Prolog

Khane, Taiga, Zarenschätze

Eine Reise durch grandiose Landschaften und zwei Kontinente: 14.500 Kilometer in 56 Tagen von Shanghai nach Hamburg durch China, die Mongolei, Russland, die baltischen Staaten und Polen zurück nach Hamburg

Genau wie im Vorjahr sind unsere ZEIT-Reisenden wieder auf einer Expeditionsroute von Shanghai nach Hamburg unterwegs: Anstatt China steht wieder Russland fast vier Wochen lang in all seinen faszinierenden Facetten im Fokus: vom Baikalsee über Sibirien bis zu den Metropolen Moskau und St. Petersburg. Schon vom Start weg erweitern kompetente ZEIT-Experten Ihren Horizont. Rainer Schelp und Wolfgang Pohl, unsere bewährten Reiseführer auf der Seidenstraße, begleiten die ZEIT-Reisenden auch auf der neuen Route. Sie durchqueren zwei Kontinente und zwei der größten Länder der Erde.
In der Mongolei erleben Sie eine grandiose, fast noch archaische Landschaft, in der Naturgewalten den Alltag bestimmen. Das Baltikum bezaubert dann durch Begegnungen mit vergangenen Epochen und dem Aufbruch in ein neues Zeitalter. Unsere ZEIT-Experten unterstützen Sie dabei, fremde und sehr unterschiedliche Kulturen kennenzulernen und Ihre Eindrücke einzuordnen, damit Sie sich ungeachtet der Schlagzeilen zur Tagespolitik Ihr eigenes Bild machen können.
Und wenn unsere Kulturexpedition dann nach 56 Tagen, 35 Etappe und mehr als 14.000 Kilometern Fahrt Ende August in Hamburg angekommen ist, hoffen wir, dass es Ihnen genauso geht, wie es ein Teilnehmer der Hinreise Anfang Juli in Shanghai formulierte: »Für mich war diese Reise nicht nur außergewöhnlich. Es war vermutlich DIE Reise meines Lebens!«
Begleiten Sie uns hier im Blog auf ein einzigartiges Abenteuer!

PS: Bereits am 6. Juli haben die ZEIT-Reisenden auf dem Hinweg von Hamburg nach Shanghai begeistert und unversehrt den Endpunkt ihres großen Abenteuers erreicht. Ihre Eindrücke und Erlebnisse haben Sie ebenfalls in Ihrem Reiseblog festgehalten. Lesen Sie hier mehr dazu!

DIE ROUTE IM ÜBERBLICK
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Tag 45: 17.8.2019

Von Moskau nach Waldai

Nach dem Großstadttrubel in Moskau geht es heute in eine Endmoränenlandschaft mit Seen und Sümpfen und zahllosen Birken und Kiefern. Waldai (wird auch manchmal Valday geschrieben) liegt fast genau zwischen Moskau und St. Petersburg. Die Valdayer Höhen ähneln der holsteinischen Schweiz und bilden mit 347 m Höhe die Wasserscheide zwischen Wolga, Düna und Dnepr.
Der Tag beginnt mit der Vorstellung der Neuen: Konstatin Sokolov und Johannes Voswinkel, die uns mit spannenden Vorträgen unterhalten. Ihre Vorträge spannen große Bögen von Stadtgründungen in dieser Region bis zum heutigen sogenannten Internet-Zeitalter. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, die Lebensgeschichten eines Korrespondenten zu hinterfragen, der seit über 20 Jahren in Russland lebt.
Bleibt offen, wie wohl die Wahlen im September in Moskau zu Stadtverordnetenversammlung ausgehen werden… Die Ausfahrt von Moskau hat dank der frühen Stunde (nur 1 Stunde Verspätung) gut geklappt. Die Fahrt verläuft über gut ausgebaute Autobahnen und Straßen, sodass wir gegen 12:30 Uhr in Twer, an der Wolga gelegen, schon Mittagessen einnehmen konnten.
Wieder mal (zum 3.) hat Mateo uns keinen Cabrio-Bus gegönnt! Es war eine Brücke zu niedrig, sodass wir umdrehen mussten. War für uns Reisenden kein Problem.
Valday hat auch ein Hotel. Und ein Kloster. Und einen Nationalpark. Und ein optisches Werk. Und früher wurden Glöckchen hergestellt. Aber wozu braucht ein Bus Glöckchen?

Um diese Frage zu beantworten, fuhren wir hin. Unterwegs wurde das Glöckchen des Busses benutzt, um zögerliche Mitreisende zum Einsteigen zu bewegen. Jetzt wissen wir um die Bedeutung! Immer wieder bestaunen wir historisch wertvolle Kaufmannshäuser aus alten Zeiten.

Glaspalast bei Ausfahrt aus Moskau

 

Schnappschuss bei Ausfahrt aus Moskau

 

Unterwegs liegt noch ein Kloster mit dem Namen Iwerski, das wir besucht haben. Die Frauen müssen Kopftuch und Rock anlegen, was manchmal recht lustig aussieht.

 

Iwerski Kloster auf der Insel im Waldai-See

 

Twer an der Wolga

~ Eva + Louis Bauer, ZEIT- Reisende

Tag 43: 15.8.2019

Moskau

Unser erster Tag in Moskau! Er beginnt im Hotelzimmer leicht verstörend, auf dem Tisch liegt eine Notiz: “Due to a current wave of anonymous bomb threat calls all over Russian Federation you may be asked to evacuate the building at any time of day … ” – dem folgt ein Evakuierungsplan – wir werden an russische Realitäten erinnert. Heute ist unser freier Tag. Gleich nach dem Frühstück legen wir los. Das Hotel liegt zentral, nur etwa 30 Minuten vom Zentrum entfernt. Durch eine Fussgängerzone, die noch verschlafen wirkt, schlendern wir Richtung Kreml. Bei strahlendem Sonnenschein ein Genuss. Die ersten Fotoobjekte bieten sich an: Blick aufs Zentrum, viele repräsentative Gebäude zeigen: wir sind am Nabel Russlands.

Christ Erlöser Kirche

 

Kreml Südseite

 

In der Fußgängerzone

 

Basilius Kathedrale

 

Bolschoi Theater

 

Nikolai Gogol

 

Kaufhaus GUM

 

Gogol grüßt an einem kleinen Park. Südlich des Kreml auf einer Brücke bietet sich eine phantastische Kulisse: Die goldenden Kuppeln der Christ-Erlöser Kirche glänzen in der Sonne und unsere Blicke wandern die komplette Südseite des Kreml mit ihren prachtvollen Gebäuden hin und her. An der Moskva entlang landen wir dann über der nächsten Brücke, vorbei an einer mit Blumen geschmückten Gedenkstätte für den an dieser Stelle 2015 ermordeten Oppositionellen Boris Nemtsov, im Sarjadje-Park, direkt neben dem Wahrzeichen Moskaus, der Basilius-Kathedrale am Roten Platz.

Boris Nemtsov

Nach ausgiebiger Rast sind wir wieder ausreichend bei Kräften für das Kaufhaus Gum, der Rote Platz ist gesperrt – wie so oft – wegen des Aufbaus riesiger Tribünen für eine Veranstaltung. Anschließend geht es weiter über den Platz der Revolution – Karl Marx grüßt in Stein das gegenüber liegende Bolschoi – Theater. Im Viertel dahinter gibt es eine nette Szene aus kleinen Geschäften und Lokalen, Zeit für ein Bierchen und einen Imbiss. Und dann geht es zu einem der Ziele, die wir uns für Moskau vorgenommen haben: wir folgen Gilbert Becaud ins Cafe Puschkin, wo er 1967 mit Nathalie eine Schokolade getrunken hat. Die Schokolade ist sensationell und die begleitenden süßen Sünden nicht minder.

Un chocolat au Café Puschkin

 

Dessert Café Puschkin

Das Cafe ist proppenvoll, dazwischen wuseln das Bedienungspersonal und die Gäste mit ihren Fotoapparaten. Nicht sehr besinnlich aber eine Kulisse, die man gesehen haben muss. Nach unseren ersten Metro-erlebnissen  und einem letzten (Weihenstephaner Weizen- !!) Bier landen wir dann etwas müde aber voller Eindrücke in unserem Hotel.

~ Anette und Gerhard Lösl, ZEIT- Reisende

Tag 42: 14.8.2019

Von Nischni Nowgorod nach Moskau

Mit Zwischenstopp in Wladimir

Aufbruch in aller Frühe. Es regnet. Der gerechte Ausgleich für den sonnigen vorhergehenden Tag.
So beginnt mein runder Geburtstag. Blumen im Bus und auf der ersten Kaffee- und Harmoniepause gibt es direkt ein Geburtstagsständchen mit anschließendem Umtrunk. Wahlweise russischen Cognac oder Wodka. Ersteres Getränk schießt den Vogel ab. Nur die wahren Helden, unsere Busfahrer sind ausgeschlossen. Sicherheit geht vor.

 

Der Zwischenstopp am Goldenen Ring in Wladimir wird eisern durchgeführt. Statt Mittagessen Lunchpaket, damit es nicht zu zeitlichen Verzögerungen kommt. Historisch wird der Goldene Ring um Moskau von etlichen sehenswerten Orten gekränzt. Zum Beispiel durch Wladimir. In jeder Stadt gibt es eine sehenswerte Kathedrale und von der Anhöhe sehenswerte Ausblicke in die umgebende Landschaft. Außerdem ist gerade Honigfest und es werden einige Flaschen Met (Honigwein) besorgt. Zur Verköstigung auf der letzten Rast vor Moskau. Aber vorher muss noch das goldene Tor wenigstens von außen wahrgenommen werden. Es steht mitten auf einer Verkehrsinsel und wird vom Autoverkehr umbrandet. Aber unser ältester Reiseteilnehmer besteht darauf, diesem Phänomen Aufmerksamkeit zu widmen.

Die Nervosität steigt, denn die Ankunft in Moskau ist für 22 Uhr terminiert und es steht eine realistische Familienzusammenführung an. Meine Frau kommt extra zu meinem Runden nach Moskau. Bevor ich in ihre Arme sinken kann, muss allerdings erst der Moskauer Stau bewältigt werden, was unser Mattheusz souverän in Griff bekommt. Wir sind schon eineinhalb Stunden vorher im Hotel. Die Wiedersehensfreude ist riesig.

~ Fiete Siemssen, ZEIT-Reisender

Tag 40: 12.8.2019

Von Kasan nach Nischni Nowgorod

Wir dürfen selbstgemachte Liköre vom Vater probieren

 

Mittagspause im Biermuseum

 

Abendessen mit der Familie von Tatjana

 

Lange Busfahrt mit schöner Mittagspause

 

<span style=”color: #bf9154;font-size: 16px”>~ Annette Lösl, ZEIT- Reisende</span>

Tag 39: 11.8.2019

Kasan

Sonntag in Kasan, dem religiösen Zentrum der russischen Muslime, 
Stadt des friedlichen Zusammenlebens von orthodoxen Christen und Muslimen. 
 
Pünktlich zu Beginn unserer Stadtwanderung begann ein Nieselregen, der uns wie auch Stadtführer Maxim den ganzen Tag begleitete. Alle Zeitreisenden erinnerten sofort an den gestrigen Abend: der wunderschön hell erleuchtete Kreml, die Wanderung bei gutem Wetter mit Blick auf die strahlenden Türme der Kul Scharif Moschee und die leuchtend blauen Kuppeln der Mariä Verkündigungskathedrale und dann das Konzert der Bläser mit Musik u.a. von Mozart. Mir gefiel vor allem das virtuose Bläsersolo einheimischer Musik mit seinen überraschenden und eindrucksvollen Klängen.

 

Die Kul Scharif Moschee
Unser erstes Ziel war die Kirche der „der wieder aufgefundenen Ikone der Gottesmutter von Kasan“. Auf dem Weg gab es Informationen zur Geschichte Kasans.
  • um das Jahr 1000 wurde der Ort von muslimischen Wolgabulgaren gegründet und somit war der Islam früher als das Christentum als Religion in Russland präsent.
  • 1552 eroberte Iwan der Schreckliche die Stadt, die da schon als islamischer Khanat eine wichtige Handelsstadt war, und machte sie zur ersten nichtrussischen Stadt des Zarenreiches.
  • 1579 wurde ein großer Teil der Stadt, die inzwischen eine Diözese war, durch einen Brand zerstört. Nach diesem Brand fand ein 9-jähriges Mädchen in der Asche die unversehrte Ikone der Madonna, es geschahen Wunder (2 Blinde wurden sehend) und die Ikone wurde zu einer wichtigen Ikone Russlands, die häufiger Wunder bewirkte. In ihrer wechselvollen Geschichte wurde sie gestohlen, tauchte im Vatikan wieder auf und wurde der Kirche zur 1000 Jahresfeier Kasans von Papst Johannes Paul II zurückgegeben.
Wir besuchten die Kirche beim sonntäglichen Gottesdienst. Züchtig gekleidet mit Rock und Kopftuch drängten wir uns durch die wunderbar singenden Gläubigen im Gänsemarsch zur Ikone, dann zurück, für mich etwas fragwürdig.

 

Von dort ging es weiter zur Kasanka, die hier in die Wolga mündet, vorbei an dem ca. 2010 erbauten Gebäude des Landwirtschaftsministeriums. Am anderen Ufer war deutlich ein Gebäude in Form eines Kessels zu sehen, Kasan = Kessel erinnert an die Zeit der Tataren, die als Nomaden lebten. Heute ist dort das Standesamt

 

Von hier führte der Weg zum Kreml, Weltkulturerbe, deutlich geprägt durch die 2005 eröffnete Kul Scharif Moschee und die russisch-orthodoxe Kathedrale Maria Verkündigung. Wir durften nur in die Eingangshalle, über der die Gebetsräume der Männer und Frauen liegen, und dann aus der 5. Ebene fotografieren.

Die Minbar – Kanzel für die Freitagspredigt

Friedlich stehen Moschee und Kathedrale nebeneinander, ein Sinnbild für die hier praktizierte Toleranz .

Das Tatarenviertel war unser letztes Ziel: In der Straße mit den farbenfrohen Häusern, deren Fassaden mit schön geschnitzten Ornamenten geschmückt waren, waren viele Menschen unterwegs. Vor den Innenhöfen gab es Gatter mit Schafen, drinnen wurden Schafe geschlachtet, Menschen trugen Tüten mit frisch geschlachtetem Fleisch. Von unserer Anwesenheit war man nicht begeistert. Heute war Kurban Bayram, das Opferfest, das höchste Fest neben dem Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan. Das Fest erinnert an die in Koran wie Bibel erzählte Geschichte der Opferung Ismaels/Isaaks durch Ibrahim/ Abraham

~ Frauke Joester-Rykena, ZEIT- Reisende

Tag 38: 10.8.2019

Von Ufa nach Kasan

Heute Morgen nutzen wir die relativ späte Abfahrt um 10.00 Uhr zu einem Morgenspaziergang. Das Hotel liegt günstig am Fluss Belaja mit einer Attraktion des Ortes: die Reiterstatue von Salavat Yulaev, einem baschkirischen Nationalhelden auf einer großzügig angelegten Aussichtsplattform über dem Fluss.

Salavat Yulaev

Anschließend nach einem kleinen Bummel durch das Viertel ist Abfahrt. Gleich zu Beginn haben wir zwei Stunden gewonnen durch Zurückstellen der Uhren. Die Fahrt geht nach Verlassen des Ural weiter durch die westsibirische Tiefebene. Die Zone gemäßigten Klimas fördert den Pflanzenwuchs, die Bäume werden kräftiger und höher und begünstigt wird auch den Getreideanbau auf riesigen Flächen. Russland exportiert inzwischen 38 % des erzeugten Weizens, immerhin 10 % gehen in die Wodkaproduktion. Die Mittagspause ist heute in einem kleinen Städtchen, Yelabuga. Dort hat man Gelder aus Moskau in die Renovierung gesteckt, die Mittel für die Erhaltung scheinen aber zu fehlen.

Sujumbike Turm

 

Kul – Sharif – Moschee

 

Kirche in Yelabuga

 

Kirche in Yelabuga

 

Ehemaliges Gouverneurspalais

 

Maria – Verkündigung Kathedrale

 

Das meiste wirkt halb fertig, die Kirche aus 1820 bedürfte weiterer erheblicher Investitionen. Nach langer Fahrt mit viel Verkehr erreichen wir am späten Nachmittag Kasan. Morgen mehr dazu im Blog. Aber nach dem Abendessen überzeugt uns Wolfgang, dass es sehr lohnend wäre, noch den einen Steinwurf entfernten Kreml aufzusuchen. Und er hat wieder einmal nicht zu viel versprochen. Fantastische Blicke auf die kunstvoll beleuchteten Attraktionen des Kreml bieten sich uns. Man findet kein Ende beim Fotografieren. Allem voran die Kul – Sharif Moschee. Dann erreichen wir einen zentralen Platz im Kreml, schon von Weitem war Musik zu hören.

