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Segelreise Kapverden

Auf die Kapverden wollte ich schon lange. Bisher hatte mich die umständliche Flugverbindung über Lissabon mitten in der Nacht davon abgehalten. Segeln auf einer Yacht war auch schon lange ein Traum von mir. Da sah ich im Januar des Jahres 2016 eine Anzeige von ZEIT REISEN: „Segeln auf den Kapverden! Luxuriöse Yacht mit großzügigen Kabinen und einer Crew für alle Wünsche!“
Gerade hatte ich mich von meinem langjährigen Partner getrennt, da brauchte ich etwas Ausgefallenes zum Trost! Bisher waren meine Segelerfahrungen eher schlecht, weil ich schnell Seekrank werde. Auf den Kapverden sollte auch noch viel Wind und atlantischer Seegang herrschen. Wie verrückt war ich eigentlich, mich darauf einzulassen?! Dazu auch noch in einer unbekannten Gruppe. Man hatte doch schon von schrecklichen Ereignissen gehört, wenn Menschen eine Woche lang auf einem Boot eingeschlossen waren, einschließlich Mord! Naja, beruhigte ich mich, zur Not habe ich ja eine Reiserücktrittsversicherung! So verging das Jahr und plötzlich näherte sich der 30.11.2016, und ich hatte keinen Gebrauch von meiner Versicherung gemacht.

Todesmutig fuhr ich am frühen Morgen zum Flughafen und stellte mit Schrecken auf dem Gateway zum Flugzeug fest, dass ich mein Handy zu Hause vergessen hatte, zum ersten Mal, seitdem ich es habe! Himmel, also noch nicht einmal mehr die Chance zum Notruf! In Lissabon landeten wir leicht verspätet, sodass der Übergang zum Flug nach Sal im Laufschritt verging und sogar das Gepäck schaffte es auch. Das wäre sonst unangenehm gewesen, denn unsere Tour sollte gleich am nächsten Morgen von Sal nach Boa Vista, von dort nach São Nicolau, Santa Luzia bis nach São Vicente, weitergehen. Da hätten uns die Koffer nicht eingeholt. Es war mittags, als wir landeten. Für die Visa mussten wir uns umständlich an zwei Schaltern anstellen, die mit zwei gleichzeitig ankommenden Flugzügen völlig überlastet waren. Die Wartezeit gab Gelegenheit, schon mal die Mitsegler kennen zu lernen, sodass sich rege Gesprächsstoffe ergaben. Nach einer Stunde Wartezeit bekamen wir das Visum in den Pass gestempelt, mit der Auskunft, wir hätten es doch schneller haben können und uns auch an einem anderen, für Einreisen zuständigen Schalter anstellen können. (…) Belohnt wurden wir durch die Idee des Reiseleiters, gleich an den Strand von Santa Maria zu fahren, um zu relaxen, ein Bad und ein Drink oder Snack zu nehmen, denn unsere Einschiffung sollte erst um 18 Uhr am Abend erfolgen. Das war ein wunderbarer Einstieg vom kalten Berlin in die kapverdische Sonne! In der Bar gab es dann noch mehr Gelegenheiten, die Mitsegler in Augenschein zu nehmen und schon mal mit dem Üben der Namen zu beginnen!

22 Gäste und 10 Crewmitglieder sollten wir werden. Peko nannte sich der Reiseleiter, ein sehr erfahrener, immer gut gelaunter, geduldiger Mann, der uns mit seinem Wissen in abendlichen Vorträgen über die Kapverden und Alexander von Humboldt begeisterte. Man sagt ja auch, dass die Gruppenenergie oft vom Reiseleiter beeinflusst wird, und ich darf sagen: Wir waren eine tolle und lustige Truppe! Alle meine Befürchtungen lösten sich in den nächsten Tagen in Wohlgefallen auf! Sogar der übliche „Meckerfritze“ fehlte… Nun wurden wir auch überaus verwöhnt von der Crew. Es gab den Kapitän und die Steuerfrau, beide Holländer, drei Matrosen und eine Matrosin und vier Service- Kräfte. Es waren junge, motivierte, durchaus eigene Menschen, die Freude an ihrer Arbeit hatten, die sich auf uns übertrug. Wie genoss ich es, morgens nach dem Bad im Meer ums Schiff mich an den gemachten Frühstückstisch zu setzen! Danach dann auf den nächsten Deckstuhl weiter zu rutschen und zu beobachten, wie das Schiff in den Wind gesetzt und schnittig durch die Wellen gesegelt wurde. Endlich mal nur zuschauen und keinen Druck, selbst Hand anlegen zu müssen! Manche Mitsegler waren zwar ein bisschen frustriert, weil die Handhabung des Schiffes durch die Crew und die motorischen Einrichtungen auch ohne sie perfekt saß, aber die Fahrt war solch ein wunderbares Erlebnis, dass sie das dann auch verschmerzten.

