Prolog

Auf der neuen Seidenstraße

Als Kulturbotschafter der ZEIT auf Expedition im Bus von Shanghai nach Hamburg

Am 29. Juni 2017 ist unsere einmalige Kulturexpedition mit der individuellen Anreise der ZEIT Reisenden gestartet. Denn es ist endlich wieder soweit, die große Reise auf der neuen Seidenstraße kann nun endlich beginnen!

Das Reiseziel nach über 13.000 Kilometern, 52 Tagen und 37 Etappen ist Hamburg, Deutschlands weltoffene Hansestadt. Maximal 26 ZEIT-Reisende fahren in einem modernen und großräumigen 5-Sterne-Luxusbus mit allem Komfort über Kirgisistan, Usbekistan, Kasachstan, Russland, Weißrussland auf der neuen Seidenstraße bis nach Hamburg.

In der Blütezeit der Seidenstraße vor über tausend Jahren wurden Seide, Porzellan und Gewürze global gehandelt. Nach Jahrhunderten der Vergessenheit wird die Seidenstraße von China wiederbelebt und steht erneut im Fokus globaler Aufmerksamkeit. Wo früher Kamelkarawanen jahrelange und beschwerliche Reisen zwischen Europa und Asien auf sich nahmen, entstehen heute neue Autobahnen, Pipelines und Eisenbahnnetze für die modernsten Hochgeschwindigkeitszüge der Welt. Sie werden Zeitzeuge auch dieser Entwicklung. Die Teilnehmer übernachten in ausgesuchten 4- bis 5-Sternehotels und werden auf der gesamten Strecke von einer Reiseleitung der ZEIT und unseres Partnerveranstalters China Tours begleitet. Langjährige Korrespondenten und Redakteure der ZEIT wie Johannes Voswinkel und Alexander Sambuk, der Asien-Spezialist Walter Weiss sowie weitere Experten vermitteln Ihnen in Vorträgen und Gesprächen auf wichtigen Teilstrecken ihr Wissen über Geschichte und aktuelle Entwicklungen. Vielerorts werden unserer Kulturexpedition unterwegs hochkarätige Empfänge durch unsere Gastgeber bereitet.

Begleiten Sie uns hier im Blog auf ein einzigartiges Abenteuer: Die neue Seidenstraße!

PS: Bereits am 29. Juni haben die ZEIT-Reisenden auf dem Hinweg von Hamburg nach Shanghai begeistert und unversehrt den Endpunkt ihres großen Abenteuers erreicht. Ihre Eindrücke und Erlebnisse haben Sie ebenfalls in Ihrem Reiseblog festgehalten. Lesen Sie hier mehr dazu!

Route
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Tag 21

Turfan – Korla

Am Morgen des heutigen Tages steht, noch in Turfan, zunächst eine Verbeugung vor der Ingenieurskunst der alten Chinesen auf dem Programm.
Wir besuchen das Museum zum Thema Karez. Dies sind unterirdische Bewässerungskanäle, durch die hier, in der extrem trockenen Turfan-Senke, seit alters Wasser aus dem Tian Shan-Gebirge in die Siedlungen, auf die Felder und in die hier sehr weitläufigen Weingärten geleitet wird. Sie funktionieren nach einem ebenso einfachen wie genialen Prinzip: An einem Abhang wird ein vertikaler Schacht gegraben. Ist der Grundwasserspiegel erreicht, gräbt man vom talwärts gelegenen Dorf aus in Richtung Brunnen einen horizontalen, leicht abfallenden Tunnel, der das Wasser an die Erdoberfläche leitet – ohne Pumpen, nur mithilfe der Schwerkraft, ohne Verdunstungsverluste und auch weitgehend ohne weitere Erhaltungskosten.
Das Knowhow dafür kam vor circa 2000 Jahren aus dem iranischen Kulturraum.
Die Chinesen haben die Erfindung im wüsten Nordwesten ihres Landes perfektioniert. Die oft viele Kilometer langen Kanalsysteme der Karez werden neben der Großen Mauer und dem Kaiserkanal als die dritte epochale bautechnische Leistung in der langen Geschichte des Landes gerühmt.
Auf der Weiterfahrt Richtung Westen wird die Straße aus der „Senke von Turfan“, der drittgrößten Depression der Erde, bis auf 1500 Meter Seehöhe ansteigen und die Lufttemperatur auf fast schon moderate 32° sinken. Das obligate morgendliche Gedicht verliest diesmal Hans-Wilm Schütte. Es gibt die Klage einer chinesischen Prinzessin aus der Frühzeit der Geschichte wieder, die an ein rivalisierendes Nachbarvolk im Westen zwangsverheiratet wurde und sich, unter den fremden Sitten leidend, nach ihrer Heimat sehnt.
Insofern knüpft es thematisch direkt an Hans-Wilms spannenden Vortrag vom Vorabend über die politische Frühgeschichte der Seidenstraße an. Später wird er noch einen pointierten Text des Briten Peter Fleming, dem Bruder des James-Bond-Erfinders Ian Fleming, vorlesen – ein Kapitel aus dessen Buch „Tatarenland“, das die so abenteuerliche wie beschwerliche Reise in den 1930er-Jahren durch die Wüste Taklamakan in die von Uiguren bewohnte Provinz Xinkiang, durch die auch wir uns jetzt bewegen, beschreibt.

Gigantische Windkraftparks säumen, wie hier westlich von Korla, immer wieder unseren Weg (Walter Weiss)
Gigantische Windkraftparks säumen, wie hier westlich von Korla, immer wieder unseren Weg
(Walter Weiss)

Reiseleiter Michael hingegen spricht, während wir schier endlose Wälder aus hochstelzigen Windkrafträdern entlangrollen, über Chinas Umweltprobleme und die vehementen Versuche der Behörden, ihrer Herr zu werden. Er erwähnt den alten Kampf gegen die vier historischen Plagen:
gegen Ratten, Fliegen, Moskitos und, man höre und staune, Spatzen, die ebenfalls als Schädlinge gelten, weil sie die Saat von den Feldern picken.
Von der in den letzten zwei, drei Jahrzehnten arg grassierende Verschmutzung von Luft und Wasser erzählt Michael, und von der in den jüngsten Jahren zu verzeichnenden Verlagerung ökologischer Problemindustrien aus den dicht bevölkerten, zu Wohlstand gelangten Regionen des Ostens in Richtung der noch armen Provinzen im Westen. Aber wir erfahren auch viel über die bereits sehr beachtlichen Erfolge im Bereich des Umweltschutzes, die immensen Aufforstungsprogramme zum Beispiel, die Erhöhung der Abgasstandards, und überhaupt die immer strengeren Kontrollen zur Einhaltung einschlägiger Umweltgesetze.
In einem zweiten ausführlichen Vortrag erläutert Michael Chinas Sozial- und Versicherungssystem. Wir erfahren, dass noch Ende des 20. Jh. die meisten Beschäftigten lediglich über ihre so genannte Arbeitseinheit durch eine Betriebsversicherung und Betriebsrente versorgt gewesen sind. Nach dem Millenium habe man jedoch nach europäischem Vorbild auf ein System der Pflichtversicherung für die Rente sowie den Fall von Krankheit, Arbeitslosigkeit und Unfällen umgestellt, die automatisch vom Lohn abgezogen würden. Dies gelte freilich vorwiegend in den Städten. Die bäuerliche Bevölkerung auf dem Land sei vielerorts weiterhin überwiegend auf sich selbst gestellt und müsse im Notfall mit einer minimalen Sozialhilfe überleben. Generell, hören wir, sei das Versicherungswesen inzwischen stark kommerzialisiert. Als etwa seine Frau zur Entbindung ihrer beiden Kinder im Spital gelegen sei, berichtet Michael aus persönlicher Erfahrung, hätten dort Keiler versucht, den Eltern langfristige Verträge für die Neugeborenen aufzuschwatzen.

Spektakuläre Landschaftskulisse: Shaliang – die „Sandrücken-Berge“ (Walter Weiss)
Spektakuläre Landschaftskulisse: Shaliang – die „Sandrücken-Berge“
(Walter Weiss)

Später zieht die Landschaftskulisse alle Aufmerksamkeit auf sich: Die Straße führt durch schroffe, von mächtigen Dünen durchzogene Felsformationen – die Shaliang genannten „Sandrücken-Berge“.

25 Gäste sind an Bord. Ab heute zieren ihre Namenszüge die Außenhaut unseres Neoplan (Walter Weiss)
25 Gäste sind an Bord. Ab heute zieren ihre Namenszüge die Außenhaut unseres Neoplan
(Walter Weiss)

Bei einem Fotostopp holen wir ein überfälliges Ritual nach: Jeder aus unserer inzwischen eingeschworenen Reisetruppe verewigt sich auf der Außenwand des Busses per Filzstift mit seinem Namenszug. Die dafür eigens ausgesparte weiße Freifläche verkündet weithin sichtbar: „Wir sind dabei!“ Ein schöner Anlass, wieder einmal gemeinsam die mit hochprozentigem Klaren gefüllten Gläser zu erheben.

Hotelzimmer mit Aussicht: der „Pfauen-Fluss“ im Zentrum von Korla (Walter Weiss)
Hotelzimmer mit Aussicht: der „Pfauen-Fluss“ im Zentrum von Korla
(Walter Weiss)

Kurz bevor wir in Korla, unserem heutigen Etappenziel, einrollen, passieren wir zahlreiche Ziegelbrennereien. Die Stadt selbst war als Oase an der nördlichen Seidenstraße schon zur Zeit der Han-Dynastie von großer Wichtigkeit. Heute, hören wir, bildet sie das Zentrum einer „Autonomen Republik der Mongolen“. Mehr als zwei Drittel ihrer knapp 500.000 Einwohner werden freilich von Han-Chinesen gestellt. Ihr Name bedeutet auf Uigurisch soviel wie „von hoher Stelle hinab schauen“ – ein Indiz für ihre Lage auf fast 1000 m Seehöhe am Rand des Tarim-Beckens. Aus touristischer Sicht macht Korla freilich wenig her. Als Zeitvertreib bleibt nach dem gewohnt opulenten Dinner ein Spaziergang in Sichtweite des Hotels entlang der Uferpromenade des „Pfauen-Fluss“. Eine schöne Gelegenheit mehr, mit Einheimischen – Familien, Jugendlichen, Senioren -, die hier in Scharen fröhlich-entspannt den lauen Sommerabend genießen, auf Tuchfühlung zu gehen.

~ Walter Weiss, ZEIT-Reiseleiter

Tag 20

Turfan

In der Umgebung der Oasenstadt

Seit ein paar Tagen fühlen wir uns wie in einem anderen Land:
Tankstellen sind mit Stacheldraht abgesichert und dürfen nur vom Fahrer – alleine ohne jeden Mitfahrer – aufgesucht werden. Im Hotel und Restaurant bewachen Sicherheitskontrollen – z.T. mit Stahlhelm – den Eingang
Auf den Köpfen vieler Männer sehen wir Kappen. Die Gesichter der Menschen sind dunkler, ihre Körper kräftiger und gedrungener.

Die Autos blitzen nicht mehr so wie bisher, an den Straßenrändern sieht es weniger gepflegt aus. Immer wieder stehen große Bettgestelle vor den Häusern.
Wir sind in der autonomen Region Xinjiang im Nord-Westen. Hier leben etwa 50 Prozent Uiguren, eine der ethnischen Minderheiten Chinas.

Heute früh im Bus sitzt zum ersten Mal unser neuer Zeit-Experte Herr Dr. Hans-Wilm Schütte, der sehr kurzfristig eingesprungen ist für den erkrankten Leiter von China Tours Hamburg, Herrn Guosheng Liu. Herr Dr. Schütte ist promovierter Sinologe und ausgewiesener China-Kenner. Er schrieb mehrere Reiseführer und Bücher über China und leitete eigene China-Reisen.
Wir freuen uns, von einem so kompetenten Fachmann bis Kashgar begleitet zu werden.

Auf unserem Weg zur Ruinenstadt Gaochang erläutert uns Herr Dr. Schütte, wieso im Norden der größten Sandwüste der Erde – der Taklamakan – große Euphrat-Pappeln wachsen können:
Die starken Schmelzwasserflüsse aus dem TianShan Gebirge sorgen im Tarim-Becken für einen hohen Grundwasserspiegel. Bereits in zwei Meter Tiefe stößt man auf Wasser. Die Euphrat-Pappeln senken ihre Wurzeln stark in die Tiefe und finden so immer genügend Wasser.
Es zeigen sich allerdings bereits Auswirkungen des zunehmenden Wasserverbrauchs: Der Grundwasserspiegel sinkt, Flüsse versickern früher, Pappeln sterben ab.

40 km östlich von Turfan erreichen wir Gaochang. Wir steigen um in zwei Elektrobusse, die uns über das Gelände fahren werden.

An die einst blühende Metropole erinnern heute nur noch kärgliche Überreste.
Auf einem Gelände von 1,5 x 1,5 km Fläche befinden sich die Ruinen einer vor 2200 Jahren gegründeten Oasenstadt an der Seidenstraße.
Unübersehbar ist die ehemals 11m hohe und 5km lange Stadtmauer aus ungebrannten Lehmziegeln, die sich gänzlich in Auflösung befinden. Am deutlichsten noch zu erkennen sind die Gebäudereste eines buddhistischen Klosters. In diesem Kloster weilte auch der Mönch Xuanzang auf seiner Forschungsreise nach Indien.

Im architektonisch gut gestalteten Eingangsgebäude entdecken wir dann einen Laden, der viele Mitreisende zum Stöbern einlädt und zum Einkaufen verführt. Um die Preise muss stark gefeilscht werden, was einigen schon sehr gut gelingt.