Militärorchester

Ein größeres Militärorchester spielt vor der gigantischen Kulisse einen bunten Ausschnitt aus russischen und mitteleuropäischen Werken. Es wirkt fast wie inszeniert, da fehlte nur noch ein Feuerwerk …

~ Gerhard Lösl, Zeit-Reisender

Tag 37: 9.8.2019

Von Jekaterinburg nach Ufa

Bei bedecktem Himmel steht eine Fahrt von 509 km an, nach Mattheos Aussage, auf nicht allzu guter Straße. Wir merken das schon nach wenigen Kilometern: viele Bodenwellen und noch mehr Verkehr, besonders LKWs, auf der viel befahrenen Transkontinentalen.
 
Die Landschaft: Wälder aus vorwiegend Birken und Nadelbäumen, abwechselnd mit Wiesen und Sümpfen.
Erste Pause, wie üblich an einer Tankstelle, hinter der wir aber den schönen Wald „erobern“ konnten. Bei der Weiterfahrt mittlerweile Berge: Wir fahren durch den Ural und befinden uns wieder in Europa! Das nimmt Wolfgang zum Anlass, einen interessanten Vortrag über die geologische Entstehung des Urals zu halten. Wir sehen mittelhohe, bewaldete Berge mit gelegentlich kleinen Felsformationen.

Unterwegs bei Miass riesige Abraumhalden vom Bergbau, die auch unsere einheimische Begleiterin erstaunen lässt.
Nach 2 1/2 stündiger Fahrt: Mittagessen in Zlatoust im Restaurant Nikolsky, einem kleinen prunkvollen „Schlößchen“. Im etwas verwilderten Garten am Fluss werden vor allem die weiblichen Mitreisenden von einem sehr schönem Brautpaar abgelenkt.

Nach dem Essen die Überraschung des Tages: Bei der Ausfahrt aus Zatoust kann unser Monsterbus nicht weiter, weil eine Staßenbrücke nur 3,5 m hoch ist: fehlen 20 cm !! Wir, d.h. die Besatzung unseres Begleitfahrzeuges löst das Problem indem wir einen kleinen Umweg fahren.

Wir fahren über zwei kleine Passhöhen mit hübscher Aussicht, aber mittlerweile im Regen. Nach dem zweiten Pass ein großer Stau, den wir erst nach 45 Minuten überwunden haben, der aber den Vorteil hat, dass er als Fahrer-Ruhepause angerechnet werden kann.
Jetzt kommt noch eine Überraschung: Nachdem es tagelang keine Polizeikontrolle mehr gegeben hatte, wird unser Bus zweimal und der uns nachfolgende leere Bus einmal innerhalb von einer Stunde kontrolliert. Glücklicherweise nur ein kurzer Stopp bei dem unsere Fahrer und die Passagierliste überprüft wurden.
So kommen wir um 20:30 Uhr im Hotel Hilton Garden Inn an, das auf einer Felsnase über dem Belaja Fluss liegt. Wolfgangs Aufforderung, das Reiterstandbild von Salavat Yulaev, einem Freiheitskämpfer, zu besuchen kommt keiner mehr nach. Es regnet, ist kalt und wir sind müde. Es reicht noch zum Abendessen und Bier um 21:00 Uhr im Hotel. Salavat Yulaev muss bis morgen warten.

 

 

 

Unser Bus ist zu hoch.

 

Was tun?

~ Gesine Brethfeld , Zeit-Reisende

Tag 36: 8.8.2019

Jekaterinburg

Wir haben heute wieder einen Wechsel ganz vorne auf unserer “Reiseführer-Bank”. Sascha und Vladimir verlassen uns gegen Abend und Tatjana und Anja werden uns bis Moskau begleiten. Wir lernen Jekaterinburg kennen und als Erstes die beiden Stadtgründer, den Damm aus 1728, viele interessante Häuser und Geschichten und vor allem die Kathedrale auf dem Blut (Kirche aller Heiligen, die im Leben leiden mussten).

 

Die Geschichte der letzten Zarenfamilie ist eng mit diesem Ort verbunden. An der Stelle, an der heute die von 2000-2003 erbauten Kirche steht, befand sich das Wohnhaus, in dem die Zarenfamilie bis zu ihrem Tod wohnte. 1918 war die Zarenfamilie durch die Bolschewiki in diesem Haus festgehalten worden und wurde unter dramatischen Umständen am 17. Juli dieses Jahres exekutiert. Während der Sowjetunion wurde das Haus zerstört und bereits in den 90er Jahren der Bau einer orthodoxen Kapelle geplant. Heute ist die 2-stöckige Kathedrale ein wichtiger Wallfahrtsort und von außergewöhnlicher Schönheit. Im Erdgeschoss erinnert ein entsprechend ausgestatteter Raum an die Bluttat und im gesamten Gebäude sind verklärende Darstellungen aus dem Leben der Zarenfamilie zu sehen.

Jelzin Zentrum

Wir besuchen das Jelzin Zentrum, einem Sohn der Stadt. Das Zentrum wurde 2015 eröffnet und zeigt viele Stationen aus seinem Leben und der Zeitgeschichte. Die Darstellung Jelzins als auch der pompöse Bau sind allerdings umstritten. Unbestritten ist, dass der 60. Längengrad hier ganz in der Nähe Russland in den asiatischen und den europäischen Teil trennt und wir springen mehrfach von Europa nach Asien und wieder zurück. Wir bleiben aber gerne noch für diesen Tag im asiatischen Teil und genießen ein feines Abendessen im 51. Stock mit tollem Blick auf das nächtliche Jekaterinburg.

Blick in der Stadt

 

Wolfgang beim Damm mit einem Stein

 

Sewastjanow Haus

 

Grenze Asien zu Europa

 

Blick aus dem 51. Stock

 

Abendessen im Hochhaus

 

Die 2 Stadtgründer

 

Gruppenbild Grenze Asien zu Europa

~ Anette Lösl – eine ZEIT-Reisende (kurz vor dem Übertritt nach Europa)

Tag 33: 5.8.2019

Omsk

Ob oder Om?
Jeder Kreutzswortsrätselfan ist bei der Lösung des Rätsels begeistert. Aber wie unterscheiden sich die Flüsse? Die Antwort haben wir nun erlebt: Durch Nowosibirsk fließt der etwa 1 km breite Ob und wir staunten über die Brücken für Eisenbahn, U-Bahn und Autos. In Omsk mündet der Om (rund 50 m breit) in den reißenden Irtysch. Genau dort liegt unser Hotel mit riesigen Zimmern.

Heute besichtigen wir die geschichtsträchtige Stadt, die bereits 1716 kurz nach St. Petersburg gegründet wurde. Damals wurde die Stadt mit der Pracht der Zaren erbaut, um eine große Ausstrahlung (im Sinne von Anziehungskraft) auf die Nomadenstämme der Russen auszuüben. Omsk galt kurzfristig als die zweite Hauptstadt Russlands. Jedoch nach dem 2. Weltkrieg wurde sie aus militärischen Gründen zur geschlossenen Stadt erklärt und darf erst ab etwa 1990 wieder besucht werden. Heute liegt die wirtschaftliche Kraft in der Petrochemie, im Maschinenbau, in der Landwirtschaft und in der Bierbraukunst (sehr zum Wohle vieler Zeit-Reisender). Zum Ärgernis der Bewohner verbleiben nur etwa 5 % des Steueraufkommens in der Stadt und die anderen 95 % fließen nach Moskau. So wurde mit dem Bau einer U-Bahn begonnen, konnte aber nicht fertiggestellt werden. Es erübrigt zu sagen, welche Auswirkung das auf die Verkehrssituation hat. Kommt einem irgendwie bekannt vor.

Zu den Besonderheiten, die uns der lokale Reiseleiter Wladimir zeigt, zählen die schönste Kathedrale Sibiriens, das Denkmal von Dostojewski, das Kunstmuseum und die mutige Frau Schanina.

Uspenskiy Kafedral’nyy Sobor
(Mariä-Entschlafens-Kathedrale)

 

Kathedrale mit renovierten Ikonen

 

Denkmal für Frau Shanina, eine erfolgreiche Geschäftsfrau

~ Eva + Louis Bauer, Zeit-Reisende

Tag 32: 4.8.2019

Von Nowosibirsk nach Omsk

Protokoll eines Tages, unterwegs in Sibirien

Wecker 07:30, Frühstück ab 06:30, Umzug im Bus (Wechsel der Plätze), Abfahrt 10:03, am Steuer Jens.
Reiseleiter Wolfgang Pohl, russischer Reiseleiter Victor,
Begleiter als Experte Alexander Sambuk,“Sascha“.

In kurzem Sichtabstand fährt ein PKW als Scout mit großer Beschriftung „Begleitfahrzeug“ voraus (von der Agentur Adamant Travel)

Wetter: Blauer Himmel von Horizont zu Horizont bei 22 Grad, steigend.

Los geht’s: Nach Überqueren des gewaltigen Flusses, ob gleich hinein in die sonnenüberstrahlte Taiga mit weiß leuchtenden Birkenstämmen zwischen dem eher dunklen Mischwald. Dazu von Sascha ein Vortrag zu der politischen Situation Russlands im Verhältnis zu Europa…ein eher deprimierender Statusbericht.

Langsamer Übergang zu weiten Blicken über flaches Gelände mit Sumpfwiesen, eingestreuten Tümpeln, Schilf, dazwischen Birkengehölze. „Kaffeepause“, 12:15 bis 12:55 auf LKW-Parkplatz an Tankstelle. Wie üblich, wird zuerst die Toilette gesucht, wenn nur eine da ist, auch geeignete Bäume, Büsche und sonstige Deckung. Frisch gebrühter Kaffee aus der Maschine mit Gebäck gibt es. Weiterfahrt auf der guten, aber nur 2-spurigen Straße, der Transkontinentalen M52. Viel Schwerlastverkehr rollt hier in beiden Richtungen; das stellt hohe Anforderungen an den Fahrer: viele Überholmanöver werden nötig …dazu hören wir Vorträge von den Experten zu verschiedenen Themen.

Von 14:40 bis 15:35 Mittagessen in einem Selbstbedienungsrestaurant für Fernfahrer und gleich geht’s weiter… Wir kommen in eine neue Zeitzone: 1 Stunde zurückstellen…. Ein weiterer Vortrag von Wolfgang zu Meteoriten (Sibirien hat 40% der Einschläge).

16:50-17:10: Ka/Pi Pause an Tankstelle. Noch über 100 km, das Meiste davon noch auf einer Nebenstraße, einer „Rüttelpiste“. Beidseitig jetzt riesige Getreidefelder, eingebettet in Wald.


Um 18:50 kommt eine Stadt in Sicht. Omsk ist nach einem langen Fahrtag erreicht. Ein Applaus für Jens.
Unser Hotel liegt an der Mündung des kleinen Flusses Om in die breite, schiffbare Jrtyis.

Nach dem Abendessen im Hotel (Beginn 20:00)
erkunden wir noch ein wenig die belebten Uferpromenaden des Om, wo viel Betrieb ist. Zufällig treffen wir auf eine (recht gut deutsch, sprechende) Familie von Russlanddeutschen, die in einem Dorf in der Nähe einen Bauernhof haben…

21:30 Wird’s dunkel.

22:30 Ab ins Bett.

~ Volkhart Brethfeld, ZEIT-Reisender

Tag 31: 3.8.2019

Nowosibirsk

Wir sind jetzt 6.450 km von den rund 14.000 km unterwegs und heute verlassen uns 3 Mitfahrer. Leider müssen Elke und Horst zurückfliegen und wir grüßen die beiden auf diesem Wege herzlich. Wir sehen die zwei wieder bei unserem Abschiedsessen am letzte Abend der Reise. Bis “bald” ! Falk verlässt uns leider heute auch und wir haben seine deutlichen Worte – akustisch wie inhaltlich – sehr gerne gehört. Viele Grüße an Dich Falk! Aber wir haben auch einen Neuzugang: Alexander Sambuk, genannt Sascha. Er wird uns auf der kommenden Teilstrecke begleiten. Für den Tag in Nowosibirsk kommt sogar noch ein weiterer Gast in den Bus, der uns an diesem Tag die ganze Umgebung zeigen wird. Anna. Wir gehen mit ihr in die wunderschöne Alexander Newski-Kathedrale, besuchen Akademgorodok, das Eisenbahnmuseum, den Bahnhof im Zentrum der Stadt (der vor allem innen einfach toll ist), die Markthallen mit all dem Trubel, den Leninplatz und u.a. auch das Opernhaus. Wir lauschen ihren zahlreichen Ausführungen und wechseln z.B. Blicke, als Anna berichtet, wie sehr die russischen Bauern das Embargo begrüßen (jetzt werden die im Land erzeugten Produkte hoch geschätzt und abgenommen (erhöhen sich dadurch die Preise wie einige Stimmen auch kritisch bemerken?) ) und die Bauern hoffen, dass das Embargo auch weiterhin bestehen bleibt.Ein richtig warmer Tag in Sibirien, der mit einem sehr guten Abendessen in einem sehr bunten netten Lokal ausklingt.

Ein kleines “Gedicht” aus diesem Tag – der hier kurz notiert ist. In Hamburg lebten zwei Ameisen, Die wollten nach “Shanghai” reisen. Bei Altona auf der Chaussee da taten ihnen die Beine weh, und da verzichteten sie weise dann auf den letzte Teil der Reise.

Nach der Erfahrung kamen wir Zeit-Reisende zum Schluss wir fahren die Strecken viel lieber mit dem Bus. Haben es bis jetzt keine Sekunde bereut und stehen auch morgen wieder gerne bereit :-).

 

Markthalle Bereich Fisch

 

Richtige Gurken

 

Der feine Dill, der nie fehlt

 

Im wunderschönen Bahnhof

 

Opernhaus

 

Berühmte Tomaten aus Sibirien

 

Kaviar in der Markthalle

 

Markthalle Fleisch Stand

 

In der Markthalle

~ Joachim Ringelnatz und zum Ende hin Anette Lösl – Zeit-Reisende

Tag 30: 2.8.2019

Von Kemerowo nach Nowosibirsk

Heute steht eine mittelgroße Etappe an – 258 km sind es bis zu unserem nächsten Ziel, der größten Stadt Sibiriens, Nowosibirsk. Um 10 Uhr geht es los mit dem Bus, nach dem Frühstück hatten wir noch gut Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang. Vor der Mittagspause hat noch mal Falk das Wort mit seinem Abschlussvortrag. Er verlässt uns in Nowosibirsk und hat sich auf 10 Fragen vorbereitet, die sich während unserer gemeinsamen Zeit ergeben hatten. Sorgfältig und gründlich, wie wir ihn erlebt haben, arbeitet er die Themen ab. Damit ihr einen Eindruck habt, welche Fragen uns gemeinsam beschäftigt haben, hier nur kurz die Themen:

1. Wie ist es um die Sicherheit der baltischen Staaten bestellt?

2. Das Verhältnis Russland – Deutschland – kurzer Abriss der Historie, heutiger Status, wie geht es weiter?

3. Die gleiche Frage für das Verhältnis zur Europäischen Union

4. Welche Wirkungen haben die vom Westen verhängten Sanktionen?

5. Verhältnis Staat – Kirche in Russland

6. Wie wird Gorbatschows Perestroika und Glasnost heute gesehen?

7. Juden in Russland

8. Mythen um Ukraine und Krim

9. Welche Fehleinschätzungen hatte der Westen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion?

Und zum Schluss die alles zusammenfassende Frage: Was tun?

Die vielen Antworten zu den Detailfragen, die wir gehört haben, lassen sich schwer in eine Formel fassen. Es kann für Europa und Deutschland nur darum gehen, soweit wie möglich mit Russland zusammen zu arbeiten und soweit nötig Widerstand zu leisten und auf Konfrontation zu gehen. Wir haben das insbesondere diskutiert am Beispiel der jüngsten Ereignisse in Moskau. Uns blieb noch, uns bei Falk für die gemeinsame Reisezeit zu bedanken und für die Teilhabe an seinem reichen Erfahrungsschatz.

