Südafrika: Guter Hoffnung am Kap

25 Jahre nach der ersten ZEIT-Reise in Südafrika: Begegnungen mit Menschen voller Zuversicht, massiven Herausforderungen, und einem Land von berauschender Schönheit

Ein Reisebericht von Bernd Loppow

Größer als schon zum Start dieser Reise könnte der Kontrast zwischen Arm und Reich nicht sein: Am Nachmittag waren wir auf der Louis Botha Avenue aus dem Zentrum Johannesburgs in die Township Alexandra gefahren. Auf jener Straße, auf der einst ein gewisser Nelson Mandela jeden Morgen zur Arbeit in die City marschierte, neun Kilometer hin, neun Kilometer zurück. Wir waren zu Besuch beim Alexandra Disability Movement, einer beispielhaften Selbsthilfeinitiative von Menschen mit Behinderungen aus der Township. Dort finden mehr als 50 Kinder mit kognitiven Beeinträchtigungen Betreuung, Förderung, Bildung und ein geschütztes Zuhause – umgeben von einem Meer aus Blechhütten, in dem rund eine halbe Million Menschen auf 2,5 Quadratkilometern zusammengepfercht sind und wo Gewalt, Krankheit, Müll und mangelnde sanitäre Versorgung bis heute an der Tagesordnung sind. Nur wenige Stunden später und nur acht Ampeln vom Slum entfernt bekommen wir am Abend in einem eleganten Grillhouse in Sandton City, dem reichsten Viertel Afrikas, in dem mondäne Firmenzentralen, glitzernde Konsumtempel und bullige Oberklasse-SUVs das Bild bestimmen, ein saftiges Steak serviert. Extreme Gegensätze, charakteristisch für das aktuelle Südafrika.

Start in Johannesburg – Rückkehr an einen Ort der Hoffnung

November 2025, wir sind mit einer Gruppe ZEIT-Reisender auf Jubiläumsreise in Südafrika unterwegs. Auf der gleichen Route wie schon vor 25 Jahren, als wir auf einer der ersten ZEIT-Reisen »Das neue Südafrika« nach dem Ende der Apartheid erkundeten und ein Land des Neubeginns und der Hoffnung erlebten nach dem erfolgreichen Freiheitskampf von Nelson Mandela, Oliver Tambo und ihren Mitstreitern vom African National Congress (ANC). Wieder ist Bartholomäus Grill an unserer Seite, der seit mehr als 30 Jahren als Korrespondent den Wandel in seiner neuen Heimat beschreibt, davon über 20 Jahre für die ZEIT und zuletzt einige Jahre für den »Spiegel«. Wir wollen wissen:

Wo steht das einstige Hoffnungsland Südafrika heute?

Wir wollen Menschen begegnen, die den Aufbruch verkörpern, aber auch die Realität erleben zwischen nicht verwirklichten Träumen, dem Versprechen auf sozialen Aufstieg und einer neue Rolle Südafrikas in einer veränderten, multipolaren Weltordnung. 16 Tage durchstreifen wir dieses Land, das mit seinen traumhaften Landschaften und der fantastischen Tierwelt, vor allem aber mit seinen offenherzigen Menschen alle Besucher verzaubert.

Gestartet sind wir wie vor 25 Jahren in Johannesburg, der Wirtschaftsmetropole Südafrikas, die der Goldrausch am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der reichsten Städte der Welt machte. Heute führt sie dem Besucher wie unter einem Brennglas die soziale Ungleichheit des Landes vor Augen. Weitläufige Parklandschaften mit Golfplätzen, umzäunte Villenviertel und demonstrativer Luxus in Sandton zeugen von Wohlstand und Fortschritt, während in Hillbrow, einem einst aufstrebenden multikulturellen Stadtviertel nahe der Innenstadt, augenscheinlich das blanke Elend und der Verfall herrschen.

Soweto – Erinnerung und Ernüchterung

Wie keine andere Township galt Soweto als Synonym für die Rassentrennung, 25 Jahre nach dem Untergang der Apartheid hat sie sich in eine moderne Großstadt verwandelt, in der nach inoffiziellen Angaben weit über drei Millionen Menschen leben. In der Vilakazi Street, der einzigen Straße der Welt, in der drei Friedensnobelpreisträger wohnten (Albert Luthuli, Desmond Tutu und Nelson Mandela) besuchen wir das bescheidene Haus, das Mandela mit seiner Frau Winni teilte.