Es gab einen klar strukturierten Tagesablauf an Bord: 7:30 Uhr Kaffee oder Tee, 9 Uhr Frühstück, 13 Uhr Mittag, 18 Uhr Sundowner, 19 Uhr Pekos Vorträge, 20 Uhr Abendessen. Schon beim Lesen setzt man Pfunde an! Der Koch, die wichtigste Person nach dem Kapitän, war hervorragend. Er verwöhnte uns mit drei Gängen am Abend mit möglichst frischen Zutaten. Trotzdem kam es einmal durch eine chinesische Fischsoße zu einer allergischen Reaktion bei einigen Personen. Zum Glück gab es ja Ärzte an Bord, die Notfallmittel dabei hatten. Woher der Durchfall kam, an dem Mitsegler noch nach Tagen litten, blieb eher unklar, weil die Symptome weder einer Lebensmittelvergiftung noch einer allergischen Reaktion entsprachen. Das Imodium ging von Hand zu Hand. Der Stimmung machte es keinen Abbruch! Auch eine Infektion der oberen Luftwege breitete sich aus. Die hatte wohl einer mitgebracht. Nur wie sie sich verbreitete, war ein Rätsel, sodass der Witz um Bord ging, was wohl nachts in den Kojen passierte…zum Glück war alles zum Ende der Schiffreise vorbei, sodass wir die meisten Tage genießen konnten. Ich blieb von allem verschont, sogar von der Seekrankheit! Gleich am ersten Abend hatte ich mir ein Pflaster hinters Ohr geklebt, das mich nach der Anreise und dem Klimawechsel dann so groggy werden ließ, dass ich gerade das Abendessen an Bord und die Vorstellungsrunde durchhielt. Schon nach zwei Tagen entfernte ich das Pflaster und brauchte trotz Windstärke 8 keine Medikamente! Was war ich stolz! Die Kapverden sind vulkanischen Ursprungs aus dem Meer gestiegen. Die Ältesten sind abgeschliffen durch Wind und Regen, die jüngeren sind bergig, bis zu 2900m hoch. Sal ist eine solch abgeschliffene Insel. Dafür findet man dort endlose Strände, durch den Wind surfgeeignet. An den Olympischen Spielen nehmen die Kapverden mit Kitesurfen teil. Santa Maria ist ein kleines für Touristen aufgepäppeltes Städtchen, bzw. wohl eher Dörfchen, mit schön bunt bemalten Häusern, ein paar Hotels und Restaurants und herrlich weißen Stränden. Wer einfach nur baden und schwimmen will, kann hier seine Seele baumeln lassen.

Um 18 Uhr des 30.11.2016 war es endlich so weit: Wir wurden eingeschifft, d.h. die Dingis fuhren mehrmals, um uns und die Koffer auf das Schiff zu bringen. Neugierig musterten wir uns, neun Paare, vier Einzelreisende. Im Flugzeug hatte ich schon Heinz (Namen sind alle geändert) kennengelernt, der ein Motorboot auf dem Storkower See in Brandenburg fährt und der neugierig war, wie es sich wohl auf einer großen Yacht segeln lässt. Ein Mann, der nach dem Tod seiner Frau beschlossen hatte, das Leben zu genießen! Sein Lieblingsbuch »Vier Stunden Arbeit in der Woche« zeigte er gerne herum.
Mit Magda, der anderen Alleinreisenden Frau, freundete ich mich sofort an. Uns verbanden gemeinsame Erfahrungen. Da sie eine Kajüte für sich allein gebucht hatte, kam ich zu der wunderbaren Gelegenheit, auch eine eigene Kajüte zu haben. Was war diese luxuriös! Ein großes Doppelbett, ein Bad mit Dusche, ausreichend Schrankflächen. Es gab Frischluftzufuhr, sodass ein angenehmes Klima herrschte, und ich schlief jede Nacht tiefer durch das sanfte Schaukeln an Bord. Die erste Nacht war natürlich nicht so ruhig, noch wusste ich nicht, wer die Menschen waren, mit denen ich hier eine Woche verbringen sollte und noch fürchtete ich die Seekrankheit!

