Tage 29 – 34 | 5. – 10.2.2019

Inseln im indischen Ozean – Colombo, Phuket und Penang

Wie beginnt man einen Blogbeitrag, wenn man mit den Füßen im Sand bei 30 Grad im Schatten und bei einer leichten Brise an einem Traumstrand auf Penang sitzt, an den einen ein Speedboot vor wenigen Stunden abgesetzt hat. Wo nichts mehr an die Hektik, den Lärm, die überfüllten Strände noch gestern auf Phuket erinnert? Wenn aus der Lautsprecherbox der windschiefen, aus einigen Brettern zusammengezimmerten Strandbar »A whiter Shade of Pale« von Procul Harum herüberklingt und nur drei Meter entfernt die Wellen im türkisen Meer brechen? Und wenn einem dann auch noch Sandy aus Sydney eine frisch geköpfte und eisgekühlte King Coconut auf den Tisch stellt? Dann sollte man eigentlich jetzt das Notebook zuklappen.

Penang: Traumstrand Monkey Beach

Doch der Blick des Chronisten geht zurück: Seetage, endlich wieder Seetage … auf der Queen Mary, die uns inzwischen bis in den Indischen Ozean und vor die Küsten Malaysias getragen hat. Und dazwischen der Besuch von drei tropischen Inseln, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zwei Vormittage an Bord mit Uwe Heuser im Royal Court Theatre. Globalisierung, Digitialisierung, künstliche Intelligenz – ein Ritt des ZEIT-Wirtschaftschefs durch die Themen die uns auf dieser Reise alle bewegen. Antworten auf die Fragen des Auditoriums, Gedanken fliegen hin und her – ein wahrhaft inspirierendes und kreatives Miteinander zwischen 160 ZEIT-Genossen. Nahrung für den Geist: »Die ZEIT an Bord ist wie die ZEIT, nur mit anderen Mitteln«, sagt einer. Dann wieder raus an Deck, ein paar Runden auf Deck 7 oder ab in den Deckchair. Oder zum Tanzkurs, oder einen der Vorträge über die nächsten Häfen. Eigentlich ist aber schon wieder Zeit für ein paar Sushi im King Court oder ein paar Köstlichkeiten in der Corinthia Lounge. Und was ist das eigentlich für ein Wetter? Einmal soll es nach der Abfahrt aus Goa nachts kurz geregnet haben. Seitdem ist wieder alles Blau. Immer. Das Meer und der Himmel auch. Unglaublich. Schön. Was für ein Leben!

Spannender Diskurs: Vortrag von ZEIT-Wirtschaftschef Uwe Heuser
ZEIT-Leserforum an Bord

Zeit für die erste Insel: Frühmorgens hat unsere Queen im Industriehafen von Colombo angelegt. Nicht schön, aber ganz nah der Stadtmitte von Sri Lankas Hauptstadt. Wie eine Perle hängt die Gewürzinsel unter der Südspitze Indiens, oder wie eine Träne. Es gibt viel zu entdecken auf dieser Insel, die so viele Vorzüge Asiens vereint: eine großartige, Jahrtausende alte Hochkultur mit drei prächtigen, alten Königsstädten. Eine herrliche, immergrüne Berglandschaft (in die sich der Chronist seit einem Vierteljahrhundert alle drei Jahre zurückzieht um die Wohltaten der alten Heilslehre Ayurveda zu genießen. Traumhafte von Kokospalmen gesäumte Sandstrände, eine großartige Küche und freundliche, hilfsbereite Menschen. Was soll man anschauen, wenn nur ein Tag Zeit ist? So starten die Ausflüge nach Kandy, zu den Teeplantagen, zum Kochkurs oder zur Orientierungsfahrt durch Colombo und Umgebung.

Buddhistischer Tempel in Colombo
Colombo: Buddhas überall

Wir entscheiden uns nach dem Besuch des jeweils bedeutendsten hinduistischen und buddhistischen Tempels für einen Ausflug Richtung Süden und statten dem altehrwürdigen Hotel Mount Lawinia vor den Toren Colombos einen Besuch ab. Das mehr als 200 Jahre alte Hotel aus der Hochzeit der englischen Kolonialisten thront auch mehr als fünfzehn Jahre seit meiner letzten Visite würdevoll über der kleinen Landzunge am Meer. Ein ceyolonesisches Hochzeitspaar posiert vor dem Fotografen ihres Ehrentags, mehr als 200 Gäste erwarten die beiden hier am Abend. Wir nehmen zunächst ein ausgiebiges Bad in der schäumenden Brandung des bis zum Horizont reichenden Strandes, wo sich außer uns nur eine Handvoll weiterer Gäste verlustieren und noch weniger in die Fluten wagen. Erfrischt von den rauschenden Wellenbad (bei 26 Grad Wassertemperatur) stärken wir uns am opulenten Mittagsbuffet mit ceylonesischen und indischen Currys – eine wahre Geschmacksexplosion exotischer Genüsse. Den sonst üblichen Sundowner der Seetage am Heck der Queen Mary haben wir heute an Land verlegt – ins Hotel Galle Face, der zweiten kolonialen Hotellegende Colombos am Indischen Ozean. Hendriks Tonic mit Sea Breeze …fast 50 ZEIT-Reisenden stoßen miteinander an. Und sind sich einig: Sri Lanka für einen Tage ist eindeutig und viel zu kurz!

Sri Lanka: Hotel Mount Lavinia

Insel Nummer zwei, Phuket! Love me tender: Heute legen wir vor dem Landgang erstmals nicht in einem Hafen an. Wir ankern in der Bucht vor Phukets berühmtesten (und berüchtigsten) Strand Patong Beach. Heute wird getendert, mit kleinen Barkassen, die sonst als Rettungsboote an der Bordwand hängen. Nach fünf Minuten Fahrt werden wir am Anleger abgesetzt. Unser Ziel: Schnell weg von hier, weg vom Mallorca Thailands, vom Ballermann der Tropen. Wo liegt der schönste Strand? Karon Beach und Kata Beach sind es noch nicht, auch hier hat der globale Pauschaltourismus ganze Arbeit geleistet. Weiter mit dem Taxi nach Süden. Nach einer Dreiviertelstunde sind wir am Ziel: Am Nui Harn Beach erwarten uns klares, ruhiges, blaues Meer, weißer Sand und gemütliche Liegen mit Sonnenschirm. Zeit zum Schwimmen, Zeit zum Lesen, Frühlingsrollen und grünes Hühnercurry im Schatten eines Strandrestaurants. Noch ein letzter Sprung ins 26 Grad warme Meer, denn um sechs Uhr werden wir zum sail away zurück auf dem Schiff erwartet. Am Patong Beach beginnt ab fünf Uhr Nachmittgs das Defilée graziler, bunt geschminkter Schönheiten, füllen sich Dutzende von Bars mit Strandrückkehrern und vor allem Männern mittleren Alters. Zeit für die allabendlichen Geschäftsanbahnungen von Geld gegen Liebe, so wie seit einigen Jahrzehnten, als Phuket zu einem Zentrum des globalen Sextourismus geworden ist. Time to say goodbye und Zeit für den traditionellen Sundowner an der Terrace Bar auf Deck 8! Im Licht der untergehenden Sonne nimmt die Queen Mary Fahrt auf und Patong Beach ist bald nur noch ein Strich am Horizont.

Phuket: Ausbooten am Patong Beach
Phuket: Nui Harn Beach
Sundowner auf Deck 8

Schon am nächsten Tag wartet die Nummer drei unserer Insel- und Staatentrilogie der vergangenen drei Tage: Nach Sri Lanka und Thailand landen wir am 34. Reisetag in Malaysaia auf Insel Nummer drei: Penang! Und auch heute wird wieder ausgebootet, da uns leider die TUI mit ihrem »Mein Schiff 3« die Anlandung am Pier streitig gemacht hat. Leider entscheidet hier nicht die Schönheit des Schiffes, sondern die Zahl der Anlandungen im Jahr: einmal in der Woche, 52 mal im Jahr sind das schlagende Argument. Aber heute geht es ruckzuck und schon sind wir am Fort Convallis ausgestiegen, wo die englischen Kolonialisten vor bald 250 Jahren ihre Handelsniederlassung errichteten, am Beginn der Straße von Malakko, die Sumatra von der malaiischen Halbinsel trennt und die schon damals zum Beginn der globalisierten Weltwirtschaft von überragender strategischer Bedeutung war. Das Erbe der Kolonialzeit mit seinen zahlreichen weißgestrichenen Gebäuden ist in der Inselhauptstadt Georgetown, in der wir unseren Inselstreifzug beginnen, noch viel präsenter als anderenorts in Südostasien.