Die nächste Station führt uns vorbei an den Flammenden Bergen in ein sehr enges Tal. Hier wurde wie bei den gewaltigen Mogao Grotten durch das reißende Wasser eines Flusses eine Steilwand ausgewaschen, in die vom 5. Bis 9. Jahrhundert 1000 buddhistische Höhlentempel gegraben wurden.

Leider findet man nur noch Malereifragmente und gar keine Skulpturen mehr in den Höhlen. Die schönsten Fresken wurden von Forschern abgetragen und befinden sich heute in anderen Ländern, auch in deutschen Museen.
Es macht uns ganz bedrückt und wütend, dass von Forschern solche Zerstörungen vorgenommen wurden.

Auf dem Weg zum Bus freut sich Frau Ma – unsere örtliche Reiseleiterin – über die kühlen 37 Grad Außentemperatur. Bei ihrem letzten Besuch musste sie bei 51 Grad die Stufen hochklettern.

Als wir bei der Rückfahrt an den Flammenden Bergen vorbeifahren, machen wir einen Fotostopp, doch das Licht lässt keine flammenden Bilder zu.

Wir fahren durch Weinfelder und sehen Bauern mit hochbeladenen Wagen von der Weinlese heimkehren. Am Wegesrand gelingt uns endlich ein Blick in eines der vielen Darrhäuser der Gegend, in dem die Trauben für etwa einen Monat an Drähten zum Trocknen aufgehängt sind. Uns läuft schon das Wasser im Mund zusammen, wenn wir an die leckeren Rosinen denken.

Um 18 Uhr treffen wir uns im neuen Museum von Turfan. Dort können wir das vor Ort gesehene weiter vertiefen. Besonders beeindruckend finden wir, wie sich über 1000 Jahre alte Speisen – Gebäck und Teigtaschen – in dem trockenen Wüstenklima gehalten haben.
Ob das an unserem Hunger liegt?!?

Beim Abendessen genießen wir die 12 verschiedenen köstlichen Speisen, die auf dem runden Drehteller vor uns aufgebaut werden und kosten den hier gewachsenen Wein.
Das größere Vergnügen macht uns allerdings das frittierte Vanille-Eis. So was hatte noch niemand von uns zuvor gegessen.

Zum Abschluss des Tages informiert uns Herr Dr. Schütte in einem interessanten Vortrag über die geschichtliche Entwicklung der Seidenstraße zwischen Krieg und Handel.

~ Günter und Ilona Haß, ZEIT-Reisende

Tag 19

Hami -Turfan

Heute haben wir wieder eine etwa 400 km lange Strecke vor uns, so dass wir bereits um 8:00 Uhr losfahren. In China gibt es nur eine Zeitzone. Das Leben im Westen Chinas richtet sich jedoch nach dem Sonnenstand. Das bedeutet, dass das öffentliche Leben erst gegen 9:00 Uhr beginnt und bei unserer Abfahrt die Straßen noch sehr leer sind.

Michael hat für einen Imbiss unterwegs noch eine der berühmten Honigmelonen aus Hami eingepackt, die in China nach diesem Ort benannt werden. Wir werden sie beim Mittagsimbiss verspeisen.

Michael hat heute ausreichend Zeit, uns mit zahlreichen Aspekten des Lebens in China vertraut zu machen. So beschreibt er die Gebräuche im Zusammenhang mit Beerdigung und Grabpflege. Am nationalen Totentag im April oder beim Frühlingsfest geht man traditionell zu den Gräbern der Verwandten, um das Grab zu säubern und Essen als Opfergabe darzubieten. Anschließend findet ein Picknick am Grab statt. Eine andere Möglichkeit, der Toten zu gedenken, ist, bei großer Entfernung zum Familiengrab eine Gedenktafel („Seelentafel“) in einem Tempel in der Nähe seines Wohnortes aufzustellen.

Das Gebiet der Uighuren ist ein regelrechter Schmelztiegel von unterschiedlichsten Nationen und Religionen mit einer ganzen Reihe von ethnischen Minderheiten, die auf vielen Gebieten von Sonderregeln profitieren, die ihre kulturellen, sprachlichen und Alltagstraditionen berücksichtigen.

In dem ausreichend vorhandenen Platz in der Landschaft liegen die beiden Fahrbahnen der Autobahn bisweilen mehrere 100 m auseinander.

Nach und nach geht die Steppenlandschaft in eine karge Gebirgslandschaft über. Die Anzahl der Windparks rechts und links der Autobahn nimmt deutlich zu.

Walter erklärt in einem Vortrag die Geschichte und die Grundsätze des Manichäismus. Seine Stifterperson Mani entwickelte Mitte des 3. Jh. in Mesopotamien eine neue Geheimlehre, die im Wesentlichen aus einer Zusammenfassung judäo-christlicher Ursprünge bestand. Dank der Unterstützung durch seinen Fürsprecher, den Großkönig der Sassaniden, konnte er seine Missionarsarbeit bis in das Turfan-Becken ausdehnen. Wie viele Religionsstifter verlor er jedoch gegen Ende seines Lebens die Unterstützung des neuen Herrschers der Sassaniden und starb in Haft.

Bis zum 16. Jh. erfuhr der Manichäismus eine Ausbreitung bis ins Römische Reich, in die Mongolei, nach Tibet und sogar Sibirien.

Die Basis der Lehre bestand aus zwei scharf voneinander abgegrenzten Polen, wie Licht und Dunkel oder Gut und Böse.

Am Nachmittag erreichen wir die Ruinen von Jiaohe. Die recht gut erhaltene antike Stadt wurde auf einer Insel am Zusammenfluss zweier Flüsse in der Han-Zeit (ab ca. 200 v.Chr.) gegründet. Sie beheimatete in ihrer Blütezeit etwa 6.000 Einwohner, davon 1.800 Soldaten. Auf Grund der Steilhänge an den Rändern der Insel bot sie einen guten Schutz vor Angreifern. Dennoch wurde sie im 13. Jh. durch Dschingis Khans Heere zerstört.

In der völlig vegetationslosen Ruinenstadt erreichen wir das erste Mal bei einer Besichtigung eine Temperatur von über 40°C bei 29% Luftfeuchtigkeit.

Mein erster Eindruck bei der Einfahrt nach Turfan ist, dass das Straßenbild nicht mehr ganz so sauber und aufgeräumt ist wie in den bisher besuchten Städten. Wir sind froh, als wir schließlich das kühle Hotel erreichen. Auch hier gibt es umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen mit Personen- und Gepäckkontrolle.

Das Abendessen nehmen wir in einem muslimischen Restaurant ganz in der Nähe ein.

~Klaus-Jürgen Wilhelm, ZEIT Reisender

Tag 18

Dunhuang - Hami

Rund um Dunhuang werden Trauben angebaut, aus denen tatsächlich auch Wein gekeltert wird. Große Pappeln säumen den Straßenrand. Die grüne Oase wird gespeist vom nie versiegenden Schmelzwasser aus dem Xi Lian– Gebirge.

Aber recht bald werden die Grasbüschel weniger, an denen sich Kamelherden weiden können. Die schnurgerade, sehr gute, offenbar recht neue Straße führt durch die sandige kahle Schwarze Gobi. Weit weg am linken Horizont kann man Gebirgszüge erkennen.

Ein Windpark taucht auf der rechten Seite auf. Gelegentlich begegnen uns Lkw – und Staunen! drei Fahrradfahrer mit Tourengepäck und ein Wohnmobil!

Die heutige Strecke beträgt gute 400 km. Da sind wir doch froh, dass wir nicht am Steuer sitzen. Wir werden heute insgesamt 4.000 km geschafft haben. Bei dieser Gelegenheit ein Dankeschön an unsere Fahrer.

Wer nun glaubt, wir hätten Langeweile, der täuscht sich.

Von Walter hören wir einen Vortrag über Emanzipation bzw. Benachteiligung der Frauen in China. Daraus lernen wir u.a., dass in den großen Religionen bzw. Weltanschauungen Chinas (Konfuzianismus, Taoismus, Hinduismus, Buddhismus) die Frauen nicht gleichbehandelt wurden, sondern den Männern gehorchen, sogar dienen mussten. Selbst Buddha, der das Kastensystem in Indien verurteilte, ging nicht so weit, auch den Frauen Akzeptanz zu verschaffen.

Ab 1949 nach Gründung der Kommunistischen Partei wurden z.B. Polygamie und Zwangsverheiratung verboten. Den Frauen wurden gleiche Rechte zugestanden, freie Partnerwahl und Berufsausübung bei gleicher Entlohnung.

Michael ergänzt anschließend aus seiner Sicht und beleuchtet die Situation des modernen China. Nach seinen Schilderungen sind die Partnerschaften vor allem in den Städten denen bei uns außerordentlich ähnlich. Er gibt auch launig das ein oder andere aus seinem Privatleben preis.

An der Grenze zum Autonomen Gebiet der Uighuren findet eine erste Sicherheitskontrolle ohne Probleme statt. Innerhalb des Gebiets werden noch weitere Kontrollen folgen. Ab hier sind die Straßenschilder in chinesischer und arabischer statt lateinischer Schrift abgefasst. Zäune, obenauf mit Stacheldraht, und Schranken umgeben Tankstellen. Über die Uighuren, die Moslems sind, werden wir sicher in den nächsten Tagen vieles erfahren.

Es wird schwieriger, an Raststätten unsere Bedürfnisse nach Essen und was die Chinesen „innere Harmonie“ nennen, zu befriedigen.

Nach der Mittagspause sehen wir uns über drei Bordmonitoren den Film „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ an.

Im Hotel in Hami werden am Eingang sämtliche Taschen durch eine elektronische Gepäckdurchleuchtung und wir durch eine Personenkontrolle geschleust.

Der Abend endet für einen Teil der Gruppe im Untergeschoss des Hotels in einer Karaoke-Bar.

~Renée Wilhelm, ZEIT Reisende

Tag 17

Dunhuang

Vom Mondsichelsee bis hin zu den Mogao-Grotten

Ein neuer Tag beginnt und es ist wieder einer der intensiveren Tage – so viel sei vorweg genommen. Mit Lilli haben wir heute noch einen lokalen Guide an unserer Seite, die uns neben Michael den gesamten Tag über begleitet.

Es wird heute wieder sehr heiß und vor dem Hintergrund, dass es ein langer Tag mit vielen Programmpunkten werden wird, kommt nochmal der explizit Hinweis auf Sonnencreme, den Verzehr von vielen Früchten und natürlich Wasser.

Um 8:30 Uhr geht es los und wir fahren bei bereits 34 Grad zu einem der wichtigsten Anlaufpunkte für Reisende auf der Seidenstraße: dem halbmondförmigen Mondsichelsee inmitten von beindruckend hohen Sanddünen.

Die Gruppe teilt sich je nach eigenem Gusto. Während der Großteil der Reisenden einen Spaziergang zum Mondsichelsee unternimmt, schwingen sich 6 unserer Kulturbotschafter auf Kamele und bekommen einen Eindruck, wie es damals auf der alten Seidenstraße in einer Karawane zuging.

Faszinierend schreiten die Kamele durch den heißen Sand und geben sich Ihrer Aufgabe hin. “Latent gleichgültig”, aber doch mit starkem Charakter machen die Tiere den Eindruck, als wenn es ohne sie nicht durch die Wüste ginge.
Walter, Luise und Johannes gleiten hingegen anmutig wie die Falken durch die Luft (Ultraleichtfliegen) und schauen sich das Treiben und die faszinierende Natur aus der Luft an.

Mit dem Bus geht es zunächst zum Essen, um dann direkt und gestärkt zu den Buddhagrotten von Mogao zu fahren. Dieses UNESCO Weltkulturerbe (seit 1987), auch “Museum am Abhang” oder “1000-Buddha-Grotte” genannt, ist ein absolutes Highlight. Sie gehören zu den buddhistischen Kostbarkeiten Chinas und stellen ein einzigartiges Beispiel für die Entwicklung buddhistischer Plastik und Malerei dar.

In architektonisch wieder einmal opulenten Bauten sehen wir zwei Filme zu den Mogao-Grotten. Geschichtlich gut eingeordnet und in einem 4-D Theater auch visuell eindrucksvoll dargestellt bekommen wir einen Vorgeschmack auf das, was uns gleich erwartet. Zuerst jedoch erleben wir, wie viel Wert hier auf Sicherheit gelegt wird. Unsere Eintrittskarten sind nicht nur personalisiert und enthalten unsere Reisepassnummern, sie werden auch gründlich kontrolliert und mit den Pässen vor Ort abgeglichen.

Mit einem lokalen Guide gehen wir durch ausgewählte 5 Grotten der insgesamt 492 Höhlen. von über 1000 erhaltenen. In jeder der Höhlen erfahren wir Hintergründe zu den einzelnen Staturen, die Art und Weise der Herstellung und ausführliche Erläuterungen zur Geschichte, die in den einzelnen Wandmalereien festgehalten wurden. Fasziniert, vom Ausmaß sowie Zustand der einzelnen Grotten, können wir nicht genug bekommen – einzig der Speicher an Informationen scheint am Ende voll zu sein.

Das Gefühl wird eingefangen, die wichtigsten Informationen gespeichert und der Vorsatz des Nacharbeitens gemacht. Es ist bereits später Nachmittag, sowohl Hitze als auch das Erlebte zeigen langsam ihre Spuren. Es geht zurück zum Hotel wo wir 1,5 Stunden Zeit haben uns frisch zu machen, bevor wir uns zu einem ganz besonderen Dinner auf den Weg machen.

Gegen 20 Uhr bringt uns Jens in unserem ZEIT REISEN Bus wieder an den Wüstenrand. Hier grillen wir nun bei angenehmen 32 Grad und genießen kalte Getränke, leckere Speisen vom Grill und einen fantastischen Blick in die Wüste. Unser Guide Michael hat noch eine Überraschung für uns und lässt den Himmel über der Wüste für ein paar Minuten mit einem Feuerwerk erleuchten. Am anschließenden Feuer lauschen wir den Geräuschen der Wüste und lassen diesen ereignisreichen Tag noch einmal Revue passieren.

