Piemont – Entdeckung der Langsamkeit
Lernen Sie mit uns den okzitanischen Kulturraum der italienischen Westalpen kennen! Es ist eine Welt, in der die Zeit rückwärts zu laufen scheint – sichtbar daran, dass die Natur die vom Menschen gestaltete Berglandschaft zurückzuerobern beginnt und selbst vor den Dörfern nicht Halt macht. Dieses Jahr wandern wir vom Varaitatal ins Granatal und bleiben dabei im Gravitationsfeld des fast 4.000 Meter hohen Monviso. Wir folgen dem legendären Weitwanderweg Grande Traversata delle Alpi (GTA), meiden aber die alpinistischere Hauptroute – zugunsten des Lebensraums der lokalen Bergbevölkerung, die nach wie vor okzitanisch, die Sprache der mittelalterlichen Minnesänger, spricht. In familiären Trattorien genießen wir die piemontesische Küche, laut Friedrich Nietzsche »die beste der Welt«. Um die vielen kaum noch gepflegten Saumpfade zu meistern, brauchen Sie Bergwandererfahrung und eine gute Grundkondition. Unterkünfte mit internationalen Standards sollten Sie ebenfalls nicht erwarten – wir bewegen uns durch eine Abwanderungsregion ohne nennenswerte touristische Infrastruktur.
Höhepunkte:
- Unterwegs auf Wegen und durch Orte, die in keinem Reiseführer zu finden sind
- Begegnung mit den letzten Bewohnern einer untergehenden Kulturlandschaft
- Exzellente piemontesische Abendmenüs
- Treffen mit dem engagierten Linguisten Sergio Gilardino
- Erlebnis der Stille in grandioser Landschaft
Reiseleiter:
Dr. Gerhard Fitzthum
1. Anreise ins Varaitatal
Individuelle Anreise nach Rore. Gemütliches Abendessen in einem behaglichen Familienhotel und erste Infos zur Wanderwoche.
2. Aufstieg in die Welt der Almen
Akklimatisationstour mit immerhin 500 Metern Aufstieg. Mittags Picknick in paradiesischer Abgeschiedenheit. Danach Wildwandern durch die aufgelassene Kulturlandschaft zu unserer Unterkunft, einem einfachen Hotel in der Sommerfrische Becetto. Unterwegs lockt noch eine Bademöglichkeit unter einem Wasserfall. + 600 m, - 200 m, Gehzeit: 4 Stunden
3. Hoch über dem Tal
Wir halten heute weitestgehend die Höhe, durchqueren idyllische Almsiedlungen und Blumenwiesen, aus denen die farbenfrohe Artenvielfalt noch nicht herausgedüngt wurde. Die längste Tagesetappe unserer Reise endet mit einem Aufstieg nach Chiesa Bellino, das in der okzitanischen Lokalsprache Blins heißt. Im Winter lebt hier nur noch eine Handvoll Menschen. Den einstigen Wohlstand sieht man dem Ort allerdings noch an: Die Steinhäuser haben mächtige Rundsäulen, repräsentative Portale und opulente Treppenaufgänge. Blins gehörte Jahrhunderte lang zu einer autonomen Bauernrepublik, die vom regen Passverkehr zwischen Savoyen und Frankreich profitierte. + 900 m, - 400 m, Gehzeit: 6,5 Stunden
4. Im Angesicht des Monviso
800 Meter Aufstieg zum Colle Bicocca. Einmaliger Blick auf den 3.800 Meter hohen Monviso. Die Römer hielten die unverwechselbare Granitpyramide für den höchsten Berg der Alpen. Abstieg nach Elva, älteste und abgelegenste Gemeinde des Mairatals. Hier besichtigen wir die romanische Kirche, die Hans Clemer, Hofmaler der Grafen von Saluzzo, Ende des 15. Jahrhunderts ausmalte. Edo Loria, einer der besten Köche der Cottischen Alpen, führt uns nach dem Abendessen noch durch das Museo di Pels: Hier wird die Zeit wieder lebendig, in der die meisten Dorfbewohner im Winter mit der Herstellung und dem Export von Perücken beschäftigt waren. + 800 m, - 700 m, Gehzeit: 5 Stunden