Penang: Chinesisches Clanhouse in Georgetown
Penang: Tradition und Moderne

Aber heute ist noch chinesisches Neujahrsfest und deshalb geht es schnellstmöglichst ins Chinesenviertel. Überall in der Stadt, hier aber ganz besonders sind Straßen, Tempel und Gebäude mit gelbroten Lampions geschmückt, sind überall Orangenbäume aufgestellt. Im Khoo Kongsi duftet es aus dem Tempel nach Weihrauch und anderen exotischen Gerüchen glühender Räucherkerzen. In diesem Jahr wird das Neujahrsfest ab 5. Februar zweieinhalb Wochen lang gefeiert. Es beginnt das Jahr des Schweins, das vielen Chinesen besondere Prosperität verspricht. Der Kong Kongsi ist einer von mehreren Kongs, in sich geschlossene Clanviertel im chinesischen Teil der Stadt, Wohnungen, Tempel und Versammlungsplatz inklusive. Dieser ist besonders filigran gestaltet und deshalb auch ein Weltkulturerbe. Heute sind sind Clanmitglieder aus aller Welt angereist zum großen Familientreffen und zum Gedenken an ihre Ahnen.

Farbenprächtiger Tempelschmuck zum Chinesischen Neujahr

Nun liegen aber noch die beiden buddhistischen Tempel in dieser wahrhaft multikulturellen und multiethnischen Stadt mit dem englischen Namen auf unseren Weg, bevor uns Ali, unser Fahrer für den heutigen Tag, entlang der Küstenstraße zum zwanzig Kilometer entfernten Eingang des Nationalparks bringt. Ab hier geht es nur zu Fuß weiter – oder mit dem Longboat. Denn wir möchten an den Monkey Beach, den uns Ali als einen der schönsten Strände Penangs ans Herz gelegt hat und der unsere Beachtrilogie abschließen soll. In zehn Minuten bringt uns das Speedboot rund um die nächste Landzunge und dann liegt er der Monkey Beach vor uns. Ein Bild wie im Film »The Beach« mit Leonardo de Caprio« öffnet sich vor unseren Augen: weißer Sand, gesäumt von Kokospalmen, ein paar Boote schaukeln auf dem Wasser und hinterm Stand erhebt sich ein immergrüner Tropenwald bis zum blauen Himmel…

Nun wird das McBook zugeklappt und es geht ab in die Fluten!

~ Bernd Loppow, Reisebegleiter, Gründer und
Programmleiter von ZEIT REISEN

Tage 25 – 28 | 1. – 4.2.2019

Mannomann, der Oman!

„Oha, Doha!“, dachten wir schon, aber der Oman hat es noch einmal getoppt. Genauer: Muskat, noch genauer: der Teil von Muskat, den wir auf unserer Halbtagestour „Muskat Introduction“ gesehen haben. Wir zitieren aber gerne den folgenden Spruch, wenn wir gerade unser Leben genießen: „Wenn wir lange suchen, finden wir jemanden, dem es noch schlechter geht als uns.“ Achtung, Ironie! Da aber „gut“ und „schlecht“ relative Begriffe sind, machen wir uns hier auf die Suche nach einer Skala bzw. werden kurz darauf fündig: Indien. Genauer: Goa, noch genauer: der Teil von Goa, den wir auf unserer Halbtagestour „Sights of Goa“ gesehen haben (Duplizierung beabsichtigt). Denn das Weltbild der QM2-Reisenden wird aufgrund der Kurzaufenthalten durch Schlaglichtaufnahmen bestimmt, sieht man von den oft profunden Vorkenntnissen mancher Teilnehmer mal ab. Kühne Behauptung: Man versteht Muskat erst richtig, wenn man Goa als Kontrapunkt hat.
Da kommt einer meiner Lieblingssprüche ins Spiel (nicht nur wegen seiner Kürze), der Satz des Physikers und Nobelpreisträgers Philip W. Anderson: „Mehr ist anders“. Das heißt: Quantität schafft Qualität. Und mehr Geld ist etwas anderes als weniger Geld, das sieht man schon auf diesem Schiff. In Muskat springt es einem ins Auge.

Muskat: Am Strand

Der Oman hat 4,4 Mio. Einwohner, die Hälfte unter 29 Jahre und die Hälfte Ausländer, sogenannte Expatriots. Omanis tragen die traditionelle Tracht und dürfen Amtsgebäude nur mit ihr betreten. Seit über 40 Jahren regiert Sultan Qaboos. Er schenkt jedem Einwohner 600 Quadratmeter Land, wenn er/sie 23 Jahre alt geworden ist. Oman lebt vom Öl mit einem Bruttoinlandsprodukt von ca. 46.000 US$ pro Kopf.

Loppow, Thumann, Heuser. Das ZEIT-Team in Dubai

Die QM2 bringt 10 Busse à 40 Personen in das Städtchen – das allerdings extrem gepflegt und geradezu pompös (Regierungssitz!) aussieht. Straßenfeger überall, sogar entlang der manikürten Autostraßen der in die in felsige Hügel eingebetteten Stadt. „Littering“ kostet 100 $ Strafe. Die meisten Bauten glänzen in (vom Ministery of Housing) festgelegtem Stil, vorgegebener Farbe und sind sechsstöckig (gesetzliche Obergrenze 12 Stockwerke). KFC, HSBC, DHL und Porsche sind schon da. Der Reihe nach: das gigantische Opernhaus (1100 Plätze) und die riesige Sultan-Qaboos-Moschee. Dumm nur: Freitag ist Feiertag und die architektonisch herausragende Moschee ist für Touristen geschlossen. Das fünfmalige tägliche Gebet wird am Freitag durch (vom Ministery of Faith einheitlich vorgegebene) Predigten des Imam ergänzt. Sie fasst 20.000 Menschen, der aus einem Stück bestehende Teppich wiegt 24 Tonnen und wurde von 600 Frauen gewebt. Es folgt das Bait-Al-Zubair-Museum mit sehr schönen Exponaten aus der Geschichte: Waffen, Kleider, Briefmarken, Koranbücher, Schmuck. Belege des Reichtums überall. Dann der vor allem touristisch geprägte Muttrah Souk, wo sich die CUNARD-Gruppen durch die Gänge schieben. Natürlich habe ich mir einen Dishdashah (vulgo Kaftan) gekauft (Baumwolle + Seide 15 $), aber aus ästhetischen Gründen auf die Kummah (die typische Kopfbedeckung) verzichtet.

Wir treffen die Massen am riesigen Regierungspalast wieder, vor dem Leute Leute fotografieren, die Leute fotografieren oder Selfies machen.
„Eine Seefahrt, die ist lustig …“, singt man. Ein Seetag kann es auch sein. Besonders, wenn nach der geistigen Anstrengung das „Bergfest“ der ZEIT-Reisenden folgt, unter dem Motto „all in white“. Der Chronist in weißer Dishdashah. Die Gemahlin trug die (weißen) ZEIT-Buttons als Ohrringe (magnetisch durch die Ohrläppchen befestigt). Dazu die weiße Sonnenbrille – die Leute hatten ihren Spaß. Wir haben den Wendekreis des Krebses überquert, wo die Sonne genau im Osten auf- und im Westen untergeht. Wir fahren über ein Gebirge, die Wassertiefe schwankt zwischen 200 und 3000m. Mehr ist nicht passiert. Faulenzen.

Bergfest all in white
Bergfest: ZEIT-Team in landestypischer Kleidung
Bergfest: ZEIT-Team in landestypischer Kleidung

Am zweiten Seetag ein volles und gedrängtes Programm: Passkontrolle für Indien, Vortrag Dr. Heuser „Globalisierung“, Vortrag „Gezeitenkraftwerke“ (engl.), ZEIT-Treff Deck 8 und abends wieder „Gala“.

ZEIT-Wirtschaftschef Uwe-Jean Heuser beim Vortrag

„Plop! Klack! Klack! Blup! … Plop! Klack! Klack! Blup!“ – man hört die rhythmischen Stempelgeräusche schon am Ende der endlosen (contradictio in adjecto) Schlange: 2691 Passagiere müssen durch die Einwanderungsabfertigung, die in Indien die Schlimmste der ganzen Reise sein soll.
Uwe Heusers Vortrag wieder faszinierend, bottom line: Globalisierung steigert den durchschnittlichen Wohlstand, der aber ungleich verteilt ist. Zwecks Akzeptanz muss er bei vielen ankommen, damit sie sich nicht „abgehängt“ fühlen (Trump-Wähler, AfD, Migrationsströme).
Abends auf Deck 8 heiße Diskussionen, Delphine und Sonnenuntergang, daher haben wir die Gala mit Surf & Turf leider versäumt. Stattdessen Dinner in der „Kantine“ und Spaziergang auf der „Rennbahn“ auf Deck 7 (26°C), wo wir durch die Fenster in den Speiseraum der 1. Klasse schauen konnten. Wenn man am Galaabend nur „formell“ herumläuft, kommt man sich vor wie ein „slum dog“ unter den eleganten weißen und schwarzen Jacketts, den Smoking-Hemden, den schimmernden Samtjacken, den bunten Fliegen und Einstecktüchern, den gepflegten Trachten (Schottenrock, Operettenuniformen) – von den Damen ganz zu schweigen!