Für mich ist es der letzte Tag mit der Gruppe, bevor ich wieder auf direktem Wege durch die Luft nach Hamburg abreise. Einen schöneren “Abschied” hätte ich mir nach dieser gemeinsamen Zeit nicht wünschen können. Die Karawane zieht morgen weiter gen Westen und wird noch sehr viel erleben. Ich freue mich auf die Geschichten in diesem Blog und auch auf ein vis-à-vis nach der Reise! 🙂

~Christopher Alexander, Leiter von ZEIT REISEN

Tag 16

Jiayuguan - Dunhuang

Schon der 16. Tag! Wir fahren am Rand der Wüste Gobi, entlang den Ausläufern des Qilian-Gebirges nach Dunhuang. Vorher noch schnell einen Blick von der Großen Mauer, dem „hängenden“ Teil. Um wie ein Held an ihrem hier höchsten Punkt zu stehen, müssen wir an die 500 Stufen erklimmen.

Auf der hängenden Mauer
(Jens Blohm)

Hier sieht man, wer noch sportlich ist. Ich habe heute den leichteren Teil genommen und bin dem Spruch des Tages gefolgt, der da lautet: „Von unten sieht man sie besser“.

Die Sportlichsten bis ganz oben
(Jens Blohm)

Die darauf folgende Fahrt über 370 km ist nicht sonderlich ereignisreich.
Ich will sie nutzen, um unsere Reisegruppe kurz vorzustellen. Sie besteht aus 25 Teilnehmern plus ZEIT Reisen-Chef Chris Alexander (der für zwei Wochen, bis Dunhuang mit an Bord bleibt), dem uns über die gesamte Strecke begleitenden Reiseleiter Walter M. Weiss sowie seinem chinesischen Reiseleiter-Kollegen Michael alias Chenyang He und drei Busfahrern, nämlich Holger, Daniel und Jens.

Von Anfang an ist die Gruppe äußerst harmonisch. Ich bin sehr zuversichtlich, dass sie dies über den ganzen Reiseverlauf hin bleiben wird. Höchst interessiert lauschen wir Vorträgen sowohl unterwegs im Bus als auch abends im Hotel und genießen die äußerst vielfältige Kost. Auch wenn Letztere in manchen Verdauungstrakten für etwas Unruhe sorgt. Jedoch spielt sich das immer binnen kurzer Zeit wieder ein. Nach jedem Dinner ergeben sich, ob in der Bar (so vorhanden) oder in der Hotellobby, stets in kleinerer Runde unterschiedlicher Zusammensetzung anregende Gespräche.

Ein spezielles Lob gilt unseren Chauffeuren, die den riesigen Bus mit größter Geschicklichkeit durch die Straßen der quirligen Städte manövrieren. Selbst auf den oft langen, monotonen Autobahnen verlieren sie Konzentration für keine Sekunde. An dieser Stelle schon Mal ein dicker Dank an Sie!
Walter (Weiss) versorgt uns, besonders kundig zum Thema Buddhismus, mit diversen Vorträgen, vor allem über die geistigen Traditionen der Chinesen, von Daoismus und Konfuzianismus bis zur kommunistischen Volksrepublik.
Michael/Chenyang hingegen beschreibt nicht nur ausführlichst sämtliche Stationen und deren Sehenswürdigkeiten. Er erläutert auch viel Hintergründiges über die lange Geschichte des Landes, von den vielen Kaiserreichen, den wissenschaftlichen Errungenschaften und der modernen Gegenwart.

Die Öffnung Chinas während der letzten 40 Jahre ist offensichtlich: Die junge Bevölkerung reist. Man begegnet ihr, kaum aber älteren Chinesen, in den Hotels. Die Familien verlassen jetzt in der warmen Jahreszeit ihre kleinen Wohnungen und flanieren abends zuhauf in den Straßen. Auf den Plätzen wird eifrig wird häufig getanzt und auch Tai Chi praktiziert.
Ältere Semester spielen allerorten mit Begeisterung Karten. Das Gemeinschaftserlebnis wird groß geschrieben. Schon nach drei Wochen hat sich für uns ein generelles Bild „der Chinesen“ herauskristallisiert:
freundlich, höflich, auch im öffentlichen Raum unentwegt kehrend auf größte Sauberkeit bedacht, und die vielen Grünanlagen sorgsam pflegend.

~Ingrid Breil, ZEIT Reisende

Tag 15

Zhangye - Jiayuguan

Sonnig 28 - 36 Grad, 26 % Luftfeuchte

Nach den letzten beiden für mich eher unspektakulären Tagen wird es heute mal wieder in die Vollen gehen. Heute darf ich als einer der Busfahrer, der seinen freien Tag hat, eine Kurzfassung des Tages zum Besten geben.

Unsere Abfahrt ab dem Hotel nach dem Frühstück ist an Pünktlichkeit gemessen an bisherigen Tagen kaum zu übertreffen. Es ist spürbar, dass nun nach bereits zwei Wochen so eine gewisse Routine alltäglich wird. Ich warte lediglich noch auf den Morgen mit dem gemeinsamen Frühsport gemäß den chinesischen Vorbild, welchem wir auf dem Platz vor dem Hotel noch kurz beiwohnen durften, bevor Holger und Daniel unsere Traumschiffe zum Rollen brachten.

Die erste Station ist schnell erreicht und wir erkundeten teils zu Fuß und teils per Shuttlebusse den Zhangye National Geopark, eine Hügellandschaft mit außergewöhnlichen Formationen und Farbenpracht auf etwa 60 Quadratkilometern.

Im Zhangye-National-Geopark
(Jens Blohm)
Im Zhangye-National-Geopark
(Jens Blohm)

An dieser Stelle folge ich gern den Ratschlag von Thomas, hier jetzt keinen tiefgreifenden geologischen Vortrag zur Entstehung dieser einzigartigen Landschaft einzubringen, sondern bekunde lieber mein Herzgefühl. Als Reisebusfahrer habe ich bereits beeindruckende Kirchen, prunkvolle Schlösser, interessante Museen, faszinierende alte geschichtsträchtige Stadtkerne, reizvolle Landschaften etc. gesehen und fühlte mich durch diese Landschaft hier aufs Neue überwältigt. Hier hat jemand bei der Entstehung einen Sinn für Farben und Formationen gehabt, um so etwas Bizzares zu kreieren. Gern wäre ich ein Adler, um lautlos über dieser grandiosen Kulisse kreisen zu können. Ein Fotomotiv nach dem andern und ich halte mich mit Bedacht auf eventuellen Muskelkater im Knipsfinger etwas zurück. Nicht nur fotografierend umherschwirrend ergaben sich auch reichliche Panoramen, um einfach mal gedanklich inne zu halten und so etwas wie Glücksmomente auch mit einer kleinen Träne m Auge genießen zu können. Erstaunlich ist, dass diese geografische Delikatesse erst vor wenigen Jahren entdeckt und touristisch erschlossen wurde.

Gegen Mittag saßen wir alle wieder beeindruckt und leicht erschöpft in unserem Bus, der ja auch wegen der ständig wechselnden Hotels schon zu eine Art Wohnzimmerersatz geworden ist, und Holger steuerte weiter in Richtung Jiayuguan durch den Hexi-Korridor, der sich nun schon auf eine Breite von über 100 km weitete.

Verarbeitung des Erlebten unterwegs im Bus
(Jens Blohm)

Ähnlich wie den alten Karawanen der Seidenstraße ist es auch für uns der Durchgang Richtung Zentralasien mit Blick auf die schneebedeckten Gebirgszüge am westlichen Horizont. Wir bewegen uns durch scheinbar unendliche Ebenen mit schneebedeckten Sechstausendern am westlichen Horizont, vorbei an grünen Landwirtschaftsfeldern und kleineren Ortschaften ohne Prägung der gewaltigen Hochhäuser und Betongetthos der hinter uns gelassenen Millionenstädte.

Am Ende des Hexi-Korridors erreichen wir Juayguan mit nur etwa 230.000 Einwohnern. Nach den bisherigen erlebten Millionenstädten prägt das hier schon beinahe dörflichen CHarakter. Der Name der Stadt bedeutet wörtlich so viel wie „Pass zum gepriesenen Tal“.

Michael führt die Gruppe zur Festung Jiayuguan
(Jens Blohm)

Unser Interesse galt zuerst der 1372 errichteten Festung Jiayuguan, der Marker am offiziellen westlichen Ende der Großen Mauer. Reisende auf der Seidenstraße werden dennoch auch weiter westlich mehr oder weniger verfallene Teilstücke der Großen Mauer sehen. Im Gegensatz zu ihrem östlichen Pendant, der Festung Shanghaiguan am Ufer des Gelben Meeres mit der Bezeichung „Erster Pass unter dem Himmel“ darf sich Jiayuguan als der „Erste Große Pass unter dem Himmel“ bezeichnen und bewacht den Eingang des Hexi-Korridors zwischen dem Quilian Shan Massiv im Südwesten und den Schwarzen Bergen (Hai Shan) des Mazong-Massivs im Norden.

In der Festung Jiayuguan
(Jens Blohm)

Bei sengender Hitze schreiteten wir durch das letzte Portal in der Mauer und hatten die Wahl, den Ausführungen unseres Michaels oder denen der technisch verstärkten und störend lautstarken aber für uns Unverständlichen der chinesischen Reiseführer zu lauschen. Ein wenig Freizeit lud zum Bummel auf der Mauerkrone um die Festung oder zu einem erfrischenden Eis ein. Oder eben Beides. Für mich gehört das Erlebte hier mit zu einem der Höhepunkte, auf die ich mich im Vorfeld lange gefreut habe. Die Große Chinesische Mauer. Noch haben wir außer der interessanten Festung nicht viel gesehen, aber der Rundgang und Besuch im zugehörigen Mauermuseum brachte so einiges an neuen Erkenntnissen, wie zum Beispiel die unterschiedlichen Bauweisen und Richtungen der unterschiedlichen Dynastien. Unter anderem mussten wir auch eingestehen, dass die Behauptung, dieses Bauwerk könne man vom Mond aus sehen, völliger Irrsinn ist. Aber unser chinesischer Reiseleiter Michael ist der festen Überzeugung, dass man auf jeden Fall von der Mauer aus den Mond sehen kann. Morgen werden wir dann noch ein Teilstück der Mauer, die hängende Mauer, besichtigen, bevor unsere Reise weiter geht. Am Ende der Expedition waren wohl alle glücklich, im Hotel einchecken und eine erholsame Dusche genießen zu können.

Zum Abendessen führte uns unser Guide in ein dem Hotel nahegelegenes Restaurant, in dem wir in der oberen Etage, zu erreichen über eine recht steile und mit hohen Stufen versehene Treppe, in drei separaten Zimmern unser Dinner genossen. Ich persönlich lasse den Tag mit angenehmen Erinnerungen ausklingen und ignorierte das doch schon recht harte Nachtlager.

~ Jens Blohm, Busfahrer

Tag 14

Lanzhou - Zhagnye

Heute springt die schwarze-braune Neoplankatze nord-westwärts immer weiter bis zum Horizont. Das Ziel Zhangye, ca. 1,2 Mio. Einwohner ist eine typische kleine Großstadt der Provinz Gangsu. Bevor wir wahrscheinlich spät nachmittags das Tageshighlight im Tempel des Größten Schlafenden Buddhas (Skuifo Si) antreffen werden, müssen die üblichen Tagesprüfungen erfolgreich beendet werden:

1. Früh raus, wg. 500 Km-Fressen im engsten Teil des Hexi-Korridors.
2. Dann durch das uralte “Barbaren”-Karawanen Durchzugsgebiet der östlichen Seidenstraße zur Han-Zeit (25-220 n. Chr.).
3. Da Walter heute wieder einsatzfähig ist, referiert er weiter zur Buddhismuslehre.
4. Tagesspruch: “Auch die tüchtigste Frau kann ohne Reis nichts kochen.” Michael

Ich versuche in den folgenden Zeilen, bebildert von Claudia Kennel, den landschaftlich abwechslungsreichen Hexi-Korridor zu charakterisieren. Dabei die sichtbaren botanisch-geografischen Einzigartigkeiten zu beschreiben, darüber dann einen buddhistischen Gedankenteppich auszubreiten, den Walter aus 1001 Knoten geknüpft hat. Thematisch referiert er zum “Buddhismus als Religion”.

Wir haben die städtischen Gebäudereste hinter uns gelassen und folgen der zwei-, manchmal dreispurigen, wenig befahrenen Teerpisten. Mir kommt es so vor, als gäbe es auf den vielen, nord-westlich immer geradeaus, Kilometern eine dreifache landschaftliche Gliederung. Die Straßenmitte bildet das glatte grau-schwarze Band. Deutlich rechts davon gliedern sich in geordneter Formation Mais-, Getreide- und Sonnenblumenfelder. Meist bilden Reihen von mächtigen Silberpappeln einen breiten Windschutzstreifen. Kilometerlang fügen sich geordnete, rechteckig geformte Feld- und Fruchtkombinationen ineinander. Selbst manche Pappelskelette stören bzw. unterbrechen dieses systematisch Feldbebauungsprogramm kaum. Bis zum Horizont streift der Wind über die sanften Hügel und gleitet die flachen Minigebirgshänge hinauf.

Eine geplante Be- und Entwässerungsanlage unterstützt das optimierte Grundernährungssystem. Als Symbole der Moderne recken sich silbrig glänzende Starkstrommasten in den strahlend blauen Vormittagshimmel. Beim Überflug könnten Ballonfahrer ein riesiges rechteckiges Schachbrettmuster erkennen. Dazwischen stehen in einiger Entfernung feste Behausungen. Besonders auffällig sind deren glänzenden zart-kobaltblauen Wellblechdächer, geordnete Sicherheit, neuer Reichtum.

