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Toskana - Harmonie von Mensch und Natur

Eine philosophische ZEIT-Reise zu den Ursprüngen des modernen Europa
von Dr. Peter Vollbrecht

Wenn man den Apennin überquert hat, wandelt sich plötzlich die Landschaft. Es ist, als ob eine Gärtnerhand tätig war: Zypressen, einzeln oder in kleinen Reihen stehend, zergliedern den Raum, teilen ihn auf, schließen ihn ab, auf einem kleinen Bergfinger vielleicht ragen sie in den Himmel, oder sie gruppieren sich vor einem alten Anwesen. Hier, in der Villa il Pozzo, unweit des Städtchens Certaldo, wo Bocaccio geboren wurde, hier streift der Blick weit bis hinüber zu den Geschlechtertürmen von San Gimignano. Hier werden wir zu ‚Gartenphilosophen‘, die auf Stühlen unter schattigen Bäumen sitzen und über die Bedeutung der Renaissance für das moderne, das heutige Europa diskutieren.

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Über das, was uns zu Europäern gemacht hat: die Befreiung des Denkens und der Wissenschaften aus der Vormundschaft der Religion. Vom geschlossenen Weltbild des Mittelalters zum offenen der Neuzeit.
Mit dem schwer beladenen Motorrad kurve ich die letzten Kehren hinauf zur Villa. Endlich Stille nach 850 Kilometern Lärm im Helm! Susanne, die Köchin, hat schon die ersten Zimmer an die Gäste verteilt, und kurz darauf stehen wir alle erwartungsvoll im Garten mit einem Sektglas in der Hand. Im kräftigen Abendlicht zeichne ich in großem Maßstab eine Landkarte, die vom Ende der kulturellen Dominanz islamischer Zivilisationen erzählt und vom Beginn der europäischen Weltkultur.
Die Renaissance, sie begann hier, in den freien Bürgerstädten Norditaliens, mit Florenz und Pisa als den beiden Zentren für die naturwissenschaftlichen, künstlerischen, philosophischen und politischen Innovationen jener Epoche. Beide Städte werden wir in Tagesausflügen besuchen, um vor Ort und an allen Touristenmassen vorbei den genius loci aufzuspüren, der damals die Menschen ergriff und von Italien aus über die Alpen sprang, der es vermochte, kulturelle Kräfte zu bündeln wie einst in der Antike oder wie ein paar Jahrhunderte später dann in der Aufklärung. Die Renaissance, eine Achsenzeit, eine Epoche der überbordenden Energien in allen Bereichen. Exzentrisch bis wollüstig in den Charakteren, rastlos tätig, getrieben vom Ehrgeiz erwachender Individualität. Sie alle kommen zu Wort während der philosophischen Woche, ein großer Reigen illustrer Namen, wir lesen und diskutieren Originalpassagen, die jeder im Seminarskript auf den Knien liegen hat im Garten unserer Villa.

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Doch was wäre eine philosophische Woche in der Villa il Pozzo ohne Wein und exquisites Essen? Susanne und Katherina decken die lange Tafel an der Steinbalustrade oberhalb des Swimmingpools, wo wir uns vorkommen wie leibhaftig herausgesprungen aus Leonardos berühmtem Bild des Abendmahls, nur in unverblichener Echtfarbe und mit großartigem toskanischem Panorama. Und opulenter die Speisefolge, Szenenapplaus nach den Gängen, Susanne ist geschmeichelt und ein wenig verlegen. Bis spät in den Abend hinein ziehen sich die Gespräche, mitunter wechselt man die Plätze. Eine philosophische Reise ist immer auch eine Reise zum eigenen Ich, das hier, im Garten der Villa, sein lebhaftes, aufgeschlossenes Wir findet im Kreis von farbigen Persönlichkeiten. Am nächsten Morgen erzählen die Gläser, die Flaschen und die Dessertteller taufrisch noch vom gestrigen Abend. Es ist, als käme die stille Szene direkt aus einem Film.

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Schönheiten, verdichtet – das ist die philosophische Woche in der Toskana vom 30. Mai bis zum 6. Juni 2015. Schönheit des Denkens, des Sehens, des Wohnens in stilvoll mit alten Möbeln eingerichteten Zimmern. Jeder kann sich vom philosophischen Programm zurückziehen wann immer er oder sie möchte, die Themen sind in sich einzeln abgeschlossen. Man erreicht die Villa preisgünstig mit dem Flugzeug nach Florenz oder Pisa, von dort aus fährt Bahn in einer Stunde nach Certaldo. Oder man teilt sich ein Taxi vom Flughafen (ca. 1 Stunde Fahrtzeit zur Villa). Ausflüge mit örtlichen Führungen in Florenz und Pisa sowie ein morgendlicher Besuch des (dann noch stillen) San Gimignano.

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