Dann geht’s hinüber nach Kliptown, einem der ältesten Viertel Sowetos. Am Walter Sisulu Square erinnert ein Denkmal an die Freiheitscharta, die 1955 von einer multiethnischen Versammlung verabschiedet wurde und als Blaupause für die neue Verfassung Südafrikas gilt. Hier treffen wir den TV-Moderator und Puppenspieler Nyanga Tshabalala. Er erzählt von einstigen Hoffnungen und auch vielen Enttäuschungen. Und er spricht aus, was viele Schwarze denken: »Die Menschen fühlen sich von denen verraten, die damals für die Befreiung von der Apartheid gekämpft hatten.« Den Jahren des Aufbruchs und der Zuversicht unter den Präsidenten Nelson Mandela und später Thabo Mbeki folgte neun Jahre lang eine »beispiellose Ausplünderung des Staates« durch Präsident Jakob Zuma und dessen ANC-Regime. »Armut und ein unglaubliches Wohlstandsgefälle bleiben die Wurzeln aller Probleme«, erklärt Nyanga und gibt uns die dringlichste Aufgabe mit auf den Weg: »Wir müssen nach der Überwindung der politischen Apartheid die ökonomische überwinden. Nur dann haben wir eine Zukunft!«.

Auf Mandelas Spuren – Richtung Süden

Unter dem Eindruck der immensen gesellschaftlichen Herausforderungen des Landes führt unser Weg Richtung Süden. Ein erster Stopp an einer einsamen Landstraße in KwaZulu Natal, an dem Ort, wo Nelson Mandela am 5. August 1962 verhaftet wurde. Heute erwartet hier ein Dokumentationszentrum die Besucher mit einer beeindruckenden multimedialen Präsentation der Geschichte des Freiheitskampfes Mandelas und seiner Mitstreiter. Und dann heißt es erst mal Natur pur: Schon weit entfernt am Horizont sehen wir die Drakensberge in die Wolken zacken. Unser Resort für die nächste Nacht liegt eingebettet in einer grünen, hochalpinen Landschaft unterhalb vom Cathedral Peak und seinen über 3.000 Meter hohen Nachbargipfeln. Wir können uns kaum sattsehen an dieser von schroffen Felsen, Wäldern und Flussläufen umgebenen spektakulären Bergkulisse. Nach dem Abendessen eine erste Lesung unseres Reiseleiters Bartholomäus Grill über Nelson Mandelas langen Weg in die Freiheit.

Drakensberge Cathedral Peak Hotel

Drakensberge Cathedral Peak Hotel

Safari im Hluhluwe-Imfolozi-Nationalpark

Früh am nächsten Morgen beginnt die längste Etappe unserer Reise: Über 500 Kilometer bis zum Hluhluwe-Imfolozi-National-Park unweit der Küste des Indischen Ozeans. Mit einem Areal von 1.360 Quadratkilometer beherbergt der älteste Nationalparks Südafrikas den weltgrößten Bestand an weißen und schwarzen Nashörnern. Kaum 20 Meter neben der Straße kauen einige Dickhäuter genüsslich das frische Gras. Löwen und Leoparden halten sich heute Morgen verborgen, dafür werden die ZEIT-Reisenden reichlich entschädigt mit großen Herden von Impalas, majestätischen Kudus und Nyalas. Und ein paar Flusspferden, die plötzlich auftauchen. Der Park ist auch ein Sozialprojekt: Über 600 feste Arbeitsplätze wurden hier geschaffen. Ein Teil der Eintrittsgelder wird zum Bau von Schulen und anderen Infrastrukturprojekten in der Region verwendet. 