Systematische Agrarwirtschaft
(Claudia Kennel)

Das völlig gegensätzliche landwirtschaftliche Bau-, Ordnungs-, und Pflegeprinzip zeigt sich jenseits der Gegenfahrbahn. Die kilometerlang sichtbar ungepflegte, unformatierte, unkontrollierte, linke Un-Seite lässt sich beim flüchtigen Vorbeifahren nicht erklären. Eine schroffe Gesteinsformation bildet links, südlich, gebirgige Begrenzungen in ca. 3-4 km Entfernung. Ich möchte mir nicht irgendetwas zusammen fantasieren, sondern mich bewusst jeglicher Spekulationen enthalten. Zumindest wirkt dieser Landschaftsabschnitt wenig nutzbar, abgehängt, ungeordnet, ärmlich…

Landschaft, sich selbst überlassen
(Claudia Kernnel)

Jetzt wende ich die Links-Mitte-Rechts-Betrachtung, bzw. Deutung auf die i.d.R. Betrachtung des Buddhas im Tempel an. Oftmals trifft man dort auf drei Buddhas nebeneinander: in der Mitte der historische Buddha Siddhartha Gautama, geboren in Lumbini/Nepal; links davon der Buddha der Vergangenheit, rechts davon der Buddha der Zukunft. Interessant ist, dass dieser Buddha, der hier in China gerne als lachender Mann, gelegentlich als dickbäuchige Gestalt dargestellt wird. Bei ihm ist nichts von Weltabkehr, sondern vielmehr eine demonstrative Lebenslust zu erkennen. Zurzeit lebt er noch im “Himmel”, von dort aus wird er erst nach 2500 Jahren ins irdische Leben treten. Dann wird er den Menschen ein Dasein der “Glückseligkeit” bescheren. Oft wird er auch als Buddha “Maitreya”, der “Gütige”, verehrt. Je blumiger, bunter, üppiger die einzelnen Zeremonien von den Buddhas und Bodhisattwas sind, bedeutet dies, je weltabgewandter desto entfernter, je irdischer, volkstümlicher desto näher, heißt je “chinesischer”, persönlicher, desto mehr Anerkennung und Verbreitung verbinden sie im Alltag.

Von der Kaiserstadt Luoyang verbreitet sich der Buddhismus dann über ganz China. Welche Bedeutung und welche Auswirkung der Buddhismus in/für China hat, wird erst verständlich werden, wenn wir uns klar machen, was die großen Kulturtraditionen des Konfuzianismus und des Daoismus an wirklichen Errungenschaften gebracht haben. Dies wird noch weiterhin zu bearbeiten sein.

Zu Besuch im Tempel des Großen Buddha
Schon Marco Polo erwähnt den monumentalen liegenden Buddha, der heute Zhangyes größte Attraktion darstellt. Der Legende nach hörte der Bettelmönch Cui Mie eine liebliche Musik, folgte deren Klang und fand dort als Quelle der süßen Weise einen Jade-Buddha in liegender Pose. Mit Hilfe von Spendern ließ er dort einen Tempel bauen. In dessen Haupthalle das monumentale Bildnis des Shakyamuni beherbergt wird, aus Lehm modelliert, bemalt und vergoldet. Mit 34,5 m Länge und 7,5 m Schulterbreite ist die Figur einer der größten ihrer Art in China. Hinter ihm stehen viele kleinere Figuren seiner Jünger, die um ihren großen Meister trauern. Erwähnenswert vielleicht noch die Information, dass die Mutter des großen Mongolenkaisers Kublai Khan (1215-94) nach ihrem Tod auf eigenen Wunsch hier aufgebahrt wurde.

~ Thomas Bickelbach, ZEIT-Reisender

Tag 13

Lanzhou

Nachdem uns Herr Xu (gespr. Schü), unser heutiger lokaler Reiseführer beteuert, dass wir im besten Hotel der ganzen Stadt untergebracht sind, macht er uns mit den Besonderheiten seiner Stadt vertraut.

Lanzhou ist eine „kleine“ Stadt – sie liegt an 131. Stelle aller chinesischen Großstädte – mit ihren 3,6 Millionen Einwohnern. Mit Zahlen will ich nicht langweilen, muss aber erwähnen, weil es mich dann doch beeindruckt, dass die Stadt nur 3 km breit ist – und 50 km lang. Geteilt wird sie durch den legendären Gelben Fluss, der nur hier überhaupt eine Stadt durchfließt.

Lanzhou
Lanzhou
(Claudia Kennel)

Erst vor 2 Tagen wurde am Bahnhof eine weitere Station des Hochgeschwindigkeitszuges eingeweiht, der immer mehr Städte miteinander verbindet, häufig in einem Viertel der gewohnten Zeit. Die Stadt ehrt 2 besondere Pflanzen: die Rose und die Akazie. Erstere wird hier kommerziell angebaut und liefert die Hälfte der gesamten chinesischen Produktion an kostbarem Rosenöl (ca.300 kg).

Akazie im Kloster
Akazie im Kloster
(Claudia Kennel)

Die Akazie wiederum wird traditionell für den Stadtbau verwendet, begegnet uns jedoch überraschenderweise in einem gut erhaltenen buddhistischen Kloster am Hang der Stadt als uraltes Exemplar wieder. Ob sie wirklich aus der Tang-Zeit stammt (618-970) ist schwer zu bewerten. Unsere Truppe erklimmt nun Stufe um Stufe ein weiträumiges Areal hinauf zu den Tempeln, die eindrucksvoller kaum sein können. Bei 37° C in 1500 m Höhe dann doch schweißtreibend, aber sicherlich unvergesslich. Wie so oft begegnen uns in der Haupthalle die Buddhas der drei Welten, der der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft; man darf sie aber auch als Verkörperung des westlichen Paradieses betrachten, den der Mitte oder den des östlichen Paradieses.

Bodhisatva
Bodhisatva
(Claudia Kennel)

Auf der Rückseite steht in voller goldener Pracht ein Bodhisatva, der mit seiner richtungsweisenden Waffe anzeigt, wie das Kloster mit Pilgern umzugehen gedenkt: zeigt sie nach oben, sollte der Pilger schleunigst eine neue Bleibe suchen. Richtet sich die Spitze nach unten, ist er ein herzlich willkommener und gern gesehener Gast, der auch die Nacht hier verbringen darf.
Dabei schreitet der Pilger durch ein ornamentenreiches Tor, welches als „Leiter zum Paradies“ übertitelt ist. Hier nun teilt sich der Weg. Wie entscheidet er sich? Links führt die Treppe zum Paradies über die Karriere, rechts über den Reichtum. Blickt er kurz zurück, werden seine Augen am gleichen Tor auf folgendem Schriftzug ruhen. Eine Mahnung sagt: „Nach unten zu gehen ist schwieriger, als nach oben“.
Oben angelangt sind 5 Quellen zu besuchen; die Mondquelle beispielsweise ist so angelegt, dass am 15. August gemäß des Mondkalenders sich der Mond exakt in der kreisrunden Wasseroberfläche spiegelt.

Die großzügige Anlage lädt zum Verweilen ein. An allen Ecken gibt es prachtvolle Einblicke in das Leben der Buddhisten. Der Blick auf die moderne Stadt Lanzhou ist überwältigend.

Großer Buddha
Großer Buddha
(Claudia Kennel)

Aber wir müssen zurück zu unserem 2. Zuhause, dem Bus. Dabei durchqueren wir ein lebendiges geschäftiges Treiben. Vergnügen ist angesagt und überall spürbar. Gelassen wird gebetet, getanzt, gesungen, meditiert.

Tanzende Frauen
Tanzende Frauen
(Claudia Kennel)

Es ist scheinbar egal wo. Lächelnd werden wir Langnasen rundum bestaunt, gegrüßt, zum Foto machen eingeladen.
Die Hitze hat uns zugesetzt. Also bietet uns Her Xu an, entweder die weiße Pagode und das darunterliegende Nonnenkloster zu besichtigen oder am Gelben Fluss entlang zu schlendern.

Der Weg nach unten
Der Weg nach unten
(Claudia Kennel)

Die meisten entscheiden sich für Letzteres und finden sich am Ende beim Tee der 8 Köstlichkeiten ein.

Tee der 8 Köstlichkeiten
Tee der 8 Köstlichkeiten
(Claudia Kennel)

Es ist schön, einfach an diesem wilden Fluss zu sitzen, die Schweinehautflöße zu hinterfragen, die für Überfahrten genutzt werden können und dabei 3-4 Aufgüsse gemütlich unterm Sonnenschirm zu schlürfen.

Schweinehaut
Schweinehaut
(Claudia Kennel)

Litschi, Datteln, Goji-Beeren, Kandiszucker, grüner Tee, Rosinen, getrocknete Aprikosen und Rosinen sind die Hauptbestandteile der Köstlichkeit. Wir lassen den Tag in entspannter und sehr fröhlicher Runde in lauwarmer Luft draußen ausklingen. Über unseren Köpfen schweben bunt schimmernde Drachen und entführen uns in eine traumreiche Nacht.

~ Claudia Kennel, ZEIT-Reisende

Tag 12

Baoji - Lanzhou

Schon kurz nach dem Weckruf, beim ersten Blick aus dem Fenster: An der Fassade eines Nachbarhauses balancieren Gerüstbauer im oberen Drittel ungesichert von Bambusstange zu Bambusstange – schnell wegschauen.

Gestern war Sonntag, also muss es heute Montag sein – wo liegt in China der Unterschied? Heute fahren wir von Baoji auf der Autobahn nach Lanzhou, 481 km, was acht Stunden Busfahrt bedeutet. Sie führt mehrheitlich den Huai-Fluss entlang. Zur Einstimmung liest Walter Weiss folgenden Vers:

„Wir sind wie eine Schüssel auf dem Wasser. Die Bewegung der Schüssel auf dem Wasser wird nicht von der Schüssel, sondern vom Wasser bewirkt.“

Übertragen auf uns: oder vom Busfahrer oder…

Parkplatzbekanntschaft
Parkplatzbekanntschaft
(Claudia Kennel)

Gefühlte unendlich viele Kilometer führt uns die Straße durch mehrere Tunnel. Was deshalb schade ist, weil uns dadurch viel von der ganz neuartigen Landschaft entgeht. Zwischen den Tunnel können wir jeweils für kurze Augenblicke eine gebirgige, sehr bewaldete Kulisse erhaschen, nämlich gugelhupfförmige, mit dichtem Mischwald bewachsene Hügel.Ein grüner Gugelhupf neben den nächsten gesetzt, während die Straße kontinuierlich auf 1500 m Seehöhe hinaufführt.Sofort kommt uns der Gedanke, wie wohl die alten Karawanen diese Pfade meisterten. Dann tut sich eine Hochebene von völlig anderem Charakter auf: mehr oder weniger kahle Berge, viel flacher und langgezogener als die eben beschriebenen, rot gefärbt von wohl eisenhaltiger Lösserde. Die wenigen kleinen Bäumchen und Büsche wurden von der Regierung gepflanzt, um in Zukunft so wenige Erdrutsche wie möglich beklagen zu müssen. Entlang dem Huai, der oft gar kein Wasser führt, entfaltet sich eine unendlich breite, fruchtbare Ebene von der linken zur rechten Bergkette mit Mais, Hirse, Gemüse und verschiedenen Obstgärten.

Da sich der Fluss im Laufe der Jahrhunderte immer weiter in das nicht allzu harte Gestein eingefräst hat, sind auf unterschiedlichen Höhen terrassenähnliche Grundstücke stehen geblieben, die von den Bauern der Gegen zurechtgetrimmt und beackert werden.

Terrassenfelder
(Claudia Kennel)

So entsteht für den Betrachter der Eindruck von Zauberhand gemeißelten, weitflächigen Canyons mit Bauerndörfern zwischen den Feldern, auch mal einer Ziegelbrennerei und öfters Höhlen an den steilen Abbruchhängen, in denen früher mittellose Menschen wohnten.

Unterwegs zeigte Walter Weiss in einem weiteren seiner fundierten Vorträge mit dem Titel „Wir und die anderen“ auf, wie fatal sich Überheblichkeit und vermeintliche Überlegenheit vornehmlich der Europäer gegenüber asiatischen Völkern auswirken kann: Quer durch die Jahrhunderte entwickelte sich bis heute ein „Hegemonie-Gefälle“ von Westen nach Osten.

Lanzhou, der Gelbe Fluss
Lanzhou, der Gelbe Fluss
(Claudia Kennel)

Kurz vor Eintreffen in Lanzhou ereilt uns ein kleiner Sandsturm, zu dem die indischen Klänge einer Sitar, gespielt von der so schönen wie virtuosen Anushka Shankar, gut passen.

Sandsturm naht... (Claudia Kennel)
Sandsturm naht…

Im bislang besten Hotel der Reise und mit einem luxuriösen Buffet beschlossen wir den heutigen interessanten Tag.

~ Silvie Briggen, ZEIT-Reisende

Tag 11

Xi’an - Baoji

Besuch einer Jade-Werkstatt und Besichtigung der Stadtmauer

Da für diesen Tag nur eine kurze Fahrtstrecke auf ausschließlich Autobahn anlag, hatte Felix und Walter für den Vormittag ein Programm mit Besuch einer Jade Werkstatt sowie der Besichtigung der Stadtmauer vorbereitet.
Die Jade Werkstatt stellte sich mehr als ein Verkaufs Raum mit angeschlossenem Arbeitsplatz für die Bearbeitung von Jade Steine dar. Ein einsamer Arbeiter bearbeitete einen weichen Jadestein zu einer Figur. Der Ehre halber muss aber zugegeben werden, dass auch bei uns zu Hause auch an einem Sonntag nicht mehr Schleifer wahrscheinlich zu Arbeit erschienen wären.

