Nicholas Jubber

Von Monstern und Mythen

Eine Reise zu Europas wilden Geschichten

Die großen Sagen Europas in einem packenden und aktuellen Reisebericht

Der Klosterkomplex von Rocamadour in den französischen Pyrenäen. Hier können Besucher Rolands angeblich wundertätiges Schwert Durendal besichtigen.

In seinem neuen Buch bereist Bestseller-Autor Nicholas Jubber Europa von der Türkei bis nach Island und erkundet sechs große Epen unseres Kontinents: Odyssee, Kosovo-Mythos, Rolands- und Nibelungenlied, Beowulf und Njálls-Saga. Er greift zurück auf prägende Werke aus vergangenen Epochen und sucht dabei Antworten auf Fragen, die die Menschen in Europa seit Jahrtausenden bewegen: Was bedeutet uns Nationalität, was ist Fundamentalismus, welchen Einfluss haben Schicksal oder Klassenzugehörigkeit? In den blut- und feuergetränkten Geschichten begegnet er Göttinnen und Kaisern, Drachen und Wassermädchen, Rittern und Prinzessinnen – und entdeckt ihren tiefen Einfluss auf die europäische Identität und ihre Bedeutung in turbulenten Zeiten.

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Die Idee

Auf Europareise mit seiner Familie besucht Nicholas Jubber das Schloss Neuschwanstein, an dem sein jüngster Sohn ein Fresko entdeckt: Es stellt den Helden Siegfried dar, wie er den Drachen tötet. Diese Geschichte geht Jubber nicht mehr aus dem Sinn:

»Wie ein Wollknäuel, mit dem ein Kätzchen spielt, verwickelten sich ihre Fäden mit anderen Erzählungen. Ich dachte an ihren Einfluss auf das angelsächsische Epos Beowulf und die isländischen Sagas und später auch auf die Bücher von J. R. R. Tolkien, der Geschichten über Drachen so populär gemacht hat, dass das Bild eines schuppigen, geflügelten Wesens heutzutage jedem Dreijährigen etwas sagt. Und ich dachte an Siegfrieds Verbindungen zu den großen Helden Homers: Er ist ein Meister der Tarnung, genau wie der listenreiche Odysseus, aber auch ein fast unsterblicher Kraftprotz wie Achilles – samt dessen ›Achillesferse‹, die bei ihm allerdings ein Fleck auf der Schulter in Form eines Lindenblatts ist.«

Und so beschließt er, einige Monate später erneut auf Europareise zu gehen – alleine diesmal, und auf der Suche nach den Mythen und Sagen, die den Kontinent und seine Menschen geprägt haben. Dabei sammelt er nicht nur Geschichten, sondern auch Antworten auf europäische Fragen. Natürlich deckt der Autor dabei nur einen kleinen Teil der Sagen und Mythen Europas ab, zu reichhaltig für ein einziges Buch ist das epische Erbe Europas. Dennoch:

»… auch wenn ich viel am Wegesrand liegen lassen muss, habe ich doch die Hoffnung, auf den Spuren dieser sechs Geschichten quer über den Kontinent eine Reihe von drängenden Fragen wenigstens teilweise beantworten zu können: Welchen Beitrag haben diese Epen zur Schaffung Europas geleistet? Lohnt es sich nach wie vor, sie zu lesen? Können sie uns heute helfen, Europa besser zu verstehen?«

Eine Reise

Auf den Spuren unserer großen gemeinsamen Geschichten

»Die epische Tradition Europas beginnt mit Homer, und so soll die Odyssee, die beliebte Erzählung über den langwierigen Heimweg eines listigen Helden aus dem Krieg auch Startpunkt meines Unterfangens sein.«

Auf Chios, der Insel, auf der Homer sein Epos verfasst haben soll, begibt sich Jubber also auf die Spuren eines Spätheimkehrers und der Odyssee. Er arbeitet als freiwilliger Helfer in einer Schule für Flüchtlinge und entdeckt gemeinsam mit seinen Schülerinnen und Schülern die Aktualität der jahrtausendealten Verse.

Das berühmte Trojanische Pferd als Graffito in Athen.

An einem freien Wochenende reist er nach Troja und umschwimmt den Hügel, auf dem der Sage nach Achilles beerdigt wurde; er schlendert in Athen durch die Straßen von Exarchia mit seinen grafittibesprühten bunten Wänden und lauscht im Archäologischen Museum einem Vortrag der Odyssee; er wandert die griechische Küste entlang und verliert seine Habseligkeiten in der Wildnis. Am Ende seiner ersten Etappe und nach unzähligen neuen Bekanntschaften, Gesprächen und Erkenntnissen zur Aktualität der Odyssee stellt Jubber fest, dass die Geschichte des Heimkehrers Odysseus Erzählungen des Kontinents »den Kreuzzügen bis zum Kolonialismus« und »vom Zeitalter der Entdeckungen bis zum Atomzeitalter« geprägt hat.