Am Nachmittag wurde es sehr konkret, als Viktor aus seinem Leben erzählt hat. In seiner Schulzeit in der Sowjetunion war er überzeugt, im besten Land der Welt zu leben, nicht in Dekadenz und mit permanenter Gewalt wie die Menschen im Westen, wie man den Menschen in Russland eingeimpft hat. Wie gewaltig haben damals die Isolation und die Agitation gewirkt! Während seines Studiums musste er Marx und Lenin lesen, exzerpieren und vortragen, hatte aber keine so richtige Lust. Seine Begeisterung galt dem Germanistikstudium. So hatte er Angst vor den Prüfungen, die vor ihm lagen, da der wissenschaftliche Kommunismus wesentliches Prüfungsfach war. Die Zeitläufe haben ihn gerettet: Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden diese Prüfungen abgeschafft und er hatte seinen Abschluss in 1992. Das Leben der Menschen wurde immer schwieriger, die Geschäfte leer, Lebensmittelrationierungen. In dieser Zeit hatte er die Chance, nach Deutschland zu kommen. Er war wie betäubt vom Überfluss, der ihm dort begegnet ist. Wieder zu Hause angekommen hat er den Mangel und die Armut in neuer heftiger Intensität wahrgenommen. Viele Russen erlebten den Wandel negativ, sagten dass es früher besser war, alles war früher vorgeplant und vorbestimmt. Man war zufrieden, weil man es nicht es nicht besser kannte. Wer arbeitete, war etwas wert. Nach der Perestroika erlebten die Menschen Unordnung, Unsicherheit und Unklarheit und die Menschen mit den dicken Autos haben alles kontrolliert. Früher haben die Menschen zusammen gehalten, das ist verschwunden. Heute kann man zwar alles kaufen, verdient aber zu wenig. Es gibt eine extreme Ungleichheit. Waren die Zeiten in der Sowjetunion besser? Das Leben war hart, erforderte viel Anpassung und ein apolitisches Leben. Das Leben ist heute interessanter und offener geworden, aber viele Probleme warten noch auf ihre Lösung.

Schon um 15 Uhr kamen wir im Hotel an und dies nutzten wir zu einem ersten Bummel durch die Stadt. Auf dem Weg zum Bahnhof ließen wir uns russisches Eis schmecken. Der Bahnhof in Nowosibirsk ist wirklich etwas besonderes. Schon von weitem erblicken wir die gewaltige Front in strahlendem hellgrün und weiß. Drinnen geräumige Hallen mit Lüster und zahlreichen Sitzgruppen, in einer der Hallen schaffen viele Pflanzen eine Atmosphäre von botanischem Garten. Beim Gespräch mit Viktor wird uns wieder mal schnell bewusst, dass man hier in Sibirien in anderen Kategorien denken muss. Täglich fahren etwa zehn Züge nach Moskau. Das hat aber nichts mit einer Zugfahrt zu tun, an die wir gemeinhin denken. Sie dauert drei Tage und erfordert entsprechende logistische Planung: Essen, Schlafen, Hygiene, Kleidung. Wie anders ist doch dieses Land und seine Menschen.

Bahnhof von Nowosibirsk

 

Russisches Eis

 

Nowosibirsk Lenindenkmal

~ Gerhard Lösl, ein ZEIT-Reisender

Tag 29: 1.8.2019

Von Krasnojarsk nach Kemerowo

Heute sollen (und wollen!) wir erneut die sibirischen Weiten erleben – oder wie unsere Helden, die Busfahrer, es ausdrücken: Heute machen wir wieder mal Strecke. 534 km. Apropos unsere Helden: Immer wieder bringen sie unser Gefährt auf Vordermann, innen geputzt, Abfall beseitigt und die Scheiben ringsum gereinigt. Da hängt schon einiges an Hege und Pflege dran. Und heute stößt ein neuer Begleiter zu uns: Viktor Reschetko aus Krasnojarsk. Eines fällt sofort auf, als er nach Beginn der Fahrt zum Mikro greift: Er spricht ein akzentfreies lupenreines Deutsch, obwohl er keine langen Aufenthalte in Deutschland hatte, wie sich herausstellt. Ein Naturtalent. Wie wir bei den lokalen Reiseleitern immer wieder feststellen: Sie lieben ihre Heimatstädte und ihre Region. Viktor stammt aus Krasnojarsk, die Region reicht vom Eismeer bis in den sibirischen Süden, 3000 km und ist 1000 km breit. Die Region ist mit Ressourcen gesegnet: jede Menge Energie aus Wasserkraft, Bodenschätze, Erdöl. In dieser riesigen Region leben sage und schreibe 3 Mio Menschen, im Norden 0,4 Einwohner je Qkm, die überwiegend nomadisch leben, im Süden 9,4. Daran scheitert jede Vorstellungskraft.

Viktor erklärt

 

Hotel im Zirbenkiefer

Wie Viktor betont, will er offen über sein Land sprechen, über Alkohol, über die Krankenversorgung, über Einkommen und die Ausgaben für Miete und den Lebensunterhalt, über Umweltprobleme und riesige Waldbrände. Wir erfahren von den die Menschen in diesem Land erheblich fordernden Bedingungen. Er erzählt von der Geschichte der Stadt, einer in Zeiten der Sowjetunion “Geschlossenen Stadt” (Isoliert und abgeschirmt wegen Waffenproduktion) und dem heutigen Leben.

Wir sind während den heißen Monaten, Juli und August, hier. Kontinentales Klima bedeutet aber, dass der strenge Winter von Oktober bis April dauert mit Durchschnittstemperaturen von -25° und Spitzen bis -40°, es schneit auch schon mal im Juni. Dann geht es konkreter um die Lebensumstände der Menschen hier, um Durchschnittseinkommen von 300 Euro bei Mieten von 150 Euro für 1 Zimmer, um zu hohe Preise und Zinsbelastungen (9 %!) bei Immobilien, um die Notwendigkeit, auch als Rentner hinzuverdienen zu müssen, und die privaten Zusatzkosten im Gesundheitsbereich. Mit diesem Faktum ist er auch bei einem sehr heiklen Thema angelangt, das er auch offen anspricht: die alle Lebensbereiche betreffende Korruption.Ich kann hier nur einen Teil seines detaillierten Vortrags anreißen, aber wir entwickeln sehr schnell ein Bild vom wahrhaft schwierigen Leben der Menschen in dieser Region und in diesem Land.

Blick aus dem Bus

 

Unterwegs

Nach einer Mittagspause auf einem Rastplatz mit einem Lunchpaket, Kaffee und gekühlten Getränken geht es weiter und dann ist Falk, unser “Dozent” an der Reihe. Man kann es nur so ausdrücken: Er hält eine Busvorlesung und hat heute ein sehr interessantes Thema – vielleicht sogar DAS Russlandthema – vorbereitet: Russland und die Ukraine. Der Ukrainekonflikt ist aktuell das zentrale Thema für die Beziehungen Russlands zum Westen und damit wesentlich für die Verschlechterung der Beziehungen. Russland führt einen – wie Falk sagt: Veritablen – Krieg in der Ostukraine und hat die Krim annektiert.

Er führt vier Punkte aus:

1. Die gemeinsame Geschichte der Ukraine und Russlands

2. Der Wandel in den Beziehungen der beiden Länder

3. Die Motive für den Krieg

4. Fazit und Zukunft.

Ich kann seine Ausführungen hier natürlich nur skizzieren. Die Zuspitzung der Krise in den letzten Jahren kann man nur vor dem Hintergrund der gemeinsamen Geschichte verstehen, die die beiden Kontrahenten aber trennt, weil sie sie völlig unterschiedlich interpretieren. Beide Länder betrachten sich als Erbe des Ursprungsreichs. Russland hat eine Selbstständigkeit der Ukraine nie wirklich akzeptiert und permanent unterminiert. Russland betrachtete die Ukraine als Teil einer russischen Nation oder wenigstens als kleineren Bruder. Seit dem Zerfall der Sowjetunion ist die Ukraine eher zum Feind geworden,liegt aber im für Russland geostrategisch relevanten Sicherheitsgürtel nach Westen, gehört zur Zone “privilegierter Interessen”. Bei der Annäherung der Ukraine an die EU sind diese Interessen wesentlich beeinträchtigt worden und zudem wäre eine prosperierende Ukraine eine Gefahr für die innere Stabilität des russischen Systems geworden. Damit sind auch schon die wichtigsten außen- und innenpolitischen Motivationen für den Krieg aufgezeigt. Putin hat mit der Demonstration der Stärke Russlands auch auf gezeigte Unzufriedenheit und beginnende Proteste in Russland reagiert.

Fazit: Russland hat die Ukraine isoliert und Lösungsmöglichkeiten für die Probleme des Landes blockiert und gleichzeitig Russland vom Westen entfernt. Die Zukunft Russlands und auch der Ukraine hängt wesentlich an der Präsidentschaft Putins. 2024 endet seine 4. Amtszeit (die Verfassung sieht maximal 2 Amtszeiten vor, dieses “Problem” wurde ja bekanntlich durch ein Intermezzo Medwedew 2008 bis 2012 gelöst).Auf die Frage, was denn nach 2024 sei, antwortete Putin 2018, er halte sich selbstverständlich an die Verfassung. Vor wenigen Wochen lautetet die Antwort auf die gleiche Frage aber anders: Die Zukunft ist angesichts der bedeutenden Probleme in der Welt sehr schwer zu prognostizieren und es liegt ein Berg an Arbeit auf meinem Tisch … Vielleicht heißt der Nachfolger Putins doch wieder Putin … Schauen wir mal.

PS: Ich hoffe, das war nicht zu viel, aber beinahe wäre der Gaul mit mir durchgegangen.

~ Gerhard Lösl, ein ZEIT-Reisender

Tag 28: 31.7.2019

Krasnojarsk

Heute führt uns Irina mit Begeisterung und in wirklich sehr netter Atmosphäre durch ihre Heimatstadt Krasnojarsk. Gleich zu Beginn geht es auf die Anhöhe zur Kapelle Paraskeva – Pjatniza, dem Wahrzeichen der Stadt. Von dort hat man auch einen wunderbaren Ausblick auf das Häusermeer und auf den Jenissei bzw. Enisej. Im Innern der Kapelle kaufen wir eine kleine Ikone als Andenken. Mit einem örtlichen Bus inklusive bezaubernder Rüschen und Vorhänge-Deko fahren wir zu verschiedenen Stationen am Fluss (Kleiner Ort, Aussichtsplattform, Wasserkraftwerk mit Schiffshebewerk) und anschließend zum Nationalpark Stolby.

Paraskeva Kapelle

 

In der Paraskeva Kapelle

 

Wasserkraftwerk mit Schiffshebewerk

 

Vom Nationalpark aus

 

Nicht alle haben fließend Wasser im Haus

 

Nationalpark Stolby

Wir treffen eine Gruppe von Kindern aus einer sehr nördlich gelegenen Stadt der Region (Polarmeer), die im Sommer staatlich finanziert für ein paar Wochen in den “Süden” reisen dürfen (viel bessere Luft, mehr Sonne, Erholung von den Umweltbedingungen dort). Es ergibt sich eine lebhafte Unterhaltung mit Händen und Füßen und Übersetzung von Irina. Die Größe des Nationalparks beeindruckt uns und uns gefallen besonders die Zirbelkiefern (gleich neben den Schildern mit der Warnung vor dem Ursus articus (Braunbär). Wolfgang erzählt uns viel über die Tier- und Pflanzenwelt und das Abendessen findet statt an einem perfekten Ort am Jenissei – mit Sonnenuntergang – ein wunderbarer Ort.

 

Blick über den Enisej oder Jennisei

 

Christina stellt uns unter anderem den Opernsänger Chworostowski

 

~ Anette Lösl, eine ZEIT-Reisender

Tag 27: 30.7.2019

Von Nischneudinsk nach Krasnojarsk

Eine 10-stündige Busfahrt mit den üblichen Pausen an Tankstellen mit Häuschen oder -vorzugsweise- an blühenden Blumenwiesen bringt uns aus dem rückständigen und unwirtlichen Nischneudinsk in die gut entwickelte Region und Stadt Krasnojarsk, der geografischen Mitte der Transsibirischen Eisenbahn. Gestern Abend in einer winzigen Kammer mit hartem Bett und Möbeln aus grauer Vorzeit, heute im überaus feinen Hilton Hotel mit allen Annehmlichkeiten – die Unterschiede könnten kaum größer sein. Die Kleinstadt Nischneudinsk und Umgebung waren allerdings kurz vor unserer Ankunft von einer Überschwemmung des Uda-Flusses heimgesucht worden, wir passierten die zerstörten Dörfer und sahen die Wasserschäden im Umfeld unseres Hotels, in dem die Wasserversorgung ebenfalls ausgefallen war. Unser „Management“ hatte daher schon mit dem Einkauf von 5 l Wasserkanistern für uns vorgesorgt. Glück hatten wir auch, dass eine Brücke erst kurz nachdem wir sie überquert hatten, gesperrt wurde. Waren die Plattenbauten aus der Sowjetzeit und die oft baufälligen Holzhäuser am Weg wenig einladend, so entpuppte sich das Restaurant, zu dem wir spazierten, im Innern als durchaus gepflegt, das Essen war appetitlich angerichtet. Schließlich wurden wir von der nebenan feiernden Geburtstagsgesellschaft sogar zum Tanz aufgefordert, die flotten Rhythmen brachten alle in Schwung. Zu diesem rustikalen und fast dörflichen Ambiente bildete unser nächstes Etappenziel, die Stadt Krasnojarsk mit 1 Million Einwohnern, eine krasse Gegenwelt.

Auf einer 9-stündigen Besichtigungstour mit der lokalen Guide Irina lernen wir heute Stadt und Umgebung kennen: die orthodoxe Turmkirche auf dem Hausberg, das Dorf des berühmten sibirischen Schriftstellers Viktor Astafjew am Jenissei, den „Adlerhorst“ genannten Aussichtsort mit fantastischem Blick über diesen hier träge dahinfließenden Strom mit einer Störskulptur zur Erinnerung an den ehemals traditionellen Fischfang, das große Erholungsgebiet „Realwinter“ vor den Toren der Stadt, wo wir nach der Gondelbahnfahrt und einem kurzen Waldspaziergang die Plattform erreichen, von der aus der Blick über das Taiga-Naturschutzgebiet (dreimal so groß wie Belgien) schweifen kann, den zweitgrößten Staudamm Russlands (der See ist 400 km lang und 18 km breit) mit einem Schiffshebewerk, die repräsentativen Bauten des Bahnhofs und des Theaters usw. Vieles wurde im Zuge der Vorbereitung der Universiade im März d. J. auf Vordermann gebracht, wie wir erfahren. Das große Aluminiumwerk verursacht jedoch häufig Smogalarm, die Waldbrände im Norden der Oblast Krasnojarsk waren soeben in den Nachrichten. Wir beenden den Tag in dieser sehr sauberen und gepflegten Stadt bei einem stimmungsvollen Abendessen am Flussufer.

~ Hannelore Krome, eine ZEIT-Reisende

Tag 26: 29.7.2019

Von Irkutsk nach Nizhneudinsk

Taiga für Auge und Herz, Politik für Ohr und Hirn

Eine lange Fahrt durch die sibirische Taiga liegt vor uns. Der Dauerregen begleitet uns nun schon den 3.Tag. Lichte Birkenwälder mit Kiefern und Lärchen und vielen anderen Bäumen und Sträuchern durchsetzt säumen die unerwartet gute Straße, die anfangs noch 4-spurig ausgebaut ist und später fast durchgängig neu asphaltiert ist. Nur wenige Baustellen hindern eine zügige Fahrt. Die befürchteten Überschwemmungen sind inzwischen zurückgegangen. Die Wälder werden immer wieder unterbrochen durch Mais-, Getreide- und Rapsfelder, die bis zum Horizont reichen.

 

Transkontinentale durch die Taiga

 

Transkontinentale durch Sibirien mal so …

 

und mal so…

 

Überschwemmte Taiga

 

Endlose Getreidefelder

 

Taiga mit Wald Weidenröschen
Schädlingsbefall im Birkenwald

 

Ackergerät

 

Ungewöhnliche Schrankenabsicherung

 

Bunte Blumen wie das Wald Weidenröschen bilden bunte Flecken am Straßenrand. Häufiger sind aber auch riesige Brachflächen zu sehen, die offensichtlich nicht mehr bewirtschaftet werden. Ob dies am mangelnden Geld oder mangelndem Interesse oder der Landflucht liegt, ist unklar. Nach stundenlanger Fahrt kommen wir durch die Ortschaft Tulun, die bei den Unwettern vor wenigen Wochen furchtbar heimgesucht wurde.

