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Skisafari - Weiter gehen, immer weiter gehen

Auf Skisafari mit Hans Kammerlander in den schönsten Bergen der Welt

Es war an einem Mittwoch Ende April vor 13 Jahren, als wir uns zum ersten Mal begegneten: »Hallo, ich bin der Hans«, begrüßte mich Hans Kammerlander früh am Morgen in meinem Hotel in Sand in Taufers, ganz hinten am Ende des Arntals in Südtirol. Wir waren für eine Reportage über das Leben des berühmten Südtiroler Alpinisten und Extremskifahrers zu einer Frühjahrsskitour verabredet. Es sollte eines meiner aufregendsten Erlebnisse auf Skiern werden und ein Tag, den ich nie vergessen werde.
Eine gute Stunde später stelle ich mir die nicht ganz unberechtigte Frage nach dem Sinn des Vorhabens, ausgerechnet mit dem Mann, der als erster auf Skiern vom Mount Everest abefahren ist, auf Skitour zu gehen. Schwer atmend auf die Skistöcke gestützt, mein Herz hämmert mit 168 beats per minute, blicke ich auf meinen Vordermann, der mit leicht federndem Schritt die Spur bergauf in den feuchten Neuschnee legt. »Du mußt weitergehen, immer weitergehen, auch wenn Du glaubst, es geht nicht mehr«, ruft er mir seine Losung zu, mit der er es auf immerhin 13 Achttausender geschafft hat. In mir regen sich ernste Zweifel, es selbst auf den nicht mal 3.000 Meter hohen Gipfel des Magerstein zu schaffen. Aber irgendwie gelingt es mir dann doch, hinter ihm zu bleiben, bis zur Rast in der Kassler Hütte, der Halbzeit auf dem Weg hinauf zum Gipfel. Inzwischen ist der Schneefall so dicht, dass wir uns nach der halbstündigen Pause erstmal wieder dick vermummen und unsere Tourenski vom weiter dicht fallenden Schnee befreien müssen.

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Weiter geht es, bergauf, immer weiter, immer mehr Schnee… Obwohl die äußeren Umstände bei mir extrem in Richtung Grenzerfahrung gehen, ist mein Vertrauen in Kammerlander grenzenlos, als es bei nicht mehr als zehn Metern Sicht weiter aufwärts geht. Keine Spur vom versprochenen »grandiosen Ausblick« auf die weiße Gletscherkrone des Magerstein. Bis über die Knöchel versinken wir mittlerweile im bodenlosen Weiß, ein eisiger Wind verweht die eben noch gelegte Spur. Meine Ahnung wird zur Gewissheit, dass es mit dem versprochenen »riesigen Panoramablick« heute nichts mehr wird als Hans fragt: »Spürst Du das? Elektrizität liegt in der Luft. Lass uns lieber umkehren!« Ein Gewitter im Schneeinferno ist tatsächlich das Letzte, was wir jetzt noch gebrauchen können. In kurzen, eleganten Schwüngen lässt Hans die lockeren Flocken stauben, mir gelingt es immerhin, trotz einiger unfreiwilliger Bodenkontakte in Sichtweite zu bleiben. Und plötzlich, mir erscheint es wie ein Wunder, taucht wieder die Kassler Hütte vor uns auf.
Unser Plan ist geplatzt, aber was gibt es Schlimmeres, als bei einigen Gläsern kräftigem Roten, Südtiroler Speck und würzigem Bauernbrot mit diesem Abenteurer über Verlockungen und Fluch des Alpinismus zu diskutieren? Schnell verflüchtigt sich die Vorstellung, dass nur Asketen in der Lage seien, übermenschliche Gewaltakte im Hochgebirge zu bewerkstelligen. Der Hüttenwirt serviert den nächsten halben Liter. Wie unberechenbar die Natur der Berge selbst in dieser vergleichsweise gemäßigten Zone ist, zeigt sich, als wir nach der Jause vor die Hütte treten und erst mal unsere Skier unter der 30 Zentimeter dicken Neuschneedecke suchen müssen. 700 Höhenmeter durch dichten Bergwald sind es jetzt noch bis zum Auto. Auf geht’s! Behend wie eine Katze springt Hans vor mir hin und her. Ich versuche, viel weniger elegant, ihm zu folgen. Immer wieder muss ich mich nach einem Sturz aus den Schneemassen graben. »Super!« ruft Hans von unten, »Wer hätte gedacht, dass wir heute bei einem halben Meter Pulverschnee abfahren würden.« Dann ist er hinter der nächsten Tanne verschwunden. Ich versuche Kontakt zu halten, und nehme dieselbe Sekunden später unfreiwillig zwischen die Beine.

