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Das Reisefoto des Jahres 2017

ZEIT REISEN und CEWE haben in 2017 erneut zu dem Fotowettbewerb »Reisefoto des Jahres« aufgerufen. Als attraktiver Hauptgewinn lockte eine ZEIT-Reise für zwei Personen im Wert von 10.000 Euro. Die hochkarätige Jury bestehend aus Fotografen, Vertretern von CEWE und der ZEIT hat aus mehr als 12.000 eingesendeten Fotos die Gewinner ermittelt.

Der erste Preis ging verdient an Ferenc Szabó aus Ungarn für seine Fotografie »Glasstiger«.

Glasstiger
Glasstiger

In einem Interview mit Herrn Szabó haben wir mehr über die Hintergründe zum Bild erfahren.

1. Wie ist das Bild entstanden?

In den letzten Jahren habe ich angefangen meinen Kindern das Autofahren zu lehren. Aber es ist nicht einfach. Einerseits sind sie Teenager, andererseits ist dieses Fahren auch eine Reise. Ich versuche das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. So sagt man in Ungarn. Generell fahren wir einen vorher geplanten Weg, und während ich sie lehre, bin ich auch schon bereit Fotos zu schießen. Wenn ich etwas Interessantes erblicke, halte ich die Kamera sofort bereit. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich aus den Kindern meinen eigenen Nutzen ziehe, da sie inzwischen allein so gut fahren können, dass ich gar nicht mehr auf sie aufpassen muss. Ich kann mich zu 100% auf die Landschaft konzentrieren. Wie schon erwähnt, planen wir immer im Voraus wo genau die Reise hingeht. Normalerweise dauert die Reise nicht mehr als 1-2 Tage. Falls es doch länger dauert, organisieren wir zusätzlich weitere Freizeitaktivitäten. Bei unserem Fahrplan steht immer an Erster Stelle das es auf den ausgewählten Strecken nur wenig Verkehr gibt und wir die Möglichkeit haben, Landstraßen zu nutzen. Das Bild mit dem Namen »Üvegtigris« ist übrigens auf diese Weise geboren. Die Ehre bei diesem Bild gehört nicht nur zu mir, sondern auch »meinem Fahrer«.

2. Was bedeutet das Bild für Sie?

Für mich hat dieses Bild die Bedeutung, dass ein engagierter Fotograf auch in einer gewöhnlichen Umgebung ein außergewönliches Thema finden kann und aus einer augenscheinlich unspektakulären Umgebung sehr viel herausholen kann. Wenn man in dieser Umgebung schöne, aussagekräftige Fotos machen kann, was hat dies dann wohl für Auswirkungen auf ein ganz neues Milieu (z.B. Ausland)? Spannende Fragen, deren Antwort ich kaum erwarten kann!

3. Was gefällt Ihnen an Ihrem Bild besonders gut?

Hier habe ich einen sehr interessanten Moment einfangen können, ein ganz absurdes Bild. Was macht nämlich ein Mobilheim oben auf einem Hügel neben einem Bau? Es war irgendwie inspirierend und so fehl am Platz, dass es mich ergriffen hat. Nach vielem Nachdenken ist ein minimales Bild geboren, mit minimaler Nacharbeit. Das Bild wurde dann nach einem berühmten Mobilheim bennant, das viele in Ungarn kennen, es heißt »Üvegtigris«. Vielleicht ist das Bild auch deswegen interessant.

4. Bitte beschreiben Sie in ein paar Sätzen Ihre Motivation für die Reise und die schönsten Momente.

Es geht darum, die wichtigsten Dinge in meinem Leben zu kombinieren: Zeit mit meiner Familie zu verbringen und gleichzeitig meiner Leidenschaft dem fotografieren nachzugehen. Die besten Momente habe ich erlebt, als mein »Fahrer« an den Stellen anhielt, wo und wann ich es ihm sagte. Das bedeutet, das mein Kind schon fahren kann, und daneben habe ich ein gutes Foto machen können.

5. Wie sind sie zur Fotografie gekommen?

Ich würde drei Sache erwähnen.
Vor 40 Jahre habe ich zu meinem Vater aufgesehen, der auch fotografierte und aus dem Badezimmer ein Fotolaboratorium gemacht hat. Die Heimlichkeit der Dunkelheit, des roten Lichts, der Werkzeuge, die vergesse ich nie. Äußern könnte ich meinen wichtigsten Gedanke vielleicht mit einem Zitat von Goethe: »Die höchste Aufgabe einer jeden Kunst ist, durch den Schein die Täuschung einer höheren Wirklichkeit zu geben.«
Ich habe mich dank der Geschichte, die ich bei Frage sieben erzähle, für das Fotografieren entschieden.