Tulun nach der Flut

9000 Häuser sind zerstört oder schlicht durch den Fluss Iya weggeschwemmt worden. Zahlreiche Menschen starben. Grund für die Überschwemmungen sollen riesige Waldbrände in der Umgebung gewesen sein, die man versuchte mit künstlich erzeugtem Regen zu bekämpfen. Die hier vorhandene Mergelschicht, die Lage der Stadt in einer Senke, der Bruch eines Dammes und die Abholzung großer Waldgebiete in der Umgebung führten dann zu der Katastrophe. Wie wir später hörten, wurde die Durchfahrt durch den Ort unmittelbar nach uns wegen der erneuten Hochwasser gesperrt. Mangels Straßen-alternative hätte das einen Stopp für uns für mehrere Tage bedeuten können. Unterwegs erreichte uns die Mitteilung, im Hotel sei die Wasserversorgung ausgefallen. Es gäbe kein Waschwasser, keine Toilettenspülung und kein Trinkwasser, was die Fahrer zum Einkauf von großen Wasserflaschen veranlasste. Im Hotel angekommen floss aber wieder Wasser, wenn auch wohl verunreinigt.

Die über 500 Kilometer lange Fahrt durch die Taiga wurde ausgefüllt durch zahlreiche Informationen durch Experten und Reiseleiter, die im Folgenden verkürzt wiedergegeben werden.

Zur Geschichte Sibiriens:
Nachdem die Mongolen im 15.Jahrhundert zurückgeschlagen waren, dehnten die Russen sich im 17.Jahrhundert nach Osten aus und kolonisierten Sibirien, während die westeuropäischen Staaten in Übersee zur selben Zeit in Afrika und Amerika Länder kolonisierten. Fast alle Kolonien der Westeuropäer gingen verloren, das Kolonialreich Sibirien ist aber bis heute erhalten. Die Kolonien kosteten die westeuropäischen Länder in aller Regel mehr Geld als sie einbrachten und waren immer wirtschaftlich schwächer als die sie beherrschenden Staaten Westeuropas. In Sibirien stellt sich dies aber völlig anders dar. Es ist das langlebigste Kolonialreich und es gab dort nie Aufstände gegen die Zentrale in Moskau. Anders als in den westeuropäischen Kolonien ernährt nicht das Zentrum die Kolonie sondern die Kolonie Sibirien ernährt das Zentrum Russland. Sibirien umfasst 70% der Landmasse Gesamtrusslands bei nur 20% Bevölkerungsanteil erwirtschaftet es aber 78% der Exporte. 1997 blieben noch 51% des erwirtschafteten Geldes in der Region, im Jahr 1997 waren es nur noch 34% . In der Wirtschaftsstatistik sind aber nur 9% Sibirien zugeschrieben, weil die Firmensitze in St.Petersburg und Moskau liegen und die Gewinne dort verbucht werden, als ob da auch nur 1 Liter Öl oder 1 Tonne Kohle gefördert wird. Das ganze führt zu einer fragilen Situation. Investitionen finden nicht mehr ausreichend statt, weil Moskau das Geld abzieht. Die Rohstoffe werden exportiert statt sie im Land zu verarbeiten und damit den Gewinn zu erhöhen. Die Abhängigkeit von China steigt, zumal auch der Druck von dort steigt. In den östlichen Regionen stehen 5 Millionen Russen (deren Zahl weiter sinkt) 150Millionen Chinesen gegenüber. Der Vergleich der Bevölkerungszahlen insgesamt gibt auch zu denken. 140 Millionen Russen stehen 1,3 Milliarden Chinesen gegenüber. Die Chinesen haben auch kein Interesse an der Industrialisierung von Sibirien. Unvergessen sind für sie alte Verträge über die Grenzziehung, die sehr nachteilig für die Chinesen waren. Ein Problem ist daneben der illegale Holzabbau (in Fernost sollen es bis zu 80% sein), insbesondere in den Grenzregionen und 200-300 Kilometer beiderseits der Strecke der transsibirischen Eisenbahn. Eine Lösung würde etwa in der Förderung von Investitionen liegen, die die Industrialisierung und die Erschließung der Bodenschätze vorantreiben würde. Japan, Südkorea Kanada, Europa könnten hier die Partner sein. Stattdessen bietet sich China mit seinem Seidenstraßenprojekt an und will sogar eigene Arbeiter mitbringen.

Zur Tagespolitik:
Natürlich wurden in der Gruppe Fragen gestellt zu den Festnahmen und dem gewaltsamen Vorgehen der Polizei in Moskau anlässlich der Proteste wegen der Nichtzulassung von Oppositionellen zu den Regionalparlamenten (entspricht etwa unseren Bundesländern). Wir erfuhren in Irkutsk, dass auch dort Kandidaten (wie auch in Moskau) nicht zugelassen worden waren, weil die Unterschriften in den Unterstützerlisten, die sie einreichen mussten, angeblich gefälscht waren, wie ein Polizeigraphologe festgestellt haben wollte. Als dieser dann in Irkutsk ausgerechnet die Unterschrift des Kandidaten für gefälscht erklärte, konnte dieser doch noch seine Kandidatur durchsetzen.

Auch zu Nawalny gab es interessante Informationen. Er soll in der Wirtschaft immer noch Unterstützer haben und eine Zahl weiterer Informanten die ihm beispielsweise mit Drohnen aufgenommene Filme zuspielen über die Reichtümer und riesigen Anwesen einiger Personen, die er dann veröffentlicht. So zum Beispiel über den Chef der Eisenbahn, der in seinem riesigen Haus auf den Türen zweier großer Räume die Aufschrift „für die Pelze“ anbringen ließ. Das führte natürlich zu erheblichen Reaktionen in der Bevölkerung und so wundert es nicht, wenn Nawalny jetzt auch noch erheblich körperlich verletzt wurde. Wir werden sehen, was uns in Moskau erwartet, denn die Wahlen rücken immer näher…….

~ Erich Joester, ein Taigabegeisterter, ZEIT-Experten zuhörender Reisender

Tag 25: 28.7.2019

Von Listwjanka nach Irkutsk

Regen! Was für Regen? Heftiger, starker und andauernder Regen. Für Fachleute: Schlüsselzahl ww65! Mehr geht nicht.

Bei Regen und durch tiefe Pfützen schaffen wir die Koffer in den Bus. Eigentlich hatten wir nur im Baikalsee schwimmen wollen. Bei der Fahrt nach Irkutsk spritzen die Wassermassen höher als die Busfenster. Dazu auch noch Regen im Bus – scheinbar sind die Dachluken nicht ganz dicht. Jedoch Hauptsache ist, dass Jens, der Fahrer, wohl genügend Durchsicht hat, denn er hat uns prima von Listwjanka nach Irkutsk gefahren.

In Irkutsk hat uns Julia, die nette und kompetente Reiseleiterin, vor die Wahl gestellt: alles aus dem Bus anschauen oder aussteigen. Die Meisten steigen in Regenzeug gehüllt aus und überstehen das Kurzprogramm gut. Das Tolle an der ganzen Sache: keiner hat gemault und alle Pfützen tapfer ertragen. Auch das Kurzprogramm ist sehenswert und hat uns, dank Julia, gut gefallen.

Der Abend endet „traurig“. Rainer und Christopher verlassen diese tolle Truppe und wir verabschieden sie mit einem fröhlichen „haut endlich ab“. Wolfgang übernimmt nun den Staffelstab.

Was ist zu sehen? Das hübsche Spitzenhaus aus dem Bus

 

Wir verlassen den Bus, um die filigranen Holzschnitzereien zu bewundern.

 

In den Wandgemälden der russisch-orthodoxen Kathedrale ist ein rotes Teufelchen versteckt, das im Bauch seine Seele trägt oder sollte es etwa der Kopf von Lenin sein?

~ Eva Bauer, ZEIT-Reisende

Tag 24: 27.7.2019

Listwjanka

Eigentlich eignet sich der Baikalsee nicht zur kurzen Vorbeifahrt und touristischem Abhaken. Man muss schon länger in ihn eintauchen. Brrr !!!

Das kann man virtuell in einem Unterseeboot im Baikalseemuseum oder wie die Sibirier sagen heiliges Meer. Da geht es dann in einer Viertelstunde in die Tiefe. 1642 Meter durch verschiedene Zonen. Wichtigstes Merkmal: Sauerstoffreichtum, bedingt durch die Kälte des Wassers. Zum gemütlichen Baden ungeeignet. Aber Süßwasserreservoir für 22 Prozent der Weltbevölkerung. Das will man ja auch nicht verschmutzen. Viele endemischen Tiere leben im See, insbesondere der Fisch Omul und die niedlich runde Süßwasserrobbe, von denen sich ein paar Exemplare im
Aquarium des Museums tummeln.
Im Museum

 

Die Baikalrobbe im Museum

 

U-Boot

 

Regentag am Baikalsee

Angaben zum weiteren Bestand des Museums kann man im Reiseführer nachlesen. Im angrenzenden Park kann man Exemplare sibirischer Flora und Fauna bewundern. Dort erfahre ich zum Beispiel, dass es nicht nur die Birke gibt, den klassischen Baum der Taiga, sondern das er in vier Formen zu sehen ist. Außerdem hat man einen schönen Ausblick auf den Baikalsee, wenn es nicht diesig ist.

Auf dem Rückweg ins Hotel beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Meine Regenkleidung ist nicht darauf eingestellt. Völlig durchnässt muss ich die Kleidung wechseln und die nassen Teile zum Trocknen auf die Heizstäbe im Badezimmer hängen. Nachmittags Familiengeschichte Teil 2: Auf den Spuren der Familie meiner russischen Mutter. Die letzten Spuren gibt es in Irkutsk und Umgebung. Unsere Reiseleiterin hat sich bereit erklärt mich zu begleiten und zu übersetzen. Im Vorfeld hat sie über Social Media eine Familie mit dem gleichen Mädchennamen meiner Mutter ausfindig gemacht und ein Foto erhalten, auf dem eine Ähnlichkeit mit mir festzustellen ist. Die Familie lebt in Listwjanka und lädt mich ein. Ich werde herzlich empfangen, aber der verwandtschaftliche Funke zündet nicht. Alle Personen, deren Namen ich erwähne sind nicht bekannt obwohl der gleiche Nachnamen vorliegt. Einziges Indiz für eine Herkunft aus dem sibirischen Raum sind Kosaken, deren Anführer Jermak wohl den Beinamen Tokmakoff trug, ein in Russland nicht sehr häufiger Name. Da mein russischer Großvater sehr viel mit Pferden zu tun hatte und in seiner Jugend auch aktiv Pferderennen bestritt weisen mit einigem guten Willen auf eine kosakische Herkunft hin. Wir verabschieden uns und wollen in Zukunft über Social Media in Kontakt bleiben.

~ Fiete Siemssen, ZEIT-Reisender

Tag 22: 25.7.2019

Von Ulan-Ude nach Baikalsk

Ulan-Ude am Morgen, Sonne, Spaziergang und die Stadt erwacht. Wir finden viele schöne Momentaufnahmen, die Burjatische Nationaloper, das Zarentor und fast so etwas wie ein Zentrum mit einer Fußgängerzone. Eine sympatische Stadt. Busfahrt vier Stunden durch eine Mischlandschaft und an den Straßenrändern immer wieder Frauen, die in der Taiga gesammelte Beeren – Erdbeeren und Heidelbeeren – verkaufen. In der Gegend wird Holz illegal geschlagen und um die Spuren zu beseitigen, werden Holzreste verbrannt, was immer wieder zu Waldbränden führt. Der Hauptabnehmer für alle Holzexporte ist China. Chinas Hunger nach Baumaterial ist nicht zu stillen. Unsere Fahrt führt durch dichte Taiga. Das Wort Taiga stammt aus Turksprachen mit der Bedeutung “Wald, durch den man nicht laufen kann”. Entsprechend wird lockerer Wald “Helle Taiga” genannt. Dann erreichen wir gegen Mittag den Baikalsee, unser langersehntes Etappenziel. Zum Auftakt trägt uns Julia wirklich beeindruckende Daten rund um den See vor, den die Burjaten “Meer” nennen. Nur so viel: der Baikalsee ist das größte Trinkwasserreservoir der Welt. Er ist in etwa so groß wie Belgien und über 1600 Meter tief. Er enthält mehr Wasser als alle fünf großen nordamerikanischen Seen zusammen. Vor dem Mittagessen in Babuschkin spazieren wir zum Wasser und strecken die Füße rein, gefühlt deutlich mehr als die prognostizierten 10°.

Burjatische Nationaloper mit Zarentor

 

 

Blick aus dem Hotel Sovietkajaplatz

 

Fußgängerzone

 

Fußbad

 

Am Skihotel

Die Weiterfahrt führt uns am See entlang nach Baikalsk und dort in ein Ski-Hotel. Die Anlage wurde zur Förderung des Wintertourismus hier errichtet und ist von Skifahrern über die lange Saison stark besucht. Ein Sessellift führt auf den 1300 Meter hohen Hausberg und wir fühlen uns sportlich wohl an diesem Skiort im Sommer. Auf der Fahrt stellt sich Falk ausführlich vor – der ZEIT-Experte, der in Ulan-Ude zu uns gestoßen ist, erzählt von seinen Werdegang, seinen ersten Begegnungen mit Russland und das Wachsen seiner Leidenschaft für das Land. Er hat nach vielen Jahren, die er im Land verbracht hat, sehr fundiertes über Russland zu erzählen, wir sind gespannt auf die Vorträge und Gespräche.

Zum Stichwort “Experten”erzählt er eine Anekdote: in Moskau im Hotel trifft er einen ihm bekannten kanadischen Journalisten, einen renommierten Russland-Experten. Es entwickelt sich folgender Dialog:

“Wann bist du denn angekommen?”
“Gestern”
“Und wann fliegst Du wieder?”
“Morgen”
“Und was machst Du hier?”
“Ich schreibe ein Buch”
“Worüber?”
“Über Russland – es hat den Titel «Russland – Gestern,
heute und morgen»”
” … ”

~ Anette und Gerhard Lösl, ZEIT-Reisende

Tag 21: 24.7.2019

Von Darchan nach Ulan-Ude

-von Darchan nach Ulan-Ude
-von der Mongolei nach Sibirien
-vom buddhistischen Gleichmut an Grenzen

Wir waren gewarnt. Der Grenzübertritt von der Mongolei sollte die Prüfung sein, ob wir die Grundzüge des Buddhismus inhaliert hatten oder nur oberflächlich den Ausführungen der Reiseleiter über buddhistischen Gleichmut und Gelassenheit gelauscht hatten. Alle haben die Prüfung bestanden. Keiner hat Ungeduld offenbart oder gar Zeichen von Ärger auf seinem Gesicht erscheinen lassen, als die mongolischen Grenzposten uns 2 Stunden stehen ließen, ohne dass irgendetwas geschah. Nach einer weiteren Stunde wurden wir dann ohne intensive Kontrolle der Gepäckstücke durch die Grenze gelassen. Es folgten die Wärmebildkamera Aufnahmen der Russen zur Prüfung von Fiebererkrankungen, die aber glücklicherweise keine Auskünfte gaben über die immer noch zahlreichen an Würfelhusten Erkrankten. Ein Drittel der Reisenden hätte sonst zurückbleiben müssen.

Anschließend durfte alles Gepäck per Hand aus dem Bus zur Röntgenkontrolle geschleppt werden und musste dann von einem süßen winzigen Spaniel auf Drogen kontrolliert werden, da bei unserem Durchschnittsalter zwischen 70 und 80 Jahren und insbesondere bei Herbert mit seinen 91 Jahren die Einfuhr und der Konsum von Drogen dringend zu besorgen war. Der Hund fand indessen nichts. Wurde zur Belohnung für seine Leistung von einigen Reisenden gestreichelt und wir waren nach 5 Stunden Grenzerfahrung erlöst, wenn nicht der 2.Bus im Desinfektionsgraben der Russen steckengeblieben wäre und erst von einem von zwei herbeigerufenen LKW´s hätte herausgeschleppt werden müssen. Als auch dies nun auch noch geschafft war, breitete sich Frohsinn auf den Gesichtern der Reisegesellschaft aus.

