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Amsterdam Belcanto im Concertgebouw, Reise Mai 2015

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Es ist Mai. Vor 9 Monaten habe ich diese Reise geplant: Karten besorgt für die Oper und das Concertgebouw, Hotels sondiert, Tagesprogramme für einen fließenden Ablauf zwischen Kunsterlebnis, Gaumengenuss, wenig abgetretenen Pfaden und Ruhepausen an schönen Orten koordiniert, Menus in Restaurants recherchiert, ein Boot gemietet und die Fahrtzeit dem Sonnenuntergang angepasst, meine alten Kontakte zum Opernhaus für einen Backstage- Besuch spielen lassen und mich so weit wie möglich in meine potentiellen Gäste hineingefühlt: Sie sollen mein geliebtes Amsterdam, die Stadt der Brücken, Fahrräder und Grachten von seiner schönsten Seite kennenlernen, sie sollen angesteckt werden von diesem so ganz besonderen Charme eines größeren Dorfes mit dem Nimbus einer Weltstadt, und sie sollen vieles mitnehmen von dem, was ihnen kein Buch bieten kann: Meine Begeisterung für diese Stadt, ihre Menschen und die geheimen Orte, die kein Tourist findet und wo die Einwohner unter sich sind. Die Abläufe sind gut und nahtlos geplant, alle Buchungen sind bestätigt. Aber: Wird das Wetter mitspielen, werden alle Stars auftreten, werde ich meine Mitreisenden anstecken können mit meiner Liebe für diese einzigartige Stadt? Schon beim Apéro im ausgesprochen liebevoll eingerichteten Hotel an der Gracht zeigt sich: Die Gruppe harmoniert, die Vorfreude ist ebenso groß wie die Neugierde. Unseren ersten Abend verbringen wir auf dem Wasser in einem exklusiven Salonboot der 20’er Jahre und genießen bei wirklich hervorragendem Essen vom Boot aus den Ausblick auf die stattlichen welterbe- geschützten Herrenhäuser der Bürgerstadt. Der Sonnenuntergang kommt pünktlich und golden. Der Appetit ist geweckt, der Zusammenhalt ist etabliert, die Vorfreude auf den nächsten Tag groß: Wir besuchen als erstes das Rembrandt- Haus, in dem der Maler eine lange Zeit gelebt und gewirkt hat, und atmen genius loci wie die Geschichte der Stadt, die sich in ganz anderem Gewand in der gewaltigen portugiesischen Synagoge mit ihrer ganz eigenen Atmosphärik der Stille und Sammlung fortsetzt. Zum Mittag haben wir eines der so typischen kleinen Restaurants voller Charme gefunden, danach strecken wir uns in unsere gemütlichen Hotelbetten, um für den auf einige Stunden angesetzten Abend fit zu sein: Am späten Nachmittag empfängt uns der Chefdramaturg der Oper, Klaus Bertisch, und gibt unserer kleinen Gruppe im Haus eine exklusive Einführung in Hector Berlioz‘ monumentale Künstleroper „Benvenuto Cellini“, erzählt uns von den Geschicken der Holländischen Nationaloper und lässt uns über die Bühne wandeln, auf der wir gleich im Anschluss vom Parkett aus ein Feuerwerk von ebenso witzigen wie gekonnten Renaissance- Assoziationen erleben: Die Rotterdamer Philharmoniker werden ihrem Ruf mehr als gerecht und die Sänger, wie immer in Amsterdam erste Klasse und allesamt garantierte „Stars von morgen“, sind durchgehend eine überwältigende Bank an Sangeskunst und Spielfreude. Nach dem Essen geht Klaus mit uns noch speisen in die Brasserie „Flô“, was meinen Gästen die Gelegenheit gibt, die vielen szenischen und musikalischen Eindrücke zu verdauen und mit einem Fachmann zu diskutieren.

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Am nächsten Morgen setzen wir nach einem ausgezeichneten Frühstück die Erkundung dieser Stadt, in der man vielerorts so herrlich autofrei flanieren kann, fort und nähern uns weiteren Aspekten dieses historisch so ungemein reichen und so prachtvoll erhaltenen Orts: In einem Bürgerhaus der Renaissance erfahren wir viel über die Entstehung des einzigartigen Grachtengürtels, wir durchlaufen den „Begijnhof“, eine Oase der Stille mitten in der Stadt, und erklimmen die Stockwerke hinauf zur Kirche „onze lieve heer op solder“, die man aufgrund des zur Entstehungszeit herrschenden Katholizismus- Verbots in den obersten Etagen eines Privathauses versteckt hat. Ein einmaliger Ort. Zum Mittag erleben viele Gäste zum ersten Mal, was für eine Delikatesse sich hinter einer an sich so banalen Speise wie Pommes Frites und/oder frischem Hering verbergen kann, und am Nachmittag nutzen einige Teilnehmer noch die letzte Chance, um die Rembrandt- Sonderausstellung im wiedereröffneten Rijksmuseum zu erleben. Zum Abend fahren wir nach meiner Werkeinführung ins Concertgebouw, immer noch einem der schönsten Konzertsäle der Welt und vor allem akustisch Mal um Mal eine Offenbarung: Heute haben mit Juan Diego Flórez der aktuelle „König des hohen C“ und die vielgepriesene Bartoli- Einspringerin Pretty Yende zum Duettabend eingeladen und bringen Belcanto –, Verdi- und Puccini- Arien und Duette zum Glühen. Die beiden harmonieren menschlich UND stimmlich und verschmelzen zum Ausdruck puren Glücks. Dieses Glück sehe ich noch nach der fünften Zugabe in den Augen meiner Gäste, und es setzt sich zum Abschluss beim hervorragenden Drei- Gang- Souper im Conservatorium Hotel fort. Wir sind uns alle einig: Die Reise hat sehr gut begonnen, war schlüssig aufgebaut, und die Dramaturgie der Höhepunkte hat sich zum Finale hin noch gesteigert.

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2015 war ein guter Jahrgang für unsere Amsterdam-Reisen. 2016 verspricht noch mehr: Wie immer behalten wir aus den Vorjahren nur das Beste und gestalten das andere Programm bewusst unterschiedlich und neu: Unser Hotel „Esthérea“ wurde von allen Gästen geliebt, Grachtenhaus und die Kirche unterm Dach als besonders einzigartig empfunden, das Concertgebouw bewundert und bestaunt: Also gehen wir ins gleiche Hotel, besuchen die genannten Museen und gehen 2016 gleich zwei Mal ins Konzert: Joyce di Donato mit einem ihrer so unvergleichlich kommunikativem Belcanto- Abende gibt sich die Klinke in die Hand mit den Wiener Philharmonikern und Spätromantischem von Rachmaninov u.a. unter Senkrechtstarter Gustavo Dudamel am Folgeabend. Darüber hinaus aber haben wir ein neues Traditions – Spezialitäten- Restaurant entdeckt, werden uns mit einem Mitglied der Wiener Philharmoniker treffen, vor allem aber haben wir Anfang April endlich einmal die Gelegenheit, die einmalige Tulpenblüte in ihrer ganzen vielfarbigen Pracht vor den Toren Amsterdams in einem Halbtagesausflug zu bestaunen. Freuen wir uns auf blühende Felder und Klänge und auf dieses so einzigartig gemütliche Millionendorf mit Herz und Tradition!

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