Auf jeden Fall wurden wir über die verschieden Lagerstätten in China für die unterschiedlichsten Jade Sorten aufgeklärt. Ohne Fachmann geworden zu sein, habe ich gelernt, dass die Härte des Materials und die Farbe die Qualität und damit den Preis bestimmen. Eine hohe Stein Härte über 8 Brinell und tief grüne Farbe kosten dann als kleines Jade Schmuckstück durchaus mehrere hunderte oder Tausende Euro. Nachdem jeder, der wollte sich nach Lust und Laune mit Jade einschließlich von einiger Abfälle eingedeckt hatte, ging es zur großen Stadtmauer.

Der alte Stadtkern von Xi’An wurde in der Ming Zeit mit einer Stadtmauer umschlossen.

Dem alten Glauben folgend, dass die Erde viereckig sei, wurde die Mauer viereckig mit einer Gesamt Länge von 13.75 km (Michael legte Wert auf diese genaue Zahl für die korrekten Deutschen) errichtet und jeweils mit einem Stadttor in jeder Himmelsrichtung. Diese Ausrichtung setzt sich im Innern der Mauer in einem Schachbrett der Straßen fort. Die Mauer selbst ist am Fuß 15-18 Meter breit, 12 Meter hoch und auch die Mauerkrone ist 12 Meter weit. Das Fundament besteht aus großen behauenen Steinen aus umliegenden Steinbrüchen, die Seitenwände aus gebrannten Ziegeln.

Der Mörtel war ein Gemisch aus Kalkwasser, Klebereis, Honig und Reisstroh.
Um Pfusch am Bau zu verhindern, wurde jeder Ziegel mit dem Namen des Herstellers und des Supervisors gekennzeichnet. Vielleicht ein Grund dafür, warum die Mauer heute noch in Gänze steht und die Altstadt von den Wohntürmen und Banktürmen abschirmt.Heute ist die Mauer mit ihren Toren und weiten Treppenaufgängen ein beliebter Hintergrund für Hochzeitsbilder, die Braut ganz in Rot als Farbe des Glücks.

Um das Bauwerk in seiner ganzen Dimension zu erkunden kann man Fahrräder mieten. Einige Wenige versuchten es in Verkennung der Gesamtstrecke sowie des teilweise beklagenswerten Zustands der Räder mit einer Umrundung der Altstadt auf der Mauer.

Leider hatte der Chef der Mission die Freizeit auf eine Stunde begrenzt. Als einer der Betroffenen glaube ich, dass diese Begrenzung nur erfolgte, um von uns Vieren das übliche Freibier fürs Zuspätkommen zu erhalten und gemeinsam mit dem Schnaps des Geburtstagskindes Manfred den Abend harmonisch gestalten zu können.

Angekommen im Hotel in Baoji war die Temperatur inzwischen auf 42 Grad gestiegen. Eine Abkühlung im Schwimmbad war jedoch nur begrenzt möglich, da die “Dorfjugend” das Bad ebenso überfüllte, wie die Besucher das Museum der Terrakottakrieger und damit uns Langnasen keinen Platz ließen.

~ Sigrid und Johannes Sittard

Tag 10

Xi'an

Terrakotta Armee und vieles mehr

Gestern Abend sind wir nach der ersten längeren Fahrt in Xi’an angekommen.
Xi’an ist wohl dank der bekannten Terrakotta-Armee eine der wenigen zahlreichen chinesischen Millionenstädte, die im Westen bekannt sind. Mit über acht Millionen Einwohnern zählt Xi’an zu den größten chinesischen Metropolen, aber schon vor über 2000 Jahren wetteiferte Xi’an mit Metropolen wie Rom und Konstantinopel als weltgrößte Stadt.
Mit seiner Lage in der Mitte des Landes, in Reichweite des Gelben Flusses mit dem fruchtbaren Lössboden am Ufer des Flusses Wei, war Xi’an damals noch unter dem Namen Changan oder Everlasting Peace ein historisches Zentrum. Aber schon zu prähistorischen Zeiten wurde diese Gegend besiedelt. Die Geschichte der Provinz Shaanxi reicht bis 1100 v Chr. zurück – zur Zhou Dynastie, gefolgt vom Staat von Qin, der damit auch der Ursprung für den Namen China ist.

Hier vereinigte der Kaiser Qin Shi Huangdi den Westen Chinas zum ersten Mal in seiner Geschichte zu einem Reich. Über seine lange Geschichte sah Xi’an den Aufstieg und Verfall von Dynastien bis hin zur jüngsten Geschichte. Shaanxi war das Rückzugsgebiet der Kommunisten in den 30er-Jahren und Endpunkt des Langen Marsches. Die Landbevölkerung der Region Shaanxi war die Maos Machtbasis innerhalb der Partei und in seinem Kampf gegen die Guomintang unter Tschang Kai Tschek. Heute ist Xi’an eine moderne Großstadt mit U-Bahn, Universitäten und einer boomenden Wirtschaft, die von der Schwer- über Auto-bis zur Flugzeugindustrie reicht.

Auf unserer bisherigen Fahrt von Shanghai nach Xi’an sind wir der “Neuen” Seidenstraße gefolgt, der endlosen Aneinanderreihung von neuen Wohngebieten mit teilweise erschreckend hohem Anteil von leeren Wohntürmen. Diese Regionen mit hoher Industrialisierung sind die Heimat für die in den letzten 10-15 Jahren schnell wachsenden Gruppe der chinesischen Mittelschicht, die heute etwa 400 -500 Millionen umfasst. Hier in Xi’an, am Anfang der historischen Seidenstraße mit ihrer Jahrtausendalten Tradition hatten wir 1.5 Tage Zeit diese zu erforschen.

Unser Tag startet mit dem chinesischem “Guten Morgen” und einem kurzen Exkurs unseres Führers Michael zu den Tücken der chinesischen Sprache für Ausländer. Auf die richtige Aussprache, sagt er, einschließlich der Betonung komme es an, ansonsten könne es schnell lustig oder peinlich werden.

Als ersten Anlaufpunkt der Besichtigung ging es los zur Großen Wildgans-Pagode. Der Name geht der Überlieferung nach auf eine Hungersnot in Indien zurück, in der den Hungernden Mönchen eine Wildgans tot aus dem Himmel zu Füßen fiel. Ein Zeichen, dass Buddha auch in der Not die Standfestigkeit seiner Mönche überwacht.

Die Pagode und Tempelanlage wurden ca. 680 erbaut. Sie sind der Mutter des Kronprinzen gewidmet und heißen Kloster der Barmherzigkeit und Gnade. Seine Bedeutung für die chinesischen Buddhisten liegt in der Tatsache, dass diese Tempelanlage der Aufbewahrung zahlreicher Buddistischer Schriften diente. Der berühmte Mönch Xuanzang brachte diese Schriften nach seiner langjährigen Pilgereise aus Indien zurück. In der Blütezeit des Tempels umfasste die Anlage 13 Innenhöfe und mehr als 300 Räume.

In einem der Tempel findet man die Geschichte von Buddha’s Leben als Wandrelief. Michael erklärte den Lebenslauf Buddhas mit all den Mythen, die sich darum ranken. In den anderen Tempeln befinden sich die verschiedenen Buddha Statuen wie der Lachende Buddha oder der Buddha mit den Tausend Händen und Augen. Die Pagode selbst ist leer und dient als Aussichtsturm auf die ausufernde Stadt – eine gut geeignete Fitnessübung, um in der zur Verfügung stehenden Freizeit die Kalorien der reichhaltigen täglichen Mahlzeiten abzuarbeiten.

Danach ging es zum viel erwarteten Museum der Terrakotta-Krieger, neben der Chinesischen Mauer der wohl bekanntesten Touristenattraktion Chinas. Durch eine Ausstellung von Replikas in verschiedenen deutschen Städten vor einigen Jahren wurden diese Terrakotta-Krieger auch einem breiteren deutschen Publikum bekannt. Dementsprechend waren unsere Erwartungen hoch, die Originale an Ort und Stelle zu besichtigen. Die Terrakotta-Krieger sind nur ein Teil einer großen Grabanlage, die der Kaiser Qin Shi Huangdi für sich auf einer Fläche von geschätzten 56 qkm bauen ließ. Nach Untersuchungen von Archäologen ist auf dieser Nekropolis das ganze China als Miniatur dargestellt.

Um eine Ausgrabung der Gesamt Anlage durchführen zu können, müssten zwölf Orte und mehrere Fabriken verlagert werden. Die Decken der Grabanlage waren mit Perlen geschmückt, um den Sternenhimmel darzustellen, und Quecksilber wurde für die Darstellung von Flussläufen verwendet. Die eigentliche Grabstelle war ein ursprünglich 160 Meter hoher Erdhügel. In den 70 er Jahren fanden Bauern bei Brunnenarbeiten eine Ton-Figur, die den Anfang der folgenden systematischen Ausgrabungsarbeiten darstellt.

Schon bei der Anfahrt wurde uns klar, dass wir nicht die einzige Besuchergruppe sein würden. Riesige Parkplätze weit ab des Haupteingangs waren schon gut gefüllt mit Pkw und Bussen. Im Elektromobil ging es dann den langen Weg zum Eingang. Der Zeitpunkt unserer Besichtigung, Samstag und nach Beginn der Sommerschulferien, war Garant, das jeder Schritt in einem Menschenstrom und in den verschieden Ausgrabungshallen 1-4 mit Massen von anderen Touristen stattfand.

Bei unserem heutigen Besuch drängten sich Besucher aller Herren Länder, aber eben auch überwiegend deutlich mehr Chinesen als früher, in den Hallen um einen Blick auf die Terrakotta Krieger zu erhaschen.
Besonders der Ausstellungsraum der beiden Gespanne mit Wagen in einem Raum mit abgedunkelter Beleuchtung und hoher Temperatur löste bei einigen der Gruppenmitglieder leicht klaustrophobische Zustände aus. So war eine detaillierte Besichtigung dieser Hauptattraktion leider nur Beschränkt möglich.

Trotz aller Einschränkungen aber ist und bleiben die Ausgrabungen der Terrakotta Krieger ein Höhepunkt unseres Aufenthaltes in Xi’an und Chinas. Dass jeder Krieger individuell gestaltet ist, die verschiedenen Details der unterschiedlichen Ränge der Offiziere und Mannschaften und die Vielfalt der unterschiedlichen Waffengattungen macht verständlich warum bis zu 700.000 Arbeiter 36 Jahre an dieser Grabanlage gearbeitet haben. Wie viele Untertanen und Konkubinen möglicherweise lebendig mit begraben wurden, ist unbekannt, wäre jedoch nicht unüblich für diese Zeit.

Wieder zum Bus zurück ging es dann in die Altstadt, ins Viertel der Hui Moslems mit dem Drum Turm und der Großen Moschee. Die Moschee geht zurück bis in die Ming Zeit wurde jedoch über die Jahrhunderte mehrfach umgebaut und renoviert.

Sobald wir die Ruhe der Moschee Anlage verlassen haben, tauchten wir ein in das Gewirr der Basare mit allen Nützlichen und Unnützen Andenken sowie Plagiaten der westlichen Luxusmarken. Eine der Hauptstraße ist gesäumt mit zahlreichen Restaurants und Grillständen.

An Spießen aus Ästen werden Schaschlik sowie bizarr geformte, flachgeklopfte Flusskrebse in Hülle und Fülle angeboten.

Außer einer kleinen Kostprobe wurde der große Hunger für das Abendessen aufgespart. Es ging weiter zur Verkostung der verschiedensten Teigtaschen.

Bis hin zur Süßen Nachspeise gab es 12 oder 13 unterschiedlichste Füllungen mit Gemüse, Fleisch und Shrimps. Die Teigtaschen waren sogar teilweise so geformt, dass man aus der Form den Inhalt erahnen konnte. Wer danach nach all den Eindrücken des Tages noch in der Laune war und sich kräftig genug fühlte, genoss noch eine Veranstaltung mit klassischer chinesischen Musik und Tanz.


Eine durchaus ansprechende Aufführung die einen gelungen und dichten Besuchstag abschloss.

~ Sigrid und Johannes Sittard, ZEIT-Reisende

Tag 9

Luoyang - Xi’an

Longmen Grotten und Xi'an

Kurz vor der Abfahrt verabschieden wir unseren sehr kompetenten und sehr freundlichen lokalen Chinaexperten Felix Lee, den wir nach 7 Tagen mit uns auf der Reise wirklich schon ins Herz geschlossen haben und der nun wieder zurück nach Peking fliegt, um auch andere an seinem Wissen über und in China wie auch in Deutschland teilhaben zu lassen. Eine Lücke bleibt.

Pünktlich dann um 09:00 lokaler Raumschiffzeit (unser Hotel ist unter dem Motto „ Raumfahrt“ eingerichtet) verlassen wir die alte Hauptstadt Luoyang auf sehr breiten, aber wenig befahrenen Straßen in Richtung Longmen- Grotten.

Strahlender Sonnenschein mit gemessenen 35 Grad und gefühlten 45 Grad Celsius begleitet uns den ganzen Tag und es gibt Gerüchte, dass wir wohl den letzten Regen für lange lange Zeit gesehen haben.

Alle sind nach dem gestrigen opulenten und (feucht) fröhlichen Abend frisch und munter und vor allem gespannt auf eine der ganz großen Sehenswürdigkeiten in Luoyang. Wir werden nicht enttäuscht, sondern sind fasziniert von den Buddha-Figuren, die hier am Fluss in den Stein gehauen sind, einzigartig filigran, aber auch riesig groß. Mit beeindruckender Technik und Gestaltungskunst wurden insgesamt mehr als 90.000 Figuren hier verewigt. Leider hat die Ewigkeit nicht ganz gehalten, weil zur Zeit der Kulturrevolution dieser Menschheitsschatz durch die Roten Garden doch teilweise stark beschädigt wurde. Aber das, was vorhanden ist, beeindruckt gewaltig, sowohl die Figuren selbst wie auch die Einbettung in die Flusslandschaft. Leicht (?) schwitzend erklimmen wir die vielen Treppen zu den Grotten, um die Eindrücke möglichst nah zu erleben. Einige von uns, denen die Aufstiegsstrapazen zu mühsam waren, haben sich dann mit ausgesprochen freundlichen jungen Chinesinnen unterhalten und an einer Umfrage teilgenommen. Unsere begeisterte positive Antwort auf die Frage nach unsren bisherigen Erfahrungen/Begegnungen in China hat ein großes Lächeln auf die schönen Gesichter gezeichnet. Und am Schluss haben unsere Teilnehmerinnen an der Befragung noch einen chinesischen „Orden“ ans Revers geheftet bekommen.