Wir waren in Sibirien und wurden nach 50 Metern von Ala, der Reiseagenturchefin in Russland und ihrer Familie, sowie der Reiseleiterin Julia und dem Experten Dr. Falk Bomsdorf begrüßt. Julia fing sofort an, informativ und vergnüglich über Land und Leute zu erzählen. Es begann mit einer auf der Straße stehenden Kuhherde, die man in Burjatien, dem Teil Russlands, das wir gerade durchfuhren, nicht mit einer Hupe bedrohen und zum Beiseitetreten auffordern soll. Vielmehr würde man hier warten, bis die Herde nach einer von dieser zu bestimmenden Zeit die Strasse freigegeben habe. Daraus lernten wir gleich zweierlei: zum einen, dass die Burjaten mongolischen Ursprungs und mit buddhistischen Gewohnheiten ausgestattet sind und zum anderen, dass Kühe und Grenzbeamte eine Gemeinsamkeit haben, man sollte sie nicht anhupen, wenn sie die Strasse versperren.

Nun aber zu den Landschaften. Hatten wir am Ende der Mongolei bei Darchan noch Rapsfelder und Getreidefelder durchfahren, aus denen 40% der mongolischen Getreideproduktion stammen, so veränderte sich die Landschaft sofort. Wir sahen die ersten größeren Wälder denen wieder weites Grasland in buntem Wechsel mit den nächsten Wäldern folgte. Wir fuhren am ersten größeren See, dem Gans See vorbei.

Der Gans-See

 

Ortschaft in Burjatien

 

Holzhaus statt Jurte

Die Jurten wurden vollständig von kleinen Holzhäusern abgelöst, die nun immer wieder die Straße säumten und in den unterschiedlichsten Formen erbaut waren mit immer wieder andersartigen, bunten Verzierungen über Fenstern und Türen. Der stetige Wechsel von orthodoxen Kirchen und buddhistischen Heiligtümern überraschte uns. Wir überquerten den Fluss Selenga, der die Hälfte des Wassers für den Baikalsee liefert, obwohl er nur einer von 300 Zuflüssen ist (im Frühling bei der Schneeschmelze sind es gar 1000 Zuflüsse).

Der Fluss Selenga

Bis Moskau haben wir nun noch über 5000 Kilometer vor uns, bis zur Westgrenze Russlands sind es etwa 7000 Kilometer und nach Osten bis Wladiwostok 4000 Kilometer. Bei diesen Entfernungen grenzt es an ein Wunder, dass überall das gleiche Russisch gesprochen wird (neben den verschiedenen Sprachen der 140 unterschiedlichen Volksgruppen in Russland). Es gibt zwischen der polnischen Grenze und Wladiwostok keine unterschiedlichen Dialekte (völlig unverständlich für unsere mitreisenden Bayern, Badener, Ostfriesen etc.).

Abends sind wir dann in Ulan-Ude, der größten Stadt der Burjaten. Das Hotel liegt in Sichtweite zu einem riesigen Leninkopf aus Granit. Er ist einer der wenigen monumentalen Lenin- und Stalindenkmälern, die nach dem Ende der Sowjetunion stehen geblieben sind. Auf die Frage, warum man ausgerechnet hier den Lenin- Kopf stehen gelassen hat, antwortet man, es sei unter den Mongolen schon immer üblich gewesen, die abgeschlagenen Köpfe der Feinde öffentlich auszustellen.

Der Leninkopf in Ulan-Ude

 

Buddhistische Anlage am Straßenrand in Burjatien

 

Orthodoxe Kirche Am Straßenrand in Burjatien

 

Getreidespeicher am Ende der Mongolei

~ Erich Joester, ein an diesem Tag hauptsächlich ZEIT-Wartender

Tag 20: 23.7.2019

Von Ulan-Bator nach Darchan

Durch eine andere Mongolei - Schlammschlacht mit Hindernissen

Um 9 Uhr starten wir zu einem langen Reisetag – einigen waren die verschiedenen Varianten des Krankenstandes noch anzusehen, aber alle guter Laune. Auch das angekündigte ,schaurige‘ Wetter ließ noch auf sich warten. Ich sitze im Bus , träume von dem tollen Konzert gestern Abend, in meinem Kopf brummt verhaltener Obertongesang in erstaunlicher Tiefe. Das Konzerthaus der Stadt, neu, feierlich mit rotem Samt geschmückt, war gut gefüllt, darunter auch viele Deutsche. Es begann mit Tanz und Akrobatik, so schienen zwei Schlangenfrauen in faszinierend fließenden Bewegungen miteinander zu verschmelzen. Das mongolische Orchester bestand aus Zupf- und Schlaginstrumenten, Bläsern und vor allem aus Pferdekopfgeigen verschiedener Größe, die wie ein Cello gespielt werden. Neben der Volksmusik klang die Obertonmusik für unsere Ohren äußerst ungewöhnlich, sehr tiefe wie auch hohe Töne einer Klangfarbe, die man nicht unbedingt einer menschlichen Stimme zuordnen würde. Obertonmusik ist eine in verschiedenen Regionen der Welt bekannte Gesangstechnik, in der Mongolei ein Kehlkopfgesang, begleitet von der Pferdekopfgeige. Als Abschluss des Konzertes spielte das Orchester dann überraschend Wiener Operettenmelodien und… den Radetzkymarsch.

Pferdekopfgeige

Rainer hatte uns eine Fahrt mit Expeditionscharakter angekündigt, er ahnte nicht, wie recht er hatte. Der Bus benötigte noch mal 350 l Futter, dann kamen wir in dichtem, aber fließendem Verkehr gut voran. Hochhäuser, bewohnt, aber auch leer, wie auch kleinere Geschäfte und Restaurants säumten den Straßenrand. Es gab auch Plattenbauten, ein Geschenk der Russen ,und einmal ein kleines christliches Kloster. Es gibt in der Mongolei ca 150000 Christen, das Christentum wurde aus Korea importiert.

Die Gegend wurde ärmlicher. Nach 1 1/2 Stunden hatten wir die Stadt hinter uns gelassen. Den Straßenrand begleiteten jetzt etwas Industrie, ärmliche Kleingewerbebetriebe und dazwischen immer wieder Jurten. Bayarmaa erzählte uns vom Eisenbahnbau in der Mongolei, durchgeführt von russischen Kriegsverbrechern, deren Verbrechen die Kapitulation vor den Deutschen war. Die Arbeit der Männer und auch Frauen erfolgte unter hohen menschlichen Verlusten, deren Kinder wurden von Mongolen adoptiert.

Neben der Straße tauchten große, grüne Flächen auf, vereinzelte Tierherden und immer wieder auch Jurten. Später sah man Getreide- und Rapsfelder und auch Kartoffelanbau. Irgendwann begann es zu regnen, dafür hörte der Asphalt auf zugunsten von Matschwegen und Schlaglöchern. Es wurde zunehmend dunkler, Dauerregen. Den Vorgeschmack auf Kommendes bot dann eine ca 30 minütige Pause, in der wir die Befreiungsversuche eines festgefahrenen Tanklasters beobachteten. Daniel wählte dann einen anderen Weg, zweifelhaft, ob das eine so gute Idee war. Jedenfalls kämpften wir uns mühsam durch Matsch und Schlaglöcher, das vorausfahrende Begleitfahrzeug sollte uns den rechten Weg zeigen. Dann – der Bus wackelt wie wild, es gibt ein unschönes Geräusch, kurze Zeit später ein Halt wegen eines ,kleinen technischen Problems‘. Die Schürze war rechts hinten abgerissen und musste entfernt werden. Irgendwie kamen wir dann doch noch erschöpft und mit Dankbarkeitsgefühl für Daniel in Darchan an.

Wetterverschlechterung

 

Ergebnis einer asphaltfreien Fahrt

 

Ergebnis einer asphaltfreien Fahrt

 

Am Straßenrand

 

Eine andere Mongolei

~Frauke Joester-Rykena, ZEIT-Reisende

Tag 19: 22.7.2019

Ulan-Bator

Nach einem himmlischen Aufwachen in weichen Betten sind die Lager in den Jurten vorher vergessen. Das Frühstück westlich und der Tag konnte beginnen. Abfahrt 9:00 Uhr Richtung Gandan-Kloster. Die Fahrweise der Mongolen gleicht denen der Chinesen. Wer mit der Stoßstange eine Lücke erwischte wurde eingelassen und konnte ohne viel Federlesen weiterfahren. Nach Ankunft in dem Kloster konnten wir den Mönchen beim Frühstück zusehen – welch ein Unterschied zu unserem Frühstück.

Mönche bei Frühstück

Wir verließen das Kloster und fuhren zum höchsten Aussichtspunkt der Stadt (Dsaisan-Gedenkstätte zur Erinnerung der gefallenen Sowjetsoldaten im 2. Weltkrieg).

Gandan Kloster

Dann fingen die drei großen R’s an:
Reparatur unseres Busses. Dank unserer Fahrer Jens, Daniel und Mateo überhaupt kein Problem. Der vorhergesagte Regen begann und wurde mit Erklimmen der rund 300 Stufen zu der Gedenkstätte immer heftiger. Trotz des windigen Regenwetters stieg eine Gruppe schick gekleideter Mongolinnen und Mongolen, die ihr 30. Klassentreffen feierten, auf den Aussichtspunkt ebenso etliche Deutschsprechende. Obwohl die Sicht zurückging, konnten wir das alte (Jurten) und das neue Ulan Bator erkennen.

Blick auf alt und neu

Die rasante Urbanisierung hat den Bau von Hochhäusern verschiedenster Baustile zur Folge. Heute kann ein Nomade eine Eigentumswohnung erwerben durch den Verkauf von etwa 250 Tieren.
Während des ganzen Vormittags grassierte das 3. R: die Rache Tschingis Kahns. Über die Hälfte der Reisenden war davon betroffen und fiel nach und nach mit allerlei Problemen aus. Teilweise wurden Taxen zur Rückfahrt in das Hotel organisiert. Es kam überraschend und keiner wusste woher es kam und warum. Eigentlich meinten wir uns bewusst richtig verhalten zu haben und keine undefinierbaren oder ungekochten Mahlzeiten zu uns genommen zu haben. Leider konnten dann viele nicht an dem spontan organisierten Besuch eines mongolischen Folklore-Konzert teilnehmen.

~Eva und Louis Bauer, ZEIT- Reisende

Tag 18: 21.7.2019

Von Gorkhi- Terelj nach Ulan- Bator

Meine zweite Nacht in der Jurte, diesmal im Nationalpark Gorkhi-Terelj in Tow Aimag. Das Beste was mir passieren kann, wenn die Wirklichkeit sich in einen Traum verwandelt. Die Nacht in meiner Jurte war lausig kalt. So zwischen 6 und 8 Grad schätze ich, ein starker Gegensatz, waren wir bisher doch Temperaturen um die 30 Grad gewohnt. Der Morgen empfängt mich mit einem prachtvollen Panoramaausblick. Große Granitfelsen, unzählige duftende Bergblumen und ein strahlender tiefblauer Himmel – wir befinden uns auf ca 1600 Meter Höhe.
Habe ich gut gelegen in meinem Jurtenbett? Mir fällt Herman Hesse ein: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Für mich passt es. Eigentlich möchte ich hier für einige Tage bleiben, entspannen und Urlaub machen. 10 Meter vor meiner Jurte schnaubt der angebundene Yak, der unser Gepäck zu den einzelnen Jurten brachte. Ich wechsele einige Worte mit ihm, in der Hoffnung, dass er sie versteht.

 

 

 

Nach dem gemeinsamen Frühstück in der großen Hauptjurte haben wir die Wahl zwischen dem Besuch einer Nomadenfamilie, Bergwandern, bei der Zubereitung des Nationalgerichts “Hammel in der Milchkanne” zu gastieren oder einfach nur zu chillen. Ich entscheide mich für den Besuch bei der Nomadenfamilie. Dort angekommen nehmen wir auf den kleinen Bänken der liebevoll ausgestatteten Familienjurte Platz. Hier lebt die Familie im Sommer – ein Ehepaar mit vier Kindern plus Tante.

 

 

 

Unsere Fragen werden von Bayarmaa übersetzt. In der Jurte hängt ein Sack aus Yakleder, gefüllt mit Ayran aus frischer Stutenmilch. Die Stuten werden fünf Mal täglich gemolken und die Kinder müssen eintausend Mal mit einem dicken Holzlöffel die Milch klopfen, hierbei lernen sie das ZählenAuf dem Ofen steht eine große Schale mit gegorener Stutenmilch und der Familientisch ist mit Köstlichkeiten wie Käse, Rahm und Fettgebäck gedeckt. Eine Schale mit Ayran macht die Runde und wir probieren – schmeckt besser als gedacht. Anschließend schauen wir uns noch die Jurten der Kinder und der Tante, sowie das Außengelände an. Übrigens: für den Auf- und Abbau einer Jurte brauchen fünf Personen eine Stunde und es werden hierbei ausschließlich Naturmaterialien verwendet.

 

 

 

Zurück im Camp ist die Stimmung beim Essen fröhlich und entspannt. Serviert wird das Nationalgericht der Mongolen “Hammel in der Milchkanne”, dazu werden Kartoffeln und Krautsalat gereicht. Zur Zubereitung des Gerichts kann Annett genaueres berichten (sie war dabei).

Mit etwas staubedingter Verzögerung geht die Busfahrt weiter ins 67km entfernte Ulaanbaatar. Dort übernachten wir für zwei Nächte im Hotel Kempinski – laut unserer mongolischen Reiseleiterin das beste Hotel der Stadt und ich denke mir: “Bescheidenheit war gestern!”.

~Marlies Maaßen, ZEIT- Reisende

Tag 17: 20.7.2019

Von Sainschand nach Gorkhi-Terelj

Kaum sind wir gestern in der Wüste Gobi mit ihrer Weite und Kargheit, dem Spiel von Licht und Schatten eingetaucht, setzt sich das Zigeunerleben heute fort. Ein erster unfreiwilliger Stop – ein Reifen unseres Busses hat sich in Wüstensand vergraben – war für uns noch einmal die Gelegenheit, die unberührte Natur um uns herum zu erleben.

Busstop

Bus im Sand

Wieder auf der Teerstraße angekommen, warteten immerhin 460 km Weiterfahrt auf uns. Aber die Zeit verging erstaunlich schnell. Unsere mongolische, gut deutsch sprechende Reiseleiterin berichtete immer wieder sehr lebensnah über den Alltag des Nomadenlebens in der Mongolei. Hier nur einige Stichpunkte.

Das ganze Land ist buddhistisch geprägt, aber auch schamanische
Einflüsse spielen eine große Rolle. Bei buddhistischen Tempeln stehen die Türen immer offen, dort werden auch täglich Zeremonien von Lamas gepflegt. Aber Wahrsager bestimmen, in welche Richtung ein Toter bestattet wird. Jede Nomadenfamilie ist in einem bestimmten Dorf registriert. Das Land gehört dem Staat. Jede Familie besitzt eigene Tiere, bis zu 600 Kamele, Pferde, Ziegen, Schafe.

Pferde im Wasser

Doch die Weidegründe sind genau reglementiert und werden in Sommer- und Winterflächen geteilt. Trotz der strengen Winter bleiben die Tiere größtenteils im Freien. In der Mongolei ist allgemeine Schulpflicht. Wer zu weit vom Schulort entfernt lebt, schickt seine Kinder in ein Internat. Junge Männer müssen mit 18 einen einjährigen Militärdienst leisten. Danach ist es üblich zu heiraten, entweder arrangiert von der Familie oder in freier Entscheidung.

Während dieser und weiterer Geschichten ändert sich allmählich die Landschaft. Flüsse, markante Granitfelsen und eine Vegetation aus grünen Birken, Lärchen und Kieferwäldern begleitet uns. Ich habe einerseits das Gefühl im Allgäu mit seinen saftige Weiden angekommen zu sein, wären da nicht immer wieder Jurten und Yaks, weidende Kamele oder Pferdeherden zu sehen. Ganz hinten in einem lieblichen Seitental landen wir schließlich nach kurzem Fussmarsch bei einer Gruppe von originalen mongolische Jurten, in denen unsere Nachtlager vorbereitet sind.

Unser Jurtencamp

 

Einfahrt in den Nationalpark

 

Yak in Blumenwiese

 

Kamele

Wer sich für Bergblumen interessiert, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Massen von Edelweiss, leuchtend blauer Rittersporn, Glockenblumen, Thymian, riesige blaue Kugeldisteln, Salbei, Ehrenpreis, Fünffingerkraut.

~Irmgard Wach, ZEIT- Reisende

Tag 16: 19.7.2019

Von Erenhot nach Sainschand

Von den (Hotel)-Palästen in die (Hirten)-Hütten

Nach dem Frühstück starten wir in die Mongolei- ein uns allen weitgehend unbekanntes Land, mit dem China von allen seinen Nachbarländern die längste Grenze hat. Es sind ca. 4700 km . Das entspricht etwa der Entfernung Bremen-Teheran. Unsere Reise durch China endet heute. Von Shanghai aus haben wir 2935 km hinter uns gebracht.