5. Abstieg ins Mairatal
Nach Überquerung eines spektakulären Doppelpasses steigen wir in Richtung Stroppo ab – durch Weiler ohne Straßenanschluss. Es folgen eine ausgiebige Café-Einkehr und ein Bad in der Maira (fakultativ). Danach Transfer ins Seitental von Celle Macra, eine der verlassensten Zonen des Mairatals. Die Übernachtung findet in einem vorbildlich restaurierten Wohnhaus statt, das zur Wanderer-Herberge umgebaut wurde. Es ist still geworden im einstmals prosperierenden Dorf der Sardellenhändler. Umso eindringlicher wirkt das stündliche Läuten der Kirchturmglocken. + 600 m, - 1000 m, Gehzeit: 6 Stunden
6. Auf Pilgerwegen
Anspruchsvolle Hochgebirgstour ins Granatal mit 1.000 Meter Anstieg. Das Tagesziel ist San Magno, eine der höchstgelegenen Wallfahrtsstätten Piemonts. Wir übernachten in alten Pilgerunterkünften, direkt an die Kirche angebaut. Die Stille des Ortes ist überwältigend, die moderne Zivilisation scheint Lichtjahre entfernt. + 1000 m, - 450 m, Gehzeit: 6 Stunden
7. Im Reich des Lehrers
Sehr lange Etappe, die nach weltfernen Panoramapassagen in mehr als 2.000 Metern Höhe erst gegen Abend wieder in die alte Kulturlandschaft hinunterführt – in das vollends vergessene Combouscuro, das »Dunkle Tal«. Zusammen mit Frau und sechs Kindern hat Sergio Arneodo im nahezu entvölkerten Weiler S. Lucio ein okzitanisches Kulturzentrum aufgebaut. Der ehemalige Schullehrer machte damit auf sich aufmerksam, dass er die Kinder in der provencalischen Muttersprache unterrichtete – gegen das Gesetz! Abendessen mit dem Kanadischen Linguisten Sergio Gilardino. Für die Dauer von sechs Jahren hat er sich an dieses Ende der Welt zurückgezogen, um ein sechsbändiges Wörterbuch der Langue d’Oc zu verfassen. Er wird erklären, warum die Bestandsaufnahme sterbender Sprachen so wichtig ist. In gastfreundlicher Atmosphäre feiern wir Abschied – wie immer mit einem leckeren mehrgängigen Menü. + 600 m, - 1.200 m, Gehzeit: 7,5 Stunden
8. Heim- oder Weiterreise
Morgens noch die Möglichkeit Gilardinos Redaktionsräume zu besuchen und einen Einblick in die Arbeitsprozesse zu bekommen. Gegen elf Uhr Transfer zum Bahnhof von Cuneo. Von dort zurück nach Turin – oder zum Entspannen weiter in die Langhe oder das Monferrato. Oder Sie fahren mit der spektakulären Tenda-Bahn an die Riviera.
Achtung: Aufgrund von Witterungseinflüssen können sich die Tagesprogramme kurzfristig ändern.
Unterkünfte:
Albergo degli Amici, Rore/Val Varaita (1 Nacht) einfach
Albergo del Becetto, Becetto/Val Varaita (1 Nacht) einfach
Trattoria del Pelvo, Bellino/Val Varaita (1 Nacht) einfach
Foresteria La Fernisolo, Elva/Valle Maira (1 Nacht) einfach
Locanda Borgata Chiesa, Celle di Macra/Valle Maira (1 Nacht) einfach
Santuario San Magno, Castelmagno/Valle Grana (1 Nacht) einfach
Centro Culturale Combouscuro, S. Lucio/Valle Grana (1 Nacht) einfach
(Änderungen vorbehalten!)