6. Was bedeutet für Sie Fotografie?

Fotografie bedeutet für mich die Kontroverse, die interessante und schöne Seite des Lebens zu etdecken. Und diese Form des Fotos mit anderen teilen zu können.
Ein gutes Foto kann solche Aspekte und Seite der Welt darstellen, die unser (menschliches) Interesse wecken und für kurze Zeit unseren ständigen Gedankenfluss unterbrechen kann. Und dann, durch diese Gedankenlosigkeit kann die reale Essenz des Fotos einfließen, eine höhere Dimension der Wahreheit, wie z.B die Unvergänglichkeit, die Unendlichkeit, das Gefühl der Solidarität, die Freude und die Stimmung der Liebe.
Ich bin kein Extrovertierter, ich freue mich über Erfolge, aber oft bin ich mit den Wörtern und Ausdrücken auf Preisverleihungen unsicher. Das wird durch Fotografie kompensiert. Durch Fotografie kann ich sehen, hören und sprechen. Meine Wörter kommen aus Lichtern, Farben und Themen.

7. Nennen Sie uns Ihre 5 schönsten fotografischen Momente.

Ich beschreibe nur einen Moment, von den anderen lasse ich die Fotos sprechen.
In den letzten sommerlichen Tagen des Augusts fuhren wir mit der Familie nach Matra (höchster Berg in Ungarn, 1014m). Am Anfang war das Wetter angenehm, aber es verschlechterte sich in den nächsten Tagen. Wir haben uns daran anpassen müssen, unsere ursprüngliche Pläne ändern müssen, und dann lief alles problemlos. Es störte gar nicht, dass es sich am Morgen herbstlich angefühlte und es während des Tages vielmals zu regnen anfing. Vielleicht war es noch besser als in der Hitze zu wandern.

An einem Tag nach dem Abendessen ging ich zum Aussichtsturm in der Nähe, mit der Hoffnung, dass ich vom Sonnenuntergang Fotos machen kann. Als ich den Turm erreichte, musste ich die traurige Wahrheit akzeptieren, nämlich war es noch bewölkt. Unterwegs sah ich Zeichen der Besserung. Es schien so, dass die Wolken sich vielleicht auflösen. Ich sagte »kein Problem«, ich muss genießen, wie es ist. Man kann dagegen nichts tun. Ich sah den tiefen Raum genau an, der mich umgab. Es war faszinierend. Inzwischen vergaß ich schon, warum ich eigentlich da aufkam. Die Enttäuschung die ich wegen der Wolken kurz fühlte war schon vorbei.

Am Horizont enstand ein interessanter Tanz zwischen der Sonne und den Wolken. Die Wolken führten den Tanz, dass niemand ihren Partner sieht. Es änderte sich schnell. Die Sonne versuchte sich durchzusetzen, dann ging sie zurück. Es wurde dunkel, ich konnte kaum etwas sehen. Rückblickend würde ich sagen, wenn ich zugelessen hätte, dass meine Gedanken und Gefühle mich leiten, dann wäre ich schon umgekehrt und zurück zum Hotel gegangen mit der Hoffnung, dass das Wetter morgen vielleicht besser wird.

Die Lösung ist der Moment, das jetzt. Es ist egal was passierte und was passieren wird. Diese Gedanken fanden mich und wollten nie weggehen, aber dann begann es »klarer« zu werden.
Dann kam die Sonne durch, die ganze Landschaft wurde rot, aus der Verschleierung wurde blendend Klarheit innen und auch draußen.

»Wenn du die unergründliche Tiefe des Raums betrachtest oder in der Morgenfrühe kurz vor Sonnenaufgang auf die stille lauschst, klingt so etwas wie ein Wiedererkennen in dir an. Dann empfindest du die unermessliche Weite des Raumes als deine eigene Weite und erkennst, dass die köstliche Stille, die keine Form hat, in einem viel tieferen Sinne das ist, was du im Innersten bist, als all die Dinge, die dein Lebensinhalt sind
Eckhart Tolle

Bodrogzug
Bodrogzug
Harghita
Harghita
Bodrogzug
Bodrogzug
Pilis Mountains
Pilis Mountains

8. Welche Tipps haben Sie für Einsteiger in das Thema Fotografie?

Geduld, Ausdauer, Planung und das Gefühl des Moments. Für ein gutes Bild braucht man ein gutes Thema. Dazu sind noch die passende Lichter nötig und die Lust zu experimentieren. Wenn das Bild nicht gelingt, ist man dem Thema nicht nah genug gekommen. Wenn es gelingt, dann ist man des Bildes Übersetzer geworden.

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