Die Spannung vor der Grenze steigt. Wir wurden von Rainer vor langen, nervigen Kontrollen und stundenlangen Wartezeiten gewarnt. Doch –Überraschung- nach 2 Stunden waren wir durch die chinesische und mongolische Grenze durch. Davon kann jeder USA-Reisende nur träumen, der in endlosen Schlangen auf einem Flughafen zwischen irgendwelchen Absperrbändern sein halbes Leben verbringt und vorher stundenlang irgendwelche Formulare ausfüllen musste. Die Überraschung war erst perfekt, als sich herausstellte, dass die Fahrer wegen ihrer guten Russischkenntnisse sich mit den mongolischen Grenzerinnen so gut verständigen konnten, dass nur 2 Bierdosen als „nützliche Aufwendungen“ benötigt wurden. Von anderem wurde nicht berichtet.

Nun liegt die Mongolei vor uns mit ca. 3 Millionen Einwohnern 70 Millionen Herdentieren, davon 6 Millionen Pferden, 16 Millionen Kaschmirziegen, ca.400.000 Kamelen und endlos vielen Schafen und zahlreichen Yaks und Rindern.

Kamelherde in der Mongolei

 

Herde in der Gobi

 

Hirte am Wegesrand

Nach einigen Kilometern ohne Asphalt gibt es einen Stopp. Das Begleitfahrzeug fehlt. Es hat sich verfahren. Die Suche dauert, das Land ist ja auch mehrfach so groß wie die Bundesrepublik. Bei dem nächsten Stopp begegnet uns die erste Kamelherde. Es folgt eine große Schaf-und Ziegenherde mit einem berittenen Hirten. Durchschnittliche Herden haben hier ca. 500-600 Tiere. Rings um den Bus ist reichlich zu sehen. Blumen blühen überall. Insekten und Eidechsen gibt es reichlich. Die Digitalkameras haben Arbeit.

Bald beginnt es auch zu regnen. Ein Schauer folgt dem nächsten. Dies kommt nicht so häufig vor, wie uns Bayarmaa Tseden-Ish -unsere mongolisch Reisebegleiterin- erläutert. Stundenlang geht es dann durch eine hügelige, baumlose, teils grüne, teils sandige Landschaft, die sich in leichten Wellen bis zum Horizont erstreckt Immer wieder bilden sich Regenbogen vor mächtigen Wolkentürmen. Die Gobi in diesem Teil hatte ich mir anders vorgestellt.

Schließlich erreichen wir nach kurzer Geländefahrt das Jurtencamp.
Vorbei ist es mit dem chinesischen Hotelluxus. Keine 4 Kissen in jedem Bett und fließend Wasser, Dusche, Badewanne im Zimmer. Jedes Paar und jeder Einzelreisende bekommt eine Jurte mit einem Bettgestell und
einer Matratze, die weich zu nennen, deutlich von der Wahrheit sich entfernen würde. Dazu lag dort ein Kissen mit Körnern gefüllt von der Größe eines DIN-A-3 Blattes. Indessen fanden sich unter den Betten auch Steckdosen, der wichtigste Einrichtungsgegenstand für eine aufladehungrige, handybesitzende, digitalfotografierende Großelterngeneration. Aber genau dieser Kontrast zu China machte den Reiz aus. Am Ende wollten wir das Jurtencamp gar nicht wieder verlassen. Die Übernachtung in diesen Jurten hat einen hohen Reiz. Mond, Sterne und kein chinesischer Großstadtlärm.

Im Jurtencamp mit Ersatzfahrzeug

Im Jurtencamp angekommen

Vor dem Abendessen gab es Gelegenheit in die Graswüste zu den Herden zu gehen, die ringsherum grasten. Die Wüste lebte.

Die Wüste lebt

 

Die Wüste lebt

 

Die Wüste lebt

Und natürlich gab es Hammel. Wir waren mit folgender Geschichte darauf vorbereitet:

2 Mongolen gehen in ein Restaurant und bestellen natürlich Hammel.
Die Teller mit dem Hammel Kommen. Auf dem Teller des einen liegt auf dem Hammel ein Zwiebelring. Fragt der andere:“ Warum hast Du eine Gemüseplatte bestellt?“

~Erich Joester, ZEIT- Reisender

Tag 15: 18.7.2019

Von Datong nach Erenhot

Kurz bevor wir China Richtung Mongolei verlassen, will ich auf die zwei Wochen voller großartiger Ereignisse und Begegnungen zurückblicken. Seit meinem Aufenthalt vor 15 Jahren hat sich hier alles verändert mit Ausnahme der Großen Mauer, die wohl auch in 1000 Jahren noch „die Alte“ sein wird. Chinas Städte strotzen vor Wohlstand und Reichtum, Wolkenkratzer und Hochhaussiedlungen symbolisieren den erreichten wirtschaftlichen Erfolg und den Anspruch auf den Status als Weltmarktführer und Weltmacht, die USA und Europa hinter sich lassen.

Die Belt and Road – Initiative (Neue Seidenstraße) umfasst ja -dank Chinas geopolitischer Lage- große Teile Eurasiens und Afrikas. Die Zukunft ist hier angekommen, will sagen, dass die 7 Führer des Zentralkomitees zwar ihre absoluten Machtansprüche zugunsten mehr Mitspracherechten der 1,4 Milliarden Chinesen nicht aufgeben werden, dass sie aber vieles geschafft bzw. auf den Weg gebracht haben, was dem einzelnen Chinesen ein menschenwürdiges und lebenswertes Dasein verschafft (z.B. Einführung der Renten-, Sozial- und Krankenversicherung, Bildungsperspektiven für Kinder, moderne Unterkünfte, Erziehung zu Umweltbewusstsein).

Bei Überlandfahrten fallen die zahlreichen Geister- und Retortenstädte ins Auge, die auf die Zukunft hin gebaut, die Landbevölkerung aufnehmen und ihnen allmählich bessere Lebensbedingungen verschaffen sollen. Gleichermaßen überdimensionierte Hotelbauten, hypermodern ausgestattet, für den wachsenden Tourismus, aber auch für regelmäßige Zusammentreffen mit der Bevölkerung, wobei die „Einladung zum Tee“ der jeweiligen Politprominenz nicht nur Verwöhnprogramme beinhaltet sondern auch der Kontrolle und Einordung dient. Überhaupt wird Kontrolle großgeschrieben, überall Kameras, daher auch das Etikett Chinas als sicherstes Land der Welt. Superlative und Rekorde gehören hier allemal dazu, alles ist im XXXL-Format, z.B. das Olympiagelände in Peking, der Shanghai-Tower mit 650m, die Millionenstädte, die Autobahnen, Metros, Züge und allen voran die perfekt gepflegten Parkanlagen und Straßenbegrünungen. Nachts müssen hier Heerscharen von Heinzelmännchen unterwegs sein, um die Blumen-, Bäume- und Zypressenpracht zu gießen und in Form zu halten. China wird wohl die Ziele des Pariser Klimaabkommens einhalten, E-Autos werden gefördert, in Qindau gibt es einen Ökopark, Verpackungen in Hotelbädern sollen abgeschafft werden etc., die „China daily“ hat täglich News zu ökologisch-nachhaltigem Verhalten. Die regierungsnahe Zeitung zeigt den MP Xi fast jeden Tag mit einem anderen Leader eines mehr oder weniger bedeutenden Staates:

Seht her, wir haben Freunde überall und machen Geschäfte, die euch und unser Land voranbringen! Die jungen Leute wachsen somit mit einem ungeheuren Nationalbewusstsein auf, als Einzelkind oder mit einem Geschwisterchen sind sie oft von der Großfamilie umringt und hübsch anzusehen. Allerdings scheint das Problem der Obesität zuzunehmen. Mc Donald und Bakeries breiten sich aus und die so gesunde wie schmackhafte chinesische Küche hat Konkurrenz bekommen. Sonst ist mir die „Verwestlichung” nur positiv aufgefallen. Die Urbanität mit modernsten Mitteln, die kluge Pflege der historischen Stätten, liebenswerte Erholungsräume, die Willkommenskultur für Touristen (Einladungen des Fremdenverkehrsamtes in Qindau und Datong), sympathisch-aufgeschlossene Guides, amerikanisch geprägte TV-Sender CGTN und Zukunftsoptimismus ohne Ende – ein Gegensatz zu unserer gesättigten mitteleuropäischen Mentalität, die wir in einer Art Freilichtmuseum wohnen und vielleicht keine nennenswerten Herausforderungen mehr kennen….. oder irre ich mich?

Gut, vieles ist von oben gelenkt und greift in die Freiheiten des Einzelnen ein, allerdings gilt es zu bedenken, wie ein Volk von fast anderthalb Milliarden so verwaltet werden kann, dass Terror und Extremismus im Ansatz unterbunden werden und eine friedliche und zukunftsorientierte Gesellschaft trotz der vielen ethnischen Unterschiede Bestand haben kann. Mein Eindruck ist, dass unsere Fragen und Vorbehalte für den Chinesen im Allgemeinen völlig unverständlich sind, daher ist es überflüssig, ihnen unseren Moralkodex überstülpen zu wollen. Zur Zeit werden die konfuzianischen und daoistischen Werte wiederbelebt, eine Verfassung und ein Rechtssystem auch mit bundesdeutscher Hilfe ausarbeitet. Mit der rasanten wirtschaftlichen Weiterentwicklung könnte ja eine Liberalisierung auf weiteren Gebieten (z.B. Abschaffung der Internetzensur) Platz greifen und dem „Reich der Mitte“ die auch im Alltag so oft beschworene Glückseligkeit und Harmonie bringen…..

~ Hannelore Krome, ZEIT Reisende

Tag 14: 17.7.2019

Datong

Gleich das erste Erlebnis in Datong war ein besonders herzlicher Empfang im Hotel. Heute besichtigten wir einzigartige Zeugnisse vom Buddhismus, Taosimus und Konfuzianismus. Bevor wir Erläuterungen über die Religionen und die geschichtliche Entwicklung der Stadt erhielten, erzählte uns der lokale Reiseleiter, Herr Liang Zang, freimütig von seinem persönlichen Leben.

So kann man sich ein Bild machen, wie rasant sich das Leben der Menschen verändert hat und verändern werden wird. Innerhalb der letzten 10 Jahre ist Datong auf 3,5 Millionen Einwohner gewachsen. Vor 1500 Jahren war Datong einmal Hauptstadt und wurde über etwa 100 Jahre vom Kaiser regiert. Datong war Grenzstadt zu Mongolei und eine bedeutende Handelsstadt. Datong wird nun auch Kohlehauptstadt genannt, denn hier befinden sich Kohlevorkommen hoher Güte. Der Kohleabbau hat zu unermesslichem Reichtum des Staates und der Menschen geführt. Zwei riesige Kohlekraftwerke versorgen die Region und auch Peking. Es gab es schlimme Bergwerksunglücke (Schächte wurden geschlossen) und es gibt es schwerwiegende gesundheitliche Schäden und reichlich Smog. Daher setzt nun der Bürgermeister auf eine Umwandlung von Datong in eine Tourismusstadt. Wie Liang Zang sagte, wurde anfangs der Bürgermeister verrückt genannt. Fakt ist jedoch, dass schon Ende des Jahres eine Schnellzugverbindung (führerloser Zug mit 5G Technologie) nach Peking eingeweiht werden soll, wodurch sich die Fahrzeit von 6,5 Stunden auf 100 Minuten verkürzt.

Zurück zu Liang: Er ist verheiratet seit etwa 11 Jahren. Die Zustimmung zur Hochzeit gab die Schwiegermutter, als er ihr seine große Wohnung zeigte. Das eigene Auto und das Sparbuch folgten. Seine jüngere Schwester hat in den 90iger Jahren geheiratet, nachdem ihr Mann einen Kühlschrank, eine Waschmaschine und einen Fernseher zeigen konnte. Anders war die Situation als Liangs Mutter heiratete: Da war die Mitgift ein Fahrrad, ein Radio und eine Taschenlampe.

Bleibt noch zu erwähnen, dass wir eine sehr beeindrucken Führung durch die hängenden Kloster Xuankong Si und die Yungang-Grotten erhielten.

Hängendes Kloster Xuankong Si

 

Yungang-Grotte

 

Säulengang zu buddhistischen Yungang-Grotten

~Eva und Louis Bauer, ZEIT- Reisende

Tag 13: 16.7.2019

Von Peking nach Datong

Hallo Jutta,

für heute hattest Du Dich in die “Blogger-Liste” eingetragen und wir finden es so schade, dass Du schon heim fliegen musstest. Wir alle grüßen Dich daher ganz besonders auf diesem Weg mit unserem Gruppen-Foto von unserem heutigen Besuch der Großen Mauer. Alles Gute für Dich und wir bleiben über Fiete ja in Verbindung.

Liebe Grüße von uns allen.

Gruppenfoto auf der chinesischen Mauer

~Fiete, Gerhard, Anette und das ganze Reise Team

Tag 12: 15.7.2019

Peking

PEKING 5 XXL 12,3 Mio Einwohner

– Wolkenkratzer, soweit das Auge reicht
– “Halle zur Geistespflege”
– “Halle der höchsten Harmonie”
– Himmelsfriedenstorplatz
– Himmelsaltar und -tempel
– Olympiapark mit Vogelnest
– Große Mauer

Von all den himmlischen XXL – Superlativen bin ich überwältigt und der folgende Text vom Blogger Tong Dahuan scheint kaum zu interessieren.

“Oh China, bitte gehe langsamer
Bremse Dein fliegendes Tempo
Warte auf Dein Volk, seine Seele, seine Moral
Und sein Gewissen
Lass die Züge nicht entgleisen
Die Brücken nicht zusammenbrechen
Die Strassen nicht zu Fallen werden
Geh langsam, damit jede unserer Seelen ihre Würde
Und Freiheit entfalten kann”

Quelle: Tong Dahuan, chinesischer Blogger, China
Youth Daily

Vogelnest Olympia

 

Hochhäuser hinter der verbotenen Stadt

~Marinna Staub, ZEIT-Reisende

Tag 11: 14.7.2019

Peking

In Peking sehen wir “alles” – Sommerpalast, Tian’anmen Platz, Verbotene Stadt, Kohlehügel mit wunderbarer Aussicht. Wir haben großes Glück mit dem Wetter (in der Nacht hat es geregnet) und haben eine selten gute Sicht. Franz erwähnt immer wieder, dass wir heute Mao sehen können und wir verstehen diese “Freude” erst, als wir auf diesem riesigen Platz stehen und erahnen, dass das Mao Bild ganz vorne nur selten zu sehen ist. Allerdings hat es auch 37 Grad und das spüren wir. Wir bewundern am Abend das Tranchieren der Peking- Ente und genießen sie zusammen mit unseren Gsten – Xifan Yang und dem Leiter der Deutsch-chinesischen- Freundschaftsverein. Daher heute auch ein Überblick in Fotos.

~Anette Lösl, ZEIT-Reisende

Sonnenschutz
Überall und immer schön
Auch überall
An jeder Ecke
Interessante Snacks
Eiweiß-Snacks
Immer wieder zu sehen, in allen Formen
Straßenszene
Lotoseffekt
Mao
Tag 10: 13.7.2019

Von Tianjin nach Peking

Heute erwartet uns ein neues spannendes Ziel, Peking, die Hauptstadt Chinas mit ca. 21 Mio Einwohnern. Nach 130 km Fahrt auf der zuerst 4- später 6-spurigen Autobahn müssen wir dieses Mal nicht lange im Bus sitzen. Dort angekommen muss ich mich erst einmal mental orten, wir sind wirklich in dieser riesigen Weltmetropole gelandet und haben ein großes Teilziel unserer Reise erreicht! Allerdings kommen wir zum Himmelstempel, den wir besuchen wollen, erst wenn wir quer durch die Stadt fahren. Es hat den Vorteil, dass wir unendlich viele Hochhäuser rechts und links von der belebten Straßen erleben. Als wir von unserem Bus aussteigen, erfahren wir eine ungeahnte Hitze mit ca. 34° C. Aber zum Glück führt vom Parkplatz zum Tempel ein wunderbarer, schattiger Weg durch einen Park mit verschiedensten Bäumen.

Über 1000 Jahre alte Bäume

Dieser Sakralbau ist das Wahrzeichen von Chinas Hauptstadt. Er begeistert durch seine perfekte Symmetrie und wurde von den Kaisern zur Kontaktaufnahme mit dem Himmel und zum Gebet für eine gute Ernte genutzt. Der Tempel umschließt einen prunkvollen Opferaltar.

