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Fotowettbewerb 2016 - Monatsgewinner Februar

Jolan Griemsmann ist unser Monatsgewinner im Februar. Mit seinem Bild aus der Namib-Wüste in Namibia konnte er die Jury überzeugen. Lesen Sie hier über die Hintergründe zum Bild.

Namib Wüste

Wie ist das Bild entstanden?

Das Bild ist im Januar 2015 in der Namib-Wüste Namibias entstanden. Wir waren auf dem Weg zum sogenannten Dead-Vlei, einer Salz-Ton Pfanne im Sossusvlei (UNESCO Weltkulturerbe).

Wir sind noch vor Sonnenaufgang aufgebrochen, um bei einigermaßen erträglichen Temperaturen im Sossusvlei anzukommen. Auf dem Weg dorthin machten wir eine kurze Pause, um einen der schönsten Sonnenaufgänge für immer mit unserer Kamera festzuhalten. Kurze Zeit später taten sich überwältigende rote Sanddünen vor uns auf. Wir fuhren vollkommen alleine durch die atemberaubende Landschaft, ab und zu stand ein Zebra am Wegesrand, ab und zu hüpfte eine Antilope durch den roten Sand. Dann plötzlich tat sich auf der linken Seite die gewaltige Düne 45 auf. Bei einheimischen nur als Big Daddy oder Crazy Dune bekannt wird Sie in Reiselektüre oftmals nur als höchste Düne der Welt betitelt. Zu Fuß ging es auf die Düne, der Anfang war recht flach und konnte ohne Probleme bewältigt werden. Allerdings nahm mit der Höhe auch die Steigung zu und die Luft wurde dünner. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie lange der Aufstieg gedauert hat, ich kann nur sagen, dass er sich definitiv gelohnt hat. Wir setzten uns in den Sand und genossen den einmaligen Ausblick von der 350m hohen Düne. Die Erschöpfung hielt nicht lange an, denn die Vorfreude darauf, gleich die Düne auf der steilen Seite hinab zu rennen war riesig. Ich zog meine Schuhe aus und überließ meiner Freundin die Kamera um mich beim “Abstieg” zu fotografieren. Ich lief gemeinsam mit einem Mann aus unserer Gruppe los, bereits nach ein paar Metern konnte mich meine Geschwindigkeit und meine Laufrichtung nicht mehr selbst steuern, die Düne gab mir meinen Weg vor.

Erst später als wir uns das Foto auf dem Computer ansahen, stellten wir fest, dass die Landschaft am Ende der Düne der Mondlandschaft sehr ähnlich sah. Wir liefen also direkt in Richtung Mond. In Anlehnung auf Neil Armstrongs erste Schritte auf dem Mond habe ich das Bild “Ein großer Schritt für mich, ein kleiner für die Menschheit genannt!”

Was bedeutet das Bild für Sie?

Für mich ist dieses Bild Freiheit und Unbeschwertheit. In dem Moment des Laufens kann dich niemand aufhalten, du läufst und fühlst dich frei und nahezu schwerelos, du denkst für eine kurze Zeit einfach mal an nichts.

Was gefällt dir besonders gut an diesem Bild?

Dieses Bild zeigt einfach die unendliche Weite Namibias und zeigt mir beim Betrachten einfach immer wieder, warum ich so gerne nach Namibia reise. Ausserdem bin ich überwältigt von dem Farbspiel und den Kontrasten in diesem Foto. Was mir aber besonders gut an diesem Bild gefällt ist, dass es besonders gut zeigt, warum ich die Fotografie so liebe, ein Foto nimmt einen Moment ganz anders auf als man ihn manchmal wahrnimmt. In diesem Fall habe ich erst hinterher auf dem Foto diese unheimlich schöne Mondlandschaft gesehen.

Motivation für die Reise und die schönsten Momente?

Der erste Teil der Frage ist leicht zu beantworten, der zweite nahezu unmöglich. Meine Urmotivation für die Reise nach Namibia war es, meiner Freundin diese südliche Welt einmal zu zeigen. Ich hatte das Glück, dass ich als Kind bereits mit meinen Eltern nach Namibia reisen durfte. Ich wollte mein Afrikafieber unbedingt mit jemandem teilen. Ansonsten bestand die Motivation ganz einfach darin, die bekannte Welt zu verlassen und in eine fremde Welt einzutauchen. Die Menschen, die Landschaft und vor allem die Tiere zu erleben. Für eine kurze Zeit die ständigen Termine und den, immer präsenten  ,Zeitdruck, in Deutschland, gegen die Zeitlosigkeit der namibianischen Wildnis einzutauschen.