Sundowner an Bord

Zwei Tage später das andere Extrem. In Mormugao, dem Anlaufpunkt für Goa, empfängt uns ein verdreckter Industriehafen. Warum Cunard hier nicht Mumbai oder Cochin ansteuert, bleibt uns allen ein Rätsel! Allein die Stadt Goa hat schon 1,6 Mio. Einwohner, Indien irgendwo um die 1350 Millionen. More is different… Eine Stunde Fahrt durch ärmliche Gegenden, vorbei an zerfallenen Häusern. Und Müll überall, wirklich überall.

Goa
Am Strand in Goa

Hornissenschwärme von Zweirädern. Ärmliche Verkaufsstände und Buden am Straßenrand, die durch die verschmutzten Busscheiben milchig erscheinen. Road bumps im Zwölferpack ruinieren zuverlässig jeden Stoßdämpfer, wie uns unser Bus beweist. Goa lebt vom Tourismus, der Magnesium-Gewinnung und vom Fischfang (wenn die asiatischen Trawler noch etwas übrig lassen). Das alte Goa, wie uns die Schiffszeitung verrät, ist berühmt für seine Kathedralen, Kirchen und portugiesischen Kolonialhäusern (von denen einige liebevoll restauriert sind und andere verfallen). Ein Kellner verdient im Monat etwa 100 $ – so viel, wie fortschrittliche QM2-Gäste an einem Tag zusätzlich ausgeben. Warren Buffet gestand ja freimütig (nachzulesen in der NYT vom Nov. 2006): „Wir führen einen Klassenkrieg ‘Reich gegen Arm’. Und wir werden gewinnen.“

Sonnenuntergang in Goa

Nun ist es wohlfeil, Indien-Bashing zu betreiben, wenn man nicht mehr gesehen hat. Der Oman bekommt seinen Reichtum geschenkt. Indien wurde erst von den Briten kolonialisiert (nicht ohne Eigennutz) und muss jetzt selbst auf die Beine kommen. Das bisschen Geld außer den Hafengebühren, das wir hier lassen, fließt an ein paar Händler und an das Hotel „Planet Hollywood“, wo wir die im Tourpreis enthaltenen Refreshments in weißen Zelten am Riesenstrand angeboten bekommen. Mehr ist eben anders …

~ Jürgen Beetz, ZEIT-Reisender

Tag 22 | 29.1.2019

Dubai – Stadt der Wolkenkratzer

Der Himmel ist bedeckt, die Luft ein wenig diesig, 25 Grad Lufttemperatur. Wir beginnen unsere Tour mit dem Titel: »Burj Khalifa und Stadtbesichtigung«. Das höchste und spektakuläre Gebäude wollte ich von außen und innen, die Stadt aus 452 Metern Höhe sehen. Der lautlose Fahrstuhl brachte uns fast schwebend in die 124.Etage, es drückte leicht in den Ohren. Oben angekommen staunen wir, wie eng die Wolkenkratzer beieinander stehen, Ihre Anzahl und auch die Zahl der Baustellen, an denen die Stadt weiter in den Himmel wächst, kaum zu zählen. Sie sind mit unterschiedlichen Oberflächen gestaltet und weitgehend mit Glas verkleidet. Die blauen Wasserflächen der Marina erscheinen uns als einzige Farbflächen in der wüstenfarbenen Stadt. Ein imposantes Straßenkreuz fünfspuriger Trassen scheint über der parallel zur Küste verlaufenden Jumeira-Avenue fast zu schweben.


Wieder am Erdboden angekommen packte uns 3 Mädels die Neugier auf Weiteres und Luise handelte mit einem pakistanischen Taxifahrer einen guten Preis für die Fahrt zum Burj al Arab aus, jenem Sechs-Sterne Hotel auf einer künstlichen Insel am Jumeria Beach, dessen Pforten sich Normalsterblichen nur zu einem sehr großen Obulus öffnet. Nicht aber für Luise und für uns: Beim Portier erhandelte sie wortgewandt den Einlass in die erste Etage zum »Schnäppchenpreis von 75$ – pro Person. Livrierte öffneten uns die Türen zum Allerheiligsten. Welch dezente Pracht in luxuriöser, ausladender Atmosphäre. Dennoch benahmen wir uns wie Touristen und fotografierten die »Cascade« mit weichen Wasserbögen und Edelsteinbecken, die golden verkleideten Stützen des Gebäudes, auf beiden Seiten die Balkone der Hotelzimmer und die enorme Höhe zulaufend zur Spitze des Hotels. Die zurückhaltenden Farben erstaunten uns in der sonst stark glänzenden Farbwelt der Araber.


Im Restaurant hielten wir die angebotenen Speisen mit dem Fotoapparat fest, der sehr freundliche Ober stellte sogar die Cloches auf die Speisen. Die junge Dame am Entrée bot uns einen kleinen Hibiscuscocktail an und machte ein Dokumentarfoto mit meiner Kamera.


Noch schnell die Portale der Boutiquen Bulgari, Chopard und Rolex fotografiert, dann nahmen wir Platz in weichen Sesseln neben einer Orgie von Orchideen in zarten Farben. Luise wies darauf hin, dass dies kein Blumenladen sei.
Nun wurde der Ausflug mit einem Glas edlem Champagner gekrönt, der im Budget unserer Reservierungskarte enthalten war. Am Ausgang war Luise dann wieder in ihrem Element und verhandelte mit einem Taxifahrer einen fairen Preis für die Rückfahrt über die Palmeninsel »The Palm« bis zum Liegeplatz unserer Queen Mary 2.


Die Fahrt zur Queen Mary ist lang, und jetzt in der Rushhour etwas gemächlier als geplant. Aber wir haben reichlich Zeit und genießen noch einmal die großzügigen Straßen, den gleichmäßig dahingleitenden Verkehr. Der pakistanische Fahrer bekommt 50$ und unsere nicht ausgegebenen Dirham als Trinkgeld. Er strahlt und winkt zum Abschied.

~ Almut Bree, ZEIT-Reisende

Tage 14 – 21 | 21. – 28.1.2019

Eine Woche auf dem Wasser

Mit Michael Thumann von Haifa nach Dubai

Zwei Tage in Haifa sind vorüber. Zwei Tage in Israel, angefüllt mit Landausflügen zu geschichtsträchtigen Stätten, nach Jerusalem, nach Bethlehem ans Tote Meer. Oder mit Spaziergängen durch Haifa, Israels größte Hafenstadt und seit 1919 wichtigster Hafen für jüdische Einwanderer aus der der ganzen Welt. Wo im gut erhaltenen, ehemaligen deutschen Viertel die Inschriften der Häuser vom Glaubensbekenntnis der Templer künden und auch von deutscher kolonialer Großmannssucht aus der Kaiserzeit, als Wilhelm der Zweite mit großer Entourage hier seinen Besuch abstattete, Jahrzehnte, bevor der Staat Israel gegründet wurde. Unzweifelhaft allerdings sind die hängenden Gärten und der Schrein der Bahai die Prachtstücke der Stadt. Die goldene Kuppel des Schreins und die grüne und bunte Pracht der Gärten sind schon von See weithin sichtbar. Hier in Haifa liegt das Zentrum jener Religionsgemeinschaft der Bahai, deren acht Millionen Anhänger in ein paar hundert Gemeinden rund um die ganze Welt verteilt sind. Im Mittelpunkt steht der Glaube an einen transzendenten Gott, die mystische Einheit der Religionen und der Glaube an die Einheit der Menschheit in Ihrer Vielfältigkeit. Mögen sich doch mehr Länder, mehr Menschen und mehr Machthaber in dieser Weltregion solch einer humanitären Vision gesellschaftlicher Entwicklung verpflichtet fühlen.

Die Gärten der Banai in Haifa

Am 14. Tag unserer Reise, legt die Queen Mary 2 wieder ab zur längsten Etappe unserer Reise, die uns in acht Seetagen bis nach Dubai führen wird: durch den Suezkanal und das Rote Meer in das Arabische Meer. Mitten durch den Nahen und Mittleren Osten, der mit seiner Geschichte und konfliktbeladenen Gegenwart unsere Gespräche und Diskussionen der kommenden Woche bestimmen wird. Mit dem perfekten Referenten von der ZEIT an unserer Seite: In Haifa hat Michael Thumann den Staffelstab des ZEIT-Experten von Ulrich Ladurner übernommen. Seit seiner Korrespondentenzeit in Istanbul ist diese Region, über die er als Internationaler Korrespondent der ZEIT regelmäßig berichtet, zu einem seiner publizistischen Leitthemen geworden. »Alles hängt mit allem zusammen auf dem Schachbrett dieser Region«, sagt Thumann gleich in seinem ersten Vortrag über »Die Stellung Israels im Bündnisgeflecht des Nahen Ostens«. Und: »Jeder Zug eines Beteiligten hat Auswirkungen auf das gesamte Umfeld.« Perfekt zeigt sich dieses Durcheinander von Einflussphären und Interessen in einem Leserbrief an die Financial Times, mit dem Thumann seine fünfteilige Vorslesungsreihe eröffnet:

