Unterwegs im Libanon

von Jasna Zajcek

Der Libanon war das erste arabische Land, das mich faszinierte. Ich weiß noch genau, wie ich als Kind gebannt vor der Tagesschau saß und meine Eltern immer wieder unverständig fragten: »Die haben doch Meer und Sonne da, warum ist immer Krieg?« Es sollten noch einige Jahre vergehen, bis ich im Studium ansatzweise verstehen konnte, was in diesem kleinen Land an der Levante vor sich ging.

Als ich dann tatsächlich das erste Mal in Beirut war, 2004, wurde mir schlagartig klar, dass alles über den Libanon nur graue Theorie ist, bis man das Land und die Menschen mit ihren Geschichten selbst erlebt hat. Beirut war damals noch nicht die Schönheit auf den ersten Blick, die sie jetzt in Teilen endlich wieder ist, aber quirlig und vor Lebensfreude strotzend. Europäische Reisende wurden und werden auf der Straße freundlich gegrüßt, willkommen geheißen, man merkt den Libanesen an, wie sie sich über jeden einzelnen Gast, der sich trotz der jahrzehntelangen Schlagzeilen neugierig in ihr Land begibt, freuen.

Kommunikation mit den Einheimischen ist einfach – und von ihrer Seite auch sehr gewünscht. Ein kleiner Plausch auf französisch hier (»Wie finden sie Beirut? Danke, dass Sie sich für unser Land interessieren!«), ein wenig Englisch dort (»Bitte berichten Sie in Deutschland, wie herrlich der Libanon wieder geworden ist!«), ein Café au Lait im eleganten »Paul's«, einem französischen Caféhaus, das aufgrund seiner duftigen Patisserie genauso an der Champs Élysées seine vornehme Kundschaft finden würde. Schon ist es Zeit für den Nachmittagsausflug, Bekanntschaften zu schließen ist einfach und die Ausflugsmöglichkeiten zahlreich.

Ob es hoch ins Skigebiet Faraya Mzaar geht, zu den uralten Zedernwäldern oder ob versteckte kleine architektonische Juwelen aus osmanischer Zeit in den Drusenbergen besichtigt werden sollen? Oder ob man den Tag im Beach Club, auf dem Boot oder einfach nur flanierend im frisch erstrahlenden Beirut verbringen soll? Die Mythen der Phönizier in Baalbeck entdecken oder auf den Spuren der Kreuzfahrer Meeresfestungen erobern?

Alles nur eine halbe, eine oder anderthalb Stunden Fahrt von der malerisch in einer sanft geschwungenen Bucht gelegenen Hauptstadt entfernt. Moment: Wie wäre es damit, sich – so wie die Beiruter zum Sonnenuntergang – einfach an die Corniche, die Uferpromenade, zu setzen und bei Tee und Wasserpfeife »tout Beirut« an sich entlang flanieren zu lassen? Das »Good Life«, wie die Beirutis sagen, einfach zu genießen?

Und Abends schon wieder die süße Qual der Wahl: Welches der zahlreichen exquisiten Spezialitätenrestaurants soll besucht werden? Eher libanesisch-französisch, ganz modern libanesisch-panasiatisch, ins feine Fischrestaurant oder ins neueröffnete Schokoladenrestaurant, wo die Hähnchenbrust mit Nüssen, gefüllt mit Bitterschokolade, neue Geschmacksgrenzen überschreitet? Von der Qual der Wahl der Nachtclubs, in die Alt und Jung nach dem langgezogenen Dinner gehen, ganz zu schweigen...

Als die New York Times Beirut im Jahr 2009 zur »Number 1-Must see«-Reisedestination adelte, war das Eis gebrochen. Die Schlagzeilen der lokalen Presse überschlugen sich: »Beirut ist nun offiziell zurück!« »Beiruts goldenes Zeitalter beginnt wieder« . Seitdem ist Tourismus wieder ein Wirtschaftsfaktor in der »Schweiz des Orients« geworden. Immer mehr internationale Hotels und Designershops eröffnen seitdem in Beirut. Downtown und die neuen Souks sind die eleganten Shoppingmeilen des Neuen Nahen Ostens. Ich empfehle: Es ist an der Zeit, bei den Nachkommen der Phönizier auf mindestens einen hervorragenden kühlen Rosé vorbeizuschauen!

Ach, eines noch, überhaupt, die Mode: Ich erinnere mich, wie mir eine ältere Dame einst im Interview sagte: »Wissen Sie, täglich Lippenstift und pro Saison ein neuer Hut, das hat mich mental durch die Kriegsjahre gebracht.« Bis heute macht man macht sich gerne schick an der Levante, und vielleicht erinnern Sie beim Packen Ihres Koffers den Slogan der lokalen Damenwelt: »So etwas wie 'overdressed' gibt es bei uns im Libanon nicht!«. Ich zumindest liebe es, bei Restaurantbesuchen im Libanon stets die schönsten Kleider tragen zu können – bei uns in Berlin ist alles außer Jeans schon 'overdressed'.

Willkommen im Libanon!

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