Wir befinden wir uns im Bundesstaat KwaZulu-Natal, in der Heimat der Zulu, der größten Bevölkerungsgruppe Südafrikas. Nach der morgendlichen Pirschfahrt empfängt uns der älteste Sohn einer Zulu-Familie in einem der abgelegenen Dörfer, die an den Hängen der Lebombo-Berge kleben und nur mit geländegängigen Jeeps und einer Sondergenehmigung zu erreichen sind. Er führt uns stolz in die Sitten und Bräuche  seiner Dorfgemeinschaft ein, die vielerorts noch jahrhundertealten Traditionen folgen. Zum Beispiel muss vor der Heirat „Lobola“ bezahlt werden, der Brautpreis, der, abhängig vom sozialen Status des Bräutigams, zwischen 11 bis 30 Rinder beträgt. Für angeregte interkulturelle Diskussionen der ZEIT-Reisenden am abendlichen Grillbuffet war damit gesorgt. 

Der Hluhluwe Nationalpark

Politik und Wirtschaft in Gqeberha

Nach den grandiosen Naturerlebnissen geht es nun wieder urbaner zu: In Gqeberha, wie die Metropole Port Elizabeth inzwischen heißt, treffen wir am nächsten Abend zwei ehemalige ANC-Politiker, die unser Begleiter Bartholomäus Grill zum ZEIT-Gespräch in unser Hotel geladen hat. Sowohl Khusta Jack als auch Mandla Mandwara verdienen inzwischen in der Privatwirtschaft ihr Geld und äußern sich vorsichtig diplomatisch über den Zustand ihres Gemeinwesens: »Der ANC musss sich von innen heraus erneuern, um die wichtigsten Probleme in den Griff zu bekommen!« Beide nennen den Kampf gegen die extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit (bis zu 60 Prozent!), die grassierende Korruption und die wachsende Kriminalität als wichtigste Herausforderungen.

In Uitenhage unweit von Gqeberha liegt das VW-Werk, in dem alle Modelle von Polo und Polo Vivo gefertigt werden. Marina Biene, Vorsitzende der Geschäftsführung von VW Afrika und Werkleiterin, führt die ZEIT-Reisenden persönlich durch die Produktionshallen. Hier, in dieser blitzblanken Enklave, ist die Welt noch in Ordnung, so scheint es zumindest. An den Fertigungsstraßen arbeiten Roboter und Menschen Hand in Hand. Die Stimmung ist augenscheinlich gut, Arbeiter und Topmanagement flachsen locker miteinander.  Kein Wunder: Ein Facharbeiter verdient bei VW 25.000 Euro im Jahr, ein Spitzengehalt in Südafrika. Aus- und weitergebildet wird jeder einzelne der 4.000 Mitarbeiter vor Ort. »Die jungen Leute brauchen Jobs und eine Aufgabe«, sagt Martina Biene, »dann bekommen wir auch die sozialen Probleme in den Griff. Aber wir brauchen verlässliche politische Entscheidungen.« Allein in ihrer bisherigen Dienstzeit hatte sie über ein Dutzend Bürgermeister als Ansprechpartner, »das macht die Zusammenarbeit nicht einfacher«.

VW-Werk Uitenhage
VW-Werk Uitenhage

Garden Route – Natur und Gemeinschaft

Hinter Gqeberha startet die vielgerühmte Garden Route: Zwischen grünen Hügeln, dichten Wäldern, Flüssen, Seen und langen Stränden liegen kleine, gemütliche Städte, wo Einheimische und Besucher sich begegnen. Zum Beispiel im Olde’s Pub in Knysna an einem Samstagnachmittag, wenn die Springboks spielen. Wenn Weiße, Schwarze und Coloureds ihre Rugby-Nationalmannschaft bei einem Länderspiel anfeuern, das an solchen Tagen in allen Bars und Kneipen des Landes über die Monitore läuft. Dann sind die Menschen aller Hautfarben voller Begeisterung hinter ihrem Team vereint. Und die Springboks sind der aktuelle Weltmeister und gewinnen fast immer – nur manchmal gegen Neuseeland nicht.