Der erste Morgen weckte uns mit aufgehender Sonne auf einem silbrig-gleißenden Wasser. Dieses Glitzern und Gleißen der See, sich wandelnd nach dem Stand der Sonne, wechselnd in Blau- und Grüntönen konnte mich jeden Tag stundenlang gefangen nehmen, während das Schiff schlingernd oder ruhig dahin glitt.
Die Ersten kamen neugierig aus ihren Kabinen und etliche von uns entschlossen sich zu einem Morgenbad. Für mich wurde es zur täglichen Einrichtung vor dem Frühstück. Am Ende unserer Reise blieben wir zu zweit beim Morgenbad. Die anderen fürchteten das Öl im Hafen. Aber das konnte man ja abduschen! Bis zum Frühstück gab es Gelegenheit für Gespräche. Schön war es, dass wir uns zu jeder Mahlzeit in neuer Gruppierung an die Tische setzten, so lernte jeder jeden kennen und es gab keine Grüppchenbildung. Ärzte unterschiedlichster Fachrichtungen, Unternehmer, Freiberufler, Journalisten und andere Berufe fanden sich unter den Mitseglern, sodass sich angeregte Gespräche ergaben. Etliche hatten von eigenen Reisen und Segeltouren zu erzählen. Der begehrteste Mann war unser ‘‘Hotspot‘‘! Morgens sammelten sich Männer und Frauen um Frank, der großzügig seinen Internetzugang mit uns teilte, damit wir eine Verbindung nach Hause aufbauen konnten. Da ich zum Glück mein iPad mitgenommen hatte, mit dem ich Fotos machen, aber auch E-Mails schreiben konnte, signalisierte ich den Daheimgebliebenen, dass es mir gut ging! Natürlich gab es auch eine ‘‘Mama‘‘, die uns zu Nikolaus mit einem Schokobären verwöhnte!

Nach dem ersten Frühstück an Bord, das keine Wünsche offen ließ, segelten wir einen schönen Schlag von sieben Stunden nach Boa Vista. Gerade noch vor der Dämmerung kamen wir an, sodass einige von uns neugierig auf das Dörfchen waren, das sich gegenüber an Land zeigte. Mit dem Dingi wurden wir übergesetzt, da unser Schiff zu viel Tiefgang hatte, um in den Häfen zu ankern. Der Strand war voller bunter Fischerboote. Dahinter waren baufällige Betonhäuser, teilweise bunt bemalt, eine Sandstraße führte durch das Dorf, eine Kneipe an der Mole, Hafen wäre zu viel gesagt, Einheimische beim Bier, es gab viel zu entdecken. Frauen, die noch zu dieser späten Uhrzeit Fisch verkauften. Magda und ich wanderten durch die Gässchen, in denen es auch einige Läden für Touristen mit afrikanischen Kleidern, Tüchern, Holzfiguren und mehr gab. Ich kaufte mir ein buntes Hemd, das gleich vor Ort auf der Nähmaschine auf mein Maß zugeschnitten wurde. Freude für die Einheimischen, so spät am Abend noch ein Geschäft zu machen!
Was wir von der Insel, sehen konnten, war karges Felsgestein, eine wenig besuchte Insel.

