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Auf den Spuren des Expressionismus in München und Oberbayern

Die Maler der Künstlergruppe Blauer Reiter stehen mit ihren Bildern im Mittelpunkt unserer Reise, ihnen begegnen wir in München in Museumssammlungen und in Murnau und Kochel an den Orten ihres Schaffens. Das „blaue Land“ nannte Franz Marc das von ihm so geliebte bayerische Voralpenland, wo wir uns 3 Tage aufhalten werden, um ganz in die abwechslungsreiche Landschaft, die rasch wechselnden Naturstimmungen und das ungezwungene Leben der Künstler vor einhundert Jahren einzutauchen.

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Unsere gemeinsame Woche beginnt in München in einem der schönsten privaten Hotels gleich bei der Maximilianstraße. Dort starten wir am Montag Nachmittag zu einem Spaziergang, der uns durch den Hofgarten, vorbei an der Theatinerkirche, der Residenz und der Oper in die historische Altstadt führt, den Blick immer wieder auf den mächtigen Backsteindom ermöglicht und uns schließlich zum „Augustiner“ bringt, einem Altmünchner Brauhaus und Traditionslokal mit Jugendstileinrichtung. Hier gibt es kräftige, bayerische Kost – die Gäste sollen ja schließlich erfahren, wohin sie gereist sind!

Einen ähnlichen Weg nehmen wir am nächsten Morgen, biegen aber bald ab zum weltberühmten Viktualienmarkt, um dort die historischen Holzstände mit dem kunstvoll arrangierten Obst und Gemüse, den Kräutern, Gewürzen und Blumen zu bestaunen, die nicht nur eine Augenweide, sondern auch einen unaufhörlichen Reiz für die Nase darstellen. Diese Vormittagsstunden sind der geruhsamen Erholung gewidmet, denn der Nachmittag bringt den ersten Höhepunkt unserer Reise: den Besuch der im Jahr 2013 nach jahrelangem Um- und Neubau wiedereröffneten Städtischen Galerie im Lenbachhaus mit der weltweit bedeutendsten Sammlung von Gemälden von Wassily Kandinsky und Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, von August Macke, Franz Marc, Paul Klee und Heinrich Campendonk. Die aufregende Geschichte dieser Sammlung wird uns in einer Privatführung ebenso nahegebracht wie die Hintergründe zum Verständnis der in glühenden Farben leuchtenden Bilder. Da bleibt kaum mehr Kraft, sich die anderen Abteilungen des Museums ebenfalls anzusehen.

Denn unser Programm geht weiter: am frühen Abend spazieren wir zum Abendessen durch den Englischen Garten, vorbei an Monopteros und Chinesischem Turm zum edlen Seehaus am Kleinhesseloher See. Es sind nur 1 ½ Tage in München, aber wer die Stadt schon kennt wird sich über das Wiedersehen mit manchem schon früher besuchten Ort freuen und wer zum ersten Mal hier ist, bekommt einen anregenden, viele Aspekte der Stadtgeschichte, der Architektur und der Museen berücksichtigenden Eindruck der Stadt, der an unserem letzten Tag, dem Samstag, durch einen ausführlichen Besuch der Pinakothek der Moderne mit der dortigen Expressionistensammlung besonders schön abgerundet wird.

Nun aber ist es höchste Zeit, die Großstadt zu verlassen und aufs Land zu fahren. In Murnau, gut 70 km südlich von München, logieren wir für 3 Nächte im alteingesessenen Angerbräu. Um den gemütlichen und doch sehr lebendigen, stolzen und gepflegten Ort kennenzulernen, spazieren wir zu den Plätzen, an denen Kandinsky und Münter, Jawlensky und Werefkin gemalt haben. Viele Straßenzüge und einzelne Gebäude sind bis heute nahezu unverändert, die umgebende Landschaft mit den Ausblicken auf das Estergebirge und das Wettersteinmassiv unter dem recht oft anzutreffenden Föhnhimmel ist zum Glück noch weitgehend unverbaut. Bevor wir uns am Donnerstag zum Wohnhaus von Münter und Kandinsky aufmachen, beschäftigen wir uns mit all den Anregungen, die die Künstler des Blauen Reiter nicht nur aus der Landschaft, sondern auch aus der Volkskunst des Murnauer Landes aufgenommen haben. Wie sie gelebt haben – in einem äußerst bescheidenen, aber sehr hübschen Häuschen außerhalb des Dorfes -, wie sie den Einheimischen manches Rätsel aufgaben – dieses Künstlervolk und dann noch drei Russen dabei! -, wie Gabriele Münter im Keller des Hauses den Millionenschatz an Gemälden versteckte, erfahren wir in aller Ruhe, weil wir das Haus und den kunstvoll angelegten Garten an diesem Vormittag ganz für uns alleine haben. Dabei kommen wir den Künstlern so nah, dass wir fast das Gefühl haben, bei ihnen zu Besuch zu sein. Distanzierter geht es dann im sehenswerten Schlossmuseum zu: auch hier wieder Blauer Reiter, aber auch Ortsgeschichte.

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Am Freitag begegnen wir Franz Marc in seinem schönen Museum hoch über Kochel am See. Der architektonisch höchst interessante Bau beherbergt zahlreiche Werke von Marc, dem einzigen Bayern unter den Blauen Reitern, von August Macke und anderen befreundeten Malern. Der Nachmittag dient noch einmal unserer Erholung: am nahen Staffelsee unternehmen wir mit der MS Seehausen eine Dampferfahrt, vorbei an den nahezu unberührten Ufern des „Blauen Landes“. Auf der Insel Wörth lebt eine kleine Herde nachgezüchteter Urrinder – wir haben Glück und können sie mit dem Fernglas entdecken.

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Samstag: nun ist die „Sommerfrische“ vorbei, der Abschied von der Voralpenlandschaft fällt nicht leicht, aber heute erwartet uns in München noch einmal Großartiges: die überwältigenden Bestände der Pinakothek der Moderne, wo wir nun, zum Abschluss, die Bilder aus dem Umkreis des Blauen Reiters mit denen der Maler der Brücke vergleichen können. Nach kurzer Rekreationspause erwartet uns wenige Schritte von der Maximilianstraße entfernt ein sensationelles Abschiedsessen. Wir müssen klingeln, um eingelassen zu werden, der Südtiroler Wirt und Koch ist nur für uns da. Es wird spät an diesem letzten Abend, denn wir genießen die zahlreichen, fein aufeinander abgestimmten Gänge in Ruhe und haben in den Erinnerungen an die zurückliegende Woche genügend Gesprächsstoff.

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