Programmhinweise
Abenteuer GTA
Auf den ersten Blick scheint die Grande Traversata delle Alpi ein gewöhnlicher Fernwanderweg zu sein. Doch die Unterschiede zu anderen Strecken in den Alpen sind enorm: Die GTA folgt ausschließlich historischen Wegen – Wegen, die schon vor Hunderten von Jahren benutzt wurden: von Bauern des Tals, von durchziehenden Händlern und Säumern, später von Schmugglern und Partisanen. Übernachtet wird nicht in der Höhe, sondern in den Talorten selbst. Auf diese Weise kommt es zu einer intensiveren Begegnung mit Geschichte und Gegenwart der hier lebenden Menschen. Andere Wanderer trifft man allerdings nur selten. Dafür erleben Sie das, was in vielen Alpenregionen bereits Geschichte ist: asphaltfreie Bergdörfchen mit einheitlichen Dachlandschaften, unverbaute Talgründe, Bergzüge, die noch nicht mit Liftanlagen und Strommasten verkabelt sind. Auch alte Backhäuser, steingefasste Dorfbrunnen und mittelalterliche Bogenbrücken müssen nicht mühsam gesucht werden – immer wieder steht man plötzlich wieder vor so einem Monument der alpinen Kulturgeschichte. Von Sportarenen, Großparkplätzen oder Bettenburgen bleiben Auge und Ohr dagegen verschont. Allerdings auch von jenem Komfort, den in den bekannteren Teilen der Alpen als selbstverständlich gilt.
Reisevoraussetzung:
Sie unternehmen mittelschwere Bergwanderungen in Höhenbereichen zwischen 800 und 2.300 Metern ohne technische Schwierigkeiten, aber mit An- und Abstiegen von bis zu 1.000 Metern pro Tag. Die Touren dauern in der Regel fünf, an zwei Tagen bis zu sieben Stunden und setzen gute Kondition und Übung im Bergwandern voraus, sind also keinesfalls Spaziergänge! Sie benötigen Wanderschuhe mit Profilsohle (keine Halbschuhe!); Regen-/Sonnenschutz und eine große Wasserflasche.
Generelle Hinweise
Einzelzimmer sind nicht möglich!
Aufgrund von Witterungseinflüssen können sich die Tagesprogramme kurzfristig ändern!
Wird die Mindestteilnehmerzahl nicht erreicht, kann der Veranstalter bis spätestens 21 Tage vor Reisebeginn vom
| Beginn | Ende | Anzahl Teilnehmer | Preis | EZ-Zuschlag | |
|---|---|---|---|---|---|
| 09.06.2012 | 16.06.2012 | Min. 12, Max. 18 | 865 € | - |
Preise pro Person
Enthaltene Leistungen
- Sieben meist einfache Übernachtungen/Frühstück in GTA-Unterkünften (Mehrbettzimmer) und in kleinen Hotels (Zwei- bis Vierbettzimmer), Einzelzimmer sind nicht möglich.
- Hochwertige Abendmenüs (regionale Spezialitäten), Wein inklusive
- Gepäcktransport und Eintritte
- Soforthilfeversicherung
- Jeder Teilnehmer erhält einen DuMont-Reiseführer
Nicht enthaltene Leistungen
- Anreise ins Val Varaita und Abreise von Cuneo; rechtzeitig informieren wir über Anreisemöglichkeiten oder helfen Ihnen bei der Organisation
- Reiserücktrittskosten- und weitere Versicherungen; umfassenden Reiseschutz bietet Ihnen gern unser Partner, die HanseMerkur
| Beginn | Ende | Anzahl Teilnehmer | Preis | EZ-Zuschlag | |
|---|---|---|---|---|---|
| 09.06.2012 | 16.06.2012 | Min. 12, Max. 18 | 865 € | - | Nicht mehr buchbar |
Preise pro Person
Reisesuche
Kontaktieren Sie uns
Telefon: 040 - 32 80 455 | E-Mail: zeitreisen [at] zeit [dot] de
Reisebegleiter
Herr Dr. Gerhard Fitzthum
Der promovierte Geisteswissenschaftler Dr. Gerhard Fitzthum verschrieb sich der »angewandten Philosophie« – als Reisejournalist und Wanderführer. Weiterlesen
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