Zur Übersicht Berichte

Die »Transatlantische Flaschenpost« – eine irrwitzige Geschichte

Ein Künstler, eine Unternehmerin aus Bremen und ein Vertreter von ZEIT REISEN: Vorletzten Freitag, am 19. September fand eine Aktion ihren vorläufigen Höhepunkt, von der am Anfang niemand wusste, was sich daraus entwickeln würde.

Alles begann am 21. Juni, als wir an Bord der Queen Mary 2 in Hamburg Richtung Elbmündung aufbrachen. An Bord eine Gruppe ZEIT-Reisender, unser Herausgeber Josef Joffe und Martin Klingst, bis dato fast acht Jahre ZEIT-Korrespondent in Washington mit ihren Gattinnen, und der Programmchef von ZEIT REISEN. Unser Fernziel 10 Tage später hieß New York, der wahre Grund der Reise aber war der Weg dorthin: 7 Tage auf dem Atlantik, unterbrochen nur von einem Stopp in Southhampton. Einmal im Leben auf einem Schiff den Atlantik überqueren auf der Queen Mary – dem letzten richtigen Oceanliner –, das war der Traum der uns einte. Keine zerstreuende Kreuzfahrt unternehmen, nicht aussteigen müssen, keine Landausflüge, das war der wahre Luxus, der unsere aneinandergereihten Seetage auf besondere und ganz verschiedene Weise miteinander verband.

Dennoch: Wenn ZEIT-Leser zusammen verreisen, dann wollen Sie auch voneinander profitieren, möchten ihre Mitreisenden und ihre Meinungen kennenlernen, sich miteinander austauschen. Jeden Tag eine Veranstaltung der ZEIT – mal ein Vortrag von Martin Klingst über das neue Amerika, mal ein Gespräch zwischen Joffe und Klingst über die neue Rolle der USA im sich verschiebenden weltpolitischen Koordinatensystem und in Zeiten von NSA. Ein Film über die Geschichte der ZEIT oder Überlegungen darüber, warum unsere Zeitung in Zeiten der größten Medienkrise erfolgreicher ist als andere. Daran anschließende angeregte und manchmal hitzige Diskussionen der ZEIT-Community untereinander. Jede Menge Zeit für die ZEIT.

Und dann war da noch Hans Panschar. Wir hatten den norddeutschen Holzbaukünstler vom Starnberger See eingeladen, im Laufe unserer Passage an Bord eine »Transatlantische Brücke« zu fertigen, work in progress sozusagen, an dem wir teilhaben und Panschar über die Schulter schauen konnten, wie sich ein Holzblock Tag für Tag in ein filigranes Kunstwerk verwandelte. Und Panschar brachte eine weitere Idee mit an Bord – in Form von 10 kleinen Milchflaschen und 10 Miniaturen seiner überdimensionalen Holzskulpturen.

Reisebericht_Flaschenpost_1

Reisebericht_Flaschenpost_2

Die Idee einer »Transatlantischen Flaschenpost« war geboren: Jeden Tag – meist mittags um zwölf – wurde ein ZEIT-Reisender auserkoren, eine Flasche ins Meer zu werfen, darin eines der Kunstwerke, die Beschreibung des Projekts auf Englisch und auf Deutsch und eine Adresse. Anfangs fand sich nur eine kleine Schar zu diesem Anlass ein, aber täglich wuchs die Flaschenpost-Community. Als dann kurz vor dem Einlaufen in New York die letzte Flasche versenkt wurde, verfolgten mehr als 60 Mitreisende die Aktion. Viele hatten schon in den Tagen vorher Kontakt geschlossen, sich zum Essen oder auf einen Sundowner verabredet.

Reisebericht_Flaschenpost_4

Reisebericht_Flaschenpost_2

Am Vortag der Ankunft in Manhattan hatte Hans Panschars »Transatlantische Brücke« äußerst ästhetische Formen angenommen, aber was tun mit dem Kunststück? Wir beschlossen, die Brücke zu versteigern – und den kompletten Erlös auf beiden Seiten der Brücke – in Hamburg und in Brooklyn an Hilfsprojekte für Kinder zu spenden. Beim Gebot von 2.100,- Euro erhielt Angela Feldhusen den Zuschlag, das von der ZEIT-Geschäftsführung spontan verdoppelt wurde. So erhielten das Projekt »Neighbors Together« in Brooklyn und das Kinderhospiz »Sternenbrücke« in Hamburg jeweils 2.100,- Euro – und zusätzliche Spenden von weiteren Reiseteilnehmern.

Reisebericht_Flaschenpost_6

Am 1. Juli hatte die Queen in New York angelegt, am 12. Juli wurde Deutschland Weltmeister und am 13. Juli kam eine Mail von Hans Panschar: »Seepost!« Die erste Flaschenpost war gefunden worden, auf Ameland von zwei holländischen Urlaubern, ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag. Und: Es war die Flaschenpost, die Angela Feldhusen am zweiten Reisetag der Nordsee übergeben hatte. Was für ein großartiger Zufall!

Zwei Monate später, am 15. September dann wieder eine Mail von Hans Panschar mit zwei kurzen Worten: »Die zweite!« Am Yamouth Beach auf der Isle auf Wight hat Adie Butler sie aufgelesen. Seit langem streift er bewaffnet mit einem blauen Müllsack über den Sand, um den Strand vom angeschwemmten Müll zu säubern. Noch nie hatte er eine Flaschenpost gefunden – am heutigen Tage entdeckte er noch zwei andere – ein unglaublicher Zufall! Die Flaschenpost von der Queen Mary enthielt – eine Miniatur des Schiffes selbst, ins Meer geworfen von Angela Niewerth aus Berlin.

Mit allen drei Flaschen landete Adie noch am selben Abend im Fernsehstudio seines Lokalsenders und unsere Flaschenpost im britischen TV: https://www.facebook.com/groups/1421988978046957/
Wo werden die anderen Flaschen jetzt wohl sein, wohin werden sie von den Strömungen des Atlantiks getrieben? Wir werden es erfahren, spätestens wenn eine Mail von Hans Panschar kommt, mit den knappen Worten: »Die Dritte!«. Sie können die Entwicklung verfolgen, die Hans Panschar auf seiner Homepage www.hanspanschar.de dokumentiert.

Vielleicht haben auch Sie Lust auf dieses einzigartige Erlebnis: Ihre ganz persönliche Transatlantikpassage – Wir sind dabei und freuen uns auf Sie!

Hier geht es zur aktuellen ZEIT-Reise auf der »Queen Mary 2«

Bernd Loppow Hamburg, 27.9.2014
Programmleitung
ZEIT REISEN

ZEIT GOLF MASTERS – Golf, Spaß und Kulinarik am Tegernsee Zur Übersicht “Berichte” Marokko – Rundreise zu den Königsstädten