine legendäre Aufführung, nicht nur, weil sich Richard Strass und Hugo von Hofmannsthal jahrelang an der Komposition und dem Text des Stückes abmühten.

Der Bambi-Skandal

Dass die Bayerische Staatsoper Inszenierungen bis in die Gegenwart feiert, die gesellschaftliche Sprengkraft haben, bewies der 2011 ausgelöste Bambi-Skandal.

 

Die Neuinszenierung von Antonin Dvoraks Rusalka am 23. Oktober hatte Tierschützer auf die Barrikaden gerufen. Der österreichische Regisseurs Martin Kusej hatte ein totes Reh inszeniert, das eigenhändig für die Aufführung von einem Jäger erlegt wurde. »Das ist eine absolute Frechheit«, sagte die Präsidentin des Bayerischen Tierschutzbundes, Nicole Brühl und prüfte, ob die Staatsoper mit dem Regie-Einfall gegen das Tierschutzrecht verstoße.

 

Brühl forderte den Intendant Nikolaus Bachler auf, auf einen echten Rehkadaver zu verzichten und stattdessen eine Plastikattrappe zu verwenden. Nach heftiger Kritik verzichtete die Bayerische Staatsoper schließlich darauf, bei der kommenden Aufführung auf der Bühne einen echten Rehkadaver zu verwenden. Stattdessen sollte nun die »Reproduktion eines Rehs« gezeigt werden.

 

Oper – über Jahrzehnte tradiertes Spektakel, Götterdämmung, aber auch Anlass für Diskussionen der Gegenwart. In München ist alles möglich. Die Bayerische Staatsoper zählt zu den renommiertesten Opernhäusern in Deutschland und begeistert mit ihren Inszenierungen regelmäßig nicht nur die Opernwelt. Vor allem weil auch herausragende Stars engagiert werden, wie etwa Jonas Kaufmann, Anja Harteros oder Rolando Villazón.

 

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