Nun noch einige Erklärungen zu den Buddha-Figuren: Longmen heißt übrigens nicht die „langen Männer“ sondern Drachentor. Drachentor deshalb, weil hier an diesem Fluss ein Wasserfall war und Fische immer mit „aus dem Wasser springen“ versucht haben, die Wasserfallstufen zu überbrücken.
Daraus hat der chinesische Volksmund dann die Sage gemacht, dass die Fische nach der Wasserfallstufe zu den Drachen werden, die den Fluss beschützen.
Die Buddha-Figuren selbst wurden ab ca. 600 n. Chr. bis ins 12. Jahrhundert durch buddhistische Mönche in den Fels geschlagen. Der größte Buddha ist bestimmt über 20 m hoch und ist sitzend dargestellt. Wenn er erst aufsteht, ist er wahrscheinlich einer der Größten der Welt. Nach ca. 2 Std und nachdem wir uns alle (!) wieder glücklich im Bus eingefunden haben, geht es wieder „on the road“. Nach einem kurzen Mittagsschlaf und anschließenden Käsekräckern geht es durch chinesische, fast ortschaftslose Landschaften, die eine Kombination von deutschen Mittelgebirgslandschaften mit toskanischen Zypressenwäldern zeigen und einfach harmonisch und beruhigend auf uns wirken. Auch die zur Pause angefahrene Raststätte stört diese Ruhe und Gelassenheit nicht. Wir sind das einzige Auto auf der Raststätte. Weiter auf der Fahrt lauschen wir einem tiefgehenden Vortrag über Taoismus und Konfuzianismus, sodass wir diese uralten Traditionen und ihre Auswirkungen auf das heutige China besser einordnen können.

Nach wirklich langer Fahrt erreichen wir gegen 20:00 die alte Kaiserstadt Xian. Nach den üblichen Kofferräumen, Beziehen der Zimmer und einer kräftigen Dusche dürfen wird den Abend bei einem benachbarten Restaurant wohlmundend ausklingen lassen. Zufrieden und geschafft gehen wir ins Bett und träumen von chinesischen Kaisern und ihren Armeen, die wir uns morgen anschauen.

Beste Grüße aus einem faszinierenden China
~ Manfred Kennel, ZEIT-Reisender

Tag 8

Xuchang - Shaolin - Luoyang

Heute frühe Weiterfahrt in strömenden, warmen Regen. Auf dem Weg werden sich im Song-Shan-Gebirge gelegenen, berühmten Shaolin-Kloster perfekter Kampfsport der dortigen Mönchsschüler mit dem klösterlichen Geist verbinden. Gegen Abend erreichen wir Luoyang, von wo aus vor knapp 1500 Jahren erstmals der aus Indien kommende Zen-Buddhismus in China Fuß fasste.

Bleiben wir zunächst gespannt auf die kraftvoll-perfekte „Show“ der
Studierenden:

Unterwegs zum Shaolin-Kloster gab uns Reiseleiter Walter Weiss einen ersten Exkurs über das Leben Buddhas, was allerdings beim Umfang des Themas Buddhismus nur ein kleiner Einblick sein konnte. Im Klosterbereich angekommen, waren wir erwartungsgemäß mit Massentourismus konfrontiert, der wie in allen „Hotspots“ immer ein wenig den Blick auf die Harmonie und spirituelle Ausstrahlung solcher Orte verstellt. Unser chinesischer Führer war wie immer bemüht, uns trotz des turbulenten Umfelds die Altäre und auch die Besonderheiten des angrenzenden Pagodenfriedhofs der Mönche zu erläutern.

Nun ging es weiter zum Besuch einer der vielen Shaolin-Schulen, wo vorwiegend Knaben schulisch und sportlich ausgebildet werden, was nach Abschluss zu einem beruflichen Werdegang beitragen kann.

Die Vorführung war recht spektakulär mit einigen solistischen Sondereinlagen. Dazu zählten ein sehr junger Akteur, der endlose Verrenkungen demonstrierte, und ein anderer, der sich auf einer Speerspitze liegend drehte.

Danach ging es bei strömendem Regen, der uns diesen ganzen Tag begleitete, nach Luoyang ins Hotel, wo wir vom Vorsitzenden des lokalen Museumsvereins mit Bier und Schnaps begrüßt wurden.

Nach dem Abendessen hielt Felix Lee, deutsch-chinesischer Journalist aus Beijing, der uns seit Verlassen Shanghais professionell und kompetent mit Informationen zu China versorgt hatte, sein Abschiedsreferat. Thema: die Entwicklung Chinas seit Mao bis zur Jetztzeit. Mit herzlichem und kräftigem Applaus wurde er für seine exzellenten Ausführungen von allen Teilnehmern bedankt und verabschiedet.

~ Jürgen Perlich, ZEIT-Reisender

Tag 7

Bengbu - Xuchang

Hinterm Horizont geht’s weiter, ein neuer Tag …

Unser heutiges Etappenziel ist Xuchang, knapp 400km Fahrtstrecke von Bengbu aus in die Nachbarprovinz Henan. Die gesamte Strecke führt durch eine grüne Tiefebene und der Anblick der Felder, Wiesen, Bäume, Teiche und Enten ist nach Tagen pulsierenden Großstadtlebens eine angenehme Abwechslung.

Felix und Michael unsere beiden chinesischen Begleiter unterhalten uns mit Informationen über Land, Politik und Geschichte. So erfahren wir, dass der Anteil der Bauern in der Landwirtschaft zur Zeit noch 45% beträgt, gegenüber 55% Stadtbevölkerung. Das Ziel der Regierung ist es, mittels Urbanisierung den Anteil der Bauern auf 10% innerhalb der nächsten 20 Jahre zu senken, um diesen dann einen ähnlichen Wohlstand zu sichern wie der Stadtbevölkerung.
Es bleibt für so ein großes Land wie China sicher eine Herausforderung alle seine Bewohner zu ernähren. Die große chinesische Hungersnot ist erst 60 Jahre her. Zwischen 1958 und 1961 sind unter Mao ca. 40 Millionen Menschen verhungert.

Das kann uns heute nicht passieren, es wird auf einer Autobahnraststätte zu Mittag gegessen. Das angekündigte „einfache“ Buffet erweist sich als ausgesprochen schmackhaft und vielseitig und mich begeistern immer wieder die auch hier angebotenen Entenköpfe – offensichtlich eine Spezialität.

Am Nachmittag erreichen wir Xuchang und Daniel unser heutiger Fahrer hat nicht nur die Fahrt durch den weltuntergangartigen Wolkenbruch souverän gemeistert, sondern auch die Schlaglöcher auf den letzten Metern.
Das heutige Hotel ist bekannt für seine heißen Quellen, die wir gleich nach der Ankunft aufsuchen. Es geht bei einer Außentemperatur von über 30 Grad tatsächlich noch heißer.

Das Abendessen mit einer guten Flasche chinesischen Rotweins ist der krönende Abschluss des heutigen Tages. Gute Nacht.

~ Hanne Tannhäuser, ZEIT-Reisende

Tag 6

Nanjing - Bengbu

Heute konnten wir ausgiebig ausschlafen, denn der Bus startet erst um 10 Uhr. Wir fahren zum John-Rabe-Haus. Dort werden wir mit einem kritischen Thema der chinesisch/japanischen Geschichte konfrontiert.

Unser örtlicher Reiseleiter erzählt uns, wieso die Chinesen diesen Deutschen so verehren: weil er nämlich 1937 beim Einmarsch der Japaner in Nanjing durch seine Beziehungen und seinen Einsatz Tausenden Chinesen das Leben gerettet hat. Er beklagt dann aber sehr, dass die Japaner sich für das Massaker von Nanjing bis heute nicht bei den Chinesen entschuldigt hätten.

Als wir wieder alleine sind, stellt Felix Lee – der China-Korrespondent der taz – uns seine Sicht der Dinge vor: Genaue Zahlen über die Anzahl der Opfer und der Geretteten dieses Massakers lägen nicht vor. Es seien damals schlimme Verbrechen geschehen und es sei anerkennenswert, wie John Rabe als Nazi hier überaus menschlich gehandelt habe.
Weiter seien seitens der Japaner bereits mehrfach Entschuldigungen ausgesprochen worden, die allerdings die Chinesen als halbherzig empfänden und deshalb nicht wirklich akzeptieren könnten. So sei dieses Thema immer wieder geeignet – wie wir auch an der Darstellung des Reiseführers merken konnten – Ressentiments zwischen Chinesen und Japanern zu schüren.

Schön, dass wir dank dieser zusätzlichen Informationen die Sache differenzierter sehen können.

Wir verlassen Nanjing auf Schatten spendenden Platanen-Alleen und überqueren mehrere sehr breite Arme des Yangtse-Flusses.Der Yangtse teilt das Land hier in Nord- und Süd-China: In Nord-China haben die Häuser Heizungen, in Süd-China müssen die Menschen im Winter in ihren Wohnungen frieren.

Wir frieren im Augenblick allerdings überhaupt nicht. Als unser Busfahrer Jens auf einem Autobahnrastplatz zu einer ersten Kaffeepause einlädt, misst Klaus-Jürgen mit seinem Thermometer 36 Grad Celsius bei 69% Luftfeuchtigkeit.Deshalb kommen alle schnell mit ihrem Kaffeebecher, um wieder auf 100% aufzufüllen. An die Chinesen, die uns und unseren Bus fotografieren, haben wir uns ja schon gewöhnt. Dafür staunen wir über 40 m lange Autotransporter, beladen mit 14 PKWs.

Die Fahrt geht weiter vorbei an intensiv bestellten Feldern und Heüüüü Chenyang – genannt Michael – klärt uns auf über die schwierige Situation der Landbevölkerung. Über die Hälfte der chinesischen Bevölkerung lebt auf dem Land und hat härtere Lebensbedingungen als die Menschen in der Stadt: Da Bauern als Selbständige gelten, müssen sie selbst für ihre Kranken- und Altersversicherung sorgen, was sie nicht bezahlen können. Deshalb gilt es auf dem Land immer noch als wichtig, einen Sohn zu haben, denn der Sohn trägt die Verantwortung für die Alten.
Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Um gegenzusteuern, ist Urbanisierung das erklärte Ziel der Regierung. Die Menschen sollen weg vom Land. Dafür werden mitten im Nichts Millionenstädte mit Hochhäusern hochgezogen.

Genauso eine Stadt steuern wir am Nachmittag an: Bengbu, 3,5 Mio. Einwohner.
Wo vor 15-20 Jahren noch Felder waren, sind jetzt Straßen, Hochhäuser und unser Hotel.

Schnell sind die Schlüssel und Koffer verteilt und alle ziehen sich in ihre Zimmer zurück. Vor dem Abendessen treffen wir uns in der Halle zu einem Zeit-Salon.

Christopher stellt uns seine Abteilung “Zeit-Reisen” vor und wir erfahren einiges über die Ziele und Vorgehensweisen bei der Planung der Reisen.

Es wird im Gespräch deutlich, wie zufrieden alle mit dem bisherigen Reiseverlauf und mit der fachlichen, literarischen und emotionalen Betreuung durch die Reiseleiter sind. Die engagierte und fachlich hochqualifizierte Begleitung durch den Korrespondenten Felix Lee ist nach einhelliger Meinung eine große Bereicherung für uns alle.

Am Abend wird es sehr chinesisch: auf dem großen Platz vor dem Hotel wimmelt es nur so vor Menschen. Männer, Frauen und Kinder bewegen sich nach Musik und tanzen in Gruppen oder paarweise. Wie Felix uns erzählt, ist das in ganz China so üblich – und wir fragen uns, ob wir diesen guten Brauch nicht einfach übernehmen sollten.

~ Ilona und Günter Haß, ZEIT-Reisende

Tag 5

Nanjing

Der heutige Tag in Nanjing lässt sich geruhsam an. Die Erkältung einzelner Mitreisender scheint sich ein bisschen auszubreiten, aber die Stimmung ist nach wie vor gut.

Nanjing ist bekannt als einer der drei „Backöfen“ Chinas, was bei Temperaturen von 32°C und 93% Luftfeuchtigkeit gut nachvollziehbar ist. Um 9:30 Uhr machen wir uns auf den Weg in die Altstadt mit unserem lokalen Reiseführer Wang (= König), der sein Deutsch in Bautzen als „Gastarbeiter“ gelernt hat und stolz darauf ist, die Wende 1989 persönlich miterlebt zu haben.

Nanjing (Süd-Hauptstadt) hat eine Geschichte von über 2000 Jahren. Es war u.a. von 1928 – 1937 Hauptstadt der neuen Republik unter der Guomindang-Regierung, die später in die neu gegründete Republik Taiwan flüchtete.

Das traumatischste Ereignis hier war das grausame Massaker im Jahr 1937 und die vollständige Zerstörung durch japanische Truppen. Die Zahl der Opfer betrug bis zu 300.000 Menschen.