Am nächsten Morgen wollten wir einen sehr langen Schlag nach São Nicolau machen, sodass der Käpt´n schon vor dem Frühstück lossegeln ließ. Wir segelten hart am Wind, das Schiff kränkte ordentlich und die Wellen spritzten über den Bug! Holla, eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön! São Nicolau ist auch eine wenig besuchte Insel, ganz zu Unrecht, denn sie ist grün und bergig. So hatte unser Reiseleiter (den wir gerne „Kümmerer“ nannten) sehr zu unserem Wohlgefallen eine Inselrundfahrt und eine dreistündige Wanderung vorgesehen. Doch bevor wir am nächsten Tag dieses Programm antraten, führte uns Peko nach dem Abendessen in eine Musikkneipe am Hafen. Dort spielte eine einheimische Gruppe lebhafte kapverdische Musik, die mit den Elementen des Sambas sehr an kubanische Musik erinnert. Unter uns gab es einige tanzbegeisterte Menschen, sodass wir einen heißen Samba aufs Parkett legten. Wir waren froh, uns endlich wieder bewegen zu können, denn so schön Segeln ist, man sitzt die meiste Zeit. So meldeten sich am nächsten Tag auch die meisten zum Wandern. Es ging steil bergauf durch eine bizarre grüne Felsenlandschaft. Unterwegs trafen wir auf einige Bergdörfer, die im ersten Augenblick verlassen wirkten. Aber plötzlich tauchten eine Ziege und Kinder auf, die uns neugierig musterten. Wie weit sie es haben bis zur nächsten Schule! Diesen Auf- und Abstieg machen sie jeden Tag. Wir waren froh, nach drei Stunden unser Ziel erreicht zu haben, denn die Wege sind steil und steinig. Am Ende wurden wir von Peko mit einem Bier verwöhnt!

Am nächsten Morgen ging es nach Santa Luzia, einem Naturschutzreservat, vor dem wir ankern und den langen weißen Strand entlang wandern wollten. Der Wind war jedoch so stark, dass eine Landung mit dem Dingi nicht möglich war. So mussten wir auf dem Schiff bleiben. Auch das Schwimmen um das Schiff stellte sich als schwierig heraus, da es starke Strömungen gab. Dafür entdeckten wir die Spiele an Bord und amüsierten uns herrlich beim Mensch ärgere Dich nicht!
Da der Wind stetig stark blieb, mussten Käpt’n und Reiseleiter unsere Reisepläne ändern. Statt auf Santo Antão zu landen und dort eine frisch geschlachtete Ziege zu verspeisen, mussten wir schon am Montag nach Mindelo segeln. Dieses Städtchen auf São Vicente liegt geschützt in einer Umarmung von Bergen und wird deshalb schon lange als Hafen geschätzt. In den letzten Jahren hat ein findiger Deutscher auch noch einen Yachthafen anlegen lassen, sodass hier alle Segler eintreffen, die von Amerika, der Karibik oder Europa kommen. So trifft sich hier ein buntes Völkchen in den wenigen Kneipen und Restaurants. Schnell kennt man die anderen Gesichter und die Einheimischen grüßen einen schon nach einem Tag! Die Menschen auf den Kapverden sind sehr freundlich, heiter und geschäftstüchtig. So gibt es in Mindelo unzählige Läden für Touristen, Restaurants, in denen jeden Abend Musik gespielt wird und einen aufgeschütteten Strand, damit die Touristen auch baden können. So traurig war es also nicht, schon am Montag hier gelandet zu sein statt am Dienstag! Dafür machten wir eine abschließende heftige Segeltour bei Windstärke 8 zwischen Santo Antão und São Vicente am 6.12. Danach nahm ich dann auch gern Abschied vom Schiff. Das Schlingern sollte mich noch Tage später begleiten!

Am Dienstagabend gab es das Captains Dinner. Die Crew war kaum wieder zu erkennen, so fein hatte sie sich gemacht! Leider hatte der Koch keine Langusten bekommen, stattdessen aßen wir aufgetautes Filet, das wie immer hervorragend schmeckte.
Am nächsten Morgen wurden wir alle um 6 Uhr morgens geweckt, da das Schiff zum Tanken musste, bevor es die große Fahrt über den Atlantik antrat. Also Ankerkette hoch und Motor an, da blieb kein Tiefschläfer unbehelligt, weil das ganze Schiff bei seinen Manövern vibrierte. Die Crew musste schon wieder alles vorbereiten für die nächsten Gäste, die am selben Abend an Bord kommen sollten. Nach dem Frühstück umarmten wir uns, die einen fuhren zum Flugplatz, andere wie ich, blieben noch 3 Tage. Komisch war es schon, plötzlich allein an Land zu stehen! Umso schöner die Vorstellung, solch einen Törn an anderen Orten wieder zu machen!

~ Elisabeth Gabka, ZEIT-Reisende

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