A short guide to the Middle East
Sir, Iran backing Assad. Gulf States are against Assad! Assad is against Mulim Brotherhood. Muslim Brotherhood is against General Sisi. But Gulf states are pro-Sisi! Which means they are against Muslim Bortherhood! Iran is pro-Hamas, but Hamas is backing Muslim Brotherhood!
Gulf States are pro-US. But Turkey is with Gulf states against Assad; yet Turkey is pro-Muslim Brotherhood against General Sisi. And General Sisi is being packed by the Gulf states!
Welcome to the Middle East and have a nice day!
From Mr. KN Al-Sabah

Bis zur Ankunft in Dubai am 22. Tag unserer Reise schafft es Michael Thumann mit seinem tiefen Wissen über diese komplizierte Weltgegend bei seinen Zuhörern Zusammenhänge herzustellen, so dass sie noch mehr begreifen, wie komplex die Themen sind und wie schwer es ist, hier Lösungen zu schaffen. Sei es in seinen Vorträgen über »Die Gründung der Türkei nach dem Ende des Osmanischen Reiches« oder dem »Kampf um die Vorherrschaft in Nah- und Mittelost zwischen Saudi Arabien und dem Iran«. Sei es bei »Perspektiven zur Neuordung des Nahen Ostens und der Beendigung des Syrienkriegs«. Immer sind die Reihen im Vortragsaal gefüllt. Immer entspannt sich eine intensive Diskussion zwischen Thumann und den ZEIT-Gästen, die sich beim täglichen Sundowner an der Terrace Bar auf Deck 8 jeden Tag ab 17 Uhr Runde fortsetzt.

Let the music play…

Vor Port Said schließt sich die Queen Mary 2 einem internationalen Schiffskonvoi an, an Bord sorgt eine Abgesandschaft der Royal Navy für zusätzliche Sicherheit, als Vorkehrungsmaßnahmen zur Abwehr möglicher Terroranschläge und später dann Entführungsversuchen von Piraten. Von Port Said gleiten wir zunächst durch den Suezkanal, rechts Ägypten und links Saudi Arabien. Im Roten Meer passieren wir unterm Sternenhimmel die hell erleuchteten Promenaden und Hotellandschaften von Hurghada, bevor sich der Golf von Aden vor uns auftut. Keine Piraten in Sicht und auch praktisch keine Wolken. Die Sonne lacht vom blauen Himmel bei mittlerweile durchgehend frühlingshaften Temperaturen um 23 Grad. Man mag es kaum glauben, aber seit unserer Abfahrt in Hamburg am 8. Januar hat es nicht einen Tropfen geregnet, wie von Zauberhand erreichen Wind, Sturm und Regen unsere Route immer erst, nachdem wir sie passiert haben. Aber so ist das eben bei ZEIT REISEN. Wir achten auch auf solche Details…

Im Suezkanal
Im Konvoi durch den Suezkanal

Längst haben nicht nur die Gäste, die das Schiff schon von der Atlantiküberquerung kennen, die Queen Mary 2 als ihr second home auf Zeit angenommen. Längst haben sich die Tagesabläufe eingeschliffen, für jeden so, wie es ihm gefällt. Ab halb acht trifft man die ersten Walker auf der 550 Meter langen Runde auf Deck 7, ab acht Uhr dürfen auch die Jogger auf den Parcours. Andere sitzen mit einem ersten Pott dampfendem Kaffees in einem Deckchair auf dem Achterdeck und blicken versonnen auf die hellblaue Spur sprudelnder Gischt, die unser Schiff hinter uns herzieht und die sich bis zum Horizont erstreckt. Gefrühstückt wird im Brittannia Restaurant oder mit Selbstbedienung im Kings Court. Manche haben auch die gemütliche Corinthia Lounge für sich entdeckt, wo die Köche immer neue kleine Leckereien in die Anrichte stellen.

Shuffleboard auf dem Oberdeck

Jeder stellt sich sein eigenes Programm zusammen, neben unserem umfassenden ZEIT-Programm bietet auch Cunard den Gästen ein umfassendes Bildungsangebot und ein hochwertiges Unterhaltungprogramm, vom täglichen Tanzkurs Mittags um 12 Uhr, bei dem jeden Tag ein neuer Tanz gelehrt wird, über Wunder des Universums im schwimmenden Planetarium Illuminations bis zur Tea Time im Queens Rooms an jedem Seetag um halb vier Uhr nachmittags. Very British mit High Tea, Scones und Erdbeertörtchen. Überhaupt: Über die Häfte der 2.450 Passagiere sind Engländer, die hier auf dieser Reise ihren ganz persönlichen Exit vom Brexit unternehmen. Der Rest der Passagiere kommt aus aus 34 Nationen, die zweitgrößte Gruppe an Bord sind wir 157 ZEIT-Reisenden, nie zu übersehen an unserem weißen ZEIT-Button, den wir zur Wiedererkennung und viele auch mit etwas Stolz an der Brust tragen.

Weitblick
Vollmond

Für die meisten ZEIT-Reisenden ist es die erste Schiffsreise überhaupt. Viele sagen sie würden »niemals auf eine herkömmmliche Kreuzfahrt gehen«. Aber diese besondere Schiffspassage auf dem letzten richtigen Ocean Liner in Verbindung mit dem »herausragenden und ZEIT-gemäßen Lektorenprogramm«, das hat fast alle schnell überzeugt, sich siebeneinhalb Wochen an Bord der Queen Mary 2 zu begeben: »So erleben wir den Journalismus der ZEIT live an Bord!«

Hinterm Horizont geht’s weiter

Ein vielbeachtetes Novum haben wir auf dieser Reise eingeführt: Die Möglichkeit für die Kunden, selbst zum Reiseprogramm beizutragen. So gibt eine Teilnehmerin ein zweiteiliges Seminar zum Thema »Was verbindet mich mit dieser Reise«. Einer hat den gegenseitigen Austausch von Reisebüchern an jedem Freitag Nachmittag ins Leben gerufen. Ein Schweizer Geologe hält einen vielbeachteten Vortrag über die Grenzen der Rohstoffversorgung einer steigenden Weltbevölkerung.
Es gibt einen Stickkurs zum Thema »Der gedeckte Tisch« und ein Physiotherapeut übt mit einer großen Schar interessierter Kunden an frischer Seeluft das richtige Atmen. Schließlich hält eine Teilnehmerin unserer großen Busreise einen Vortrag über den wunderbaren Weg auf der Route der alten Seidenstraße in 53 Tagen von Hamburg nach Shanghai zu gelangen. Alle diese Angebote werden dankbar und mit großem Zuspruch wahrgenommen. Und sie schweißen unsere besondere Gruppe noch weiter zusammen. Genauso wie die ZEIT-Filmmatinée mit Filmen über die Geschichte der ZEIT, Marion Dönhoff, die Gräfin aus Ostpreussen oder Helmut Schmidt.

Blaue Stunde auf Deck 8

Ungefähr jeden dritten Abend wird es förmlich, dann bittet entweder der Kapitän zum Empfang oder es gibt einen Ball. Dann wird eine entsprechende Abendrobe erwartet, dunkler Anzug oder Smoking für die Herren, Abendkleid für die Damen. Und wer mal gar keine Lust auf Maskeerade hat, kann im Selbstbedienungsrestaurant Kings Court auch smart casual speisen.

Feiner Zwirn: Michael Thumann und Bernd Loppow

Auch nach dem Abendessen nutzen viele Mitreisende die Gelegenheit sich bei einem Cocktail oder Gin Tonic im Commodore Club, beim Live Jazz im Chart Room oder einem Glas Lager im Golden Lions Pub zu treffen. Oder zum Abtanzen zur wunderbaren Musik der karibischen Band Solutions im Queens Room oder der Diskothek G32. So sind dann acht Tage auf See wie im Fluge vergangen, als wir unseren großartigen Referenten Michael Thumann am 21. Januar mit einer Party und einigen Abschiedsdrinks auf dem Dancefloor des Queens Rooms verabschieden.

Glänzender Redner

Morgen früh kommen wir in Dubai an. Auf uns wartet ein Ausflug in die Weltmetropole am Golf, auf Michael der Flieger von Emirates zurück ins kalte Deutschland. Danke Michael und gute Reise!

~ Bernd Loppow
ZEIT-Reisebegleiter, Gründer und
Programmleiter von ZEIT REISEN

Tage 12 - 22 | 19. - 29.1.2019

Persönlicher Rückblick Michael Thumanns

Von Haifa nach Dubai auf dem Schachbrett des Nahen und Mittleren Ostens

Neun Tage waren wir unterwegs, und ich dachte zunächst, dass das sehr lang sei. In Haifa stieg ich dazu, in Dubai schiffte ich aus. Als ich die Queen Mary 2 verließ, wusste ich, neun Tage sind eigentlich viel zu kurz, um alle Länder und Küsten und Meerengen, die wir passierten, ausreichend zu würdigen. Beim Beginn in Haifa lagen wir nur gut 20 Kilometer von der libanesischen Grenze und gut 60 Kilometer von der syrischen Front entfernt. Bei Ausstieg in Dubai ankerten wir auf der arabischen Seite des Golfs, durch die konfliktträchtige Meerenge vom Iran getrennt.