Himmelstempel

Die Tieropfer galten Sonne, Mond, Sternen, Himmel, Donner, Wind und dem Regen. Auch die Amtsvorgänger wurden mit einbezogen. Nach der Besichtigung konnten wir uns im luxuriösen Kempinski Hotel etwas ausruhen um am Abend noch ein Theater zu besuchen.

KungFu Theater

Die prächtig gekleideten Künstler stellten die Entwicklungsgeschichte vom Kind bis zum erhabenden Meister als Mönch dar. Dabei begeisterten sie uns mit meisterhafter chinesischer Kampfkunst die unglaublich kreativ und mitreißend gestaltet war. Alte chinesische Musik begleitete die Aufführung. Wieder erlebten wir einen Tag voller unvergesslicher Höhepunkte.

~Irmgard Wach, ZEIT-Reisende

Tag 9: 12.7.2019

Von Qingdao nach Tianjin

Wir fahren heute mit dem Bus in die Hafenstadt Tianjin, vor den Toren Pekings. Täglicher Sprachkurs und unsere Bus-Hymne “Hinterm
Horizont geht’s weiter….ein neuer Tag…immer weiter…..”

Täglicher Sprachkurs von Franz
Unsere Hymne

Überall wird unser Bus fotografiert, die Fußgänger mitten auf der Kreuzung und Mopeds, die an einer Ampel warten müssen sind völlig abgelenkt und filmen uns. Die Busfahrt gibt unseren Ohren Gelegenheit den Ausführungen von Rainer zu lauschen. Folgende Themen: Die chinesische Sprache in Schrift und Aussprache. Die Kolonialgeschichte von Peter dem Großen bis Qingdao. Das Thema Sozialversicherung seit Mao und wie sie sich verändert, Traditionelle Chinesische Medizin, die Zeit in China unter Mao, der Aufbau des Steuerrechts in diesem Land bis hin zu der Welt der Horoskope. Allein die Welt der Horoskope würde viele Zeilen füllen, für die Chinesen ein sehr wichtiges Thema. 12 Tiere und zur Zeit ist das Jahr des Schweins. Franz ordnet uns unserem Tier zu und jetzt wissen wir alles über Hasen, Schweine, Drachen und uns.

~Anette Lösl, ZEIT-Reisende

 

Straßenszenen
Frühsport gar nicht selten
Straßenszene
Am Strand unterwegs

Straßenszene mit Bett
Tag 8: 12.7.2019

Qingdao

So jetzt sind wir in Qingdao, vormals die deutsche Kolonie Tsingtau. Ich erfahre hier zum ersten Mal, dass Qingdao seit 2008 Partnerstadt von Wuppertal ist. Dort lebe ich seit fast 40 Jahren. Man lernt immer wieder neu dazu.

Als letztem in China Geborenen ist mir Qingdao als Tsingtau schon ein Begriff. Oft in Erzählungen der älteren Chinadeutschen gehört und das hier produzierte Bier in diversen deutschen Chinarestaurants getrunken. Nach Tsingtau fuhr man in den Sommerurlaub um dort Badeurlaub zu machen.

Sieh einer mal an. Bei einer so großen Familie mit reichhaltiger Geschichte verliert man leicht den Überblick. Immerhin lebten 3 bis 4 Generationen seit 1856 in China. Es waren überwiegend Kaufleute, die Tee nach Deutschland und England exportierten.

Bei der Besichtigung des Brauereimuseums war ich selber überrascht, wie einer der Mitreisenden mir zurief, dass mein Familienname auf der Ahnentafel auftauchte. Ernst Siemssen war von 1908 bis 1916 deutscher Direktor der Tsingtau Brauerei. Mein Urgroßonkel, der Bruder meines Urgroßvaters. 1916 übernahmen die Japaner die Brauerei und sein Direktorat endete. Viele Deutsche kamen in japanische Kriegsgefangenschaft, wo sie bis nach dem ersten Weltkrieg in Lagern interniert wurden.

Ahnentafel

Die Tsingtaubrauerei ist einer der ersten chinesischen Globalplayer. Das Bier wird weltweit verkauft. Bis heute lassen sich alle chinesischen Parteiführer mindestens einmal vor Ort blicken.

Krönender Abschluss war der Besuch in der Bierbar. Fünf chinesische Damen waren recht amüsiert, als ich mit einem Glas in der Hand, mit meiner freien Hand auf meinen „Bierbauch“ zeigte. Dies ist ein Kritikpunkt der Frauen von Tsingtau an ihren Männern.

~Fiete Siemssen, ZEIT- Reisender 

Tag 7: 10.7.2019

Von Tai'an nach Qingdao

Heute ist wieder Busfahren an der Reihe. Wir verlassen morgens um 9.00 Uhr unser Hotel in Tai’an und richten uns im Bus ein. Busfahren heißt wieder einiges von unseren Experten zu erfahren. Franz beginnt heute mit einer Chinesischlektion in Sprache und Schrift.

Sprachkurs mit Franz

Er hat einige Schriftzeichen auf dem Tablet vorbereitet und wir lernen Chinesisch, eine Herausforderung – selbst auf diesem Niveau, das wir so etwa vor dem Kindergarten einordnen würden. Am Ende können wir grüßen, wissen was Mensch, Mann und Frau heißt und kennen auch ein paar Zahlen und wir wissen, welchen Ursprung die Zeichen der Bilderschrift haben. Dann wird’s politisch. Felix Lee, der Experte für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft setzt auf seinem Vortrag vom Sonntag auf.

Felix Lee

Die von ihm gewählte Frage “Was ist eigentlich kommunistisch in China?” verspricht Spannendes. Er beginnt in der Zeit nach Maos Tod 1976, als Deng Xiaoping als eigentlicher Lenker den weiteren Weg maßgeblich gestaltet hat. Felix hat zwei Prinzipien dargestellt. Die KP muss die Macht behalten und China ist pragmatisch zu steuern und zu entwickeln, “Schritt für Schritt” und “Was nützt China”. Die schöne Metapher hierzu: Es ist gleichgültig, ob die Katze schwarz oder weiß ist, Hauptsache sie fängt Mäuse. Einige Beispiele, die Felix vorgetragen hat, sind sehr erhellend für seine o.g. Fragestellung: Private Immobilien beim käuflichen Erwerb bleiben Grund und Boden immer im Eigentum des Staates.  An den Gebäuden oder Wohnungen erwirbt man beim “Kauf” nicht wirklich Eigentum sondern nur ein 70 jähriges Nutzungsrecht. Nahezu alle Großunternehmen sind in staatlicher Hand und werden staatlich gesteuert. Auch in den Privatunternehmen und anderen Organisationen sitzen Parteifunktionäre mit erheblichen Machtbefugnissen. Das Bankensystem ist staatlich. Die KP ist allgegenwärtig. Strenge Aufnahmekriterien sorgen für eine harte Auslese. Es gelten umfangreiche Mitwirkungspflichten. Die Mitgliedschaft ist aber sehr wichtig für die eigene Karriere und Entwicklung. Auf die weiteren interessanten Themen, die wir diskutiert haben, können wir hier nicht näher eingehen: Schlüsseltechnologien, Mittelstand und Start Ups, Sozialversicherung und Altersversorgung. Dann kam noch ein Abriss der Politik von der Kulturrevolution unter Mao bis heute, zu viel Stoff für einen Reise-Blog aber nie genug für interessierte Zuhörer auf längeren Busfahrten. Beim Abendessen – heute im Hotel – fühlten wir uns richtig geehrt. Eine Abordnung des Tourismus Büros von Qingdao hat uns in einer Präsentation und in Vorträgen die Stadt vorgestellt. Das Interesse deutscher Touristen an der Stadt ist auch so groß, weil man in Qingdao auf die Spuren der deutschen Kolonialbesetzung der Stadt vor dem ersten Weltkrieg stößt.

~Anette und Gerhard Lösl, ZEIT-Reisende

Aus dem Bus – Straßenszene

 

Brücke nach Qingdao
Tag 6: 9.7.2019

Von Qufu nach Tai'an

Nach kurzer Fahrt erreichen wir Tai’an. Sagt Euch nichts? Uns bis vorher auch nicht. Hier ist einer der wichtigsten Pilgerorte des Daoismus. Dazu gleich. Am Vormittag fahren wir mit der Seilbahn auf den heiligen Berg, den Tai Shan. Von hier konnte der Kaiser zum Himmel sprechen und von seinen Wohltaten berichten. Er ist der meistbestiegene Berg der Welt. Das stellen wir auch fest, als wir von der Bergstation zum Gipfel steigen. Zwischen Menschenmengen
geht’s über 300 Treppenstufen nach oben. Leider wird die Sicht oben noch schlechter und wie in den Bergen häufig (wir sind auf über 1500 Metern) trifft uns ein rascher Wetterumschwung und es beginnt zu regnen. Jetzt schlägt die Stunde der Poncho Verkäufer. Bei der Bergstation trocknen wir wieder bei einem kleinen Mittagessen. Nach kurzer Fahrt mit einem lokalen Bus erreichen wir die daoistische Tempelanlage Dai-Miao. Hauptgebäude ist die “Halle des Himmelsgeschenks”, spektakulär auch ein 1200 jähriger Ginko und ein
Bonsaigarten mit alten “Topflandschaften”. Übrigens: Der Bonsai stammt ursprünglich aus China. Auf der Hinfahrt erhalten wir von Rainer eine Schnellbleiche in Daoismus, auch als Taoismus bekannt. Er stellt neben dem Konfuzianismus die zweite grundlegende Weltanschauung in China dar, die dritte ist der Buddhismus. Als Begründer gilt Lao-Tse, der in der gleichen Zeit wie Konfuzius verortet wird. Anders als bei dem ist seine Existenz nicht verbürgt.
Ein wesentlicher weiterer Unterschied ist, dass es sich beim Daoismus um eine Religion handelt. Rainer hat für uns Einsteiger folgende Grundgedanken gewählt (so habe ich es jedenfalls verstanden): Der Mensch ist bei Geburt wie eine leere Vase, die sich
dann allmählich füllt. Der Daoismus ist der Ansicht, der Mensch sollte die Vase nicht in Gesellschaft mit den Menschen füllen sondern sich der Natur zuwenden. In der Natur liegt das ewig Gute. Nichts existiert ohne seinen Gegensatz, dabei ist aber nicht das Gute vom Bösen zu trennen sondern beides ist in Einheit zu betrachten, ist Yin und Yang. In diesem Zusammenhang haben wir auch über eine chinesische Grundhaltung gesprochen, die uns immer wieder begegnet: Die Chinesen sind Pragmatiker, nicht nur in der Religion auch in allen übrigen Lebensbereichen. Dieser Sachverhalt hilft sehr, viele Phänomene zu verstehen, die unserem westlichen Entweder-Oder sonst verschlossen bleiben. Auf der Fahrt ins Hotel hat uns Herbert daran erinnert, dass wir uns auf einer Kulturreise befinden und ein Gedicht von Bertolt Brecht zu Lao-Tse vorgetragen. Gerne lassen wir Euch Leser Anteil daran nehmen. Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration
1
Als er siebzig war und war gebrechlich
drängte es den Lehrer doch nach Ruh
denn die Güte war im Lande wieder einmal
schwächlich
schwächlich
und die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu
und er gürtete den Schuh.
2
Und er packte ein, was er so brauchte:
Wenig. Doch es wurde dies und das.
So die Pfeife, die er abends immer rauchte
und das Büchlein, das er immer las.
Weißbrot nach dem Augenmaß.
3
Freute sich des Tals noch einmal und vergaß es
Als er ins Gebirg den Weg einschlug.
Und sein Ochse freute sich des frischen Grases
kauend, während er den Alten trug.
Denn dem ging es schnell genug.
4
Doch am vierten Tag im Felsgesteine
hat ein Zöllner ihm den Weg verwehrt:
„Kostbarkeiten zu verzollen?“ – „Keine.“
Und der Knabe, der den Ochsen führte, sprach: „Er hat
gelehrt.“
Und so war auch das erklärt.
5
Doch der Mann in einer heitren Regung
fragte noch: „Hat er was rausgekriegt?“
Sprach der Knabe: „Daß das weiche Wasser in
Bewegung
Mit der Zeit den harten Stein besiegt.
Du verstehst, das Harte unterliegt.
6
Daß er nicht das letzte Tageslicht verlöre
Daß er nicht das letzte Tageslicht verlöre
Trieb der Knabe nun den Ochsen an.
Und die drei verschwanden schon um eine schwarze
Föhre
Da kam plötzlich Fahrt in unsern Mann
Und er schrie: „He du! Halt an!
7
Was ist das mit diesem Wasser, Alter?“
Hielt der Alte: „Intressiert es dich?“
Sprach der Mann: „Ich bin nur Zollverwalter
Doch wer wen besiegt, das intressiert auch mich.
Wenn du’s weißt, dann sprich!
8
Schreib mir’s auf! Diktier es diesem Kinde!
So was nimmt man doch nicht mit sich fort.
Da gibt’s doch Papier bei uns und Tinte
und ein Nachtmahl gibt es auch: ich wohne dort.
Nun, ist das ein Wort?“
9
Über seine Schulter sah der Alte
Auf den Mann: Flickjoppe, keine Schuh.
Und die Stirne eine einzige Falte.
Ach, kein Sieger trat da auf ihn zu.
Und er murmelte: „Auch Du?“
10
Eine höfliche Bitte abzuschlagen
War der Alte, wie es schien, zu alt.
Denn er sagte laut: „Die etwas fragen,
Die verdienen Antwort.“ Sprach der Knabe: „Es wird
auch schon kalt.“
„Gut, ein kleiner Aufenthalt.“
„Gut, ein kleiner Aufenthalt.“
11
Und von seinem Ochsen stieg der Weise
Sieben Tage schrieben sie zu zweit.
Und der Zöllner brachte Essen (und er fluchte nur noch
leise
Mit den Schmugglern in der ganzen Zeit.)
Und dann war’s soweit.
12
Und dem Zöllner händigte der Knabe
Eines Morgens einundachtzig Sprüche ein.
Und mit Dank für eine kleine Reisegabe
Bogen sie um jene Föhre ins Gestein.
Sagt jetzt: kann man höflicher sein?
13
Aber rühmen wir nicht nur den Weisen
Dessen Name auf dem Buche prangt!
Denn man muß dem Weisen seine Weisheit erst
entreißen.
Darum sei der Zöllner auch bedankt:
Er hat sie ihm abverlangt.

~Gerhard Lösl und Herbert Sokolowski, ZEIT-Reisende

 

Anstieg Tai Shan

 

Daoistischer Tempel mit Busfahrern

 

1200-jähriger Ginko

 

Bonsaigarten
Tag 5: 8.7.2019

Von Lianyungang nach Qufu

Nach einem Abstecher zum Gelben Meer fahren wir nach Qufu (sprich: Tjüfu), dem Geburts- und Heimatort von Konfuzius. Er lebte hier um 500 vor Christus und begründete die nach ihm benannte Denkschule,
eine der drei wesentlichen geistigen Grundlagen in China, die in neuerer Zeit eine Renaissance erlebt. Der Konfuzianismus ist keine Religion sondern Ethik. Zwei grundlegende Elemente der Lehre sind (in extremer Kürze, IHR könnt ja googeln): Entscheidend für das Zusammenleben in der Gesellschaft angefangen bei der Familie ist eine hierarchische Ordnung, in der Achtung und Respekt herrscht. Im Gegenzug sind die Höhergestellten zu Fürsorge und Mitmenschlichkeit verpflichtet. Die Bedeutung dieser Grundgedanken für die Chinesen kann man nicht hoch genug einschätzen. Das Zusammenspiel mit den anderen wesentlichen Geisteshaltungen wird sich im weiteren erschließen. Was bei der Ankunft an der Tempelanlage als erstes auffällt: Sie wird von immens vielen Schülergruppen besucht. Die Erklärung ist einfach: Konfuzius wird angerufen, um um gute Noten zu bitten. Schon im Eingangsbereich werden wir Exoten bestaunt und angelächelt. Im Fortgang werden wir immer wieder freundlich gebeten, doch mit auf ein Selfie zu kommen. Die Bilder werden dann mit Stolz gegenseitig vorgeführt wie Trophäen. Als erstes besuchen wir die
weitläufige Tempelanlage mit den Stellen, an denen er wohl gewohnt hat. Dort ist auch eine 2000 Jahre er wohl gewohnt hat. Dort ist auch eine 2000 Jahre alte Brunnenanlage zu sehen. In diesen Bereichen zwischen uralten Bäumen wird man doch etwas ehrfürchtig. Dann besuchen wir die sich ähnlich weit erstreckende Residenz der Nachfahren von Konfuzius mit Darstellung der Stammbäume der Familie Kong. Zum Abschluss der Besichtigung der riesigen Anlage besuchen wir den Friedhof mit tausenden Gräbern der Familie. Der Friedhof ist einer der ältesten noch heute genutzten der Welt, ausschließlich für Nachfahren von Konfuzius. Auch frische Gräber sind dort zu sehen. Den Mittelpunkt bildet die Grabstelle von Konfuzius. Dort ist doch eine besondere Stimmung zu verspüren. Die Besucher knien verehrend nieder vor der Grabstelle, die reich mit Blumen und Opfergaben
geschmückt und besonders bewacht ist. Nach einem langen fordernden Nachmittag landen wir im Hotel, dem Shangri-La. Der Name hält was
er verspricht. Nach kurzer intensiver Regeneration können wir das Abendbuffet, das keine Wünsche offen lässt, genießen.