Die Strände an der Garden Route sind herrlich. Breit, feinsandig, sehr oft viele Kilometer lang und meist fast menschenleer. Ein Idyll für Naturliebhaber. Wir sind am Strand von Sedgefield unterwegs mit Mark vom Strandlopers-Projekt, das an vielen Küstenabschnitten Stationen unterhält. Freiwillige sammeln demonstrativ Mikroplastik am Meeresufer. Mark hat zwei Quadratmeter Strand abgezirkelt. Er bittet uns, fünf Minuten lang alle Plastikteilchen aus der obersten Sandschicht zusammenzusuchen und in einer kleinen Schale abzulegen. In wenigen Minuten fördern wir 68 Teile – meist winzig kleine Kügelchen – zutage. Eine erschütternde Erkenntnis, wenn wir die Menge nur für diesen Küstenabschnitt des Indischen Ozeans hochrechnen.

Ein paar Kilometer weiter, am schier unendlichen Strand von Wilderness, haben wir uns eine Pause verdient, bevor wir wieder ins Landesinnere fahren: barfuß einen Strandspaziergang in der erfrischen Gischt der Brandung genießen und zum späten Lunch im Restaurant Salinas Beach mit grandiosem Meerblick ein leckeres Curry und einen eisgekühlten Diemersdahl Sauvignon Blanc Reserve. Dann ist das Leben schön.

Traumstrand von Wilderness
Traumstrand von Wilderness

Karoo – eine Reise durch Raum und Zeit

Wie vielschichtig und voller Überraschungen die Landschaften Südafrikas sind, erfahren wir auch auf unserer nächsten Etappe: Von der subtropischen Küste der Garden Route mit ihren Wasserwelten landet man nach einstündiger Fahrt über den Outeniqua-Pass abermals in einer anderen Welt, in der Halbwüste Karoo. Ihr Vorposten ist Oudtshoorn, und hier kommt man nicht umhin, an einer der Straußenfarmen abzubiegen, deren hochherrschaftliche Gutshäuser vom Reichtum zeugen, den die sogenannten Straußenbarone im 19. Jahrhundert durch den Verkauf der Federn der Riesenvögel angehäuft haben. Abgesehen vom touristischen Auftrieb ist es durchaus ein Vergnügen, die Tiere auf einer kleinen Rundfahrt aus der Hand zu füttern. 

Straußenfarm in Oudtshoorn

Unsere »Pforte« zur Karoo liegt hinter dem Meiringspoort, einem spektakulären Canyon, der sich zwischen steil aufragenden Sandsteinfelsen durch die Swartberge windet. Anschließend machen die ZEIT-Reisenden eine Kaffeepause in Prince Albert, einem zauberhaften Städtchen mit vielen liebevoll restaurierten, weiß gestrichenen kolonialen Gebäuden, Kunstgalerien und gemütlichen Cafés. Es gehört zu den schönsten historischen Orten in der Karoo, einer riesigen, kargen Halbwüste mit vollkommen menschenleeren Landschaften.  Mittendrin liegt Matjiesfontein, das wir über bis zum Horizont reichende, schnurgerade Landstraßen und einen stahlblauen Himmel über uns zur Mittagsrast erreichen. Der einsame Bahnhof, die stillgelegte Zapfsäule, die viktorianische Bar, das altehrwürdige Hotel – es ist wie ein Ausflug in einer Zeitmaschine zurück in die britische Kolonialära.

Weinregion und neues Unternehmertum

Und wieder ändert sich das landschaftliche Bühnenbild: Plötzlich sattgrüne Felder auf beiden Seiten der Straße, ein üppiges Tal, gesäumt von den Hex River Mountains. Auf dem markantesten Gipfel, dem 2.247 hohen Matroosberg, wird im südafrikanischen Winter sogar ein dieselbetriebener Skilift angeworfen. Eingeweihte berichten von einer Gruppe junger Leute, die dort kürzlich eine Woche eingeschneit waren. Rebgärten links, Rebgärten rechts, wir sind in der Weinregion angekommen. Bald erreichen wir den Franschhoek-Pass und blicken hinunter in ein liebliches Tal. Hier begründeten französische Hugenotten im 17. Jahrhundert die Weinkultur mit. Die alte Town Hall, Häuser im kapholländischen Stil, Gourmet-Restaurants, Boutiquehotels und Kunstgalerien säumen die Hauptstraße.