Überhaupt, das Meer. Auf dem Wasser fuhren wir praktisch durch alle Krisen- und Kriegsgebiete des Nahen und Mittleren Osten förmlich hindurch. Gestartet unweit Syriens. Vorbei am Gaza-Streifen. Auf dem Suez-Kanal am unruhigen Sinai entlang. Vorbei an dem ehemaligen Konfliktgebiet Eritrea, vorbei an der grausam umkämpften jemenitischen Hafenstadt Hodeidah. Weiter durch das Bab al-Mandeb, das Tor der Tränen, nach Aden, die zweite Hauptstadt des kriegszerrissenen Jemen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Meers liegt Somalia, das in den vergangenen Jahrzehnten von Konflikten und Terror zerrüttet wurde. Am Schluss passieren wir die Straße von Hormuz, das Nadelöhr des Welt-Ölhandels, das im Konfliktfall mit Irak gesperrt werden könnte.

Für mich war es eine ganz neue Nahost-Erfahrung, diese unruhige Welt auf dem Wasser zu durchmessen. Und eine wunderbare Gelegenheit, über die ganze Region einmal im Zusammenhang nachzudenken. Ich hatte dafür ein wunderbares Publikum von ZEIT-Reisenden, die ihre großen Erfahrungen und ihr tiefes Fachwissen in unsere Diskussionen einbrachten. Für mich waren die Gespräche, die Fragen, das gemeinsame Nachdenken eine unschätzbare Bereicherung und – das ist vielleicht das schönste – auch in der persönlichen Begegnung eine große Freude.

~ Michael Thumann, Internationaler Korrespondent DIE ZEIT

Tag 12 – 13 | 19. – 20.1.2019

Ein Atheist im Bibelland

Um es gleich vorweg zu schicken: Ich glaube einfach keine Geschichten, für die es außer alten Büchern und persönlichen Überzeugungen keine Belege gibt. Deswegen ist die Bibel für mich ein Märchenbuch. Und ich vertrete die Ansicht, dass nicht Gott den Menschen geschaffen hat, sondern der Mensch hat „Gott“ erschaffen. Religion und Spiritualität erfüllen menschliche Grundbedürfnisse im individuellen und sozialen Bereich – und niemand stößt sich an fehlender Evidenz. Hat nicht der Atheist Richard Dawkins gesagt: „Wären wir Rindviecher, wäre Gott ein Ochse“ (männlich, groß und dominant)? Michael Schmidt-Salomon („Deutschlands führender Atheist“) nennt Gott den „virtuellen Silberrücken“. Der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger hält Glauben für „Dogmatismus“, nämlich die These: „Es ist legitim, an einer Überzeugung festzuhalten, einfach weil man sie schon hat.“ Ohne gute Gründe oder Evidenzen und sogar, wenn es überzeugende Gegenargumente gibt. Metzinger nennt deswegen die Vorstellung von Gott eine „Wahnvorstellung“. Zwar ist das Fehlen eines Existenzbeweises kein Beweis für eine Nicht-Existenz, aber nach dem philosophischen Sparsamkeitsprinzip („Ockhams Messer“) ist die Behauptung, es gäbe einen Gott, unzulässig.
Im „Heiligen Land“ werden alle Orte und Ereignisse mit Bedeutung beladen – Fiktionen erschaffen Realität und Traditionen. Abraham, König David, Jesus, seine Jünger (modern: follower), die Jungfrau Maria und „Gott“ selbst bringen unhinterfragte Tatsachen und merkwürdige Regeln hervor. In einer Kirche müssen die Männer den Kopf bedecken, in der anderen die Mütze abnehmen. Das alles fördert eine irritierende Gewichtsverschiebung: Die aktuellen Probleme des Kapitalismus, der politisch-wirtschaftlichen Interessengruppen, der sozialen Ungleichheit und des Klimawandels treten zurück gegenüber der Frage, wer welchen heiligen Ort besetzt oder geschändet hat. „Hier hat Struwwelpeter seine Fingernägel geschnitten“, „Hier hat Hänsel seinen kleinen Finger der Hexe gezeigt“ – Sätze aus Märchen bekommen einen Bedeutungsrucksack umgeschnallt und machen relativ banale Bauten zu Heiligtümern.

Aber beginnen wir mit den zwei Ausflügen, einen in die Natur, einen in die Kultur. Zuerst geht es ans Tote Meer. Die Ausführungen der Reiseleiter auf den Ausflügen in Israel sind informativ und so detailliert, dass ich hier nur einen winzigen Ausschnitt bringen kann – immer bedroht von den Fettnäpfchen der Unkenntnis. Es gibt drei Zonen auf der Westbank im Landesinneren: Zone A in völliger Verantwortung der Palästinenser, B in Verantwortung der Palästinenser (aber Israel ist für Sicherheit zuständig) und C in ausschließlicher Verantwortung Israels. Die Palästinenser-Gebiete sind von elektronisch gesicherten Zäunen und Mauern umgeben, durch die die Zahl der Attacken durch Selbstmordattentäter drastisch reduziert wurde. Im Jahr 1991 erhöhte sich die Zahl der damals 5 (heute 9) Mio. Israelis durch eine „Masseneinwanderung“ aus dem zusammengebrochenen Ostblock um 1 Million. Bildung wird groß geschrieben, Chancengleichheit durch verpflichtenden Militärdienst von Männern und Frauen gefördert.
Der Küstenstreifen ist eine bewässerte Kulturlandschaft, dahinter der Negev (hebr. „trocken“), eine steinige Wüste. Die Bewässerung erfolgt zu 80 % aus aufbereiteten Abwässern, denn Wasser ist das Hauptproblem in einem Land mit über 340 Sonnentagen. Die Landschaft wandelt sich vom grünen Agrarsektor (leider hängen in den vielen Zäunen ungezählte Plastiktüten) in karge braune Hügel. Der Autoverkehr ist wuselig, denn am heiligen Sabbat (der Ruhetag aus den Zehn Geboten, an dem keine Arbeit verrichtet werden soll) verkehren keine öffentlichen Verkehrsmittel. An den Straßen sieht man Blechhütten-Slums der Beduinen, die keine Nomaden mehr sind.

Wir lernen die Geschichte des heutigen Staates Israel kennen, die gewonnenen Kriege und die taktischen Rückzüge. Und die unübersehbare (und unüberhörbare) Rolle der Religion. Denn alles wird mit den alten Erzählungen aus der Bibel verbunden. Jude zu sein, sagt die akademisch gebildete Reiseleiterin, heißt vor allem, Traditionen und Gebräuchen zu folgen: „You don’t need a God to be a Jew“. Es gäbe (ungesicherte Zahlen) ca. 20 % gläubige Juden, 50 % „traditionelle und kulturelle“ und sogar 30 % säkulare Atheisten. Also ähnlich wie in Deutschland bezüglich des Christentums.

Dann kommen wir an den tiefsten natürlichen Punkt der Erde (außerhalb der Meere), dem Toten Meer auf ca. 400 m unter „Normal Null“. Salzig-türkis schimmert es zwischen steinigen Hügeln, die ohne jeden Bewuchs sind. Der erste Kontakt mit dem Wasser vermittelt ein glitschiges Gefühl wie eine ausgekippte Flasche Duschöl. Dann – mutig bis über den Bauch im kalten Wasser (ca. 18°C) – reißt es mir die Beine weg und ich treibe wie ein Maikäfer auf dem Rücken, fast unfähig, mich wieder aufzurichten. Im Innenpool des nicht gerade luxuriösen Resorts (erfreuliche 33°C) schwebt ein verzweifelter Greis am Beckenrand und kommt ohne meine Hilfe nicht wieder auf die Beine.


Am nächsten Tag „Jerusalem“ – da wird der Bedeutungsrucksack zum Mühlstein. Jeder Ort ist befrachtet mit Symbolik, jeder Stein atmet Geschichte. Die „heiligen Stätten“ – der Saal des letzten Abendmahls, König Davids Grab, der Garten von Gethsemane, die via dolorosa, die Grabeskirche – werden geflutet von Touristengruppen, und man bekommt einen Zettel mit Notrufnummern, falls man verloren geht. In der von Menschen verstopften Grabeskirche küssen verzückte Gläubige eine Steinplatte und lassen geweihtes Wasser auf Rosenkränze tropfen. Religiöses Erleben ist auch ein Ritual der Gruppenzugehörigkeit: „Die anderen sind so wie ich“. Beeindruckend in ihrer heiligen Profanität ist auch die Klagemauer. Wo ist die vielbeschworene Spiritualität dieses Ortes? Der orthodoxe Jude mit Bart, Lockenzöpfchen und Hut schaukelt betend seinen Kopf und hält sich, als er einen Anruf bekommt, sein mobile phone ans Ohr. Die Kippa, religiöse Kopfbedeckung für Männer, wird zur base cap für Souvenirhändler.


„Es geht nicht um Religion, es geht um Macht!“, sagt Michael Thumann bei seinem ersten Vortrag am nächsten Tag. Das mag für Regierungen gelten, aber gilt es auch für die Bevölkerung, die einzelnen Menschen? Oder leben sie im 21. Jahrhundert mit dem Weltbild aus dem 11. Jahrhundert? Das sind die Fragen, die sich mir nach diesem ersten oberflächlichen Kontakt mit einem so wichtigen weltpolitischen player stellen. Ich habe (noch) keine Antwort.