Der Konfuzius-Tempel mitten in der Altstadt dicht bei der Brücke der Tugend lag früher mitten in einem Rotlichtviertel. Der Konfuzianismus ist eine Wurzel der chinesischen moralisch-ethischen Denkweise mit den 5 Konstanten: Gutherzigkeit, Gerechtigkeit, Sittlichkeit, Weisheit und Verlässlichkeit. Konfuzius wurde vor 2.500 Jahren geboren. Wir machen einen Schweiß treibenden Rundgang durch den Konfuzius-Tempel mit vielen traditionellen Musikinstrumenten, jeder Menge roter Bitttäfelchen und dem Ort der ehemaligen Schule, die auf die Beamtenprüfung vorbereitete.

Konfuziustempel

Anschließend fahren wir weiter zur Werft der historischen Dschunkenflotte, die schon vor Christoph Kolumbus mehr als 30 Länder bis Nordafrika erreichte. Eine Nachbildung der Leitdschunke ist in dem Park aufgestellt.

Dschunke

Nach dem üblichen üppigen Mittagessen folgt ein außerplanmäßiger Höhepunkt. Einige männliche und weibliche Mitreisende buchen eine Massage in einem naheliegenden Salon. Die einfachste Form ist eine Fußmassage, die umfangreichere besteht in einer Ganzkörpermassage, die in der Tat den gesamten Körper auf Vordermann bringt. Die Behandlung ist verglichen mit deutschen physiotherapeutischen Methoden recht robust und gipfelt darin, dass die zum Glück nicht sehr schweren Masseurinnen dem Patienten für einen Augenblick auf den Rücken steigen. Diese für alle sehr unterhaltsame Behandlung war Gesprächsstoff für einen langen und immer lustiger werdenden Abend. Die Aufarbeitung dieses Ereignisses führte zu immer neuen Plänen für die weitere Gestaltung der Reise.

PS: Es handelte sich um ein seriöses Etablissement.

~ Klaus-J. Wilhelm, ZEIT-Reisender

Tag 4

Wuxi - Nanjing

Der vierte Tag on the road beginnt meditativ – mit dem Blick aus dem Hubin-Hotel, dem Rolls-Royce unter den Luxusherbergen von Wuxi, auf den Taihu-See. Von der Dachterrasse, auf der wir am Abend zuvor gemeinsam zu später Stunde noch manch Cocktail und die subtropisch-laue Nachtluft genossen haben, bietet sich ein für die so übervölkerte Jangtse-Region ungewohnt idyllisches Bild: dichtes Grün, ein weitläufiger Park bis hinaus ans Ufer reichend, überragt einzig von einer einsamen, alten Pagode; dahinter, im Morgendunst, von feinem Nieselregen schraffiert, und durchsetzt von ebenfalls grünen, unbebauten Inseln, der Tai Hu… Eine romantische Naturlandschaft wie auf einer daoistischen Tuschzeichnung.

Fehlte bloß noch, irgendwo winzig eingestreut, der weise, rauschebärtige Eremit vor seiner Klause. Die Wohnsilos, zugegeben, die rechts und links dieses Panoramaausschnitts zwanzig-, dreißig- vierzigstöckig in schier endlosen Reihen bis zum Horizont gestaffelt stehen, lassen wir aus dem Gesichtsfeld geflissentlich ausgeblendet.

In ausgewählter Beschaulichkeit verbringen wir auch den Vormittag:
Zunächst schaukeln wir an Bord einer Motordschunke durch eine Bucht dieses mit 2.250 Quadratmetern immerhin drittgrößten Süßwassersees Chinas.

Seidenstrasse-Blog-2017-Rueckreise-Tag4-Bild_1

Es folgt ein Spaziergang durch Lan Yuan, den „Orchideengarten“ – eine in den 1930-Jahren nach allen Gesetzen der klassischen chinesischen Gartenarchitektur und des Feng Shui wohlarrangierten „Wildnis“. Mit ihren Steinbrückchen, Quellbrunnen, bizarren Kalkfelsen, stillen, von Goldfischschwärmen bevölkerten und großfächrigem Lotos bewachsenen Teichen sowie den vielerlei exotischen Bäumen und Sträuchern wirkt sie nach dem Shanghaier Dschungel aus vertikalem Glas und Stahlbeton trotz der schweißtreibenden Schwüle (31° bei 90% Luftfeuchtigkeit) als Labsal für die Sinne.

Das Mittagsmahl im Uferrestaurant erweist sich, wie nun schon gewohnt, erneut als kunterbuntes Feuerwerk überraschender Geschmäcker. Danach lotst Chenyang alias Michael, unser China-Guide und organisatorischer Tausendsassa, Chefkapitän Holger am Steuer seines stolzen Neoplan-Dreiachsers mittels Navi-App hinaus aus der Sieben-Millionen-Stadt Wuxi. Nächste Destination: Nanjing, gut 200 km westnordwestlich gelegen, mehrmals in der mehrtausendjährigen Landesgeschichte Kaisersitz und heute Heimat von läppischen acht Millionen Menschen.

Wenig später, bei einem Raststättenstopp an dem vielspurigen Highway, erfüllt unser ZEIT REISEN-Bus dann das erste Mal jene Zusatzfunktion, die er schon auf den drei bisherigen Seidenstraßenfahrten perfekt geübt hat – die eines Katalysators spontaner Völkerverständigung. Ungläubig beäugen auf dem Parkplatz Chinesen das Gefährt wie einen gestrandeten Wal, umwandern ihn, studieren staunend die an beiden Karosserieflanken aufgebrachte Reiseroute. Hat man sowas schon gesehen? Auf vier Rädern von Shanghai bis nach „De Guo“, Deutschland! Und dann werden die Kameras gezückt. Großes Hallo, Gelächter, Um-die-Schultern-Fassen: Die Kulturbotschafter aus Deutschland mutieren zu begehrten Fotomodellen.

Frauen, Männer, Jung und Alt wollen ein Erinnerungsbild mit den abenteuerlustigen Langnasen. Dieses seelenwärmende Ritual werden wir in den kommenden 50 Tagen wohl noch sehr oft erleben. Was auffällt, ist die wohltuende Ungezwungenheit und Heiterkeit, mit der die Einheimischen uns ausländischen Gästen generell begegnen – ein, soviel dürfen wir jetzt schon verallgemeinern, überaus freundliches, fröhliches 1,4 Milliarden-Völkchen.

Auf der weiteren Strecke erläutert Felix Lee, seines Zeichens ZEIT Online-Korrespondent mit Sitz in Beijing, der uns während der ersten Reisewoche als wandelndes China-Lexikon mit aktuellen nur erdenklichen Informationen versorgt, vor dem Hintergrund der dramatischen Geschichte seiner eigenen Familie die extrem turbulente und tragische jüngere Vergangenheit Nanjings. Im Fokus seiner Ausführungen: das berühmt-berüchtigte, 1937 von den Japanern an der Stadtbevölkerung verübte Massaker, und der Bruderkrieg zwischen den Truppen von Maos KP und der von Tschiang Kai Chek angeführten Kuomintang, der hier besonders grausam tobte. Der Frage-Antwort-Dialog mäandriert weiter vom Krisenherd Nordkorea zur Geschichte und Gegenwart im Verhältnis zwischen der Volksrepublik und Taiwan, und schließlich, ganz aktuell, zu den Verbalattacken, die Donald Trump via Twitter in Permanenz gegen die neue Wirtschaftsweltmacht China reitet. Nach rund eineinhalb Stunden rollen wir zu guter Letzt, wiederum die nun schon gewohnten, so beeindruckenden wie bedrückenden Spaliere von Hochhäusern entlang, in der Hauptstadt der Provinz Jiangsu ein.

~ Walter M. Weiss, Reiseleiter

Tag 3

Shanghai - Wuxi

Aufbruch gen West

Ab 9:20 Uhr bewegt Holger den langen schwarzen Dreiachser im Schneckentempo durch den morgendlichen Verkehrsstau, so dass man seine abgebrochene Schlafphase noch ein wenig ausdehnen könnte. Wo hinein haben denn die Schlafwandler das super-gesund-und-munter-Frühstück hineingeschaufelt? Ich bin überzeugt, das komplette Kempinski-high-quality-morning-menü, würde – energetisch betrachtet – bis zum abendlichen Aperitif reichen.

Michael und Felix, die beiden Chinalexika mit zwei Beinen informieren uns sachlich, kompetent über die aktuellen Entwicklungen der Stadt Shanghai, der 25 Mio. Metropole, mit Witz und Sorgfalt. Diese echte Weltstadt verströmt Geschäftstüchtigkeit, Coolness, Prosperität; vielleicht sogar Eitelkeit. Manchmal zeigt sie besonderen Charme und liebenswerte Ecken. Vor knapp 2000 Jahren schwappte hier noch das Meer, besser der Yangtse-Fluss, den sandigen Boden heran. Und heute zerteilen gepflegte dreispurige Stadtautobahnen in beide Richtungen fünfundzwanzig Stockwerke hohen Wohnsilos voneinander. Das rasante Entwicklungstempo ist deutlich spürbar, man hat sogar den Eindruck sich in einer gut geordneten Dauerbaustelle zu bewegen.

Nach einer guten Stunde erreichen wir die Nachbarstadt Wuxi. Wuxi (“ohne Zinn”) liegt im Süden der Provinz Jiangsu. Wir fahren durch den weitläufigen Xihui-Park, in dem sich auch der Hui-Berg befindet. In seiner Nähe wird das Material abgebaut für die bekannten bunt bemalten Tonfiguren, die seit einigen hundert Jahren in der Wuxi-Gegend hergestellt werden. Meist werden sie nach mythischen Motiven und Legenden dieser Bergwelt frei aus der Hand geformt, an der Luft getrocknet und Farben froh bemalt.
Für eine knappe Stunde, … Schluss mit lustig. Jetzt gebührt dem diplomatischen Protokoll alle Aufmerksamkeit. In der ersten Reihe die chinesische Delegation mit als Partner, unsere Reiseleitung vertreten durch Walter Weiss und Christopher Alexander.

Christopher Alexander, Leiter von ZEIT REISEN
Walter Weiss, Reiseleiter
Walter Weiss, Reiseleiter

Klar, geht es nicht nur um die aktuelle politische “Neue Seidenstrasse”, sondern, um den kulturellen Austausch von reiseenthusiastischen Deutschen, die in China mit offenen Armen empfangen wurden. Damit ist unsere ganze Truppe plötzlich zu Kulturbotschaftern geadelt geworden.
Gruppenfoto Kulturbotschafter

Ich auch!? Wie wird mich diese Auszeichnung in den nächsten Wochen begleiten? Was wird davon weiterschwingen, wenn ich mit ZEIT-Reisen unterwegs bin? Welche der Kulturbotschafter werden sich wo wieder treffen? Viele Fragen, noch ohne Antworten! Aber viel Hoffnung!

~ Thomas Birkelbach, ZEIT-Reisender

Tag 2

Shanghai

Zwischen Metropole und Geschichte

Am gestrigen Nachmittag war unsere Reisegruppe mit Teilnehmern und Reiseleitern komplett. Bei einem gemeinsamen Abendessen im Hotel wurden wir mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche vertraut gemacht. Es wurden erste Kontakte geknüpft und die wichtigsten organisatorischen Hinweise für den Ablauf der Reise gegeben.

Wir Teilnehmer werden uns in den nächsten Wochen in der Obhut eines hochkarätigen Experten- und Organisations-Teams befinden, so dass wir uns ganz auf den Genuss dieser Reise einlassen können.

Am Morgen holt uns ein Shanghaier Touristen-Bus zu einer Stadtrundfahrt ab. Auf der Aussichtsplattform des Jin Mao Tower, der bei seiner Eröffnung 1999 das höchste Gebäude der Welt war, müssen wir heute den Kopf in den Nacken legen, um zum inzwischen höchsten Gebäude der Welt, dem Shanghai Tower, hochzuschauen. Der Himmel ist noch klar, und die Aussicht nach unten ist atemberaubend.

Tower auf den berühmten Bund, die Uferpromenade auf der anderen Flussseite

Das frühere französische Stadtviertel wurde wunderschön renoviert und hat sich zu einem Einkaufs- und Ausgehviertel entwickelt. Rund um das Gebäude, in dem 1921 die Gründungsversammlung der Kommunistischen Partei Chinas abgehalten wurde, werden heute die teuersten Edelmarken verkauft.

Der Handelsweg, den wir bereisen werden, wurde nach einer außerordentlich kostbaren Ware benannt. Was liegt also näher, als gleich am ersten Tag eine Seidenspinnerei zu besichtigen. Nach einer ausführlichen Führung zur Herstellung und Verwendung können auch Seidenprodukte erworben werden.

Wir beschließen die Stadtbesichtigung am Bund mit einem kurzen Spaziergang und anschließendem Panorama-Blick aus einer Bar im 7. Stock. Da alle Hochhäuser bei Einbruch der Dunkelheit gegen 19:00 Uhr beleuchtet werden, stört der Regen die Aussicht nicht sehr.

In der Nacht gibt es ein Gewitter.

~ Renée Wilhelm, ZEIT-Reisende

Tag 1

Ankunft in Shanghai

Der Startschuss ist gefallen: Die Reise kann beginnen!

Es ist soweit! Die große Reise auf der Seidenstraße von Shanghai – Hamburg kann nun endlich beginnen. 25 ZEIT Reisegäste haben sich über die letzten drei Tage hier in Shanghai eingefunden.

Skyline Shanghai

Die Aufregung ist groß, das es nach all den Monaten der Vorfreude nun endlich losgehen kann. Einige haben die letzten Tage schon in und um Shanghai ihren Jetlag ablegen können und berichten von ersten Eindrücken. Andere (wenige) kommen “just-in-time”.

Am Abend trifft sich die Reisegruppe mit dem Team zum ersten gemeinsamen Abendessen und das Team stellt sich vor: unsere drei Busfahrer Holger, Daniel und Jens, unser deutschsprachiger lokaler Guide He Chenyang, unser Experte Felix Lee und nicht zuletzt unser durchgehender Reiseleiter Walter Weiss – und ich, der auch für zwei Wochen mit an Bord sein wird. Nach einem vorzüglichen Essen geht es noch auf einen Drink an die Bar. Und morgen wartet Shanghai mit all seinen Facetten auf uns.