~Anette und Gerhard Lösl, ZEIT-Reisende

Haupthalle des Tempels

 

Mädchengruppe

 

Brunnenanlage

 

Grabstelle Konfuzius
Tag 4: 7.7.2019

Von Shanghai nach Liunyungang

Vor unserer ersten Busfahrt besuchen wir noch das Stadtplanungsmuseum Shanghais. Was sich so trocken anhört, ist hochinteressant. Dort ist nämlich neben Historischem ein Modell der Innenstadt ausgestellt, das Shanghai als Ausrichter der Weltausstellung 2009 präsentiert hat. Zu sehen ist der Innere Ring,
der etwa 10 % von Shanghais Fläche darstellt mit tausenden von maßstabsgetreuen Gebäuden. Dann richten wir uns im Bus ein. Jeder Platz ist komfortabel ausgestattet mit einem ausklappbaren Tisch,
Platz zum Ausstrecken und genügend Stauraum. Das richtige Gefährt für die längste Busreise der Welt. Der Bus ist spezifisch für diese Reise ausgestattet, er wurde vom chinesischen TÜV geprüft und hat
auch zusätzlich ein chinesisches Kennzeichen. Die Busfahrer brauchen einen chinesischen Führerschein mit Ausbildung und Prüfung. Man sieht, das ganze ist ziemlich aufwändig. So arbeiten ca. 50 Menschen in dem Projekt.
Auf dem Weg wird mir klar: Würden sich die Busetappen nicht automatisch dadurch ergeben, dass wir von S(hanghai) nach H(amburg) kommen wollen, müsste man sie erfinden. Einerseits brauchen die Glieder Erholung von den Besichtigungstagen, andererseits besteht auf den Fahrten ausführlich Gelegenheit, das Wissen unserer Begleiter aufzusaugen. Bei unserem Dreigestirn Rainer, Felix und “Franz” Chen Jun sind alle Aspekte abgedeckt. Rainer startet mit einem Überblick zu China. Ich kann hier natürlich keine Details
zu China. Ich kann hier natürlich keine Details aufführen, nur soviel: Die Größenverhältnisse sprengen unsere Vorstellungen. Beispielsweise die Flächen der Städte; Berlin hat keine 100 qkm, Shanghai hat 6.000, Peking 16.500 und die größte Stadt Chinas Chongqing hat eine Fläche wie Österreich mit 34 Mio Einwohnern.
In China gibt es inzwischen 150 Millionenstädte mit
unzähligen Retortenstädten aber keinen Slums. Für das Verständnis Chinas ist es unerlässlich, die Themenbereiche in ihrem Zusammenhang zu sehen. Bei diesen ersten Vorträgen geht es um die in allen
Städten im Osten Chinas sichtbaren Retortenstädte – das Stichwort heißt Urbanisierung. Auch die Themen Ende der Ein-Kind-Politik, Partnerschaft und Essen als soziales Event werden bei dieser Fahrt erörtert und diskutiert. Beispiel Urbanisierung, kurz und knapp: Vor 20 Jahren lebten in China 20 % der Menschen in den Städten, inzwischen sind es knapp 60 %. Das bekannte enorme Wachstum des Industrie- und Dienstleistungssektors erforderte Arbeitskräfte, die man vom Land in die Städte gebracht hat. Die Armut ist in China
weitgehend besiegt, China ist wirtschaftlich zu einer Weltmacht aufgestiegen – anders als bei Maos Initiative, die Stahlproduktion durch die Landbevölkerung zu entwickeln (“Der Große Sprung nach vorn”), die in tragischen Hungersnöten mit vielen Millionen Toten
geendet ist, ist die Urbanisierung zumindest ökonomisch eine Erfolgsgeschichte. Die sozialen Folgen dürfen natürlich nicht außer Betrachtung bleiben. Besonders wichtig und bewegend fand ich auch die Besonders wichtig und bewegend fand ich auch die Beiträge unseres lokalen Begleiters “Franz”, der ganz persönlich und offen aus seinem Leben in China erzählt hat: Partnersuche, Heirat, Kind, Wohnung, Familie und Zusammenleben. Ich habe erfahren: die sozialen Kontakte bilden für die Chinesen den Mittelpunkt des Lebens. Es gibt nur 1 Schriftzeichen für die Begriffe “1 Mensch” und “einsam”.
Diese Kurzdarstellung einiger Themen ist natürlich plakativ und birgt erheblichen Diskussionsbedarf. Das ist in diesem Rahmen auch nicht anders möglich. Aber eins ist für mich klar: Die Reise ist hochgradig ansteckend, ich bin infiziert. Im übrigen ist hier natürlich nur meine eigene Sicht der Dinge geäußert. Ich freue mich auf die nächsten Tage und Wochen.

~Anette und Gerhard Lösl, ZEIT-Reisende

Modell Shanghai

 

Platz im Bus

 

Retortenstadt
Tag 3: 6.7.2019

Shanghai

Zum ersten Mal aufgewacht auf der großen Reise! Als Frühaufsteher unterstützt durch ein bisschen Aufregung und die Zeitverschiebung
sind wir vor dem Frühstück los zu einem ersten Spaziergang in Richtung Wasser. Nach vielen Begegnungen mit den Frühsportlern auf einer markierten zweispurigen Strecke für Radfahrer und Jogger sind wir am Ufer entlang mit wunderbaren Blicken auf die Altstadt Puxi und die Neustadt Pudong.

Das erste Highlight war der Überblick aus 550 Metern Höhe vom Shanghai Tower (632m) mit Wetterglück. Der schnellste Aufzug der Welt bringt uns nach oben. Man ahnt nur die Größe der Stadt mit einer Fläche von 100 mal 120 km und über 20 Millionen Einwohnern.

Beim Besuch einer Seidenfabrik erfahren wir alles über Seidenraupen und die Seidenverarbeitung, anschließend die erste Einkaufstour.

Die bekannte Uferpromenade Shanghais der Bund fasziniert uns vor allem wegen der vielen Menschen und den Palästen aus dem frühen 20.Jahrhundert im Kontrast zum modernen Wolkenkratzer-Shanghai am gegenüberliegenden Ufer. Im Yu Garten erleben wir zum ersten Mal, was in China an einem touristischen Schwerpunkt los ist: Menschenmengen und dazwischen die Foto-Objekte.

Die gibt’s aber auch im Internet. Wir erfahren, dass die Schwellen und Zickzack-Wege die bösen Geister abhalten und der Goldfisch ein Symbol für Reichtum ist. Nach der anschließenden Symbol für Reichtum ist. Nach der anschließenden Teezeremonie und dann dem Abendessen am in China üblichen runden Achtertisch bekommen wir noch Shanghai bei Nacht geboten: Ein Lichtspektakel auf den Wolkenkratzern Pudongs, einfach nur zum Staunen. Wie könnte man unsere Gefühlslage nach diesem ersten Tag beschreiben?

Wir sind mit schierer Größe konfrontiert: Menschenmengen wie im Ameisenhaufen, sie bewegen sich in einer Ordnung, die sich einem von außen kommenden Beobachter nicht wirklich erschließt. Und die Stadt passt dazu: extrem in die Höhe gebaut aber auch in gigantischer Fläche.

Essen in einer phantastischen Vielfalt, alles sehr schmackhaft und zudem leicht und bekömmlich. Fazit: China erscheint uns wie ein Mosaik, dessen erste Steinchen gesetzt sind. Das Bild wird vermutlich noch einige Zeit nicht deutlich erkennbar sein. Dazu kommt, dass wir auf unsere “westlichen” Fragen nicht wirklich Antworten bekommen. Also ist es besser, um ein Zitat von Rainer zu gebrauchen, die Reise anzutreten wie ein weißes Blatt Papier.

~Anette und Gerhard Lösl, ZEIT-Reisende

Tag 1 und 2: 4. & 5.7.2019

Anreise und Ankunft in Shanghai

Zunächst einmal: ganz liebe Grüße an diejenigen, die uns nahe stehen, oder einfach interessiert sind und vom anderen Ende der Welt unsere Reise im Blog verfolgen. Ein besonders großes Dankeschön an das Team von ZEIT REISEN, welches unsere Reise so weitsichtig und fürsorglich organisiert und begleitet.

Der Start beginnt für die meisten von uns am 4.7. an unterschiedlichen Flughäfen, mit der ersten Etappe in Dubai.
Der vorherige Abschied für mich in Hamburg läuft unter dem Motto “Ich bin dann auch mal weg!”. Ich bin Einzelreisende, eine völlig neue Erfahrung für mich – und dann gleich für 2 Monate. Aufregend!

Was ist mir wichtig, was sind meine persönlichen Erwartungen an diese lange, ungewöhnliche und exotische Reise?
• mein Ich soll nicht zu kurz kommen
• das Wir, die Gruppe soll ein Gesicht bekommen und laufen lernen
• das Thema der Reise, das eigentliche Ziel für uns alle
ICH – GRUPPE – THEMA: diese 3 Teile sollen für mich in Balance stehen. Eingebettet in Rahmenbedingungen, die eventuell nicht immer einfach sind. Das sind meine Vorstellungen – praktisch und gut : )

Nach der Ankunft in Shanghai treffe ich schnell auf TeilnehmerInnen der Reisegruppe und wir werden mit dem Bus ins Grand Hotel Kempinski in Pudong gefahren.
Herr Chen Jun – wir dürfen ihn Franz nennen – empfängt uns herzlich und gibt uns schon die ersten Infos zum weiteren Ablauf. Er ist Chinese und hat in China Germanistik studiert. Wie es dazu kam erfahren wir Tage später, sehr interessant. Soviel schon mal vorweg: alles was wir von und durch unsere Reiseleiter erfahren ist sehr interessant, spannend und bereichernd.

Im Hotel findet sich dann erstmals die ganze Gruppe zusammen.
Zu den weiteren Rahmenbedingungen werden wir von Franz sehr weitsichtig und umfassend informiert.
Anschließend werden die Zimmer bezogen – der Ausblick ist gigantisch! Als ich vor 23 Jahren das erste Mal in Shanghai war, erschien Pudong noch unerreichbar und außer dem Oriental Pearl Tower gab es nur ein paar Hochhäuser. Jetzt ist es eingebettet in Hotels, Business-Gebäude und den Shanghai-Tower. Der Shanghai Tower ist aktuell das zweithöchste Gebäude der Welt und wir werden morgen seine Aussichtsplattform besuchen.


Zum typisch chinesischen Dinner (sehr kulinarisch) werden wir von Herrn Liu Guosheng, dem Geschäftsführer von China Tours, empfangen. Ebenso stellt sich Herr Felix Lee vor – Journalist, Autor und China-Korrespondent der TAZ. Er wird uns bis Qundao begleiten.

Das Essen, natürlich mit Stäbchen, sorgt für Erheiterung und Gemummel an den großen runden Tischen.
Im Anschluss stellen sich die Mitglieder der Reisegruppe vor. Interessante Beweggründe führten jeden Einzelnen von uns auf diese ungewöhnliche Tour. Durch die informative Vorstellungsrunde ergeben sich sofort Anknüpfungspunkte für Gespräche und wir finden uns immer mehr als Gruppe, bestehend aus 26 einzigartige ICHS.
SPANNEND und für uns alle sicher eine große Herausforderung, die ich mit Engagement und Neugier meistern möchte.

~Marlies Maaßen, ZEIT-Reisende

WIR STELLEN VOR

Ihre Reisebegleitung

Auf der Kultuexpedition begleiten Sie fachkundige Reiseleiter und ZEIT-Köpfe, die Ihnen Wissenwertes über die Destinationen berichten und neue Perspektiven eröffnen.

Rainer Schelp

Rainer Schelp

Rainer Schelp hat Sinologie, Ethnologie und Vorgeschichte in Deutschland und China studiert. Er begleitet unsere ZEIT-Reisenden auf der gesamten Reise und hat im letzten Jahr bereits mit seinem Wissen und seinem Witz begeistert.

»Seit meinem 17. Lebensjahr, damals noch »per Daumen«, treibt mich die Neugier um die Welt – und die spielt sich für mich östlich Deutschlands ab. China ist längst meine zweite Heimat und das ist sicher nicht nur akademisch begründet. Kaum ein Land hat so mit Klischees und Vorurteilen zu kämpfen – und beinahe nirgendwo sind diese vergleichbar falsch.«

Wolfgang Pohl

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Wolfgang Pohl hat Geografie, Botanik, Kartografie sowie Ur- und Frühgeschichte in Bochum studiert. Seit über 30 Jahren bereist er mit Gruppen alle fünf Kontinente. Er begleitet unsere ZEIT-Reisenden auf der gesamten Reise von Hamburg nach Shanghai.

»Der Weg ist das Ziel. Reisen heißt für mich sich mit allen Sinnen dem Neuen zu öffnen.«

Alexander Sambuk

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Alexander Sambuk ist russischer Journalist, Redakteur, Publizist und Fernsehmoderator. Der gebürtige Weißrusse schreibt auch für die ZEIT und spricht ausgezeichnet Deutsch. Er begleitet die Tour von Berlin bis Orjol (Russland).

»Reisen bedeutet für mich eine Auseinandersetzung mit Grenzen, sowie mit realen als auch eingebildeten, sei es zwischen Ländern, Kulturen oder Menschen, um am Ende immer wieder zu erfahren, wie begrenzt meine Welt doch war... vor dem Antritt der letzten Reise.«

Johannes Voswinkel

Johannes_Voswinkel

»Reisen bedeutet für mich mehr zu erfahren über die Welt – und mich selbst. Die Neugier nicht zu verlieren, manch Fremdes anzunehmen und manch Bekanntes mehr zu schätzen.«
Johannes Voswinkel

An der Universität hat er zwei Studienfächer belegt, die ihn automatisch in fremde Länder zogen – Romanistik und Slawistik. Und auch in den Semesterferien zog es ihn als Barmann in die Bretagne oder als Reiseleiter nach Leningrad. Nach dem Examen und der Ausbildung an der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule ging er 1998 als Korrespondent des STERNs nach Moskau. Von 2002 bis 2015 berichtete er für die ZEIT aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Seit Anfang 2016 leitet er die Niederlassung der Heinrich-Böll-Stiftung in Moskau.

Falk Bomsdorf

»Reisen bedeutet für mich: reich werden.«

Falk Bomsdorf hat sich sein Leben lang mit Russland beschäftigt, ob an der Universität, wo er neben Rechtswissenschaften auch Slawistik und osteuropäische Geschichte studierte, oder im Auswärtigen Amt und insbesondere an der Stiftung Wissenschaft und Politik. Am intensivsten erfuhr er Russland, als er 1993 nach Moskau ging, um dort das Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung aufzubauen, das er dann bis 2009 geleitet hat. Seit seiner Rückkehr beteiligt er sich mit Publikationen und Vorträgen an der lebhaften und teils heftigen Diskussion, welche die Gesellschaft in Deutschland mit Blick auf Russland erfasst hat.

Felix Lee

Felix Lee kennt China seit seiner frühen Kindheit. Geboren in Deutschland hat er mit drei Jahren das erste Mal seine Verwandten in der Volksrepublik besucht. Damals war das Land noch arm, die Menschen hatten kaum genug zu essen und viele standen noch unter dem Eindruck der kulturrevolutionären Wirren, die für viel Leid gesorgt haben.

Seitdem hat er China fast jedes Jahr besucht, zwischendurch auch immer wieder für einige Jahre dort gelebt. Mittlerweile ist er China-Korrespondent der taz und schreibt aus Peking regelmäßig für ZEIT ONLINE und eine Reihe anderer deutschsprachiger Medien.

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