~ Jürgen Beetz, Reiseteilnehmer

Alle Beiträge in diesem Blog sind persönliche und subjektive Eindrücke
der Autoren.

Tag 11 | 18.1.2019

Persönlicher Rückblick Ulrich Ladurners

Elf Tage war ich auf See mit ZEIT-Reisenden unterwegs, zuerst auf der Queen Victoria und dann auf der Queen Mary 2. Und am Ende war es, wie es immer ist, bei schönen Reisen. Die Zeit ist im Flug vorbeigegangen. Eben noch schifften wir uns in Hamburg ein, eben noch waren wir durch die stürmische Nordsee nach Southampton gefahren, eben noch liefen wir – außerplanmäßig – bei prächtigem Wetter für einen kurzen Stopp im Hafen von Lissabon ein, eben noch konnten wir in das quirlige Leben von Cadiz eintauchen und eine paar Seetage später bei herrlichen Sonnenschein auf die Akropolis steigen, und schon war es vorbei. Das klingt nun trauriger, als es in Wahrheit ist. Denn je länger die Reise zurückliegt, desto intensiver wird die Erinnerung daran werden, desto bleibender und dauerhafter die Eindrücke.


Als Referent war es meine Aufgabe, den ZEIT-Reisenden die Komplexität der Region nahezubringen, durch die wir fuhren. Wobei das ein wenig vermessen klingt. Wenn man vor diesem Publikum auftritt, sollte man nicht vergessen, dass man zu Menschen spricht, die sehr, sehr viel Lebenserfahrung haben, die in ganz unterschiedlichen Berufen gearbeitet haben und schon viel von der Welt gesehen haben. Ein wenig Demut kann da nicht schaden.
Schon die erst Etappe hatte es in sich: Brexit, die Geschichte von der „Reise“ zu der sich eine Mehrheit der Briten am 23. Juni 2016 entschieden hat, als sie für den Austritt ihres Landes aus der EU stimmte. Dieser Aufbruch Großbritanniens könnte im Chaos enden. Niemand kann sich darüber freuen. Es folgte ein Gespräch über das Mittelmeer, dieses im Vergleich zu den Ozeanen so kleine, so unbedeutende Meer, das für das Schicksal Europas aber nach wie vor von größter Bedeutung ist. Wir sprachen darüber, wie schwer es ist, eine Migrationspolitik zu entwickeln, die gleichzeitig die Bedürfnisse der Migranten und Flüchtlinge sowie der Gemeinschaft, in die sie kommen, gerecht zu werden. Deutlich konnte ich das an der Geschichte der Insel Lampedusa machen, über die ich vor einigen Jahren ein Buch geschrieben habe. Je weiter wir nach Osten fuhren, desto näher kamen wir der neuen Weltmacht: China. Die chinesische Firma Cosco hat 2014 den Containerhafen von Piräus gekauft und seitdem stellen sich viele Europäer die Frage, ob Athen das „Einfallstor“ Chinas nach Europa wird. Wobei China längst schon in Europa ist. Ich habe versucht, deutlich zu machen, dass jede Beziehung mit China für demokratische Länder potentiell sehr problematisch ist. Schließlich ist China eine Diktatur, die inzwischen mehr will, als nur ihre Waren zu verkaufen.


Das waren alles ernste, große Themen und mir bleibt in bester Erinnerung, mit welchem aufrechten Engagement die ZEIT-Reisenden diskutiert haben. Für mich war diese Erfahrung eine große Bereicherung und ein Ansporn.

~ Ulrich Ladurner, ZEIT-Korrespondent

Tag 7 – 9 | 14. – 16.1.2019

Mehr Meer – eine neue Erfahrung

Seetage – was für ein verheißungsvolles und zugleich verschwenderisches Wort. Sie signalisieren für uns Hoffnung und Freude auf Sonne, Licht, Aufblühen, Leben und Zeit. Den kürzeren Tagen per Wintersonnenwende bereits entronnen, erlebten wir in den letzten Tagen viel Wärme im geschützten Rahmen unseres Balkons sowie außen auf Deck. Als Landratten mit See und Nautik wenig vertraut, stellt sich durch das Element Wasser und drei Seetage am Stück eine andere Haltung ein. Die Baden-Württembergische Hektik mit zahlreichen Stop und Go (es sei angemerkt, selbst bei uns auf dem Land gibt es inzwischen Stau auch in Kleinstädten) wechselt zu einem Dahingleiten und fließenden Bewegungen. Statt in Bergen und Tälern zu rechnen, beginnen wir in Wasser- und Schifffahrtsstraßen zu denken. Für uns als Novizen auf großer See Begriffe etwa wie die Straße von Gibraltar, pflichtschuldig letztmalig in der Schule im Fach Erdkunde gelernt und gemerkt, mit Leben füllen zu können und dort durchzugleiten, vervollständigt sowohl die äußere als auch innere Welt. Zu letzter gehören die ZEIT-Veranstaltungen an Bord mit fundierten Darlegungen von Europa-Korrespondent Ulrich Ladurner ebenso, gleichsam wie ein passender Wein zur Menüfolge. Geistige und kulinarische Nahrung gehen miteinander einher wie neulich der Titel eines Gerichts – Surf an Turf.

Schiffsnormalität – Kanditat(in) für das Unwort des Jahres? Es stellen sich bestimmte Routinen ein, etwa Gehen von Wegen, Essensab- und zuläufe, wir lernen das Schiff und manche Bedienstete kennen. Es fällt buchstäblich Land ab, wir sind auf See, werden gefahren, die mittägliche Ansprache des Kapitäns wirkt stets Vertrauen erweckend, der Mann selbst beim Empfang gestern erst recht. Ein warmer, nicht zu fester Händedruck bestätigt unser Empfinden von Sicherheit, Vertrauen, ja fast Geborgenheit. Die wohnliche Kabine, unsere Heimat für die nächsten Wochen, entspricht inzwischen unseren Bedürfnissen und neue Gewohnheiten sind entstanden. Interessanterweise fühlt es sich anders an als andere Urlaube, die stete Bewegung unter dem Kiel signalisiert ein dauerndes Vorwärtskommen, ohne dass wir uns dafür selbst zu bewegen brauchen. Manchmal, es scheint so, kommt fast so etwas auf wie Stress bei Koordinieren der verschiedenen Veranstaltungen.

Als Passagiere auf einem der letzten Ocean Liner zu sein, trägt das Empfinden des Besonderen in sich. Der britische Stil des Schiffes sowie das geschliffene Englisch der meisten Briten in Verbindung mit der genussreichen Lektüre von Julian Fellowes „Belgravia“, einem Sittengemälde des England beginnend 1841, vervollständigt das Gefühl des Eintauchens in eine andere Welt. Die Realität wird eine andere, die hiesige Welt ist gleichsam geschlossen wie offen. Vom sicheren Deck oder Balkon nach unten gesehen, stellt sich der Respekt vor den Naturgewalten beim Betrachten des Wellen-gangs automatisch ein. Die Weite bis an den Horizont, wo das Meer und der Himmel aneinander grenzen, vermittelt die Ferne. Somit kann die Seele baumeln, für alles ist gesorgt.

Wir freuen uns auf weitere Zeit – mit der ZEIT.

~ Helga und Wolfgang Reule, ZEIT-Reisende

Tag 6 | 13.1.2019

Cádiz – Ein Sonn(en)tag mitten im Leben

Am frühen morgen erreichen wir Cadíz. Ist es die älteste oder die zweitälteste Stadt Europas? Wir wissen es nicht, zumindest geht die Stadtgeschichte zurück bis ins Jahr 1104 vor Christus und Sie ist mit der späteren Kolonialisierung der Welt durch die Spanier eng verbunden. Hierher brachte die spanische Silberflotte ihre erbeuteten Schätze, davon zeugen die in der Altstadt verteilten Herrenhäuser. Mehrere hundert davon versehen mit einem Turm, von dem aus die auf den Segelschiffen ankommenden Reichtümer erspäht wurden. Wir tauchen ein in das Gewirr der Altstadtgassen und nehmen erstmal einen Café Cortado in der Bar auf dem Platz vor der Kathedrale, die mit ihrem goldenen Dach die Altstadt überragt. Auch heute wölbt sich ein blauer, wolkenloser Himmel über uns, das Thermometer zeigt schon um 10.30 Uhr 23 Grad in der Sonne.

Wir sind Glückskinder – nicht nur des Wetters wegen: Heute ist ein doppelter Feiertag in Cadíz. Der Tag des Seeigels und gleichzeitig Karnevalsbeginn. Die ganze Stadt ist auf den Beinen und wir betrachten das Treiben zunächst aus luftiger Höhe vom Torre Tavira, dem höchsten Aussichtsturm in der Altstadt und in der famosen Camera Obscura. Dann mischen wir uns unter das Volk und lassen uns treiben. Zunächst bis zur ältesten Markthalle Spaniens mitten in der Stadt, wo wir in der Mittagssonne einen Verpflegungsstop einlegen: Heiße Bocerones, Calamares und Scampi, frischer geht es nicht. Dazu ein kühler Weißwein, mehr geht grade nicht.