Die Kirche von Breedon-on-the-Hill in England, bekannt für ihre angelsächsischen Kunstwerke von Ungeheuern und Fabelwesen.

Und so setzt Jubber seine Reise über den europäischen Kontinent fort, auf den Spuren des Kosovo-Zyklus durch die Länder des Balkans, quer durch Westeuropa an die Orte des Rolandsliedes, in Zentraleuropa an die Schauplätze des Nibelungenlieds und schließlich nach Norden, wo er sich in Großbritannien und Skandinavien mit der Geschichte von Beowulf befasst und in Island der Saga von Brennu-Njáll nachspürt.

Die Reiseroute führt von Griechenland im Südosten kreuz und quer durch Europa und endet in Island im äußersten Nordwesten.
Leseprobe aus dem Kapitel:

Das Nibelungenlied

[…]
Der Rhein entspringt in den Alpen und mündet in die Nordsee, markiert eine Grenze, die zu den bedeutendsten Trennlinien Europas gehört – von der Zeit des Römischen Reichs, als er das Imperium von den Barbaren abgrenzte, bis hin zum Zweiten Weltkrieg, in dem der Kampf um einen Rheinübergang für die Alliierten größte strategische Bedeutung hatte.
Ich spähte in das trübe Wasser und stellte mir den legendären Hort vor, nach dem Schatzsucher immer noch fahnden. Der Wormser Künstler Eichfelder meinte: »Die erste Frage eines Besuchers ist immer: ›Wo kann man den Nibelungenschatz besichtigen?‹« Dieser Schatz wird im Epos so verzückt beschrieben, dass einem quasi das Wasser im Mund zusammenläuft – mit seinen Goldklumpen, kostbaren Juwelen und einem »golden Rütelein«, von dem es heißt: »Wer es hätt’ erkundet, der möchte Meister sein auf der weiten Erde wohl über jeden Mann.« Er gehört zu den großen geheimnisumwobenen Schätzen der Welt, vergleichbar dem Templerschatz oder dem Gold von Eldorado.

Die Nibelungenbrücke führt bei Worms über den sagenumwobenen Rhein © Christoph Mohr / shutterstock.com

»Ich träumte, ich zöge mir einen Falken«, erzählt Kriemhild, »einen starken, schönen, wilden, den mir zwei Adler erkrallten. Es könnte mir nie ein größeres Leid geschehen, als das mitanzusehen.«
Die Tragödie des Epos – und vor allem Siegfrieds Ermordung durch Hagen – kündigt sich bereits am Anfang der Geschichte an, als Kriemhild ihren makabren Traum schildert. Mit ebendiesem Traumerlebnis beginnt auch Irene Diwiaks Drama Die Isländerin, das auf dem Nibelungenlied beruht und im LincolnTheater am Obermarkt aufgeführt wurde.
Ich hatte gehört, dass sich dieses Stück auf die Frauen des Epos konzentrierte, und da ich mich nun schon so lange mit Macho-Kriegern beschäftigte, freute ich mich auf einen Perspektivenwechsel. Mit zwei dynamischen Frauen im Vordergrund stellt das Nibelungenlied bedeutende Fragen zum Verhältnis der Geschlechter, die auch heute noch Bedeutung haben. Also sah ich mir das Stück an und sprach mit der Autorin über ihre Deutung eines wichtigen Abschnitts des Epos – den »Streit der Königinnen«.
[…]

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Im Sagenfieber?

Im Oktober 2020 erscheint das neue Buch des SPIEGEL-Bestseller-Autors in deutscher Erstausgabe im DuMont-Reiseverlag.

Von Monstern und Mythen. Eine Reise zu Europas wilden Geschichten.

Nicholas Jubber,

ab 16,95 Euro

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Wir stellen vor

Der Autor

Der Autor im Tal des Flosidalur in Island.

Nicholas Jubber, Jahrgang 1977, lebte nach seinem Studium an der Oxford University mehrere Jahre in Jerusalem. Als 2000 die zweite Intifada ausbrach, reiste er durch den Mittleren Osten und Ostafrika und berichtete von dort für The Guardian, The Observer, BBC Radio 4 sowie den amerikanischen Radiosender NPR. Jubber ist Gewinner des Dolman Best Travel Book Award, des renommiertesten Preises für Reiseschriftsteller in Großbritannien. Sein erstes ins Deutsche übersetztes Buch, »Die acht Lektionen der Wüste«, erschien 2017 ebenfalls im DuMont Reiseverlag und wurde ein SPIEGEL Bestseller.