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Rom – Unendliche Vielfalt

Wo soll man nur mit der Erkundung Roms beginnen? Die Stadt ist zu vielschichtig, zu reich und zu unfassbar, als dass man sie durch das Abarbeiten eines Reiseprogramms kennen lernen könnte. Das gilt sowohl für Neulinge, die zum ersten Mal in die Ewige Stadt reisen, als auch für erfahrene Rom-Reisende, die die Stadt bereits kennen. Viele Wege führen nach Rom und noch mehr führen durch Rom. Es gibt keinen einzig »richtigen«, um die Stadt zu erkunden, doch ich habe einen sehr spannenden Vorschlag.

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Er beginnt mit der Frage »Quo vadis?«, auf die nicht jeder eine so prompte Antwort weiß wie jener, dem sie einst gestellt wurde. In der Via Appia soll der Apostel Petrus auf seiner Flucht aus Rom Jesus begegnet sein. Er fragte ihn: »Quo vadis, domine?« – »Wohin gehst du, Herr?«, und erhielt zur Antwort: »Venio Romam iterum crucifigi.« – »Nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen«.
Was wäre Rom ohne diese Antwort, die Petrus veranlasste, in die Stadt zurückzukehren und sich für seinen Herrn und seinen Glauben kreuzigen zu lassen? Vermutlich gäbe es den Petersdom nicht, was – übertrieben gesagt – bedeuten würde, es würde Rom nicht geben bzw. eben nicht das heutige Rom, das nicht nur Besucher aus aller Welt, sondern auch Pilger scharenweise anzieht. Kirche bedeutet Kultur.

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Dies ist nur ein Beispiel, um zu zeigen, dass in Rom nichts wichtiger ist, als die geschichtlichen Zusammenhänge zu verstehen. Die Stadt ist wie eine wundersame Zwiebel: Voller Genuss gilt es, Haut um Haut aufzuschälen und zu kosten. Ganz anders wird man den schönsten Platz der Stadt, den Kapitolsplatz, erleben, wenn man bedenkt, dass Michelangelo ihn auf Geheiß des Farnese Papstes Paul III. errichtete, und zwar zu Ehren von Kaiser Karl V. Just jenes Kaisers, der nur wenige Jahre zuvor, 1527, Mitschuld an einem der blutigsten Ereignisse in der Ewigen Stadt trug: »il Sacco di Roma«, die Plünderung Roms. Über 30.000 Menschen fielen damals dem Wahn deutscher Landsknechte und spanischer Söldner zum Opfer.

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Die Zeit heilt Wunden. Das werden wir in Rom immer wieder erleben: an Orten, an denen die Jahrhunderte fast nahtlos ineinander übergehen, wie z. B. in der Kirche San Clemente – ein Schmelztiegel der Geschichte – sowie in der Berührung verschiedener Kulturen und Religionen. Zeit lässt sich nicht aufhalten. Das sehen wir in Trastevere, dem Stadtteil, der noch bis vor wenigen Jahren fast wie ein mittelalterliches Dörfchen wirkte. Nun ist er, mit trendigen Lokalen, die alle Großstädte heute so sagenhaft gleich erscheinen lassen, in den Sog der rasenden Globalisierung geraten. Und doch stellt Trastevere – und Rom überhaupt – eine Ausnahme, einen Lichtblick dar. Denn gleichwohl auch hier die Zeit nicht stehen geblieben ist, so wahrt es noch die Besonderheit der lokalen Tradition, wie etwa die der kleinen Märkte, die den Reisenden bezaubern. Unsere gute Fee dort heißt Giulia, und wenn Liebe durch den Magen geht, dann strömt uns angesichts der frischen Käsesorten, die sie uns an ihrem Markstand kosten lässt, das Herz über. Schon allein an ihrer Gestik könnte man sich kaum satt sehen. Klein und vital erinnert sie uns an Giulietta Masina und führt uns zurück in die Atmosphäre von Federico Fellini. La Dolce Vita: Es gibt sie immer noch in Rom.

Erleben auch Sie die Ewige Stadt – auf unserer ZEIT-Reise nach Rom.

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