~ Christopher Alexander, Leiter ZEIT REISEN

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Reiseprogramm : Tag 1 - 27

CHINA

Shanghai – Kirgistan

1. Tag | Do. 29.6.2017 |
Shanghai
Individuelle Ankunft in Shanghai

2. Tag | Fr. 30.6.2017 | Ruhetag
Shanghai
Stadtrundfahrt

3. Tag | Sa. 1.7.2017 | 154 km
Shanghai – Wuxi
Fahrt nach Wuxi – Bootsfahrt mit Dschunke – Altstadt

4. Tag | So. 2.7.2017 |  207 km
Wuxi – Nanjing
Chinesischer Garten – Fahrt nach Nanjing

5. Tag | Mo. 3.7.2017 | Ruhetag
Nanjing
Stadtführung -Konfuzius-Tempel – John-Rabe-Haus

6. Tag | Di. 4.7.2017 | 203 km
Nanjing – Bengbu
Fahrt nach Bengbu

7. Tag | Mi. 5.7.2017 | 396 km
Bengbu – Xuchang
Heiße Quellen

8. Tag | Do. 6.7.2017 | 256 km
Xuchang – Luoyang
Shaolin-Kloster – Kampfsportvorführung – Fahrt nach Luoyang

9. Tag | Fr. 7.7.2017 | 373 km
Luoyang – Xi’an
Longmen-Grotten

10. Tag | Sa. 8.7.2017 | Ruhetag
Xi’an
Besichtigung der berühmten Terrakotta-
Armee und Besuch der Altstadt und Moschee

11. Tag | So. 9.7.2017  | 172 km
Xi’an – Baoji
Fahrt nach Baoji

12. Tag | Mo. 10.7.2017 | 481 km
Baoji – Lanzhou
Fahrt nach Lanzhou

13. Tag | Di. 11.7.2017 | Ruhetag
Lanzhou
Stadtbesichtigung und Park der Weißen Pagode,
Besichtigung des Wuquan-Berges

14. Tag | Mi. 12.7.2017 | 509 km
Lanzhou – Zhanhye
Großer liegender Buddah von Zhanhye

15. Tag | Do. 13.7.2017 | 228 km
Zhangye – Jiayuguan
Daxia Geopark – Große Mauer – Festung Jiayuguan

16. Tag | Fr. 14.7.2017 | 370 km
Jiayuguan – Dunchuang
Fahrt nach Dunchuang

17. Tag | Sa. 15.7.2017 | Ruhetag
Dunchuang
Dünen – Mondsichelsee – Mogao-Grotten

18. Tag | So. 16.7.2017 | 416 km
Dunchuang – Hami

19. Tag | Mo. 17.7.2017 | 404 km
Hami – Turfan
Ruinenstadt Jiaohe

20. Tag | Di. 18.7.2017 | Ruhetag
Turfan
Besichtigung der Flammenden Berge, Buddha-
Grotten von Bezeklik, Ruinenstadt Gaochang

21. Tag | Mi. 19.7.2017 | 404 km
Turfan – Korla
Bewässerungssystem Karez

22. Tag | Do. 20.7.2017 | 297
Korla – Kucha
Klosterruinen in Subashi

23. Tag | Fr. 21.7.2017 | 252 km
Kucha- Aksu
Buddha-Grotten von Kizil,
Besichtigung eines alten Feuersignalturms

24. Tag | Sa. 22.7.2017 | 463 km
Aksu – Kashgar

25. Tag | So. 23.7.2017 | Ruhetag
Kashgar
Stadtbesichtigung in der Altstadt – Basar –
Grab Duftende Konkubine –
Besichtigung des Abakh-Hodscha-Mausoleum

26. Tag | Mo. 24.7.2017 | Ruhetag
Kashgar

27. Tag | Di. 25.7.2017 | 324 km
Kashgar – Sary Tash
Grenzübertritt Kirgistan

Reiseprogramm: Tag 28 - 40

ZENTRALASIEN

Kirgistan – Russland

28. Tag | Mi. 26.7.2017 | 312 km
Sary Tash – Fergana
Taldyk-Pass, Grenzübertritt Usbekistan

29. Tag | Do. 27.7.2017 | Ruhetag
Fergana
Seidenweberei Margillian,
Keramik-Werbstann

30. Tag | Fr. 28.7.2017 | 324 km
Fergana – Tashkent
Kamchik-Pass (Umstieg in PKW’s!),
Ankunft in Tashkent

31. Tag | Sa. 29.7.2017 | 311 km
Tashkent – Samarkand
Stadtbesichtigung Tashkent, Melonenmarkt,
Fahrt nach Samarkand

32. Tag | So. 30.7.2017 | Ruhetag
Samarkand
Stadtbesichtigung: Registan-Platz,
Moschee Bibi Khanum, Basar

33. Tag | Mo. 31.7.2017 | 278 km
Samarkand – Buchara
Karge Hügel der Steppe, weite Baumwollfelder,
Ankunft Buchara

34. Tag | Di. 1.8.2017 | Ruhetag
Buchara
Festung Ark, Moschee Kalon, Überdachte Basare,
Karawanserei

35. Tag | Mi. 2.8.2017 | 456 km
Buchara – Khiva
Wüstenstraße, Amudarja, Ankunft Khiva

36. Tag | Do. 3.8.2017 | 197 km
Khiva – Nukus
Stadtführung in Khiva, Fahrt entlang Baumwollfelder
nach Nukus

37. Tag | Fr. 4.8.2017 | 271 km
Nukus – Jazliq
Sawitzki-Museum, Fahrt durch Wüste Kyzylkum

38. Tag | Sa. 5.8.2017 | 454 km
Jazliq – Kul’Sary
Grenzübertritt Kasachstan, Fahrt nach Kul’Sary

39. Tag | So. 6.8.2017 | 227 km
Kul’Sary – Atyrau
Muslimischer Friedhof Dossor, Stadtbesichtigung
in Atyrau, Ural

40. Tag | Mo. 7.8.2017 | 357 km
Atyrau – Astrachan
Grenzübertritt Russland

Reiseprogramm: Tag 41 - 53

EUROPA

Astrachan – Hamburg

41 . Tag | Di. 8.8.2017 | Ruhetag
Astrachan
Stadtbesichtigung in Astrachan, Kreml,
Bootsfahrt auf der Wolga

42. Tag | Mi. 9.8.2017 | 423 km
Astrachan – Wolgograd
Wälder & Dörfer, Ankunft in Wolgograd

43. Tag | Do. 10.8.2017 | Ruhetag
Wolgograd
Stadtbesichtigung durch Wolgograd,
feierliche Zeremonie

44. Tag | Fr. 11.8.2017 | 581 km
Wolgograd – Woronesch
Überlandsfahrt nach Woronesch

45. Tag | Sa. 12.8.2017 | 343 km
Woronesch – Orjol
Fahrt nach Orjol

46. Tag | So. 13.8.2017 | 401 km
Orjol – Homel
Grenzübertritt nach Weißrussland

47. Tag | Mo. 14.8.2017 | 531 km
Homel – Brest
Fahrt durch Südweißrussland

48. Tag | Di. 15.8.2017 | 205 km
Brest – Warschau
Grenzübertritt Polen, Weiterfahrt Warschau

49. Tag | Mi. 16.8.2017 | Ruhetag
Warschau
Stadtbesichtigung, Besuch des Königsschlosses,
Musikalischer Abend

50. Tag | Do. 17.8.2017 | 310 km
Warschau – Posen
Weiterfahrt nach Posen, Besichtigung der
Altstadt Posens

51. Tag | Fr. 18.8.2017 | 271 km
Posen – Berlin
Grenzübertritt nach Deutschland,
Weiterfahrt nach Berlin

52. Tag | Sa. 19.8.2017 | 288 km
Berlin – Hamburg
Fahrt nach Baoji durch eine fruchtbare
und hügelige Landschaft

53. Tag | So. 20.8.2017 |
Hamburg
Individuelle Rückreise

WIR STELLEN VOR

Ihre Reisebegleitung

Auf der Kultuexpedition begleiten Sie fachkundige Reiseleiter und ZEIT-Köpfe, die Ihnen Wissenwertes über die Destinationen berichten und neue Perspektiven eröffnen.

Walter Weiss

Walter Weiss ist seit über drei Jahrzehnten als freier Autor tätig. Er hat, vor allem über die Islamische und Buddhistische Welt, eine Vielzahl an Reise- und Sachbücher publiziert. Parallel leitet er seit vielen Jahren ausgewählte Studienreisen nach Asien und Nordafrika. Er begleitet unsere ZEIT-Reisenden auf der gesamten Reise von Shanghai nach Hamburg.

»Personen, die viel auf Reisen sind und immer neue Orte und Menschen sehen, zeichnen sich durch eine gewisse Lebensfrische aus, an der es denen mangelt, die jahrein, jahraus am selben Platz leben.«

Felix Lee

Felix Lee ist China-Korrespondent der taz – die tageszeitung mit sitz in Peking. Seit 2012 schreibt er für rund ein Dutzend weiterer Tageszeitungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auf ZEIT Online betrieb er bis 2015 den China Blog und ist auch weiterhin regelmäßiger Autor. Er begleitet unsere ZEIT-Reisenden von Shanghai nach Luoyang.

»Reisen bedeutet für mich die aktive Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, sowie deren politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Eigenheiten. Als Korrespondent bin ich zugleich in der glücklichen Lage, mein Hobby zum Beruf machen zu können.«

Christopher Alexander

alexander-christopher-seidenstrasse-blog-2017

Christopher Alexander stammt aus Hamburg und arbeitet seit 2007 bei der ZEIT. Seit 2009 leitet er ZEIT REISEN. Der Blick »hinter die Kulissen« und das Besondere der Menschen und Kulturen ist es, was ihn auch bei ZEIT REISEN immer wieder fasziniert. Als Urlaubsziele bevorzugt er ferne Länder mit möglichst fremden Kulturen oder europäische Reisziele, in denen sich familienfreundliche Entspannung und interessante Begegnungen in einem kulturellen Umfeld kombinieren lassen. Herr Alexander begleitet die Reisenden von Shanghai bis Dunhuang.

»Reisen bedeutet für mich einen Horizont zu erweitern und zu lernen.«

Liu Guosheng

Lui Guosheng

Liu Guosheng gründete 1998 CHINA TOURS und ist heute Geschäftsführer und China-Spezialist. Er ist Vorsitzender der Gesellschaft Deutsch-Chinesischer Verständigung und Seidenstraße-Experte. Herr Guosheng ist von Turfan (China) bis Kashgar (China) an der Seite unserer ZEIT-Reisenden.

»Reisen bedeutet für mich einen wichtigen Bestandteil des Lebens, das wiederum ein Weg zu mir selbst führt. Die wichtigste Frage auf dem lebensweg ist für mich, was ich am Ende des Weges gelernt habe.«

Birgit Brauer

brauer-birgit-seidenstrasse-blog-2017

Birgit Brauer ist Journalistin und Zentralasienexpertin. Für den britischen »Economist« war sie viele Jahre Zentralasienkorrespondentin mit Sitz in Almaty/Kasachstan. Sie wird die Reise von Tashkent (Usbekistan) bis Atyrau begleiten.

»Der Weg ist das Ziel.«

Johannes Voswinkel

An der Universität hat er zwei Studienfächer belegt, die ihn automatisch in fremde Länder zogen – Romanistik und Slawistik. Nach dem Examen und der Ausbildung an der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule ging er 1998 als Korrespondent des STERNs nach Moskau. Seit 2002 berichtet er für die ZEIT aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Unsere Leser begleitet er auf der Tour von Astrachan bis Woronesch (Russland).

»Reisen bedeutet für mich mehr zu erfahren über die Welt – und mich selbst. Die Neugier nicht zu verlieren, manch Fremdes anzunehmen und manch Bekanntes mehr zu schätzen.«

Alexander Sambuk

sambuk-alexander-seidenstrasse-blog-2017

Alexander Sambuk ist russischer Journalist, Redakteur, Publizist und Fernsehmoderator. Der gebürtige Weißrusse schreibt auch für die ZEIT und spricht ausgezeichnet Deutsch. Er begleitet die Tour von Homel bis Berlin.

»Reisen bedeutet für mich eine Auseinandersetzung mit Grenzen, sowie mit realen als auch eingebildeten, sei es zwischen Ländern, Kulturen oder Menschen, um am Ende immer wieder zu erfahren, wie begrenzt meine Welt doch war... vor dem Antritt der letzten Reise.«

Exklusive ZEIT-Reise
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    Auch 2018 startet wieder unsere einmalige Kulturexpedition in einem Bus mit allem Komfort auf der neuen Seidenstraße am Helmut-Schmidt-Haus. Das Reiseziel nach 38 Etappen durch Polen, Weißrussland, Russland, Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan ist Shanghai. Korrespondenten und Redakteure der ZEIT sowie weitere Experten vermitteln Ihnen Wissen über Geschichte und Politik. Freuen Sie sich auf einmalige Erlebnisse!
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    Shanghai-Hamburg

    ab 16.900 EUR

    Auf der neuen Seidenstraße von Shanghai nach Hamburg

    Von Shanghai nach Hamburg führt Sie diese Reise durch spannende Destinationen. Erleben Sie Russland von Ost nach West: Freuen Sie sich auf die Mongolei, Sibirien, die Taiga, die Hauptstadt Moskau sowie St. Petersburg, das Baltikum und ihr Ziel, Hamburg! Ein unglaubliches Abenteuer, auf welchem Sie von ZEIT-Experten begleitet werden. Egal in welche Richtung Sie fahren, einmalig wird diese Reise auf jeden Fall!
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