Wenn ich nun die schönsten Momente der Reise aufzählen sollte müsste ich den kompletten Reiseverlauf von Landung bis Abflug in Windhoek verfassen. Besonders in Erinnerung geblieben sind allerdings die Safaris im Etosha Nationalpark und die Dünen im Sossusviei. Im weiteren Verlauf der Reise sind wir noch nach Botswana und Simbabwe gereist, hier sind insbesondere noch die Victoria Falls zu nennen, die ein einmaliges Naturschauspiel darstellen und eine Bootsafari auf dem Sambesi bei der die wunderschönen Tiere einmal aus einer ganz anderen Perspektive beobachtet und genossen werden konnten.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Ich weiß nicht, ob ich schon bei der Fotografie angekommen bin, denn von dem was ich da tue verstehe ich meist nicht so viel wie ich gerne würde. Ich habe schon immer gern fotografiert, als Kind mit der analogen Spiegelreflexkamera von meinem Vater, als Jugendlicher dann mit meiner ersten digitalen Kompaktkamera. Später kam dann die digitale Spiegelreflexkamera meiner Freundin dazu, die nach und nach erweitert wurde.

Allerdings bin ich mir sicher, dass ich maximal 20% der Kameramöglichkeiten nutze, und nur 10% davon verstehe. Ich nehme mir immer wieder vor mich näher mit dem Thema zu beschäftigen, fange dann aber doch einfach wieder an drauf los zu knipsen.

Was bedeutet für Sie Fotografie?

Fotografie bedeutet für mich Momente einzufangen und mithilfe des Fotos für die Ewigkeit zu sichern. Fotos bieten mir die Möglichkeit Erinnerungen mit Anderen zu teilen.

Nennen Sie uns ihre schönsten  fotografischen Momente.

1.) “das perfekte Motiv kann man nicht suchen, es findet dich!” – Ich saß in Namibia in dem kleinen Örtchen Solitaire auf dem sandigen Boden einer alten Tankstelle und wollte eine Gruppe Erdmännchen in der Ferne fotografieren, ich saß dort und drückte immer wieder ab, bekam allerdings gar nicht mit, dass ein Erdmännchen ganz besonders neugierig war und bis auf 50cm an mich herankam und mich beäugte und beschnüffelte. Nun hatte ich das perfekte Motiv direkt vor meiner Linse ohne damit gerechnet zu haben.

2.) “Mit der Kamera vor dem Gesicht erkennt der Gegner deine Angst nicht!” – Wir waren mit einem Ranger zu Fuß unterwegs in einem kleinen Game Reserve in Südafrika. Plötzlich wirkt der Ranger angespannt und mahnt uns, nicht zu rennen und Ruhe zu bewahren. Zehn Meter vor uns saß eine Gepardin. Ein wenig starr vor Schock und gleichzeitig atemlos vor Begeisterung nahm ich die Kamera und machte ein paar beeindruckende Bilder dieses prachtvollen Tieres bevor es sich zurückzog.

3.) “SD-Karte als Blackbox!” – Gleiches GameReserve, gleicher Ranger. Wir waren mit dem Geländewagen unterwegs im Busch, als wir uns plötzlich in einer riesigen Herde Elefanten wiederfanden. Ein riesiger Bulle stand keinen Meter vor unserem Auto entfernt und machte uns sehr deutlich, was er von unserem Besuch hielt. Keine 50cm neben mir spürte ich den Rüssel einen jungen Elefantenkuh, die interessiert an uns schnupperte, auch in diesem Moment habe ich viel mehr aus Reflex als bewusst die Kamera gemommen und Bilder gemacht, ich dachte für einen kurzen Moment “und wenn hier nun einer ausrastet, dann kann die Nachwelt dank meiner Speicherkarte herausfinden, was passiert war!”.  Es ist alles gut gegangen und ich habe spektakuläre Aufnahmen der Dickhäuter,

Welche Tipps haben Sie für Einsteiger in die Fotografie?

Da ich selbst nicht mehr als ein Einsteiger bin, kann ich nicht viel sagen. Ich würde die Kamera einfach offensiv nutzen, man kann im digitalen Zeitalter gar nicht mehr zu viel fotografieren, denn Löschen geht immer!Ansonsten mag ich es gerne, Dinge zu fotografieren und diese nicht in die Bildmitte zu zentrieren sondern vielleicht auch mal an den Bildrand. Ich mache das sehr gerne, also vielleicht kein Tipp, sondern vielmehr eine Idee zum Ausprobieren, denn Probieren geht über Studieren.

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