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Die Serengeti lebt! – Bericht einer ZEIT-Reisenden

Anfang der sechziger Jahre saß ich zusammen mit Schulfreunden in einem Bonner Kino, gezeigt wurde Bernhard Grzimeks Film “Serengeti darf nicht sterben” als Ergänzung zum Biologieunterricht. Ich war damals ungeheuer beeindruckt von den vielen exotischen Tier- und Landschaftsbildern aus dem fernen Afrika und es war klar: „Da muss ich hin!“ Nach diversen Besuchen im südlichen Afrika waren im vergangenen Jahr endlich die Serengeti und weitere Nationalparks in Tansania an der Reihe.

Staubig und trocken empfängt uns der Tarangire-Nationalpark, und so soll es auch sein. Durch die Trockenheit sammeln sich die Tiere auch aus der weiteren Umgebung – manche kommen viele Kilometer vom Lake Manyara rüber – an den Wasserstellen im Tarangire. Und jetzt im Herbst erreicht diese Zuwanderungsbewegung ihren Höhepunkt. Elefanten, Zebras, Wasserböcke, Büffel sorgen für erste Aufregung. Ganz in der Ferne sehen wir einen Gepard, aber es braucht schon ein gutes Teleobjektiv, um ihn auf dem Foto zu erkennen. Ich habe nur Landschaft mit einem gepunkteten Flecken zu bieten, bin aber so stolz, als wäre ich gerade „Wildlife Photografer of the Year“ geworden. Wir können ja nicht wissen, dass wir im Ngorongoro-Krater noch ganz nah an diese faszinierend-schlanken Tiere herankommen werden. Und dann auch wirklich preisverdächtige Fotos schießen werden.

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Nächstes Ziel: Die Serengeti! Wir wohnen in der Serengeti Serena Safari, deren reetgedeckte kreisrunde Cottages wie die Zipfelmützen aus dem dichten Akazienwald ragen. Die Aussicht auf die Steppe ist fantastisch und groß meine Ungeduld, endlich mit den wendigen Safari-Autos auf Pirsch zu gehen. Kurz frisch machen, Kamera-Akku wechseln, eine Flasche Wasser und das Fernglas gegriffen – und schon geht’s los! Die riesigen Gnu-Herden in der Savanne wirken unsortiert und fast orientierungslos, wie sie da durch die Steppe ziehen, aber sie sind es mitnichten: Die erfahrenen Tiere finden den besten Weg und immer die richtige Balance zwischen Sicherheit und Nahrung: Was nützen die saftigsten Wiesen, wenn man sich hier nicht gegen die Löwen verteidigen kann. Denn die lauern – immer und überall hoffen sie auf ein Junges, das sich zu weit von der Herde entfernt, oder ein altes Tier, das nicht mehr mithalten kann. Die Jagd ist kurz und erbarmungslos. Und so sehr wir auch auf diese Action gehofft haben, so sehr macht es uns doch auch traurig zu sehen, wie eine Gnu-Mutter ihr Kleines schließlich aufgeben muss, um nicht auch selbst von den Löwen niedergestreckt zu werden.

So sehr ich mich auf die Serengeti gefreut hatte und so viel Schönes sie uns geboten hat, am Ende ist es doch der Ngorongoro-Krater, der den größten Eindruck macht. Kaum sind wir am Kraterboden angekommen, begegnen wir vier jungen Löwen beim Spielen – zwei verziehen sich ins Dickicht, zwei bleiben am Wegesrand sitzen; sie balgen sich und wir geraten in Verzückung – dies ist kein Youtube-Katzenvideo, das hier ist die Realität! Genauso wie die allgegenwärtigen Zebras, eine riesige Büffelherde und Warzenschweine, die ihr schmales Schwänzchen vorwitzig in die Luft recken. Während wir noch aufgeregt in alle Richtungen knipsen und der erste schon flucht („Ausgerechnet jetzt ist der Akku leer !“) kommt von links eine Elefantenherde. Die Leitkuh ist unser Lieblings-XXL-Size-Model. Riesig baut sie sich vor unserem Safarifahrzeug auf und fächert mit den Ohren. Und dann zieht die Karawane entspannt vor unserem Auto über den Weg; die Kleinen und Kleinsten stets flankiert von ihren Müttern und Tanten. Uns erscheint es, als würden sie mit besonderem Stolz zu uns hinüberschauen: „Guckt nur, Ihr Touristen mit den komischen Geräten vor dem Gesicht, ich bin zwar klein, aber jetzt schon etwas ganz besonderes. Warum sonst würdet Ihr mich so anstrahlen?!“ Dieses Dauergrinsen begleitet uns die ganze Reise über, auch wenn sich die heiß erwarteten Nashörner nur in der Ferne mühsam ausmachen lassen. Man braucht schon ein gutes Fernglas und genaue Hinweise („Da links… neben den Büschen… nein, den anderen Büschen … jetzt sieht man nur noch das Horn … weiter links!!!“), um die Nashörner zu erkennen. Aber letztlich haben wir alle einen mehr oder weniger guten Blick darauf erhascht und werden auch gleich getröstet, zwei Geparden ignorieren uns völlig auf dem Weg durch die Steppe. Ihr Ziel ist ein Baum, den sie markieren, bevor sie sich noch einmal umschauen und entspannt in die Ferne davon trotten.

28802 Tansania_Elefanten_Copyright Hatari Lodge

Unsere letzte Lodge ist der perfekte Abschluss: Die Hatari Lodge auf der ehemaligen Farm von Hardy Krüger. Innen: Moderner Retro-Stil. Außen: Blick auf den Kilimandscharo, Weite und unsere letzten Pirschfahrten. Direkt unterhalb der Lodge liegt eine Feuchtsavanne, die man zu Fuß über einen großen Steg erreicht. Zahlreiche Wildtiere kann man hier ganz bequem beobachten – Büffel, Warzenschweine und Giraffen vollführen ihr tägliches Schauspiel und sind es gewöhnt, dabei von hingerissenen Zuschauern beobachtet zu werden. Die Vögel geben zum Ende des Tages ein betörendes Zwitscherkonzert und ich glaube, sie singen uns ein „Kommt wieder“. Das tun wir!

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