Am nächsten Tag lassen wir uns bereits vormittags die edlen Tropfen im Klein Goederust Wine Estate munden, dem einzigen Weingut der Umgebung, das nicht von weißen Winzern betrieben wird. Binnen vier Jahren haben die neuen schwarzen Besitzer auf einem halbverfallenen Gehöft ein Kleinod geschaffen, moderne Architektur, verbunden mit dem kolonialen Ambiente der Region. Klein Goederust ist ein sehr empfehlenswertes Musterbeispiel für erfolgreiches afrikanisches Unternehmertum.  

Hoffnung in den Townships

Nach einem formidablen Mittagspicknick unter schattigen Bäumen auf einem benachbarten Weingut setzen wir unsere Erkundungstour fort: Stefan Hippler empfängt uns an der Pforte seines HOPE-Projekts in der Township Delf am Rande von Kapstadt. Der katholische Priester aus Deutschland arbeitet mit seiner Organisation seit über 20 Jahren daran, die Lebensqualität in benachteiligten Gemeinden durch Gesundheits-, Bildungs- und Sozialprogramme zu verbessern. Die Maxime heißt: Hilfe zur Selbsthilfe. »60 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Townships sind arbeitslos«, sagt Hippler. »Wir möchten ihnen helfen, ihre Zukunft selbstständig zu gestalten.« Mit massiver Unterstützung durch Spender im In- und Ausland hat HOPE Cape Town große Erfolge erzielt und vielen jungen Menschen wieder Hoffnung gegeben. 

Beeindruckt von Hipplers Tatkraft und Optimismus, erreichen wir die letzte Station unserer Reise: Kapstadt. Und freuen uns auf die persönliche Städtetour mit unserem Begleiter Bartl, der uns bisher so kenntnisreich durch seine zweite Heimat geführt und unseren Horizont durch seine Lesungen und die Berichte über seine Erfahrungen aus über 30 Jahren als Korrespondent in Afrika bereichert hat. Wir starten am Vormittag im Stadtviertel Bo-Kaap und bewundern die knallbunten Häuser der muslimischen Kap-Malaien. Dann geht es quer durch die City, vorbei an Hochhäusern im Art-déco-Stil, durch den quirligen afrikanischen Markt am Green Market Square, in die Kathedrale von Erzbischof Desmond Tutu, der wortgewaltig den Widerstand gegen die Apartheid angeführt hat. Anschließend durchqueren wir den berühmten Company’s Garden, gehen am Parlament vorbei und besuchen die Frederik de Klerk-Foundation, wo eine Ausstellung das Ende der Apartheid und die historisch bedeutsame Rolle des letzten weißen Präsidenten Frederik Willem de Klerk dokumentiert. In der Stiftung treffen wir auch zwei junge Oppositionspolitiker, die beide im Kapstädter Stadtrat sitzen: Axolile Notywala und Roscoe Palm. Sie erzählen von den Herausforderungen der Lokalpolitik, von der endemischen Korruption, von der ausufernden Bandenkriminalität in den Townships. Und nennen immer wieder die Ursache aller Verwerfungen: Massenarmut und extreme soziale Ungleichheit.

Vor der zweiten Etappe des Stadtrundgangs kehren wir zum Lunch bei »Maria’s« ein, Bartls Lieblingslokal. Vorher zeigt er uns sein Korrespondentenbüro in einem viktorianischen Haus gleich nebenan. 

Kap der Guten Hoffnung

Wer Südafrika von Nord nach Süd durchreist, muss selbstverständlich zum Kap der Guten Hoffnung fahren, auch wenn es nicht ganz am südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents liegt. Und man sollte unbedingt früh starten, um dem Ansturm der Besucher zu entgehen, die das gleiche Ziel ansteuern. Erster Fotostopp am Chapman’s Peak Drive, einer der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt. Wir blicken auf die sichelförmige Bucht von Hout Bay, auf den weißen Strand und die Bergkette der Zwölf Apostel im Hintergrund. Anderthalb Stunden später erreichen wir das Cape of Good Hope, das Endziel aller Afrika-Reisenden. Auf dem Rückweg bewundern wir am Boulders Beach eine der größten Brutkolonien afrikanischer Pinguine, die vom Aussterben bedroht sind.