Dann ist es Zeit für einen Spaziergang auf der historischen Stadtmauer, die sich rund um die Halbinsel am Meer entlang zieht. Wir erreichen den Stadtstrand, wo sich gefühlt die Jugend von Cadíz komplett versammelt hat. Zeit für einen Espresso und einen Veterano, bevor es wieder zum Schiff zurückgeht. Was für eine Tag, was für ein Leben, was für eine Stadt – für einen Tag viel zu kurz, wir kommen wieder!

 

~ Bernd Loppow, ZEIT-Reisebegleiter

Tag 3 - 5 | 10. - 12.1.2019

Entlang europäischer Küsten auf der »Königin der Meere«

Früh am Morgen des 10. Januar hat die Queen Victoria in Southampton, dem Heimathafen der Cunardflotte, angelegt. Wenige 100 Meter entfernt erwartet uns bereits die Queen Mary 2, auf der wir die Reise fortsetzen werden. Nach dem Bustransfer zum QM2-Terminal wird den ZEIT-Reisenden noch einmal Langmut abverlangt. Auch die Queen Mary 2 ist gerade erst von Ihrer Weihnachts- und Silvesterreise zurückgekehrt und es dauert seine Zeit, bis 2.600 Passagiere das Schiff verlassen haben und 2.600 neue Passagiere eingestiegen sind. Aber dann ist es soweit und am frühen Nachmittag können wir in unseren Kabinen endlich die Koffer auspacken für die nächsten sechs Wochen an Bord.

Mit der Ankunft an Bord der Queen Mary 2 beginnt unsere Reise nun wirklich: Die Queen Mary ist die letzte Ihrer Art, der letzte wirkliche Ocean Liner in der Tradition der großen Linienschiffe, aus Zeiten, in denen fast überschallschnelle Jets die Distanz zwischen den Kontinenten auf Stunden verkürzten. Als das Reisen vor allem aus Weg bestand. Als große britische und deutsche Reedereien wie Cunard oder die White Star Line, Norddeutscher Lloyd und Hapag Millionen von Auswanderern und Geschäftsreisenden von Europa nach Nord- und Südamerika, nach Asien und nach Afrika auf immer luxuriöseren und größeren Ozeandampfern beförderten. Sie vereint noch die Noblesse und britisches Stilempfinden vergangener Zeiten mit modernstem Komfort an Bord.


Im Jahr 2003, als die Queen Mary 2 in Dienst gestellt wurde, war sie mit 2.600 Passagieren das größte Passagierschiff der Welt. Heute, wo schwimmende Hochhäuser mit bis zu 7.000 Passagieren, mit Kilometer langen Wasserrutschen und Kartbahnen auf dem Oberdeck für Zerstreuung sorgen, gehört Sie nicht einmal mehr zu den 30 größten Passagiereschiffen. Dafür bietet sie ihren Passagieren jede Menge Platz, wo immer man hinkommt: Auf den hunderten stilechten Deckchairs, die rund um Deck 7 aufgestellt sind, auf dem man auch das Schiff umrunden kann, Runde für Runde, jede 550 Meter lang. Im Brittannia Restaurant, dem Kings Court, wo fast 24 Stunden Speisen am Buffet serviert werden, oder der gemütlichen Corinthia Lounge mit ihren Sesseln und der Musik von Harfe oder Klavier am Nachmittag.
Irgendwann am Abend, beim ersten Dinner an Bord, haben wir dann abgelegt Richtung Shanghai, wo wir am 22. Februar ankommen werden.

Von Southampton führt unser Kurs nun Richtung Süden, am 11. Januar in gebührender Entfernung entlang der französischen Küste in die Biskaya. Auf Schiffsrundgängen orientieren wir uns auf den 13 Decks der Queen. Im Bordkino Illuminations erwartet uns Uli Ladurner zum zweiten Vortrag und nimmt uns mit auf eine Reise »Von Gibraltar nach Gibraltar, in Siebenmeilenstiefeln rund um das Mittelmeer«. Er berichtet lebhaft von seinen persönlichen Erfahrungen in jungen Jahre, vor allem aber aus seiner 20-jährigen Tätigkeit als Auslands- und Europakorrespondent für die ZEIT.
Und am Morgen des 12. Januar stoßen wir dann, nun beim beim offiziellen ZEIT-Bordempfang auf der Queen Mary 2, im Queens Room, dem Ballsaal des Schiffes, noch einmal auf unsere Reise an.

Inzwischen fahren wir auf Höhe der spanischen Halbinsel durch den Atlantik und wir sind im Frühling angekommen: Die Sonne wärmt die Gesichter, erste britische Mitreisende haben die Hemden abgelegt, sämtliche Wolken haben sich vom blauen Himmel verzogen und eine Schule aus über 30 Delfinen begleitet backbords unser Schiff.
Am Nachmittag meldet sich dann Aseem Hashimi, unser Kapitän von der Brücke: Wegen eines medizinischen Notfalls machten wir einen unplanmäßigen Stopp in Lissabon, um den erkrankten Passagier an Land zu bringen. Dieser Umstand beschert uns eine unbeschreibliche Anfahrt durch die Mündung des Tejo bis in den Hafen der portugiesischen Hauptstadt, die wir im schönsten Abendlicht erreichen. Später erhalten wir dann die Nachricht, dass der Erkrankte alles gut überstanden hat – und die Gewissheit, dass auch uns im Notfall mit allen Mitteln geholfen würde.

So endet dann der Tag mit einem Besuch im Commodore Club auf Deck Neun und wir stoßen mit einem Gin Tonic auf den schönen Exkurs und die glückliche Wendung an. Unser Kaptitän hat uns derweil versprochen, dass wir unser Ausflugsziel Cadíz morgen früh trotz fünfstündigem Umweg fast pünktlich erreichen werden.

~ Bernd Loppow, ZEIT-Reisebegleiter

Tag 1 - 2 | 8. - 9.1.2019

Ouvertüre von Hamburg nach Southampton

Es ist Schlag 19 Uhr am 8. Januar 2019: Vorbei ist die Zeit des Wartens, der Vorbereitungen und der Vorfreude. Endlich heißt es »Leinen los« am Kreuzfahrtterminal in Steinwerder. Endlich beginnt sie, die längste Reise, die viele von uns jemals unternommen haben. Langsam löst sich die Queen Victoria vom Pier im Hamburger Hafen und gleitet die Elbe entlang der Nordsee entgegen. Die Queen Victoria ist mit etwas mehr als 2.000 Passagieren die kleine Schwester unter den Cunard Queens und sie übernimmt die Ouvertüre unseres Abenteuers, auf das wir uns anderthalb Jahre lang gefreut haben: Den Transfer über die Nordsee von Hamburg nach Southampton, wo die Queen Mary 2 uns übermorgen erwartet.

Wenige Stunden vor der Abfahrt haben sich fast 150 ZEIT-Reisende im Yacht Club auf Deck 11 versammelt zum Begrüßungsempfang vor der gemeinsamen 46-tägigen Reise über Meere und Ozeane und zu 14 Häfen am Wegesrand unserer Passage von Hamburg nach Shanghai. Was erwartet uns? Was werden diese 46 gemeinsamen Tage mit uns machen? Wie werden wir uns untereinander verstehen, als größte Gruppe, die auf dieser Reise unterwegs ist? Und werden wir den Wandel der Welt besser verstehen, wenn die Reise irgendwann einmal zu Ende ist? Diese Fragen stehen unausgesprochen in vielen Gesichtern. Aber eines ist allen klar: Uns erwartet ein einzigartiges Erlebnis.

Zunächst erwartet uns allerdings das Tief »Benjamin« mit einem veritablen Wintersturm und Windgeschwindigkeiten bis Stärke 11. Entsprechend unruhig wird die Nacht für viele Mitreisenden. Die Queen Victoria kämpft sich gegen den Sturm über die Nordsee und beim Frühstück bleiben am nächsten Morgen zahlreiche Plätze leer, nicht wenige ZEIT-Reisende bevorzugen es, den Beginn des Tages zunächst auf der Kabine zu verbringen. Doch schon am späten Vormittag ist der Sturm zu einer frischen Brise abgeflaut und wir sind fast vollständig zum ersten Programmpunkt unserer Weltentdeckertour versammelt: Da England direkt vor uns liegt, kann es heute nur ein Thema geben: »Der Brexit und die Folgen für Europa«. Dafür kann es keinen kompetenteren Gesprächspartner geben als Ulrich Ladurner, den Europakorrespondenten der ZEIT, der uns von Hamburg bis nach Haifa mit Vorträgen und Diskussionen zu aktuellen europäischen Themen begleiten wird. Schnell wird deutlich, dass auch unser ZEIT-Experte angesichts der vielen ungeklärten Fragen und Fakten die Folgen des Austritts der Engländer aus der Europäischen Gemeinschaft nicht vorhersagen kann. Er beschreibt aber äußerst eindrucksvoll den historischen Rahmen und die Gründe für das schon lange ambivalente Verhältnis Englands und dem Rest Europas, die das Ergebnis der Abstimmung determinierten. Entsprechend intensiv und kontrovers ist die anschließende Diskussion mit den ZEIT-Reisenden, die sich später am Abend am Tresen des Commodore Clubs lebhaft fortsetzt.