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Noch immer verdeckt dichter Nebel das Tal. Der pappige Schnee von heute Morgen ist jetzt gefroren. Mit bis zum Reißen gespannten Oberschenkeln bemühe ich mich, der Spur zu folgen. »Gut machst Du das«, ruft Hans aufmunternd, »wenn der Bock gefroren ist, das ist schon kraftraubend!« Eine eher beschönigende Beschreibung meines Zustandes. Schwer atmend, mit zittrigen Knien und am Ende aller Kondition erreiche auch ich eine halbe Stunde nach dem Start an der Hütte wieder den Schneeberg, der heute Morgen noch unser Auto war. Dahinter wartet einladend die Jausenstation. Wie sagte Hans noch vorhin auf der Kassler Hütte? »Letzten Endes sind alle Bergtouren nichts anderes als ein Umweg zur nächsten Kneipe.« Als erstes bestellen wir zwei kühle Weißbier. Es sollte noch ein langer Abend werden…
Anscheinend muss Hans Kammerlander der gemeinsame Skitag ebenfalls ganz gut gefallen haben. Auf jeden Fall war es für Hans kein Thema, als ich ihn dann später einmal fragte, ob er nicht Lust habe, eine ZEIT-Skireise in die Dolomiten zu begleiten. Neunmal waren wir seitdem gemeinsam mit unseren Lesern in den »schönsten Bergen der Welt« unterwegs, wie die Südtiroler Ihre Dolomiten liebevoll bezeichnen. Nächstes Jahr findet vom 1. bis zum 8. Februar die zehnte Skisafari statt, wie seit drei Jahren starten wir jeden Tag von unserem Basislager im Gadertal, dem »Hotel Melodia del Bosco« im kleinen Weiler Predraces. Wie immer werden wir tagtäglich Exkursionen zu den schönsten Abfahrten auf der Sella Ronda unternehmen, zur berühmten Weltcupabfahrt Sass Long in St. Christina, zu den herrlichen Pisten hinunter vom Ciampinoi nach Wolkenstein, zur Porta Vescovo in Arabba und natürlich darf die »Königin der Dolomiten«, die Marmolada, dabei nicht fehlen. En Tagesausflug führt uns auf die Traumpisten von Cortina D’Ampezzo und auch der Kronplatz ist nicht weit entfernt. Und wie immer wird auch die eine oder andere gemütliche Hütte unseren Weg kreuzen. Die Comici-Hütte direkt unterm Langkofel oder die Sophiehütte auf der Seceda freuen sich schon wieder auf unseren Besuch – genauso wie die Refugio Averau an den Cinque Torri und die Scotonihütte mitten in einem verwunschenen Tal nach der Abfahrt vom Lagazui gelegen. Und wie jedes Jahr laden wir auch kommenden Februar einen der Topwinzer aus Südtirol zur Weinprobe ein. Diesmal kommt ein ganz besonderer Gast, der uns erklären wird, was Klosterleben und Weinbau gemeinsam haben. Lassen Sie sich überraschen!

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PS: Diese Reise ist keineswegs für absolute Skicracks konzipiert. Jeder, der den Parallelschwung halbwegs beherrscht, kann problemlos teilnehmen. Wir fahren mit Hans und unseren Skiführern Max und Simon in verschiedenen Skigruppen. So kann jeder Teilnehmer seinem Können gemäß eine herrliche, entspannte Woche verleben. Zumindest einen Tag lang kommt jeder in den Genuss, einmal mit Hans Kammerlander Ski zu fahren. Wenn Sie Lust haben, auf unserer Ski-Reise in die Dolomiten dabei zu sein: Wir freuen uns auf Sie!

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