Wo ließe sich ein Tagesausflug auf der Kaphalbinsel besser beschließen als auf einem lauschigen Weingut? Steenberg ist das älteste Weingut im Constantia Valley, wir können nach einer feuchtfröhlichen Probe bestätigen, dass die Weine zu den besten gehören, die wir in den vergangenen zwei Wochen getrunken haben. 

Pinguinkolonie am Boulders Beach
Pinguinkolonie am Boulders Beach

Robben Island und Kunst aus Afrika

Der letzte Tag führt uns per Boot auf die Kerkerinsel Robben Island, wo Nelson Mandela 18 seiner 27 Haftjahre verbracht hat. Christo Brand, einer seiner ehemaligen Wärter, führt uns durch den Gefängnistrakt und erzählt von den Schikanen, denen die Häftlinge ausgesetzt waren. Höhepunkt des Besuchs: ein Blick in die karge Zelle von Mandela.

Am Nachmittag steht das ZeitzMOCAA an der Waterfront auf dem Programm, das weltweit größte und bedeutendste Museum für Kunst aus Afrika und der afrikanischen Diaspora. Ein absolutes Muss für alle Südafrika-Besucher, sagt Bartholomäus Grill, der auch Kunstgeschichte studiert hat und uns zum Abschluss einer fantastischen Reise fachkundig durch die Sammlung führt.

Epilog

In den vergangenen zwei Wochen haben wir eine lange Reise durch Südafrika gemacht, vom Zentrum des Landes an den Indischen Ozean und dann in den tiefen Süden. Wir haben traumhafte Landschaften durchquert, eine schöner und beeindruckender als die andere. Vor allem aber sind wir den Menschen (ein bisschen auch den Tieren) des Landes unter dem Regenbogen begegnet, mit all ihren Hoffnungen, Erwartungen – und Enttäuschungen. Dennoch haben wir vielerorts ihren ungebrochenen Optimismus verspürt, die Mehrheit der Südafrikaner glaubt fest daran, dass ihre Lage verbessert werden kann, wenn sich alle gemeinsam anstrengen.  Das war auch die ermutigende Botschaft, mit der uns Stefan Hippler von seinem Projekt in einem Armenviertel verabschiedet hat:

 »Leute, die Welt geht nicht unter, sie verändert sich. Wir sind ein Teil dieser Veränderung, und jeder kann seinen Teil beitragen.«

Ein herausragendes Beispiel für Menschen, die ihr Schicksal in die eigene Hand genommen haben und zeigen, was individuelles Engagement bewirken kann, sind Jerry Ntimbane, der Leiter des Alexandra Disability Movement (ADM), und Angie Mpsana, die blinde Betreuerin der behinderten Kinder. Seit fast vier Jahrzehnten müssen sie knapp kalkulieren, um die umgerechnet 40 Euro aufzubringen, die die Versorgung jedes der 50 Kinder und Jugendlichen pro Monat kostet. Vom Staat erhalten sie, wenn überhaupt, nur unregelmäßige Zuschüsse, die bei Weitem nicht ausreichen. Sie sind auf den Beistand von Sponsoren angewiesen, um die laufenden Kosten für Strom, Gas, Wasser und die Betreuung der Kinder zu decken.

Vor 25 Jahren, nach unserem ersten Besuch von ADM, konnten wir schon einmal helfen. Durch Spenden unserer Reiseteilnehmer, der ZEIT-Leser und des ZEIT-Verlags sowie zusätzlicher Hilfe durch Mercedes Südafrika konnten wir der Initiative einen behindertengerechten Kleinbus übergeben, der insgesamt 24 Jahre wertvolle Transportdienste leisten sollte!

Wir haben uns in diesem Jahr entschlossen, eine Spende von ZEIT REISEN in Höhe von 5.000 Euro nach Alexandra zu überweisen. Wenn auch Sie dieses großartige Selbsthilfe-Projekt unterstützen möchten, schreiben Sie uns gerne an.

Bernd Loppow

Gründer ZEIT REISEN

In der Halbwüste Karoo

Südafrika – Aufbruch in der Regenbogennation

Dauer: 15 Tage
Termine: 07.11.2026