~ Bernd Loppow, ZEIT-Reisebegleiter

Route
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Reiseprogramm

Hamburg - Shanghai

1. Tag – 12. Tag | 8. – 19.1.2019
Von Hamburg nach Haifa mit Ulrich Ladurner

Mit Stops in Southhampton, Cádiz und Piräus

12. Tag – 21. Tag | 19. – 28.1.2019
Von Haifa bis nach Dubai mit Michael Thumann

Mit Stops in Haifa und Dubai

21. Tag – 34. Tag | 28.1. – 10.2.2019
Von Dubai bis nach Singapur mit Dr. Uwe Jean Heuser

Mit Stops in Maskat, Mormugao, Colombo und Penang

34. Tag – 46. Tag | 10. – 22.2.2019
Von Singapur bis nach Shanghai mit Matthias Naß

Mit Stops in Singapur, Kota Kinabalu, Hongkong und Shanghai

WIR STELLEN VOR

Ihre Reisebegleitung

Auf der Kultuexpedition begleiten Sie fachkundige Reiseleiter und ZEIT-Köpfe, die Ihnen Wissenwertes über die Destinationen berichten und neue Perspektiven eröffnen.

Ulrich Ladurner

Ulrich Ladurner ist geboren in Südtirol und nach langen Aufenthalten in Rom, Wien und Zürich 1999 in Hamburg bei DIE ZEIT als Auslandsredakteur gelandet.

Seit 1991 ist er permanent mit Berichterstattung über Kriege und Krisen beschäftigt. Bosnien, Kosovo, Afghanistan, Pakistan, Iran, Irak, Libyen sind einige der Länder, aus denen er berichtet hat. Er ist Autor zahlreicher Bücher.
Seit Herbst 2016 ist er ZEIT-Europakorrespondent in Brüssel.

»Reisen ist eine Einübung in Askese.«

Michael Thumann

Michael Thumann ist Außenpolitischer Korrespondent der ZEIT Chefredaktion. Von 1996 bis 2001 leitete er das Moskauer Büro der ZEIT.

Anschließend war er langjähriger Korrespondent für den Nahen und Mittleren Osten mit Sitz in Istanbul. 2014 bis 2015 leitete er das Moskauer Büro der ZEIT. Der aktuellen Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten gilt sein besonderes Interesse.

»Reisen bedeutet für mich im sonnigen Vordergarten von Konferenzräumen, Büros und Bibliotheken spazieren zu gehen. Ich lerne weiter, während ich Pause mache.«

Uwe Heuser

Uwe Heuser arbeitet seit 1992 bei der ZEIT und leitet seit 2000 das Wirtschaftsressort. Der promovierte Volkswirt studierte unter anderem an der Harvard University und ist Autor mehrerer erfolgreicher Wirtschaftsbücher.

Die Entwicklung, die Grenzen, vor allem aber auch die Chancen der Globalisierung und Digitalisierung der Weltwirtschaft beschäftigen sein Denken und Handeln besonders.

»Nur was der Mensch wirklich sieht, bleibt auch in ihm.«

Matthias Naß

Matthias Naß, langjähriger stellvertretender ZEIT-Chefredakteur, ist Internationaler Korrespondent der Chefredaktion sowie Experte für die Entwicklung Südostasiens und Chinas.

Nach seinem Studium in Geschichte, Sinologie und Politikwissenschaften arbeitete er zunächst als Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Asienkunde und Herausgeber der Zeitschrift »Asien«. Ab 1982 besuchter er die Hamburger Journalistenschule und begann anschließend bei der ZEIT als Redakteur im Ressort Politik. Aktuell ist Matthias Naß Ko-Vorsitzender des Deutsch-Japanischen Forums. Die politische und wirtschaftliche Entwicklung Asiens ist seit den siebziger Jahren ein wichtiges Leitmotiv seiner publizistischen Tätigkeit.

»Reisen schützt vor Dummheit. Wir leben auf einem so kleinen Planeten und machen uns das Leben trotzdem so schwer. Wer reist, begreift schnell, wie töricht unsere Vorurteile sind und wie sehr wir einander brauchen.«

Tage 35 – 37 | 11. - 13.2.2019

Megacity Singapur

Megacities und Vorboten einer neuen Weltordnung

Nach einem wunderbar entspannenden Tag in Penang waren wir wieder in See gestochen. Am darauf folgenden Seetag verabschiedete sich unsere ZEIT-Referent Uwe Jean Heuser von seinem ZEIT-Auditorium bei wie immer vollem Haus im Royal Court Theatre: Mit einer fulminanten Zusammenfassung der mit ihm diskutierten Herausforderungen an unsere Weltordnung und einem Appell besonders an uns Europäer: Wenn wir uns in Europa wieder zusammenfinden, uns unserer Stärken besinnen und vor allem wir Deutsche »bereit sind, viel stärker zu experimentieren und Neues zu wagen«. Dann, so Heuser, bräuchten wir uns vor den Herausforderungen der Zukunft nicht zu fürchten.

Wie diese Zukunft aussehen könnte, wird uns dann bereits am nächsten Tag in Singapur vor Augen geführt: Inzwischen hat Matthias Nass, lange stellvertretender ZEIT-Chefredakteur und Spezialist vor allem für Asien, mit einem brillanten Vortrag über »Singapur und die asiatische Herausforderung« den Stab des ZEIT-Experten von Uwe Heuser übernommen. Binnen eines Vierteljahrhunderts, seit meinem letzten Besuch in Singapur, hat sich die das Stadtbild verwandelt. Das altehrwürdige Kolonialhotel Raffles, damals noch an der Meeresküste gelegen, liegt inzwischen versteckt vor dem anderthalb Kilometer langen und zwei Kilometer breiten neuem Stadtviertel Marin Bay: Auf reclaimed land, dem Meer durch Aufschüttung abgerungene Landmasse, fangen neue, spektakuläre Landmarks die Blicke der Besucher ein und demonstrieren, wie Metropolen der Zukunft aussehen: Allen voran das fast Fünf Milliarden Euro teure Marina Bay Sands mit seinen 2560 Zimmern, dessen drei Türme verbunden werden von einem Sky Park, einem spektakulären Dachgarten, der von Weitem aussieht wie ein Surfbrett (oder eher wie ein umgedrehtes Bügeleisen, wie andere meinen). Zum demonstrativen neuen Stadtbild, das vom neuen Reichtum der ehemals englischen Kolonie künden, zählen auch der überdimensionale Springbrunnen der Fountain of Wealth, das inzwischen nur noch zweithöchste Riesenrad der Welt und die wirklich spektakulären Gardens of the Sea mit ihren Gewächshäusern und tropischen Urwaldriesen nachempfundenen stählernen Supertrees.

Es ist schon beeindruckend was hier am unteren Zipfel der Malaiischen Halbinsel in nur fünfeinhalb Jahrzehnten seit der Unabhängigkeit unter der meritokratischen Herrschaft des Staatsgründers und langjährigen Ministerpräsidenten Lee Kuang Yew entstanden ist: das glitzernde Finanz- und Dienstleistungszentrum Südostasiens mit einer hochgezüchteten Leistungsgesellschaft, die nach konfuzianischem Denkmuster die Fürsorgefunktion des Staates vor den Individualismus des Einzelnen stellt. So drohen in der »Fine City« auch denjenigen weiter drakonische Strafen, die gegen die öffentliche Ordnung verstoßen. Inzwischen ist die Wertschöpfung pro Einwohner in Singapur doppelt so hoch wie etwa in Großbritannien. Was den britischen Außenminister, der kurz vor uns seine ehemalige Kolonie besuchte, zu der Frage veranlasste: »Was können wir von Singapur lernen?«. Kein Wunder also, dass der ökonomische Erfolg des Stadtstaates auch die Herrscher in Peking schon früh veranlasste, das Modell einer freien Marktwirtschaft und einer autoritären Herrschaft auch beim großen Nachbarn China einzuführen. Das es auch in der vielleicht saubersten Stadt der Welt vergnüglich und sinnlich zugehen kann, erleben wir dann auf dem Nightmarket in China Town: In einer Seitenstraße zwischen den Hochhausschluchten brutzeln an unzähligen Essensständen Satay- und Scampispieße über dem Holzofenfeuer, wird dampfendes Gemüse und indisches Fladenbrot dazu gereicht, gibt es kühles Bier in großen Krügen. Man hockt auf Schemeln und gegessen wird an einfachen Tischen. Es ist warm, ein seichtes Lüftchen verschafft ein bisschen Kühlung. Und die starke Hand des Staates erscheint hier ganz weit entfernt!

~ Bernd Loppow, ZEIT-Reisebegleiter

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